|Behind the Screens|Von Fahrradprüfungen und sonnigen Tagen in Würzburg

|Behind the Screens|Von Fahrradprüfungen und sonnigen Tagen in Würzburg

behindthescreensWie war deine Woche?

Die zweite Schulwoche war nicht minder anstrengend als die erste. Fanden auch die Kinder – wir hatten das unverschämte Glück (Achtung, Ironie.), als Herbstgruppe die Fahrradprüfung zu absolvieren und üben nun schon seit Anfang des Schuljahres. Nun saßen da lauter kleine, sich selbst überschätzende Neun- und Zehnjährige, die „das alles schon können“, weil sie ja „schon längst Fahrrad fahren“. Tatsächlich schwankte ich bei unserer ersten praktischen Übungseinheit am Platz mit dem zuständigen Polizisten zwischen absoluter Scham und innerer Genugtuung, dass sie ganz schön auf die Nase gefallen sind mit ihrer Laissez-Faire-Einstellung. Freitag war dann plötzlich aufmerksames Schweigen und ernstes Nachdenken angesagt.

Außerdem war ich gestern beim Bloggerworkshop von Arena, aber dazu mehr unten.

Endlich gibt es wieder Neues im Potterversum. Habt ihr Harry Potter and the Cursed Child (HP und das verwunschene Kind) schon im Regal stehen, holt ihr es euch oder interessiert euch das Skript gar nicht?

cursed child

Harry Potter and the Cursed Child hatte ich schon zum englischen Erscheinungstermin vorbestellt und auch schon hier meinen Senf dazu abgegeben. Tatsächlich hatte ich es dann sogar doppelt, weil es auch in der Housepride-Box von My Bookish Crate war. Aber es ließ sich dann auch ganz gut wieder verkaufen, so dass nun die Ausgabe wieder alleine in meinem Regal thront.

Was war dein Wochenhighlight?

Am gestrigen Samstag fand der Bloggerworkshop bei Arena in Würzburg statt – ich war zum zweiten Mal dort und habe mich sehr gefreut, wieder einige bekannte Gesichter zu sehen, unter anderem die liebe Dani, Simone und Damaris, aber auch ganz neue wie Favola (deren Blog ich natürlich kannte). Autorengäste waren zum einen Kim Kestner und zum anderen Angela Mohr, die beide supernett waren und sich so eine tolle Gesprächrunde ergeben hat. Mehr erzähle ich euch dann aber noch einmal extra.

arena

Büchermäßig lese ich mich gerade mehr oder weniger wahrlos durch mehrere Bücher gleichzeitig, je nach Laune. Am häufigsten greife ich aber gerade zu Glimmernächte von Beatrix Gurian, zu dem es bald eine Blogtour geben wird, die auch hier Station macht.

supernatural.jpg

White Collar ist immer noch meine erste Wahl, wenn ich alleine Netflix sehen will, mit dem Herrn Umblättern suchte ich mich aber gerade zum dritten Mal durch Supernatural. Das ist und bleibt einfach meine Lieblingsserie, weil sie gleichzeitig so wunderbar selbstironisch ist und mich trotzdem regelmäßig mit gebrochenem Herzen zurücklässt.

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|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

lizzy

Magellan * 25.07.2016  * ISBN 978-3-7348-5025-7

HC 14,95 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben macht es der dreizehnjährigen Lizzy nicht leicht: ein Körper, der tut, was er will, Eltern, die nichts kapieren, und Klassenkameraden, die abfällig auf sie und ihre beste Freundin Kristine herabgucken. Da macht das anstehende Schulfest die Laune nicht besser – denn da darf sie garantiert eh wieder nur die Gläser spülen. Als sie diesen Gedanken im falschen Moment laut ausspricht, hat sie plötzlich ihre eigene Projektgruppe mit allen Außenseitern der Unterstufe am Hacken. Doch schon bald stellt sie fest: Wenn so ein „Klub der Verlierer“ erst mal in Fahrt kommt, ist die Niederlage nicht so vorprogrammiert, wie alle denken …

Meinung

Meine Schulzeit, vor allem in der Unterstufe, war für mich eher ein Spießrutenlauf als ein schönes Erlebnis. Gerade deswegen erweckte Lizzy Carbon und der Club der Verlierer meine Aufmerksamkeit. Denn Mario Fesler nähert sich dem Thema Mobbing und Außenseiterdasein gleichzeitig mit Humor und schonungsloser Ehrlichkeit und hat mich damit vom Fleck weg begeistert.

