|Blogtour| Wenn Fernweh sich wie Heimweh anfühlt

|Blogtour| Wenn Fernweh sich wie Heimweh anfühlt

2016-04_Blogtour_Abedi

Fẹrn·weh

Substantiv [das]

  1. die Sehnsucht nach fernen Ländern.

Das Gefühl, seine Sachen packen zu wollen, um sich zu Fuß durch grüne Landschaften zu schlagen, mit dem Auto lange unbekannte Straßen abzuklappern oder entspannte Tage an exotischen Stränden zu verbringen, kennen wir alle. Man fühlt sich, als würde eine unsichtbare Hand an unserem Herzen ziehen und uns in eine Richtung lenken wollen. Für mich sind das Länder wie Schweden, Irland, Schottland oder Amerika, die danach rufen, einmal bereist zu werden, aber auch Städte wie Prag und Venedig.

fernweh

Dieses Fernweh ist sicher auch der Leseleidenschaft geschuldet, denn wenn man sich mit Herz und Seele in ein Buch verliebt, das seinen Ort des Geschehens so wunderbar beschreibt, weckt das auch die Sehnsucht, diesen Ort mit eigenen Augen zu sehen und auf den Spuren der Charaktere zu wandeln.

Auch Vita zieht es gemeinsam mit ihren Freunden nach dem Abitur in die weite Welt und der erste Stopp bringt sie nach Italien. Doch dann kommt alles anders für Vita.

Heim.weh

Substantiv [das]

  1. die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein

Als Vita im Städtchen Viagello ankommt, das sie aus einem Manuskript ihres Vaters kennt, hat sie nämlich plötzlich das Gefühl, mit der Stadt verbunden sein. Sie glaubt, sich an die Stadt zu erinnern – dabei war sie doch noch nie in Italien, oder?

Kennt ihr das auch, wenn ihr in einer Stadt ankommt und euch plötzlich angekommen fühlt, als wärt ihr endlich dort angekommen, wo ihr hingehört? Plötzlich scheint das Fernweh, das ihr hattet, eher einer Art Heimweh zu ähneln, die ihr nach dem Ort hattet. Und wenn ihr wieder abreisen müsst, dann fehlt euch dieser Ort.

Auch diesen Ort gibt es für mich, in England – Brighton. Der Gedanke, dorthin zurückzukehren, hat nichts mit der Sehnsucht nach Abenteuer und Erfahrung zu tun, sondern mit einem Vermissen eines liebgewonnenen Ortes.

brighton

Ob es Vita ähnlich geht oder ob sie Viagello doch schon als Kind besucht hat, könnt ihr in Isabel Abedis neuestem Roman „Die längste Nacht“ nachlesen.

Und um dieses Buch geht es:

978-3-401-06189-4

Es sind nur ein paar Sätze in einem noch unveröffentlichten Manuskript, das Vita im Arbeitszimmer ihres Vaters findet – aber etwas an ihnen verzaubert und verstört die Siebzehnjährige gleichzeitig. Wenig später bricht sie mit ihren Freunden zu einer Fahrt quer durch Europa auf und stößt in Italien durch Zufall auf den Schauplatz des Manuskripts: Viagello, ein malerisches kleines Dorf. Der Ort strahlt für Vita eine merkwürdige Anziehungskraft aus, die noch stärker wird, als ihr der Seiltänzer Luca buchstäblich vor die Füße fällt. Auf den ersten Blick ist Luca für Vita etwas Besonderes, doch etwas an ihm und seiner Familie kann sie nicht fassen. Noch ahnt sie nicht, dass er sie auf eine Reise tief in ihre Erinnerungen führen wird, an deren Ende etwas steht, was einst in Viagello geschah – in jener längsten Nacht …

Habt ihr auch diesen Ort, an dem ihr euch wie Zuhause fühlt?

|Rezension| Emma Hooper „Etta and Otto and Russell and James“

|Rezension| Emma Hooper „Etta and Otto and Russell and James“

etta

randomhouse uk * 29.1.2015 * ISBN: 9780241003329

 HC ~15 € * eBook ~ 10 € * Autor

Klappentext

Etta’s greatest unfulfilled wish, living in the rolling farmland of Saskatchewan, is to see the sea. And so, at the age of eighty-two she gets up very early one morning, takes a rifle, some chocolate, and her best boots, and begins walking the 2, 000 miles to water. Meanwhile her husband Otto waits patiently at home, left only with his memories. Their neighbour Russell remembers too, but differently – and he still loves Etta as much as he did more than fifty years ago, before she married Otto.

Meinung

Ich bin zugegeben wohl die größte Couchpotatoe des weiten Umkreises. Lieber gehe ich mit Protagonisten auf Reisen – und reisen konnte ich mit Etta – der Protagonistin von Etta and Otto and Russell and James – einmal quer durch Kanada.

Etta ist tatsächlich eine sehr beeindruckende Figur, denn mit 82 und beginnender Demenz packt sie ihren Rucksack und beschließt, ihrem Lebenstraum zu folgen und das Meer zu sehen. Ihre Entschlossenheit packt nicht nur die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet und die sie dabei unterstützen, sondern auch den Leser selbst. Auch dann, wenn man sich gerade nicht mehr sicher ist, ob Etta Verstand ihr einen Streich spielt – lange habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob James – der Kojote, der sie begleitet –tatsächlich echt ist. So schnell wie Etta habe auch ich James lieben gelernt, ohne den sie doch sehr einsam wäre und der ihr durch schwere Zeiten und immer zu sich selbst zurückhilft.

Otto und Russell sind zwei sehr verschiedene Charaktere, obwohl ich von Letzterem gerne noch mehr gehört hätte. Ihre Reaktion auf Ettas Reise basiert auf zwei völlig verschiedenen Erfahrungen mit ihr – Russell erlebte Etta in ihren schwächsten Momenten, die Otto in seiner Abwesenheit verpasst hatte. So traut Otto seiner Frau ohne Weiteres zu, dass sie die Reise hinter sich bringt und zu ihm zurückkehrt, während Russell sie am liebsten sofort einsammeln und zurückkarren würde.

Ottos und Ettas Liebesgeschichte ist keine hyperromantische, perfekte Liebe ohne Fehltritte und Zweifel. Ab und zu musste ich deswegen schon schlucken, da mir Otto eigentlich sehr ans Herz gewachsen war und ich mir gewünscht hätte, dass es diese dunklen Flecken nicht gegeben hätte. Andererseits ist es eine Liebe, die sich während des Krieges entwickelt und die meiste Zeit davon sehen die beiden sich gar nicht.

So ist auch ein Teil der Geschichte über die Briefe erzählt, die Etta und Otto sich gegenseitig während seines Kriegseinsatzes schicken du die die Basis ihrer jungen Liebe bilden. Den Einblick in das Leben während Kriegszeiten fand ich auch immer wieder wahnsinnig interessant.

Fazit

Etta and Otto and Russell and James ist eine melancholische, aber sehr besondere Geschichte über drei außergewöhnliche Menschen und deren Lebensgeschichte, für die man sich unbedingt eine ruhige Stunde nehmen sollte, um ihr auch gerecht zu werden.

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