|Rezension| Christiane zu Salm „Dieser Mensch war ich“

|Rezension| Christiane zu Salm „Dieser Mensch war ich“

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Goldmann * 20.07.2015  *  ISBN 978-3-44215-837-9

TB 9,99 €  * eBook 8,99 € * Leseprobe

Klappentext

Wir wissen, wie große Philosophen, Dichter und Denker starben. Sie haben der Nachwelt oft detailliert hinterlassen, was sie empfanden, was sie bewegte in ihren letzten Stunden. Aber was denkt die Verkäuferin im Supermarkt, was der Kfz-Mechaniker, was die Gemeinde-Mitarbeiterin von nebenan? Wie betrachten ganz normale Menschen ihr Leben im Rückblick, wenn sie wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt? Die ehrenamtliche Sterbebegleiterin Christiane zu Salm hat sie gefragt und die daraus entstandenen persönlichen Nachrufe in diesem Buch gesammelt. Dabei herausgekommen ist ein Zeugnis von ergreifender Echtheit: kein Buch über das Sterben, sondern über das Leben.

Meinung

Wenn du sterben würdest und zurückblickst, wärst du dann zufrieden damit, wie du gelebt hast? Das ist eine Frage, die in meinem Kopf sehr festsitzt. Dieselbe Frage stellt sich auch Christiane zu Salm. Und weil sie sich so mit dem Tod beschäftigte, beschloss sie, Sterbebegleiterin zu werden.

Zu Beginn des Buches erklärt die Autorin erst einmal, wie es dazu kam, dass sie dieses Ehrenamt ausüben wollte, dann erzählt sie von ihrer Ausbildung und welche Aufgaben sie  in diesem halben Jahr durchlaufen musste. Schon da hatte ich öfter einen Kloß im Hals, denn das war nicht ohne. Immer ging es darum, sich in Menschen einfühlen zu können, die bald sterben werden. Ich fand allein das bewundernswert – persönlich habe ich eine dermaßene Heidenangst vor dem Sterben, dass ich das nicht könnte. Als sie zum Abschluss einen Nachruf für sich selbst verfassen musste, kam ihr die Idee, diese Gelegenheit auch den Menschen zu geben, die sie begleitete.

Daraus entstand eine Sammlung vieler verschiedener Leben – manche waren glücklich damit, wie sie gelebt haben. Manche bereuen vieles. Manche haben abgeschlossen. Manche haben Angst. Es sind Männer und Frauen, die erzählen, Alte und Junge. Es gibt so viele verschiedene Leben wie Personen, die davon berichten. Keines gleicht dem anderen. Und aus jedem kann man lernen – denn vom Tod aus zu denken, mag – wie die Autorin schon selbst sagt – zuerst wunderlich erscheinen, lässt einen aber erkennen, ob man mit seinem jetzigen Leben zufrieden ist.

Diese Geschichten liest man nicht hintereinander weg, schließlich handelt es sich hier um die letzten Gedanken sterbender Menschen. Vielmehr sollte man das Gelesene immer wieder nachklingen lassen, um vielleicht seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Fazit

Eine bewegende Sammlung letzter Gedanken, die selbst zum Nachdenken über das Leben und den Tod anregen.

diversity inside

|Rezension| Ruth Olshan „All die schönen Dinge“

|Rezension| Ruth Olshan „All die schönen Dinge“

schöne dinge

Oetinger * 22.02.2016 * ISBN 978-3-7891-0371-1

HC 14,99 € * eBook 11,99 €

KlappentextTammie hat eine Vorliebe für Pistazieneis. Und für Sprüche. Genauer gesagt: für Sprüche, die auf Grabsteinen stehen. Ein etwas ungewöhnliches Hobby für eine 16-Jährige. Weniger ungewöhnlich wird es, wenn man weiß, dass Tammie ein Aneurysma im Kopf hat. Es hat sich dort inmitten ihrer Synapsen bequem gemacht und kann jeden Moment explodieren. Oder eben nicht. Das ist die entscheidende Frage und um die kreist ziemlich viel in Tammies Leben. Erst als Tammie eines Tages auf dem Friedhof einen Jungen kennenlernt, der an Grabsteinen rüttelt, ändert sich von Grund auf alles für sie.

