|Rezension| Robin Wasserman „Crashed“

|Rezension| Robin Wasserman „Crashed“

OT: Crashed

Reihe: Skinned

Band: 2

Verlag: Script 5 (September 2010)

Seiten: 376

ISBN: 3839001145

Preis: 16,90 €

Inhalt

Sechs Monate sind vergangen, seit Lias Wirklichkeit auf den Kopf gestellt wurde. Sechs Monate voller Zweifel, Angst und Auflehnung gegen die Tatsache, dass ihr Körper tot ist und Lia Kahn nur in einer menschenähnlichen Maschine weiterexistieren wird. Jetzt ist Lia bereit, ihr neues Dasein zu akzeptieren: Sie ist ein Mech und sie gehört zu ihresgleichen. Es ist eine wilde, sorglose Existenz, die sie führen, ohne Regeln, ohne Angst. Denn es gibt nichts zu fürchten, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Doch dann wird Lia von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie muss eine Wahl treffen zwischen ihrem alten Leben und ihrer neuen Freiheit, zwischen den Menschen und den Mechs. Sie muss sich entscheiden zwischen dem Mädchen, das sie war, und dem Jungen, den sie einmal geliebt hat…

Meinung

Lia Kahn ist seit ihrem beinahe tödlichen Autounfall ein Mech – oder Skinner, je nachdem, wen man fragt. Mittlerweile hat sie aufgegeben, ihr Menschsein zu verteidigen und ist zu Jude und den anderen Mechs gezogen, wo sie Neulinge anwirbt. Lia hat sich mit ihrer Situation abgefunden. Doch als sie zusammen mit Judes bestem Freund Riley geheime Technologie in einer Konzernanlage abholen soll, überschlagen sich de Ereignisse – es wird Bioalarm gegeben und alle um sie herum fallen verletzt oder tot zu Boden. Lia und Riley flüchten, doch als ein Mech mit Lias Gesicht sich zu dem Attentat bekennt, gerät Lia in den Blick der Polizei. Außerdem kommt dieses Attentat den Erleuchteten gerade recht, die Mechs zu Gegenständen erklären möchten – und dessen neuer Anführer Auden ist, Lias Exfreund.

Die Frage, was einen Menschen ausmacht, wird auch im zweiten Teil der Skinned-Reihe wieder aufgegriffen. Während Lia im ersten Band noch darauf bestanden hatte, die Alte zu sein, ein Mensch mit mechanischem Körper, hat sie sich nun damit abgefunden, dass sie nicht mehr die selbe ist wie vorher. Immer wieder fragt sie sich, was von ihrem alten Ich noch übrig ist oder ob sie überhaupt Lia Kahn ist. Vor allem die Tatsache, dass jederzeit eine Kopie von ihr geschaffen werden könnte, macht ihr Sorgen. Vielleicht ist sie eigentlich nur ein Haufen gespeicherter Daten? Lia verstrickt sich immer mehr im Versuch, sie selbst zu bleiben, und dabei ihr neues Leben als Maschine ohne Vergangenheit und Zukunft zu sein. Umso schwerer fällt ihr das, als sie Riley immer näher kommt und sich die beiden letztendlich ineinander verlieben. Einerseits fühlt sie sich bei ihm geborgen und von ihm angezogen, andererseits hat sie Angst, mit ihm weiter zu gehen als sich zu Küssen, um nicht enttäuscht zu sein, weil es nicht die selbe Erfahrung ist wie als Mensch.

Während Band 1 sich mehr darauf konzentriert hat, wie Lia mit ihrem neuen Körper zurecht kommt und wie es sich als Mech zwischen organischen Menschen lebt und Themen wie die Erleuchteten oder die politische Lage des Landes nur am Rande erwähnt wurden, liegt der Fokus nun eher umgekehrt. Eingebettet in den Handlungsverlauf sieht das Mädchen, das bisher verwöhnt und ohne Probleme gelebt hat, zuerst die Konzernanlagen und danach noch die Stadt. Konzernanlagen sind in sich abgeschlossene Anlagen, in denen die Menschen leben, die beschließen, in den Fabriken zu arbeiten. Sie bekommen von ihren Arbeitgebern Wohnraum zugesprochen, Synthetikessen und die nötigsten Medikamente, wenn sie krank sind. Mit Konzerngeld können sie in Konzernkaufhäusern „Luxusgüter“ erwerben. Dafür geben sie sowohl das Leben außerhalb der Anlagen fast vollständig auf sowie ihr Wahlrecht oder diverse andere freie Entscheidungen. Nachdem Lia und Riley nach dem Anschlag in der Konzernanlage flüchten, führt Riley sie in die Stadt, wo er früher gelebt hat, bevor er als Versuchskandidat zu BioMax gelangte. Für den Preis der Freiheit leben dort Menschen, deren Alltag aus Gewalt und Armut besteht. Nichts wird aus Freundschaft getan, für jede Gefälligkeit ist man dem Gegenüber etwas schuldig. Erst hier wird Lia klar, wie gut sie es in ihrem alten Leben hatte und wie naiv sie an diese Themen herangegangen ist und der Rest ihrer frühren Freunde immernoch tut.

