|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

raven king

Scholastic * 26.04.2016 (The Raven Cycle #4) * ISBN 978-0-5454-2498-1

TB 10 €  * eBook 10 € * Autorin

Klappentext For years, Gansey has been on a quest to find a lost king. One by one, he’s drawn others into this quest: Ronan, who steals from dreams; Adam, whose life is no longer his own; Noah, whose life is no longer a lie; and Blue, who loves Gansey… and is certain she is destined to kill him.

Now the endgame has begun. Dreams and nightmares are converging. Love and loss are inseparable. And the quest refuses to be pinned to a path.

Meinung

“He was a book, and he was holding his final pages, and he wanted to get to the end to find out how it went, and he didn’t want it to be over.”

Ich muss zugeben, dass ich – auch wenn ich Maggie Stiefvater liebe und wie gesagt noch ihre Einkaufszettel lesen würde – den Raven Cycle nie ganz oben auf meiner Lieblingsliste angesetzt hatte. Die Geschichte war natürlich toll, die Jungs super, Blue sympathisch und die Recherchearbeit – wow, Hut ab. Aber so richtig mein Herz gewonnen hat die Reihe erst mit ihrem Abschluss.

Vielleicht liegt es an der albtraumhaften Atmosphäre des Buches, denn Albträume zählen zu meinen Guilty Pleasures in der Buchwelt. Tatsächlich ist der letzte Teil der Reihe so richtig finster. Cabeswater wird vom Zufluchtsort zum Wohnort aller Albträume, die sich die Raven Boys und Blue nur vorstellen können. Und diese Albträume ziehen in die Wirklichkeit ein, nicht nur, weil Ronan sie mit sich dorthin trägt. Die ganze Stimmung des Buches ist bedrohlich und düster und ich liebe es!

Dabei schafft es Maggie Stiefvater mal wieder, dass man sich von ihrem Schreibstil durchs Buch getragen fühlt. Man möchte jeden Satz unterstreichen, weil er so schön ist, und hinter jedes Schimpfwort ein Ausrufezeichen setzen, weil es so passend ist für das, was man gerade fühlt, oder das Buch nach einem besonders schönen Kapitel einmal an sich drücken und seufzen und dabei vor Neid zerfließen, weil es wohl niemand so hinbekommt, gleichzeitig poetisch zu schreiben und doch nicht aufgesetzt zu wirken wie diese Frau.

Eine Wendung in der Geschichte, die ich persönlich nicht kommen haben sehe, war die Beziehung zwischen Adam und Ronan. Überhaupt hat sich Ronan schon in den letzten Teilen nach und nach zu meinem Lieblingscharakter entwickelt. Dass er sich irgendwann geoutet hat, fand ich toll, die möglichen Andeutungen, dass diese Gefühle aber für Adam existieren, habe ich wohl geflissentlich übersehen, weil ich bis dato viel zu sehr mit der Adam-Gansey-Blue-Konstellation beschäftigt war. Nichtsdestotrotz habe ich mein innerliches Fangirlfähnchen für Adam und Ronan geschwungen. Hach.

When Adam kissed him, it was every mile per hour Ronan had ever gone over the speed limit. It was every window-down, goose-bumps-on-skin, teeth-chattering-cold night drive. It was Adam’s ribs under Ronan’s hands and Adam’s mouth on his mouth, again and again and again. It was stubble on lips and Ronan having to stop, to get his breath, to restart his heart. They were both hungry animals, but Adam had been starving for longer.

Ein großer Fan war ich auch von Henry. Es scheint seltsam, in die enge Gruppe der Raven Boys plötzlich ein neues Gesicht aufzunehmen und ich habe gelesen, dass viele davon nicht besonders begeistert waren. Ich fand es toll. Henry hat eigentlich keine Ahnung davon, was so wirklich los ist. Er weiß nur, dass er und Gansey beide die gleiche innere Sehnsucht hegen, ihre Geheimnisse mit jemandem teilen zu können, weil niemand außerhalb je verstehen würde, mit welcher Art Magie sich manche herumschlagen müssen und wollen. Henry möchte aus der Suche nach Glendower nichts herausschlagen, er hat keinen Wunsch, den er an ihn richten könnte – er möchte einfach nur einen Platz, an den er gehören kann. Henrys Freundschaft mit Blue und Gansey ist von ganz anderer, reinerer Natur als die zu den anderen, ohne Verpflichtungen und Vorgeschichte.