Meinung

Ich hatte bei All die schönen Dinge ja zuerst im Kopf, dass ich ein Buch wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder The Probability of Miracles in den Händen halte, das sowieso nur tragisch enden kann. Dieser Überzeugung war ich noch sehr lange, denn zu Beginn haut es echt in die altbekannte Kerbe:

Tammie ist ein todkranker Teenager, von ihren Eltern in Watte gepackt, die noch nie so richtig verliebt war und plötzlich einen Jungen trifft, dem sie ihr Herz schenken möchte. Klingt doch so unheimlich bekannt. Doch hier nimmt das Buch eine ganz andere Wendung als man erwartet. Schon bevor Tammieso richtig auf Fynn trifft, hat sie die Nase voll vom beschützten Leben und kämpft sich aus der Rolle des wohlbehüteten Töchterchens heraus. Und gegen alle Erwartung ist dies ein genauso großer Befreiungsschlag für Tammies Familie – anstatt ihr ewige Vorwürfe zu machen, rappeln sich sowohl ihre Eltern als auch ihr Bruder nach dem ersten Schock auf und beginnen, ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Sie kümmern sich um ihre eigene Gesundheit und ihr berufliches Glück und lassen los. Dennoch hält niemand damit hinter dem Berg, dass sie Angst um Tammie haben und Tränen fließen ohne Ende.

Tammies und Fynns Liebesgeschichte ist zuckersüß – so zuckersüß, dass sie fern von jeder Realität ist. Fynn sagt immer die richtigen Sachen, tut immer die richtigen Dinge, ist verständnisvoll, lieb und hält immer zu ihr. Und das nach kürzester Zeit, denn zum Verlieben brauchen die beiden nicht lange. Außerdem hat er diese Traumschwiegermutter im Schlepptau, die ebenfalls immer die richigen Dinge tut und Sachen sagt und ganz offen und locker mit ihrem Sohn und seiner neuen Freundin umgeht. Und gerade deswegen fällt es einem schwer, die Charaktere nicht zu mögen – sie sind gleichzeitig originell und liebenswert.

So einen richtigen Faden habe ich etwas vermisst – man begleitet Tammie und Fynn dabei, wie sie sich verlieben, Zeit miteinander verbringen, Friedhofrätsel um Frau Blumentopf lösen und sich Halt geben. Zwar sieht man eine deutliche Entwicklung darin, wie Tammie ihr Leben sieht und umkrempelt, aber als einziger roter Faden ist das etwas zu wenig. So hatte ich in der Mitte des Buches auch das Gefühl, dass sich die Geschichte ein wenig zieht. Trotzdem habe ich am Ende Unmengen an Tränen vergossen – nur aus ganz anderen Gründen, als ich zu Beginn gedacht hatte.

Fazit

Dieses Buch hält, was der Klappentext verspricht und ist trotzdem wieder ganz anders, als man erwartet. Auf jeden Fall werden Tränen fließen!

|Rezension| Kristien Dieltiens „Der goldene Ball“

|Rezension| Kristien Dieltiens „Der goldene Ball“

dergoldeneball

Patmos * 25.8.2015 * ISBN 978-3-8436-0581-6

HC 14,99 € * Leseprobe

Klappentext

Irgendwo weit weg und ganz nah zugleich lebte ein Kind. Es war dort sehr glücklich, bis es sein liebstes Spielzeug verlor, einen goldenen Ball. Deshalb machte es sich auf den Weg, um nach ihm zu suchen. So wurde es als Menschenkind geboren und fand ein neues Zuhause bei seiner Mutter und seinem Vater. Als das Kind eines Tages seinen goldenen Ball wiederfand, ging es dorthin zurück, woher es gekommen war.

Wie traurig seine Eltern waren! Ihr Leben war leer geworden. Doch irgendwann sahen sie, dass der Himmel einen neuen besonderen Glanz für sie bekommen hatte. Und ganz langsam wurde es wieder hell und warm in ihren Herzen …

Eine warmherzige Geschichte voller Poesie über den Abschied von einem kleinen Menschen, den man liebt – und darüber, wie glücklich wir trotz allem sein können, ihn eine Zeitlang an unserer Seite gehabt zu haben.

