|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

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Arena * 01.07.2016  *  ISBN 978-3-401-60216-5

HC 16,99 €  * eBook 13,99 € * Autorin

Klappentext

Durch die Heirat ihrer Mutter mit dem Grafen Frederik von Raben zieht Pippa in ein prächtiges Schloss nach Dänemark. Doch ihre neue Familie birgt ein Geheimnis, das immer mehr Besitz von Pippa ergreift. Seltsame Dinge geschehen und bald weiß sie nicht mehr, was real ist und was nicht. Bei einem Ball begegnet Pippa ihrem verwirrend attraktiven Stiefbruder Niels. Beide kommen sich schnell näher, doch auch Niels scheint nicht ganz ehrlich zu sein. Als Pippa klar wird, welche Mächte in Schloss Ravensholm lauern, muss sie alles aufs Spiel setzen, um die zu retten, die sie liebt …

Meinung

Eines vorweg: Wer mit Glimmernächte eine abgeänderte Version von Titeln wie Selection und Das Juwel erwartet, der liegt trotz des ähnlichen (und durchaus ansehnlichen) Covers weit daneben. Denn hier geht es mehr um Verschwörungen mit einem Hauch von Übersinnlichem.

Zu Beginn des Buches dachte ich ja, die Geschichte würde in eine ganz andere Richtung gehen, als sie es dann letztendlich tat: es wurde so viel über nordische Mythologie gesprochen, über Runen etc, dass ich mich schon richtig darauf gefreut hatte, eine moderne Version der nordischen Götter zu treffen. Das ist wohl meiner leichten Besessenheit für diese Mythologie geschuldet – ich wollte das auch unbedingt so sehen und habe schon fleißig herumgerätselt, was da nun wohl auf wessen göttlichen Mist gewachsen war. Spoiler: Als die Story dann in Richtung Geheimbünde gekippt ist, war ich sogar richtiggehend enttäuscht – menno. Persönlich weiß ich auch so wenig über diesen Geheimbund, dass ich mir gar kein richtiges Urteil darüber erlauben möchte, ob die beiden Themen jetzt so richtig vereinbar waren. Irgendwie hat es sich aber nicht stimmig angefühlt.

Davon abgesehen fand ich es aber sehr spannend zu beobachten, wie Pippa versucht, hinter die seltsamen Vorkommnisse im Schloss zu kommen und langsam, aber sicher an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Noch einmal zur Verwirrung tragen die eingeschobenen Erinnerungen einer unbekannten Person bei. Ich hatte mehrere wilde Theorien, was genau los war, auch wenn ich schon früh einen Verdacht hatte, wer es nicht gut mit Pippa meint. Sicher, wie das funktioniert, war ich aber lange nicht.

Ganz schön gestört hat mich die Instantlove von Pippa und Niels. Ja, Niels ist gutaussehend und sagt lauter tolle, ganz schnulzige Dinge zu ihr, ist aber auf der anderen Seite auch a) anfangs einfach echt mies zu ihr, b) angeblich verrückt und hat sogar einen Betreuer und c) eigentlich fast nie da. Ich hätte es besser gefunden, wenn beide mehr Zeit miteinander verbracht hätten, damit Pippas Vertrauen in ihn berechtigter gewesen wäre.

Einerseits war ich also ganz schön begeistert von Glimmernächte – ich fand es spannend, die Mythologie hat mich begeistert, auf lange Strecke war es für mich auch ziemlich undurchsichtig, was passiert ist. Und am allerbesten: Man musste sich auch zum Schluss, als man wusste, was wirklich los war, noch alle Ungereimtheiten selbst aufdröseln. Ich hasse ja nichts so sehr wie: So, nun sind wir am Ende, also erkläre ich dir dummen Leser jetzt nochmal lang und breit, was wirklich passiert ist. Der Themenwechsel und die Beziehung zwischen Niels und Pippa waren für mich aber leider ganz schöne Minuspunkte.