Vielleicht lag das daran, dass ich mich in Lizzy gesehen habe – mein frustriertes, vergrämtes, mit den richtigen Leuten sogar schlagfertiges Ich in der siebten Klasse war ihr nicht unähnlich, nur dass mir der Funken Mut gefehlt hat, das zu meiner Schulzeit auch laut auszusprechen. Denn das Gefühl, sich dieses geheuchelte Zusammenhaltgefühl von außen ansehen zu müssen, weil „zusammen“ eben nicht alle einschloss, war mir sehr bekannt. Sicher sehen sich auch andere in Lizzy oder einem ihrer Mitstreiter. In Kristina vielleicht, die diejenigen auch noch bewundert, die so grausam zu ihr sind und sich eigentlich nichts mehr wünscht als dazuzugehören. Oder in Sara, deren Religion sie zum Außenseiter macht. In Carsten, der nicht erwachsen genug ist für die anderen Siebtklässler. Oder in Veronika, die zu dick ist. In Arif, der einen besseren Draht zu Mädchen als Jungs hat. Oder in Theo, der klein und leise ist. Man erfährt von allen, dass hinter dem ersten Blick, den man von ihnen erhascht, noch große Geschichten stecken oder eben auch nicht. Und man merkt, dass selbst Lizzy manchmal nicht umhin kann, als sie abzuurteilen, die bösen Spitznamen der anderen zu übernehmen und an sich arbeiten muss, um dieses Verhalten abzulegen. Niemand von ihnen wird als Heiliger beschrieben, als armes Opfer der Umstände – manchmal nerven sie, sind unleidlich, rücken nur schwer von dem Bild ab, das an von ihnen auf den ersten Blick bekommt. Sie sind einfach sehr reale, wenig idealisierte Figuren und zeigen, dass man immer dazulernen und seine Vorurteile und internalisierten Gedanken ablegen kann.

Nun ist das Buch natürlich keine permanente Pity Party – es besteht aus viel Sarkasmus, Situationskomik, einem Wechsel zwischen Hochs und Tiefs der kleinen Projektgruppe, die sich da mehr unfreiwillig gefunden und lieben gelernt hat. Gepaart mit dem Wechsel aus Erzählung und Tagebucheinträgen – die später noch zu einer großen Überraschung führen – und einer wunderbar unaufgesetzten jugendlichen Sprache fliegt man fast durch das das Buch. Das Ende ist noch einmal gleichzeitig ein ganz schöner Schlag in den Magen und total beeindruckend.

Spoiler: Ich fand es sehr mutig, Kristine aus der Nerdgruppe zu nehmen und zum „Feind“ überwechseln zu lassen. Das sind Situationen, die ich mehr als einmal erlebt habe. Manchmal ist der Wunsch dazuzugehören und der Leidensdruck des Außenseiterdaseins größer als jede Loyalität, die man für seine alten Freunde haben kann. Tatsächlich hoffe ich auf einen weiteren Band, um diese Geschichte weiter beobachten zu können.

Auch das, was die Kinder aus ihrem eigentlichen Dunkelrestaurant gemacht haben, fand ich beeindruckend. Ich will gar nicht zu viel verraten, aber ich habe schwer geschluckt.

Fazit

Lizzy Carbon ist ein beeindruckendes Buch, das gleichzeitig durch seinen Sarkasmus besticht und dem Leser dennoch den einen oder anderen wachmachenden Hammer um die Ohren schlägt.

diversity inside

|Rezension| Kate Hattemer „Für Freiheit, Kunst und Mayonnaise“

|Rezension| Kate Hattemer „Für Freiheit, Kunst und Mayonnaise“

freiheit kunst

Carlsen * 28.8.2015 * OT: The Vigilante Poets of Selwyn Academy* ISBN 978-3-551-58330-7

HC 17,99 € * eBook 10,99 € * Autor

Klappentext

Wie bitte? An ihrer renommierten Kunstakademie soll einen Reality-Show gedreht werden? Ethan und seine Freunde Luke, Elisabeth und Jackson können es nicht fassen. Auch wenn es ein Stipendium zu gewinnen gibt, so tief wollen sie nicht sinken! Luke, der Mastermind des Widerstandes, hat schon einen Plan: Sie werden den Feind mit den Waffen der Kunst schlagen, und zwar mit subversiv in Umlauf gebrachten Protestgedichten. Und mit viel Mut und Fantasie und einer heldenhaften Wüstenrennmaus können die Freunde fast alles erreichen!