Meinung

Verlust und Tod sind Themen, die schwer begreiflich für Kinder sind, von denen sie jedoch nicht verschont bleiben. Während sich das Buch „Charly“ vom Patmosverlag mit dem Verlust eines Haustiers beschäftigt, geht „Der goldene Ball“ dabei an, was passiert, wenn ein junger Mensch stirbt.

An dieses Thema geht die Autorin sehr poetisch und weniger konkret heran. Sie erzählt die Geschichte eines Kindes, das im Himmel lebt und dort mit seinem goldenen Ball spielt, der irgendwann auf die Erde fällt und das Kind ihm folgt, also geboren wird. Dass das Kind geschlechtslos ist, hilft dabei, dass man jede beliebige Person an seine Stelle setzen kann. Der Himmel wird hier auch nicht konkret benannt, er ist einfach das Oben, in dem es ruhig, warm und hell ist, ein Ort, an dem man gerne sein würde. Auch wird sich nicht auf eine bestimmte Religion bezogen, mit dem Kind spricht ein Jemand, wenn es im Himmel ist.

Man begleitet das Kind auf seinem Weg zu seiner neuen Familie, wie es seine himmlischen Teile ablegt und den Sternen, der Sonne, dem Mond und dem Wind gibt und diese dafür ein wärmendes Licht auf seine neue Familie senden, die sich sehr auf es freut. Man begleitet es, wie es auf der Erde groß wird, lernt und staunend entdeckt, was sie zu bieten hat. Und man begleitet es auf seinem Weg zurück, nachdem es seinen goldenen Ball gefunden hat und von Wind, Mond, Sonne und Sternen seine himmlischen Güter wiedererlangt und erlebt, wie die Trauer in den Eltern festsitzt und erst lange lange danach besser wird, denn es ist okay, traurig zu sein.

Es herrscht immer eine warme und liebevolle Stimmung in der Geschichte, das Kind fühlt sich von Anfang bis Ende geliebt und angenommen und sowohl das Geborenwerden als auch das Sterben ist für es eine Reise, auf der es immer unterstützt und begleitet ist. Die einzigen kalten Momente sind diejenigen, die die Eltern auf der Erde erleben, die ihr Kind verloren haben.

So poetisch und unkonkret der Text ist, so sind auch die Illustrationen. Sie sind insgesamt sehr dunkel gehalten, spielen mit verschiedenen Strukturen und Umrissen und ganz verschiedenen Maltechniken. Sowohl Bilder als auch den Text würde ich für die Kinder so unkonkret stehen lassen und die Bilder wirken lassen.

Fazit

Ein stilles und poetisches Buch über die Reise, die Geborenwerden, Leben und Sterben für ein Kind darstellen kann.

|Rezension| Pimm van Hest „Charly“

|Rezension| Pimm van Hest „Charly“

charly

Patmos * 25.8.2015 * OT: Sjuleke * ISBN 978-3-8436-0630-1

HC 12,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Tim hat einen besten Freund: seinen Hund Charly. Am liebsten tobt er mit ihm durchs Haus und den Garten. Charly erwartet ihn jeden Morgen schon schwanz-wedelnd am Fuß der Treppe, um mit ihm neue Abenteuer zu erleben. Doch eines Morgens ist Charly nicht da, als Tim herunterkommt.
Er liegt still in seinem Körbchen und will auch nicht aufwachen, als Tim ihn sanft schüttelt. »Charly lebt nicht mehr, Tim, er ist heute Nacht gestorben«, sagt seine Mutter und nimmt ihn in den Arm. Tim ist furchtbar traurig. Aber gemeinsam mit seinen Eltern findet er einen Weg, sich von Charly zu verabschieden und sich liebevoll an ihn zu erinnern. Ein leises und tröstliches Buch über den Tod eines Haustiers, das schon für die Kleinsten verständlich ist.

