|Rezension| Nina Ponath „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella!“

|Rezension| Nina Ponath „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella!“

tinderella

Eden Books * 14.03.2016  * ISBN 978-3-9591-0047-2

TB 12,95 €  * eBook 9,99 €

KlappentextTinder hat sich seit geraumer Zeit zu DEM Dating-Portal schlechthin gemausert. Man meldet sich an, bekommt Bilder von Singles vorgeschlagen und mit einem Wisch kann sich entscheiden, ob man heute noch ein Date hat oder nicht. Diese Einfachheit und Zwanglosigkeit hat in der Netzgemeinde jedoch schnell dazu geführt, dass man hier auch eher lockere Bekanntschaften macht, die in der Regel so gar nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Erst nach einer wahren Odyssee durch die Welt der verrückten Tinder-Treffen kommt das Beste dann doch noch zum Schluss: Ninas Happy End mit Traummann Jannick. In diesem Buch schreibt Nina von ihren und von Jannicks skurrilen und witzigen Erfahrungen und Katastrophendates, bis sie sich endlich gefunden haben.

Meinung

Ich liebe ja diese Bücher der Art „Ich probiere etwas aus und erzähle euch mal, wie das so war“. Alexandra Reinwarth ist für mich die Meisterin in diesem Bereich, aber ich sehe mich gern auch nach ebenbürtigen Autoren um. Deswegen war ich sofort fasziniert von der Idee, die in „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella“ verfolgt wird. Ich erwartete mir lustige Dategeschichten und Chatverläufe.

Tatsächlich fällt es mir etwas schwer, diese Rezension zu schreiben im Bewusstsein, dass sowohl die Autorin als auch ihr Freund als auch alle drum herum tatsächlich existierende Menschen sind und keine erfundenen theoretischen Figuren. Denn wenn ich ehrlich bin, würde ich keinem von ihnen gerne auf einer Internetplattforum für Singles begegnen (oder überhaupt), weil sie genau das darstellen, was ich dabei fürchten würde. Das trifft vor allem aber auf die männliche Seite zu.

Das liegt auch daran, dass so viele echt unnötige, auch verletzende Treffen nicht hätten sein müssen, wenn man einfach mal ehrlich gewesen wäre. Obwohl man es der Autorin auch nicht recht machen kann, denn sowohl ein einfaches Hallo als auch ellenlange Texte sind für sie ein No-Go, am liebsten hätte sie einen witzigen Abschleppspruch. Mir persönlich wäre ein normales Hallo ja tausendmal lieber als ein blöder Spruch, der sowieso nur Copy und Paste-mäßig benutzt wird. Bei vielen Typen hat sie von vornherein ein mulmiges Gefühl im Bauch, auf das sie aber nie hört. Die Autorin berichtet nicht nur einmal davon, wie sie hinten und vorne belogen wird, zeitgleich gedatet mit anderen Frauen, durch aufpolierte Bilder getäuscht oder nur als schnelle Nummer herhalten soll, ohne das aber so deutlich zum Ausdruck zu bringen. Damit bestätigt sie zum einen ihren eigenen Eindruck von der Flirtapp, zum anderen aber auch die Befürchtung, die man selbst dabei auch so hat – um sich einen One Night Stand zu suchen, ist das ganze ja echt prima, aber die ernsthaften Beziehungskandidaten kann man suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Umso schlimmer fand ich Janniks Bericht, weil er genau das repräsentiert. Es tut mir ja echt leid, und die Idee, auch den Mann zu Wort kommen zu lassen in allen Ehren, aber mir war er echt unsympathisch, eben genau _weil_ er so viel Tinderklischee war. Für ihn ist es völlig okay, die Frauen da abzuschleppen, aber selbst kontaktiert zu werden, um abgeschleppt zu werden, geht für ihn gar nicht? Und bei Frauen, die angetüdelt bis betrunken sind, versucht er ja gerne mal, ob was geht? Allein bei der Aussage stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf. Außerdem hat er ein echt ernsthaftes Problem mit Yoga (wie seine Freundin übrigens auch), lesende yogamachende Frauen kommen für ihn nämlich gar nicht in die Tüte. Der Gipfel war dann, als er ein Mädchen, das sich aufdrängt, einfach mit nach Hause nimmt (weil sie sich aufdrängt, jaja, wir wissen es), und anstatt der Frau einfach zu sagen: „Ey, sei mir nicht böse, das mit uns läuft gar nicht.“, hat er mit ihr Sex, den er eigentlich blöd fand, und meldet sich dann erst am nächsten Tag nicht und nach hundert (zugegeben nervigen, aber verständlichen!) Nachfragen schenkt er ihr übers Telefon reinen Wein ein. What? Wenn ich könnte, wie ich wollte, wäre dieser Beitrag ein Ü-18 Beitrag wegen sämtlicher Schimpfwörter, die mir hier in den Sinn kommen. Das geht gar nicht, ganz egal, wie verquer seine Flirtpartnerin war!

Jannik hat übrigens auch einen echt dicken Kumpel, der Frauen im Sinne von Angelina Jolie in „Durchgeknallt“ – also irre, abgemagert, aber mit großen Titten – so geil findet, dass er den ganzen Film über einen Ständer hatte. Zur Aufklärung: In Durchgeknallt geht es um die wahre Geschichte einer Psychiatrieinsassin, die von ihren 18 Monaten dort und den Menschen erzählt, die sie dort kennengelernt hat. Es geht um Depressionen, Selbstmord, Verzweiflung, Abhängigkeit, Selbstverletzung und Essstörungen.  Ich finde keine Worte außer: Solchen Männern möchte ich nachts nicht auf der Straße begegnen. Und das sind nur zwei Punkte, die mich innerlich schon auf 180 getrieben haben, die Liste wäre durchaus noch länger.

Die Anekdoten, die zwischendrin eingestreut werden, entschädigen ein wenig für diese abschreckende männliche Riege, die hier auftaucht, und die Idee, dass Jannik und Nina sich immer wieder über den Weg laufen oder Bekannte daten, war ganz nett, weil es zeigt, wie klein die Datingwelt auch sein kann.

Insgesamt hat mich dieses Buch aber nur mit einem Gefühl zurückgelassen: Gott sei Dank bin ich kein Single und muss so einen Mist nicht mitmachen, mir diese Lügereien antun und mich selbst in ein Licht rücken, das mit mir als Person gar nichts zu tun hat. Tinder ist nicht umsonst zuerst auf Optik ausgerichtet.

Fazit

Eine Erfahrungsgeschichte, die einerseits zwar Mut macht, dass den Partner im Internet zu finden auch möglich ist, deren männliche Protagonisten aber jede Angst bestätigen, die man im Zusammenhang mit Flirtapps nur haben kann.