Meinung

Realityshows haben die Talkshows abgelöst und sprießen nur so aus dem Boden. Dass sie mit Realität nicht wirklich viel zu tun haben, wollen aber viele Zuschauer immer noch nicht erkennen. Mit demselben Problem kämpfen Ethan, Jackson, Elizabeth und Luke. Sie alle lernen an einer Kunstschule, die in diesem Schuljahr Schauplatz der Realityshow „For Art’s Sake“ wird und finden diese Umstände aus verschiedenen Gründen ganz grauenvoll. Auch, wenn mir bei den meisten nie ganz deutlich wurde, was genau denn nun ihr Problem dabei ist.

Ich fand alle Figuren auf ihre eigene Art sehr liebenswert. Natürlich erfährt man am meisten von Ethan, der der Erzähler der Geschichte ist. So chaotisch wie er erzählt, ist er selbst auch. Im Prinzip ist er ein kleiner Eigenbrödler mit gehörigem Selbstbewusstseinsmangel und verbringt seine Zeit lieber mit seinen kleinen Schwestern und einer Rennmaus namens Mayonnaise, als sich der Welt zu stellen. Jackson bleibt ein wenig der blasse Klischeecomputernerd, während auch Elizabeth – nicht grundlos – eine große Rolle in Ethans Erzählungen spielt. Auch Luke sieht man die Geschichte lang immer durch Ethans Augen, der ihn weit weit in den Himmel lobt, obwohl er gar nicht so perfekt ist.

Einerseits hat es richtig Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ethan und seine Freunde haben einen tollen Humor und wie sie in den Machenschaften des TV-Senders und der Verantwortlichen in der Schule herumschnüffeln, war auch irgendwie spannend. Oft dachte ich mir bei Wendungen: Was? Was soll der Mist? Das hätte ich nie erwartet! Natürlich steckte noch genug Klischeehandlung mit drin, dennoch fand ich es super, dass ich endlich auch mal überrascht wurde.

Ein kleiner Wehmutstropfen war für mich Mayonnaise. Ich fragte mich ja die ganze Zeit, was Ethan mit der verdammten Rennmaus will. Versteht mich nicht falsch, ich hatte selbst einmal Rennmäuse und es sind tolle Tiere, aber er war ja sichtlich besessen. Aber dann (Spoiler!). Mein gutherziges, ans Gute glaubende Herz dachte wirklich die ganze Zeit, Mayonnaise wäre irgendwie versehentlich schwanger geworden und der Knubbel in ihrem Bauch wäre kein Tumor, sondern süße kleine Rennmausbabies. Umso entsetzter war ich, als Ethan ihn geopfert hat. Er. Hat. Ihn. Wissentlich. Geopfert. Das lässt sich nicht schönreden. Habe ich Ethan am Ende gehasst, boah! Der Mistkerl! Ebenfalls fand ich am Ende unlogisch, dass offenbar die Eltern der teilnehmenden Schüler, vor allem aber Mauras, entweder nie die Show gesehen haben (wie realistisch ist das denn? Mein Kind ist im Fernsehen und ich ignoriere das?) oder einfach nichts dagegen unternommen haben, dass ihre Kinder als promiskuitive Teenager vermarktet werden.

Nebenbei kann man noch eine Menge über Trikolons, Langgedichte und das Konzept von Reality-TV lernen – so als nettes Gimmick nebendran.

Fazit

Ein spannendes Buch, dessen Idee es so schnell wohl kein zweites Mal gibt.

|Rezension| Cornelia Franke „Tougard“

|Rezension| Cornelia Franke „Tougard“

tougard

papierverzierer * 2.3.2015 * ISBN: 9783944544427

 TB 14,95 € * eBook 3,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Charlie gelangt aufgrund einer besonderen Gabe, von der er bislang noch nichts wusste, in die Welt Tougard. Mit anderen Befähigten lernt er in einer Schule, seine Fähigkeit zu verbessern und damit umzugehen. Als einige Mitschülerinnen verschwinden und er wegen einer Prophezeiung vermutet, ein Seelenseher würde seine beste Freundin Ann töten, scheint ihm die Zeit davonzulaufen. Für Charlie beginnt das Abenteuer seines Lebens, denn in Tougard … in Tougard ist alles möglich!