Meinung

Der Verlust eines Haustiers trifft jeden in der Familie hart, besonders aber Kinder, weil es ihnen noch schwerer fällt, das Konzept von Tod richtig zu verstehen. In Erinnerung an einen Hund aus dem Leben der Autoren, nach dem Charly im gleichnamigen Kinderbilderbuch gestaltet wurde, wurde eine wunderbare Geschichte erschaffen, die den Kleinsten bei der Trauer helfen soll.

Die Hauptfigur Tim und sein Hund Charly sind ein unzertrennliches Team. Man lernt sie schon zu Beginn als dicke Freunde kennen. Vor allem Charlys Bindung zu Tim wird hervorgehoben. Dadurch werden die beiden auch gleich ein sympathisches Duo. Deswegen trauert man auch schnell mit Tim, als er Charly verliert. Doch Tims Eltern reagieren sehr sanft, trösten ihn und begraben Charly mit Tims Hilfe. So ist das Buch vielleicht auch ein kleiner Leitfaden für Eltern und Kinder, nach dem sie ihr eigenes Haustier verabschieden können. Dennoch schien es mir am Ende, nach der Beerdigung, zu schnell zu Ende. Mir hat gefehlt, wie es Tim nach der Beerdigung ging. Vielleicht würde das die Kinder aber auch in ihrer eigenen Trauer zu sehr festsetzen.

Mit Farben wird die Geschichte unterstützt – die gemeinsame Zeit der beiden ist quietschebunt und fröhlich, doch am Morgen, als Tim entdecken muss, dass Charly gestorben ist, sind auch die Farben ganz dunkel wie Tims Trauer. Als Tim an Charly im Himmel denkt, werden die Farben ganz hell und sanft und Charlys neues Zuhause wirkt so friedlich und schön.

Fazit

Eine kindgerechte, aber recht kurze Geschichte über einen Abschied, die tröstet und zeigt, dass man nicht allein mit seiner Trauer ist.

|Rezension| Franca Düwel „Julie und der achte Himmel“

|Rezension| Franca Düwel „Julie und der achte Himmel“

Julie

Arena * Juni 2014 * Julies Tagebuch Band 5 * ISBN: 9783401600017

 HC 13,99 € * eBook 10,99 €

Klappentext

Julie wird einmal mehr vom Leben durchgewirbelt: Während sie noch versucht, über den Tod ihrer heiß geliebten Oma hinwegzukommen, stellt der schöne Rafael ihre Freundin Jette im Internet auf fieseste Art und Weise bloß. Klar, dass Julie und die anderen Girlteers da an Rache denken. Was das aber mit Selbstschussanlagen, Kindergarten-Butterbrotdosen und einer Botschaft aus dem Jenseits zu tun hat, das ist mal wieder fast ohne Worte!

Meinung

Am Ende des letzten Juliebandes hatte ich gehofft, dass Julie endlich dazulernen würde und sich nicht immer durch Lügen und Geheimnisse in den Mist reitet. Tatsächlich ist sie in „Julie und der achte Himmel“ so ehrlich zu ihrem Freund Ben wie schon lange nicht mehr und das hat mich sehr versöhnlich gestimmt. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass die Autorin wirklich auf das eingeht, was die Fans zu ihren Büchern zu sagen haben.

Schade fand ich jedoch, dass so ein großes Stück von Julies Leben ausgelassen wurde, von dem ich sehr gespannt war, wie die Autorin damit umgehen würde. Ich denke, es wäre für viele junge Leser interessant gewesen, zu sehen, wie Julie mit Mumis Krebserkrankung und allem Drumherum umgeht, denn traurigerweise ist es ja nicht so, dass diese Altersgruppe damit verschont wäre, solche Erfahrungen in ihrer Familie zu machen.

Ich weiß es ja zu schätzen, dass die Autorin immer wieder Themen aufgreift, die Jugendliche der Zielgruppe aktuell beschäftigen. In diesem Fall sind das zum Beispiel die Zweifel über die eigene Figur, Identität und Liebenswertigkeit, die vor allem Jette durchmachen muss, und welche gravierenden Probleme sich dadurch noch ergeben können. Auch Internetmobbing wird angeschnitten, Zweifel an der eigenen Sexualität und was eine Familie ausmacht. Für meinen Geschmack sind das aber leider viel zu viele Themen in einem Buch, die so gar nicht so ausführlich behandelt werden können wie nötig wäre (und wie es im ersten Band noch so wunderbar gelungen ist).