My mom said she was never herself in English. But it wasn’t that Henry was less of himself in English. He was less of himself out loud. His native language was thought.

Von Artemus war ich hingegen mehr als enttäuscht. Ich hatte mir von Blues Vater wesentlich mehr erwartet als jemanden, der sich konstant in der Vorratskammer versteckt, sich weigert, seiner Tochter in irgendeiner Weise zu helfen,um sich nur ganz am Ende mal dazu herabzulassen, irgendetwas Hilfreiches beizutragen, das im Grunde sowieso alle schon wussten, von Blues wahrer Natur ausgenommen.

The Raven Boys – wie schon seine Vorgänger – wartet mal wieder mit einer Menge Überraschungen auf. Wie immer ist nichts so wie es zu sein schien und alles entwickelt sich in Richtungen, die man nie kommen sehen hat. Das macht die Reihe so spannend. Man weiß nie, wo man letztendlich endet. Wie es endet, war mir dann doch fast ein wenig zu einfach – zuerst die Art, wie Gansey auf Glendower stößt, und dann das Happy End, von dem man eigentlich doch wusste, dass es kommen muss. Nichtsdestotrotz habe ich Rotz und Wasser geheult, versteht mich nicht falsch. Immerhin fand ich es mutig, dass nach vier Büchern voller Suche und Rätsellösung und Leben-aufs-Spiel-Setzerei Glendower einfach tot ist.

“I stopped asking how. I just did it. The head is too wise. The heart is all fire.”

Fazit

Ein Reihenabschluss, der sich ins Herz schleicht und da lange festsitzt, mit einer Sprache, die den Leser in den Bann zieht und einer dunklen Atmosphäre, durch die immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen blitzen. Ein Buch also, das man am liebsten komplett zitieren möchte, und ein Beispiel dafür, dass das Young Adult-Genre nicht grundsätzlich leichte Kost für zwischendrin ist.

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven Boys“

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven Boys“

Reihe: Raven Cycle Band: 1
Scholastic (18. Sep 2012) – 408 Seiten – 9,50 € – Taschenbuch

Die Geschichte

Seit sie denken kann prophezeien Blue alle Wahrsager, dass sie ihre wahre Liebe töten wird, indem sie ihn küsst. Sie hört das nicht selten, lebt sie doch in einem Haus mit einer Menge Wahrsagerinnen, inklusive ihrer Mutter. Blue beschließt, sich nicht zu verlieben und es scheint zu gelingen, bis sie Gansey und seine Freunde trifft. Sie wird in deren Suche nach dem Grab Glendowers verwickelt und dazu noch in deren mehr als komplizierte Leben. Doch es wird für Blue noch komplizierter als es klingt – denn sie weiß, dass Gansey innerhalb eines Jahres sterben wird und ist sicher, dass sie der Grund dafür ist.

Meinung

She recognized the strange happiness that came from loving something without knowing why you did, that strange happiness that was sometimes so big that it felt like sadness.

Zugegeben – Maggie Stiefvater könnte eine Anleitung für eine Waschmaschine scheiben und ich würde sie lesen und wahrscheinlich auch noch toll finden. Na gut, so weit übertreiben möchte ich dann doch nicht, The Scorpio Races fand ich dann nämlich auch nicht so umwerfend. Doch mit The Raven Boys hat sie es tatsächlich wieder geschafft, mich in ihre Welt zu ziehen.