Meinung

Tougard hat mich ja in manchen Punkten sehr stark an Jamies Quest erinnert, das erste Buch, das ich von Cornelia Franke gelesen habe. Zum einen stürzen sowohl Jamie als auch Charlie aus heiterem Himmel aus ihrem normalen Leben in ein Paralleluniversum, in dem sie eine große Aufgabe haben, von der sie vorher nicht einmal ansatzweise etwas geahnt haben. Außerdem lassen beide ein Mädchen zurück, zu dem sie dringend wieder zurückkehren möchten. Doch Charlie ist nicht der einzige Protagonist im Fokus. Da sind auch noch Becca und Ann sowie Avid, die alle völlig unterschiedliche Charaktereigenschaften und Vorgeschichten haben, die sie mit nach Tougard tragen. Becca fand ich sehr sympathisch, weil sie vorneherum zwar dickköpfig und selbstbewusst wirkt, aber im Inneren noch an so vielen alten Ängsten und Unsicherheiten zu knabbern hat. Auch ihre Neckereien mit Raphael fand ich ganz erfrischend, weil sie sich nicht benimmt wie ein hirnloser verliebter Teenager, die zu Hauf in das Buch eingebaut waren. Ann dagegen hat mich unheimlich geärgert, weil sie streckenweise wirklich herzlos mit Charlie war. Charlie und Ann gemeinsam habe ich fast nicht ertragen, weil Charlie so ein Jammerlappen wurde und Ann schon Kürbisse auf den Augen hatte statt Tomaten. Auch andere Figuren wie Edward kommen an passenden Stellen zu Wort. Etwas zu blass fand ich Daisuke, was aber wohl an seinem ruhigen und zurückhaltenden Charakter liegt.

Tougard fand ich sehr interessant – hier versammeln sich alle Menschen mit Gaben, um sie beherrschen zu lernen, egal wie alt sie sind. Man hat hier also keine typische magische Schule ala Hogwarts, sondern eine bunt gemischte Truppe allen Alters aus aller Herren Länder, die irgendwie miteinander auskommen müssen. Auch die netten kleinen Ideen wie die Türmännchen machen die Schule zu einem ganz besonderen Ort. Trotzdem – und es ist sicher leidig, dass jedes Buch mit Harry Potter verglichen wird – kam ich an manchen Parallelen einfach nicht vorbei, auch wenn sie meist in anderen Zusammenhängen auftauchten (z.B. sich Sätze als Strafe in die Hand ritzen). Außerdem hätte ich gerne viel mehr vom Schulleben mitbekommen, vom Unterricht und dem sonstigen Zusammensein der Schüler dort. Doch über die Hälfte des Buches sind die Freunde auch unterwegs. Das Land, durch das sie streifen, ist farbig beschrieben und hat ebenfalls einige Überraschungen zu bieten.

Bis auf ein paar Längen auf der Reise nach Emrond war das Buch immer gespickt von Überraschungen. Auch sind die Autoren kein Stück pingelig mit ihren Charakteren und schrecken nicht davor zurück, den ein oder anderen von ihnen zurückzulassen, auch wenn der Tod in Tougard und Umgebung dadurch abgemildert wird, dass die Personen dadurch nur in ihre alte Welt zurückgeschickt werden. Nichtsdestotrotz musste ich schon das eine oder andere mal schlucken, vor allem, je länger man die Personen auf ihrem Weg begleitet hat.

Fazit

Spannende Fantasy mit sehr unterschiedlichen Charakteren und einem Hauch Hogwarts – aber nur ein Hauch.

|Rezension| Alma, Jamila, Lara-Luna „Wie wir Schule machen“

|Rezension| Alma, Jamila, Lara-Luna „Wie wir Schule machen“

schule

Knaus * 10.2.2014 * ISBN: 978-3-8135-0618-1

 HC 19,99 €  * eBook 15,99 € * Leseprobe

Klappentext

In der Bildungsdebatte sind alle zu Wort gekommen – nur die Schüler hat keiner gefragt. Das regt Alma (14), Jamila (15) und Lara-Luna (16) schon lange auf. In ihrem Buch berichten sie, wie sie in ihrer Schule fürs Leben lernen. Ihre Fächer heißen „Herausforderung“ und „Verantwortung“, in sogenannten Lernbüros teilen sie sich ihr Pensum selbst ein – alles innerhalb des Lehrplans. Ein Beispiel des Gelingens, einfach und erfrischend. Die drei Autorinnen und ihre Mitschüler bilden inzwischen Lehrer weiter und machen Mut umzudenken.