Darüber hinaus kann ich nur sagen, dass Julie eben Julie ist und immer bleibt, mit allem Drama, verheulten Seiten und pubertärer Anwandlungen und es wieder einmal sehr lustig war, ihre Ausführungen zu lesen. Auch die Gestaltung des Buches ist wieder gewohnt liebevoll, aber das muss ich nun schon gar nicht mehr extra erwähnen.

Fazit

Ein gewohnt unterhaltsamer, aber ein wenig mit Themen überfrachteter Julieband.

|Rezension| Sebastian Niedlich „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“

|Rezension| Sebastian Niedlich „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“

tod

Klappentext

Freunde sind etwas Wunderbares. Und manchmal findet man sie an den ungewöhnlichsten Orten. Martin hätte allerdings darauf verzichten können, am Sterbebett seiner Großmutter die Bekanntschaft des leibhaftigen Todes zu machen. Dieser hat sich eingefunden, um die Seele der alten Dame sicher ins Jenseits zu befördern – und ist begeistert, dass ihn endlich jemand sehen und hören kann. Für ihn steht fest: Martin und er sind dazu bestimmt, beste Freunde zu werden. Schließlich ist er ein echt netter Typ! Und hey: Niemand kann so glaubhaft versichern, dass man weder an Langeweile, noch an einem gebrochenen Herzen sterben kann … Im Laufe der Zeit gewöhnt Martin sich daran, dass der Leibhaftige stets bei ihm auftaucht, wenn er es am wenigsten gebrauchen kann. Doch als er eine ganz besondere Frau kennenlernt, muss er sich eine entscheidende Frage stellen: Macht es überhaupt Sinn zu leben, zu lieben und nach dem Glück zu suchen, wenn am Ende doch immer der Tod wartet?

Meine Meinung

Wie ist das Leben so, wenn der Tod entscheidet, er möchte mir dir befreundet sein? Martin erfährt das schon als kleiner Junge. In „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ geht es um genau das, was der Titel verspricht. Einerseits taucht der Tod immer wieder in Martins Leben auf, mal mehr und mal weniger präsent. Dabei hat Sebastian Niedlich seine ganz eigene Vorstellung von Gevatter Tod. Zwar ist er auch keine Ausgeburt an Lebendigkeit und ziemlich blass, aber sicher kein Knochenmann. Mit einem Kescher (nix is mit Sense!) fängt er die Schmetterlinge ein, die die verstorbenen Menschen darstellen. Das ist doch ein ganz nettes Bild vom Sensenmann, der gerne auch mal einen Beatlessong trällert. Ganz sympathisch ist Martin aber der Tod dennoch nicht – immer wieder streiten sie darum, wer denn nun darüber entschiede, ob ein Mensch sterben sollte oder nicht, und Martin pfuscht seinem besonderen Freund mit Leidenschaft ins Werk. Das kann er deswegen besonders gut, weil er Tods Eigenschaften übernimmt – so kann er sehen, wie ein Mensch sterben wird, aber auch andere praktische Sachen.

Manchmal reden die beiden nicht miteinander – dennoch begleitet man Martin durch sein ganzes Leben, dessen einzelne Stationen er auch mit Andeutungen zur aktuellen Geschichte schmückt – für mich Schmalspurhistorikerin ein kleines Schmankerl. Dennoch überlegt man nebenbei immer wieder, ob es denn wirklich so gekommen wäre, wäre ihm der Tod nicht schon als Kind begegnet. Und so läuft es dann auf ein Ende hinaus, das schon von Beginn an angedeutet wurde, und dann doch ganz anders ist als erwartet. Das bedeutet aber nicht automatisch schlechter.

Insgesamt ist „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ ein kurzweiliger Roman ohne sentimentalen Schnickschnack, obwohl es schon die eine oder andere traurige Stelle gibt – immerhin geht es auch um das Dahinscheiden verschiedener Personen.

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