Zum einen kann dieses Buch mit Charakteren aufwarten, die ich uneingeschränkt geliebt habe – wobei ich hier tatsächlich eine Vorliebe für die Jungs entwickelt habe. Blue ist auf ihre Art nett und interessant, aber im Vergleich zu den Raven Boys deutlich weniger vielschichtig. Irgendwie ist sie eben da, weil man ein Mädchen braucht und weil sie so praktische Fähigkeiten hat – ich hoffe aber, dass sich das in den Folgebänden noch ändern wird. Die Jungs hingegen haben die Fähigkeit, den Leser einmal tierisch zu nerven und dann wieder zu Tränen zu rühren. Ich kann zum Beispiel Menschen, die sich ihren Reichtum heraushängen lassen, auf den Tod nicht ausstehen. Aber genau diese Art von Charakter ist Gansey – schon immer mit mehr Geld beschenkt als er nötig hätte, ist ihm gar nicht so recht bewusst, wenn er andere mit seiner Großzügigkeit schon beinahe beleidigt. Natürlich will er nicht werden wie sein Vater, fährt mit Absicht einen schrottreifen Wagen – aber der schrottreife Wagen ist eben immer noch ein Oldtimer, der auch in diesem Zustand nicht billig war. Andererseits hat er ein wahnsinnig großes Herz und weiß seinem Umfeld einfach nicht anders zu helfen als sein Geld einzusetzen, um ihnen ein Heim zu bieten oder sie aus dem Mist zu retten, in den sie sich manövriert haben.  Ganz im Gegensatz zu Gansey steht Adam, der sich seinen Platz an der Privatschule erarbeitet hat und alles möchte, nur nicht von jemandem abhängig zu sein. Aber gerade dieser Drang, alles selbst zu schaffen, hat mich an bestimmten Punkten wirklich aufgeregt, weil er selbst zu stur ist, um Hilfe anzunehmen, damit er aus dem Haus verschwinden kann, in dem er tagtäglich geschlagen und misshandelt wird. Auch Noah und Ronan haben ihre ganz eigenen Geschichten, die ich aber nicht vorweg nehmen möchte – die beiden haben mich mehr als einmal dazu gebracht, mit offenem Mund vor dem Buch zu sitzen und zu denken: DAS habe ich tatsächlich nicht erwartet.

Schon in The Scorpio Races bediente sich Maggie Steifvater einer irischen Legende und änderte sie nach ihren Wünschen so um, dass eine ganz eigene Geschichte dabei herauskam. Offensichtlich haben es ihr die Inseln angetan, denn auch bei The Raven Boys greift sie wieder auf eine Legende zurück, die von dort stammt. Glendower – nach dessen Grab die Jugendlichen suchen – war der letzte tatsächliche Prinz von Wales, der auch Walise war. Nachdem er erfolglos einen Aufstand gegen die englische Besetzung seines Landes anführte, verschwand er spurlos und niemand kann bis heute sagen, was mit ihm geschah. Legenden ranken sich seitdem um seinen Verbleib – viele davon behaupten, er lebte und kämpfte unter falschem Namen weiter. Gansey dagegen geht davon aus, dass Glendowers Leiche aus Wales weggebracht wurde und der Herrscher nun in seinem Grab darauf wartet, wiedererweckt zu werden. Derjenige, der ihn aufweckt, hätte dafür einen Wunsch frei.

Zu Beginn fürchtete ich ja, dass sich das Buch viel zu sehr auf eine Dreiecksbeziehung zwischen Blue, Adam und Gansey konzentrieren würde. Tatsächlich rückt das Thema Liebe – außer in sehr wenigen Momenten – völlig in den Hintergrund hinter die Suche nach Glendowers Grab und den persönlichen Kämpfen, die die Protagonisten austragen müssen.