Die drei Berliner Schülerinnen Alma, Jamila und Lara-Luna fordern Mut zur Veränderung an unseren Schulen: mehr Selbständigkeit, mehr Verantwortung, mehr Erfahrungen fürs Leben, mehr Gemeinschaft. Vieles davon findet an ihrer Schule, der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, bereits statt. In „Wie wir Schule machen“ berichten sie von ihrem ungewöhnlichen und produktiven Lernalltag. Unkompliziert, mutig und zum Nachmachen empfohlen.

Meinung

Wie wir Schule gerne hätten, das wissen wir alle. Eltern, Schüler, Lehrer – wir alle haben diese Vorstellung der perfekten Schule im Kopf, nur sind diese Vorstellungen oft weit auseinander und schwer miteinander zu vereinbaren. Doch manchmal wagen es Schulen doch – so wie die Evangelische Schule Berlin Zentrum, kurz ESBZ. Hier hatten anfangs vor allem Eltern und Lehrer eine Vorstellung der richtigen Schule für ihre Kinder, die sie aber so bestehend nicht fanden – also wurde sie von ihnen einfach gegründet. Und diese Schule wuchs und wuchs und geht mit Beispiel voran, dass Schule Spaß machen kann.

Und davon erzählen nicht die Erwachsenen, sondern diejenigen, die am begeistertsten von ihrer Schule sind, nämlich ihre Schüler. Nachdem sie schon im deutschprachigen Raum herumgereist sind und Voträge darüber gehalten haben, schrieben nun drei Schülerinnen der Schule gemeinsam ein Buch, um von ihrem Alltag in der ESBZ zu berichten. Das tun sie in gewohnt lockeren Stil und das macht es auch einfach, das Buch in einem Rutsch zu lesen – denn obwohl viele Informationen darin stecken, ist es mit so ehrlicher Begeisterung und frei von der Seele weg geschrieben, dass man sich so fühlt, als würde man die drei Schülerinnen reden hören. Zwischendrin kamen auch mal die Erwachsenen zu Wort, aber diesen Teil fand ich wesentlich uninteressanter – diesmal interessierte es mich kein bisschen, was jemand über 18 zu sagen hatte.

Anfangs saß ich ja mit meinem Lehrerauge vor dem Buch und dachte mir: Ja, man merkt schon, dass die von dem bürokratischen Mist hintendran keine Ahnung haben. Bis mir die Erkenntnis kam: Gerade deswegen ist es gut, ihnen mal zuzuhören. Als Lehrer (und vielleicht auch als Elternteil) sitzt man in seinem eigenen Erwachsenenmorast und kommt sich so vor, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen. Was sollen einem da ein paar Teenager schon sagen. Doch gerade darum geht es doch – zuzuhören, Bedürfnisse zulassen, Vertrauen in die Kinder haben. Idealvorstellungen, die ich selbst im Schulalltag immer wieder verliere, obwohl ich doch gerade deswegen auch an einer alternativen Schulform arbeite.

Je mehr ich von der Schule las, von den Angeboten erfuhr, desto mehr bewunderte und beneidete ich die Schüler, welche Chancen sie bekommen, wie viel man ihnen zutraute und wie sehr sie daran wachsen könnten. Dieses Buch ist eine Inspiration, einmal loszulassen, nicht immer kontrollieren zu wollen – Kinder können mehr, als wir ihnen heutzutage zutrauen. Wenn wir sie lassen.

Fazit

Ein inspirierendes Buch für Lehrer, Eltern und Schülern.

|Rezension| Luca Bloom „Schlachtfeld“

|Rezension| Luca Bloom „Schlachtfeld“

Ueberreuter (30. Januar 2010)

128 Seiten, 9,95 € HC

978-3-8000-5543-2

Inhalt

Johannes geht auf eine Schule wie es viele gibt. Doch etwas ist anders: Der Kleinkrieg zwischen Herrn Zinn, desillusioniertem Lehrer, und dem Schüler Mick, dem heimlichen Herrscher der Schule. Demütigungen, Provokationen auf beiden Seiten, der Ton wird aggressiver, der Hass wächst. Auch Johannes wird gegen seinen Willen hineingezogen. Dann rüstet sich Mick zum vernichtenden Schlag … Zurück bleibt ein Schlachtfeld. [Amazon.de]