Fazit

Am Anfang noch mitreißend, hat mich der Themenwechsel persönlich sehr enttäuscht und die Instantlove der Protagonisten war auch nicht meins. Andererseits war es eine spannende, streckenweise gruselige Geschichte, die mich doch gepackt hat.

|Rezension| Claus Bisle „Quintus Zickel und die Schwebewesen“

|Rezension| Claus Bisle „Quintus Zickel und die Schwebewesen“

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Fabulus-Verlag  * 29.02.2016  *  Die Schwebewesentrilogie #1 * ISBN 978-3-944788-16-6

HC 16,95 €  * eBook 12,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Ein verbotener Garten ist das Refugium von Julia und Simon. Eines Tages stoßen sie dort auf den Eigentümer, Professor Quintus Zickel, der die Welt der Düfte und Gerüche erforscht. Als sich sonderbare Vorfälle in ihrem Umfeld ereignen, wird er ihr Verbündeter. Ist Simons Vater in dunkle Machenschaften verstrickt? Welche Rolle spielt der Dieb, der Julia bedroht? Warum fallen mehrere Menschen ins Koma? Der Professor entdeckt den Zusammenhang mit den unsichtbaren Schwebewesen und führt Simon in deren Geheimnisse ein. Nach und nach fügt sich ein Mosaikstück ans andere. Ausgestattet mit übernatürlichen Fähigkeiten und unterstützt von seinen Freunden kann Simon das Rätsel um die Komafälle lösen und Julia retten. Doch ihre Gegner setzen sich zur Wehr …

Meinung

So vieles in der Welt ist noch nicht zufriedenstellend geklärt, so vieles kann noch erforscht und entdeckt werden. Mit diesem Gedanken spielt Quintus Zickel und die Schwebewesen. Denn um die beiden Protagonisten geschehen seltsame Dinge – Julia entdeckt die seltsame Art eines Kaufhauses, Ladendiebstahl zu entlarven und Simons Haushälterin fällt ins Koma, ohne dass dafür ein ersichtlicher Grund besteht. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf den etwas abgedrehten Professor Quintus Zickel und dessen Entdeckung der Schwebewesen.

Die Geschichte klingt an sich ja unheimlich spannend und tatsächlich gibt es da rätselhafte Krankheiten, einen verwilderten Garten, miese Schlägertypen und Verschwörungen zu entdecken. Doch zwischen den ganzen spannenden Ereignissen zieht sich die Geschichte leider immer wieder etwas in die Länge. Das liegt vor allem daran, dass die Protagonisten so unheimlich umständlich denken. Oft dachte ich mir: Das hättest du jetzt aber leichter und erfolgreicher haben können. Das Ende wurde dann doch noch ziemlich rasant, auch wenn die Auflösung des Geheimnisses recht durchschaubar war.

Dabei sind Simon und Julia zwei sympathische Charaktere und auch die anderen Figuren sind eigentlich lebensnah und liebenswert gestaltet. Wahrscheinlich hat es mich deswegen gestört, dass der Professor selbst so überspitzt dargestellt wurde. Es gibt viele gute Beispiele dafür, wie man verrückt und genial miteinander kombinieren kann, ohne es ins Lächerliche kippen zu lassen. Bei Quintus Zickel funktioniert das leider nicht – er ist eine Karikatur zwischen realitätsnahen Figuren. Wobei ich auch an dieser Realitätsnähe noch ein kleines Manko entdeckt habe: die Figuren sprechen genauso gestelzt, wie der Rest der Geschichte geschrieben ist. Es spricht ja nichts dagegen, im Erzählteil auf Umgangssprache zu verzichten und sich als gut ausgewählte Formulierungen zu stützen, doch Kinder in diesem Alter sprechen einfach nicht so.

Sehr schön hingegen fand ich die Idee der Schwebewesen, die zum Beispiel dafür verantwortlich sind, dass Blumen riechen. Man bekommt durch die Augen von Simon ja einen Eindruck davon, wie die Welt aussehen würde, wenn jeder die Schwebewesen sehen könnte – und die Beschreibungen haben schon ein wenig den Wunsch geweckt, diese bunten, quirligen, glitzernden Wesen auch einmal selbst sehen zu können. Auch mit der Idee im Hinterkopf habe ich meine Umwelt erst einmal ganz anders gesehen.

Fazit

Eine sehr schöne Idee mit liebenswerten Charakteren, deren Manko aber leider ihr Namensgeber und die zum Teil aufgesetzte Sprache sind.

|Rezension| Brandon Sanderson „Der Rithmatist“

|Rezension| Brandon Sanderson „Der Rithmatist“

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Heyne fliegt * 13.7.2015 * OT The Rithmatist * ISBN: 978-3-453-26986-6

 HC 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Wie wird man Magier, wenn man nicht zaubern kann? Mit diesem Problem kämpft Joel tagtäglich, denn nichts wünscht er sich sehnlicher, als ein Rithmatist, ein berühmter Kreidemagier, zu werden. Doch so sehr er sich auch bemüht, seine Kreidefiguren bleiben leblos – bis zu dem Tag, an dem plötzlich das Schicksal aller Rithmatisten auf Joels Schultern ruht. Einem Tag, an dem eine lange verborgene Gabe in ihm erwacht … (© randomhouse)

Meinung

Zur BuchSaiten Blogparade zum Ende des letzten Jahres hatte ich mir ja vorgenommen, unbedingt mal etwas von Brandon Sanderson zu lesen, weil er so unheimlich hoch gelobt wird von vielen Bloggern. Der Rithmatist klang ein wenig nach verkappter Superheld, der seine Kräfte erst später entdeckt und war damit doch super zum ersten Schnuppern.