Der Schreibstil ist – wie gewohnt – sehr poetisch und es gab ganze Textpassagen, die ich gerne angestrichen und wieder und wieder gelesen hätte. Die Autorin schafft es dadurch noch mehr, dass man mit den Figuren mitfühlt, weil ihre Emotionen so detailliert und bilderreich beschrieben sind. Maggie ist ein wunderbarer erster Teil gelungen, der Lust auf den Rest der Tetralogie macht. Ich kann das nächste Buch zumindest nicht erwarten, vor allem nicht nach dem Cliffhanger am Schluss, der genau die richtige Portion zwischen befriedigend und neugierig machend ist.

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Scorpio Races“

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Scorpio Races“

Scholastic (19. Okt 2011) – 482 Seiten – 8,70 € – Taschenbuch

Die Geschichte:

Sean scheint schon auf dem Rücken der wilden Capaill Uisce geboren zu sein. Puck wagt sich aus reiner Verzweiflung mit ihrem Pony in ein Rennen um Leben und Tod. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein – und trotzdem treffen sie sich immer wieder am Strand. Beide haben einen guten Grund, die Scorpio Races zu gewinnen, doch es gibt am Ende nur einen Sieger. Wer wird es sein?

Meine Meinung:

There are moments that you’ll remember for the rest of your life and there are moments that you think you’ll remember for the rest of your life, and its not often they turn out to be the same moment.

Es gibt ja diese Mädchen, die total auf Pferde stehen. Sie tapezieren ihre Zimmer mit Pferdepostern, lesen Bille und Zottel dreimal vorwärts und rückwärts pro Woche und betteln ihre Eltern um ein Pony an (bzw. diejenigen, die schon in der Realität angekommen sind um Reitstunden). Ich war keines dieser Mädchen. Vielleicht ist das ein Grund, wieso ich mit The Scorpio Races zu Beginn nicht so recht warm wurde.

Mittlerweile bin ich es ja gewohnt, dass Maggie Stiefvaters Bücher nicht mit Krawumm in die Geschichte stürzen. Gerade deswegen mag ich The Wolves of Mercy Falls. Aber The Scorpio Races hat sich schon sehr viel Zeit gelassen, um in Fahrt zu kommen. Zuerst einmal wird viel Zeit dafür aufgewendet, die Lebenssituationen der beiden Protagonisten Puck und Sean zu beschreiben, zu verdeutlichen, wie sehr sie ihre Pferde lieben und zu erklären, was es mit den Scorpio Races und den Capaill Uisce auf sich hat. Eine gefühlte Ewigkeit reden Puck und Sean nicht einmal miteinander und sehen sich nur von Weitem.

Die eigentliche irische Legende der Capall Uisce stellt sie als Pferde dar, die aus dem Meer kommen und sich in schöne junge Männer verwandeln, die Frauen mit ihnen zurück ins Meer locken. Den Teil mit dem schönen Mann hat Maggie weggelassen und darüber bin ich auch sehr dankbar. Die Art, wie sie die Geschichte um die Pferde aus dem Meer aufgezogen hat, fand ich viel schöner. Und auch sonst hatte das Buch dieses typische Feeling, das man schon bei Shiver hatte. Die Insel, die Rennen und die Personen scheinen einem richtig greifbar. In meinem Kopf sah die Insel aus wie eine typische irische Insel, was für mich auch einen Teil des Wohlfühlens ausmachte. Ein Vorteil der stiefvaterischen Figurenentwicklung ist außerdem natürlich, dass sich die Beziehungen der Personen so langsam, aber glaubhaft entwickeln. Als Sean und Puck endlich miteinander reden, empfand ich die Zeit, die sie zusammen verbringen, als richtig herzerwärmend. Mal abgesehen davon war ich schon immer Fan von Männern der Sorte harte Schale, weicher Kern.

Den Ausgang des Rennens fand ich etwas durchschaubar. Ich hatte mir drei Theorien zurechtgelegt, wie es enden könnte, und es kam auch so. Nichtsdestotrotz hat mich die Schlussszene mal wieder schrecklich zu Tränen gerührt.