Meinung

Schule ist ein Schlachtfeld. Es gibt Gewinner und Verlierer und diejenigen, die mit einem blauen Auge davonkommen. Jedenfalls ist das Johannes nüchterne Meinung. Er steht meist am Rande des Schlachtfelds und macht sich unsichtbar. Bloß nicht ins Visier geraten, lautet seine Devise. Und so beobachtet er auch nur von Weitem den Kleinkrieg zwischen seinem Klassenkameraden Mick, vor dem alle Angst haben, und seinem Lehrer Zinn, dem jede Gelegenheit recht ist, um seine Schüler zu demütigen. Doch plötzlich steht Johannes mitten auf dem Schlachtfeld.

Obwohl der Krieg zwischen dem unsympathischen Lehrer Herrn Zinn und dem aggressiven Schüler Mick stattfindet, ist weder der eine noch der andere Erzähler. Das garantiert aber nicht automatisch eine neutrale Sicht auf den Stand der Dinge. Johannes ist ein normaler Schüler, der keinen der beiden Kontrahenten wirklich leiden kann und beiden die Abreibung von Herzen gönnt. Und sowieso ist der Junge mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Seine besten Freunde sind auf einer anderen Schulen, in der Klasse versucht er möglichst unauffällig zu bleiben ,da er weder zum coolen Typen taugt, noch gerne am unteren Ende der Nahrungskette landen möchte. Der schwelende Streit zwischen Mick und Herrn Zinn ist für ihn anfangs nicht mehr als Entertainment im öden Schulalltag. Als Johannes Mick zufällig dabei beobachtet, wie er Zinns Tür bemalt, gerät er plötzlich zwischen die Fronten.

Mit den beiden Streithähnen hat sich der Autor auch Musterbeispiele für unangenehme Mitschüler und Lehrer ausgesucht. Mick ist ein Quälgeist seit der Grundschule, jeder hat Angst vor ihm, sogar die, die sich als seine Freunde ausgeben. Seine Eltern sind streng und verlangen volle Disziplin von ihrem Sohn, dem an Schule aber weniger als nichts liegt. Er schleppt Waffen mit in die Schule, nuschelt gerne durch seine zusammengebissenen Zähne und greift auf Standard-Quäl-Methoden zurück. Herr Zinn ist dagegen ganz der Typ sadistischer Lehrer, der zwar in seinen Fächern aufgeht, der aber den Nachteil am Lehrerberuf darin sieht, dass er mit Kindern arbeiten muss. Gezielt sucht er sich Schwächen heraus, um seine Schüler vor der gesamten Klasse zu demütigen. So treffen also Klischee-Buh-Mann-Lehrer und Klischee-Schulrowdy aufeinander. Das wäre sicher auch anders gegangen. Ein „normaler“ Lehrer und ein „normaler“ Schüler können genauso gut in eine sehr verfahrene Situation gelangen und diese Entwicklung wäre in meinen Augen viel abwechslungsreicher und vielschichtiger gewesen als die schwarzweiße Böse-trifft-Böse-Handlung.

Das Ende hatte in meinen Augen einen Handlungsstrang zuviel und hat damit auch die Grenze vom Realismus in die Fantasie endgültig überschritten. Natürlich steigern sich die beiden Kontrahenten immer mehr in ihren Kleinkrieg hinein und überschreiten beide deutliche Grenzen, aber es blieb immer in einem Rahmen, den man sich an einer Schule wirklich hätte vorstellen können. Die endgültige Eskalation führt leider nur dazu, dass das Buch einen Teil seiner Glaubwürdigkeit einbüßt.

Ein großer Teil der Kinder- und Jugendbücher schafft es nicht, den jugendsprachlichen Gebrauch von Teenagern wirklich glaubwürdig einzufangen. Meistens wirkt die Sprachwahl eher aufgesetzt. Ein großer Pluspunkt für „Schlachtfeld“ ist, dass es tatsächlich so wirkt, als würde Johannes die Geschichte selbst erzählen. Die Balance zwischen Hochsprache und Jugendsprache ist einfach perfekt. Auch der Einsatz von Kriegsmetaphern in den Überschriften und in Johannes Erzählungen wird konsequent durchgezogen und wirkt in sich stimmig, da auch Zinn selbst als Geschichtslehrer vom Krieg fasziniert zu sein scheint.