Vielleicht ist es mal wieder dem großen Hype geschuldet – Der Rithmatist war gut, aber eben nicht überragend. Die Idee war völlig neu für mich – nur bewaffnet mit Kreide können sich die Magiebegabten dieser Welt duellieren, indem sie Kreidekreise zeichnen. Auch die Kreidefiguren, die sie erschaffen, bewegen sich im zweidimensionalen Raum. Dafür benötigt es sehr viel Sorgfalt und Strategiefähigkeit, die ausgewählte Kinder in besonderen Unterrichtsstunden lernen.

Joel wäre so gerne ein Rithmatist, wurde aber nicht erwählt. Das hindert ihn nicht daran, seinem Umfeld ein Ohr darüber abzukauen, wie toll es ist, ein Rithmatist zu sein, sich in die Kurse zu schmuggeln und bald auch als Helfer eines Rithmatikprofessors zu arbeiten. Ich kann durchaus verstehen, dass – vor allem wenn man jung ist – die Begeisterung heftig von einem Besitz ergreifen kann, vor allem, wenn es sich um etwas so Exklusives handelt wie eine magische Gabe (ach, was wären wir alle doch gerne nach Hogwarts gegangen). Andererseits war ich streckenweise etwas genervt von seiner Besessenheit, weil er einfach nicht akzeptieren kann, dass es sein kann, dass jemand dieses Schicksal eben nicht haben möchte.

Denn genauso geht es Melody – sie will gar keine Rithmatistin sein, erkennt ihre Begabung darin gar nicht und wünscht sich nichts sehnlicher als ein stinknormales Leben. Auch ihre Sicht der Dinge fand ich verständlich, da die Rithmatik das Leben der Begabten so in Beschlag nimmt, dass es für jemanden, der sich darin nicht verlieren kann, der pure Albtraum sein muss. Aber auch Melody hat einfach eine unheimlich nervtötende Ader. Vor allem ihre Paranoia, dass Joel es in irgendeiner Hinsicht auf sie abgesehen haben könnte, wirkt so aus der Luft gegriffen, dass es sie nur ins Lächerliche zieht, was ich sehr schade finde. Dabei entwickelt sie sich im Laufe des Buches noch zu einem sehr interessanten Charakter mit unerwarteten Facetten.

Für meinen Geschmack kommt die Geschichte nur sehr schwer ins Rollen. Auch wenn schon zu Beginn durch das Verschwinden der Rithmatikschülerin angedeutet wird, dass in dieser magischen Gemeinde nicht alles Gold ist was glänzt, eiert man erst einmal eine halbe Ewigkeit damit herum, dass Joel jammert, dass Melody jammert, dass Fitch sie Kreise zeichnen lässt pipapo. Sanderson haut hier nicht nur die Bremse im Erzähltempo rein, nein, er ruht sich mächtig drauf aus. Schade. Im Endeffekt wirkt die Geschichte wie ein Kriminalroman in einer unserer ähnlichen, fantastischen Welt. Und wie es dort oft so ist, entwickelt sich die Spannung auch hier erst auf den letzten 50 Seiten.

Etwas entschädigt hat mich die liebevolle Gestaltung der Kapitelanfänge, die eingeschobenen Lehrbuchseiten zur Rithmatik (auch wenn ich davon nur sehr wenig wirklich verstanden habe. Ich wäre wohl eine miese Rithmatistin.) und die Zeichnungen, die die Kapitel ergänzen. Man merkt einfach, dass sich der Autor um die Rithmatik und ihre Gesetze sehr genau Gedanken gemacht hat – so komplizierte Taktiken zaubert man sich nicht einfach aus dem Ärmel.

Fazit

Mit seinem langsamen Tempo und den anstrengenden Charakteren blieb Der Rithmatist hinter meinen Erwartungen zurück, trotz der interessanten Grundidee und der durchdachten Aufmachung.