The Scorpio Races hat seine Längen und Schwächen und wer eine spannende Geschichte erwartet, wird sicher Probleme mit diesem Buch haben. Wer es aber schafft, über den langatmigen Beginn hinwegzusehen und die Atmosphäre zu schätzen weiß, die in diesem Buch geschaffen wird, dem würde ich es trotzdem empfehlen. Und Pferde zu mögen schadet sicher nicht (;

[Das da oben am Bild ist übrigens ein November Cake, eine Spezialität, die zu den Scorpio Races angeboten wird. Er wird als süß und klebrig beschrieben und das ist er auch. Und wie! Rezept folgt, natürlich Copyright bei Maggie, übersetzt von mir (; )

 

|Rezension| Maggie Stiefvater „Forever“

|Rezension| Maggie Stiefvater „Forever“

Dt. Titel: In deinen Augen

The Wolves of Mercy Falls #3

Maggie Stiefvater @ Maggie Stiefvater.com

Scholastic (Juli 2011)

400 Seiten, 11,80 € HC

0545259088

Klappentext

The conclusion to #1 bestselling Shiver trilogy. In Shiver, Grace and Sam found each other. In Linger, they fought to be together. Now, in Forever, the stakes are even higher than before. Wolves are being hunted. Lives are being threatened. And love is harder and harder to hold on to as death comes closing in.

Meinung

Am Schluss von „Shiver“ habe ich bittere Tränen vergossen. Am Ende von „Linger“ ging es mir nicht anders. Und auch jetzt musste ich weinen, als ich die letzten Kapitel von „Forever“ gelesen habe. Trotzdem kommt der Serienabschluss leider nicht ganz an seine Vorgänger heran. Ich hatte Erwartungen und Mutmaßungen, die sich nicht recht erfüllen wollten.

Mich hat die stille Schreibweise nie großartig an den Büchern gestört, und auch dass streckenweise nicht besonders viel passiert ist, fand ich okay. Ich mochte die leisen Momente zwischen Sam und Grace und die weniger leisen, aber trotzdem intimen Treffen von Isabel und Cole. Von beiden gibt es in „Forever“ verhältnismäßig weniger, obwohl die Geschichte trotzdem vor sich hintröpfelt. Sowohl Cole als auch Isabel als auch Grace bleiben plötzlich oberflächlich, und das finde ich vor alle bei Cole wahnsinnig schade, da er sich zu meinem Lieblingscharakter gemausert hat. Erst zum Ende kommt Fahrt auf, aber das war man ja schon aus den ersten beiden Bänden gewohnt.

Schade fand ich, dass man es sich bei der Lösung des Wolfproblems so einfach gemacht hat. Sam und Cole müssen sich eine Lösung einfallen lassen, bevor Tom Culpeper seinen Plan, alle Wölfe auszurotten, wahr machen kann, und tata – da präsentiert sich plötzlich der Mann, der die optimale Lösung auf dem Silbertablett liefern kann. Dicke Abzüge in der B-Note dafür. Außerdem bin ich nie ganz dahinter gestiegen, wieso Cole der einzige Wolf ist, der sich nicht verwandelt, denn so viel stabiler als Grace kann er ja nicht sein.

Auch wenn der Serienabschluss hinter seinen Vorgänger herhinkt, gab es doch auch Punkte, die mich dann versöhnlich stimmen – Momente zwischen Sam und seinen Liebsten, Grace, die beschreibt, wie es ist, ein Wolf zu sein (worauf ich sehr sehr viel Wert gelegt habe) und ein Ende, bei dem ich mir die Tränen trotzdem nicht verkneifen konnte. Ich hätte das melancholische Gefühl vermisst, das man bei „Shiver“ und „Linger“ hatte, wenn man das Buch nach der letzten Seite zugeklappt hat. Ich hasse Happy-End-Epiloge, darauf kann ich gut verzichten. Und nicht zu vergessen die Rilke-Gedichte. Maggie Stiefvater ist sich letztendlich doch einfach treu geblieben.