Auch der Politik gegenüber sind die meisten Leute völlig uninteressiert. So ist es auch einfach, dass religiöse Gruppen wie die Erleuchteten soviel Einfluss erlangen. Sie hetzen die Bevölkerung gegen die Mechs auf, die prompt darauf reagiert, vor allem nach dem Anschlag. Die Konzerne selbst, die mittlerweile inoffiziell den Großteil der politischen Macht besitzen, reagieren sofort auf die Stimme ihrer Kunden und unterstützen die Erleuchteten. Wieder einmal wird ein schwarzes Bild unserer eigenen möglichen Zukunft gezeichnet.

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Bettina Belitz „Splitterherz“

Bettina Belitz „Splitterherz“

Verlag: Script5 (Januar 2010)

Seiten: 630

ISBN: 3839001056

Preis: 19,90 €

Inhalt

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Meinung

Zugegeben, ich hatte anfangs wirklich Angst, dass ich meinen „Leipziger Buchmesse Superspontankauf“ irgendwie bereuen würde, denn anfangs hatte ich immense Schwierigkeiten mit „Splitterherz“. Ich bin ein Dorfkind. War es, bin es und werde es hoffentlich immer sein. Städte finde ich gruselig, Bayreuth ist das Höchste der Gefühle und ich bete wirklich, dass mich die bayrische Regierung niemals im Leben nach München steckt. ( Tut mir leid, liebe Münchner, bitte hasst mich jetzt nicht. ). Als gerne „in der Pampa“ lebende Dame konnte ich vieles nicht nachvollziehen, was Ellie gefühlt hat. Das heißt nicht, dass ich nicht ihre Situation verstanden hätte – als Jugendliche aus der Stadt aufs triste Land zu ziehen ist wahrscheinlich wirklich scheisse. Das war nicht mein Problem. Vielmehr waren es Szenen wie die im Wald, als sie spazieren geht und das Gewitter aufzieht. Das sind für mich Momente, bei denen ich in den Himmel kucke und mir das Herz aufgeht, wenn der Donner von allen Seiten zu kommen scheint und der Wind durch die Baumwipfel pfeift. Ich liebe Gewitter am Land. Ellie hingegen findet das gar nicht toll und da widersprechen sich einfach meine persönlichen Gefühle dermaßen mit denen der Hauptfigur, dass mich das total aus der Bahn wirft. Solche Situationen gab es en masse. Erst, als Ellie und Colin mehr miteinander zu tun hatten und das ganze „Igitt, ich wohne am Land“-Thema langsam gegessen war, legte sich auch mein Problem mit dem Buch.

Elisabeth kann ich bis jetzt nicht leiden. Dafür hat sie es sich anfangs schon versaut mit ihrer Einstellung und ganz ehrlich wirkte sie nicht nur, als halte sie sich für etwas besseres, sondern hat das auch. Aber da ich oft Probleme mit den Protagonistinnen habe ( siehe Hush,Hush ) und die Bücher trotzdem mag, hat das nichts zu sagen. Denn Colin rettet alles. Ich finde es ja gut, dass Bettina Belitz es geschafft hat, klar zu machen, wie schön er ist ohne es tausendmal zu wiederholen, bis man es nicht mehr hören kann. Trotzdem hat er Eindruck hinterlassen und das nicht zu knapp.

Besonders toll fand ich es aber, dass Frau Belitz es geschafft hat, einen Mythos aufzugreifen, der in letzter Zeit nicht bis zum Erbrechen ausgelutscht wurde wie Vampire oder Engel. Das gab dem Buch etwas Besonderes und man musste gemeinsam mit der Protagonistin auf Aufklärung warten, anstatt schon im Voraus ein vages Wissen zu besitzen, was passieren wird. Und je weiter das Buch fortschritt und die zähen ersten 200 Seiten hinter mir lagen, desto weniger konnte ich das Buch zur Seite legen. Ich hatte Ooooh und Aaaaaah Momente und mir die eine oder andere Träne verdrückt.

Nimmt man dazu das absolut passende Ende, hat sich „Splitterherz“ für mich doch noch als ein guter Griff herausgestellt.