Ich stelle (das, nebenbei erwähnt, wunderschöne <3) „Forever“ letztendlich doch ganz zufrieden zu seinen Vorgängern, auch wenn ich mir von allem etwas mehr gewünscht hätte – vor allem mehr Isabel und Cole. Aber ein offenes Ende lässt ja immer hoffen und es gibt sicher noch einige schöne Farben, in denen man noch mehr Bücher drucken könnte.

|Rezension| Maggie Stiefvater „Nach dem Sommer“

|Rezension| Maggie Stiefvater „Nach dem Sommer“

OT: Shiver

Reihe: Die Wölfe von Mercy Falls

Band: 1

Verlag: Script 5 (September 2010)

Seiten: 424

ISBN: 3839001080

Preis: 18,90 €

Inhalt

Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf. Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.

Meinung

Mit 11 Jahren wurde Grace von einem Rudel Wölfe angegriffen, doch im letzten Moment von einem der Wölfe gerettet. Seitdem beobachtet sie, wir „ihr“ Wolf im Winter durch den Wald schleicht und wartet im Sommer darauf, dass er aus der Versenkung wieder auftaucht. Als ein Junge aus ihrer Schule von wilden Wölfen getötet wird, nehmen die Bewohner von Mercy Falls die Justiz selbst in die Hand und ziehen mit Gewehren in den Wald. Kurz darauf findet die aufgebrachte Grace einen nackten Jungen auf ihrer Veranda – Sam. Und er hat dieselben Augen wie ihr Wolf. Grace und Sam verbringen ihre gemeinsame zeit immer in Angst, dass die Kälte Sam zurückverwandelt.

Da „Shiver“ mein Herz im Sturm erobert hat, war ich ein wenig besorgt, wie die deutsche Version auf mich wirken könnte. So gut wie immer bin ich unzufrieden mit den Übersetzungen. An dieser Stelle muss ich aber Script 5 mal ein Lob aussprechen. Sie machen ihre Arbeit wirklich super. Nicht nur das Cover ist wunderschön und die Idee, aus den drei Titeln am Ende einen Satz entstehen zu lassen, finde ich super (So wie Maggie, die gern mit der deutschen Ausgabe angibt (; ). Auch die Wahl der Übersetzerin war perfekt. Vom Zauber des Originals ist nichts verloren gegangen.

Die Charaktere von „Nach dem Sommer“ sind wirklich liebevoll ausgedacht. Dabei scheint es ein bisschen, als ob Grace und Sam die Rollen tauschen würden, die das Klischee ihnen zuschreiben würde. Grace ist eher pragmatisch und ruhig. Bevor sie ihre Gefühle ausdrückt, zeigt sie sie eher. Weder mag sie shoppen zu gehen noch anderes typisches Mädchenzeug. Ihre Leidenschaft gehört den Wölfen und dem Wald. Sie kann ich ihre Sehnsucht nach dem Rudel nie richtig erklären. Grace mochte ich deswegen so, weil mich ihre Liebe für den Wald und die Wölfe ein wenig an mich erinnert hat. Sam hingegen ist total gefühlvoll, er zeigt Grace so viel von seinem Leben wie nur möglich, spielt Gitarre und liest deutsche Poesie. Also mehr der Typ Wunschmann, den es in Echt leider viel zu selten gibt. Wer mir von Lesen zu Lesen mehr ans Herz wächst, ist Isabel. Eigentlich ist sie so angelegt, dass man sie nicht leiden kann – Typ Paris Hilton in der Provinz. Dabei stellt sich heraus, dass Isabel weder blöd ist noch wirklich unsympathisch. Vielmehr erhascht man hie und da den Blick auf ein Mädchen, das eine Sehnsucht in sich trägt, die sie krampfhaft zu verstecken sucht. Vor allem am Ende mochte ich sie wirklich sehr.

Die Geschichte um die Wölfe finde ich wunderschön. Wenn ein Mensch von einem Wolf gebissen wird, verwandelt er sich auch. Zuerst sind die Verwandlungen unkontrolliert und man springt von Mensch zu Wolf und zurück. Man behält seinen grundlegenden Charakter bei (das heißt, ist man als Mensch aufbrausend, dann auch als Wolf), erinnert sich aber sonst aber kaum an sein menschliches Leben. Säer verwandeln sich die Wölfe zurück, wenn es warm wird und wieder in einen Wolf, sobald es kalt wird. Je länger der Biss her ist, desto kürzer werden die Perioden, in denen man Mensch wird. Für Sam soll es zum Beispiel sein letztes Jahr als Mensch sein, was die Geschichte um ihn und Grace sehr tragisch macht, da er sich im September nur durch seine Schussverletzung verwandelt hat und der Winter schon wieder vor der Tür steht. Kommuniziert wird untereinander nur durch Bilder. Auch in Grace steckt ein Wolf, ist Sam überzeugt, sie hat sich aus irgendeinem Grund nur nie verwandelt.

In die zarte Liebesgeschichte zwischen Grace und Sam, deren endlich gefundenes Glück am seidenen Faden hängt, drängt sich ein Problem – Jack. Denn entgegen der Erwartungen ist der Junge nach dem Angriff nicht gestorben, sondern hat sich verwandelt. Da kein anderer Wolf da ist, streift Jack planlos durch die Gegend und ringt mit seinem Schicksal. Er taucht vor der Schule auf und auf der Türschwelle einer von Grace Freundinnen, sucht seine Schwester auf und ist auf der krampfhaften Suche nach einer Heilung. Sam muss sich darum kümmern, dass Jack nichts Blödes anstellt, denn er war schon als Mensch gewalttätig und jähzornig. Auch Shelby, eine weitere Wölfin, bringt Spannung in die Geschichte, da sie davon besessen ist, Sams Partnerin zu werden, sobald er Rudelführer ist.

„Nach dem Sommer“ ist ein stilles Buch mit Charakteren, die sogar mit all ihren Fehlern liebenswert sind und mit einem der traurigsten Enden, das ich seit langem hatte. Sogar, wenn man es zum dritten Mal liest (so wie ich), kann man gar nicht anders, als Massen an Tränen zu vergießen.

|Rezension| Maggie Stiefvater „Linger“

|Rezension| Maggie Stiefvater „Linger“

Reihe: The Wolves of Mercy Falls

Band: 2

Verlag: Scholastic (Juli 2010)

Seiten: 368

ISBN: 0545123283

Preis: 13,50 €

Inhalt

Vor Grace und Sam liegt ihre ganze gemeinsame Zukunft. Sam verbringt zum ersten Mal seit Jahren einen Winter als Mensch. Doch er traut seiner Heilung nicht ganz. Als die Tage wärmer werden, muss Sam Becks Platz einnehmen, als der neue Wolf Cole anfängt, sich zurückzuverwandeln. Doch Cole will gar kein Mensch sein, sondern als Wolf seiner drogen- und problemreichen Rockstarvergangenheit entfliehen. Der einzige Mensch, an den sich Cole wirklich wendet, ist Isabel, die ihn bei einer seiner ersten Verwandlungen gefunden hat. Unterdessen bemerkt Grace, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmt. Der Wolf in ihr drängt immer mehr nach außen.

Meinung

„Linger“ ist anders als „Shiver“ und dabei doch wieder so wunderbar wie sein Vorgänger. Nachdem es Grace gelungen ist, Sam von seiner Krankheit zu heilen, hat sie ihn komplett für sich, ohne Angst haben zu müssen, ihn wieder an seine Wolfform zu verlieren. Beide verbringen viel Zeit miteinander und warten darauf, dass die anderen Wölfe sich zurückverwandeln. Doch Sam ist sich gar nicht sicher, ob er Becks Platz einnehmen möchte, um auf das Rudel aufzupassen. Denn während Grace Zukunftspläne macht, ist ihm klar, dass dieser Platz ihn an Mercy Falls fesseln wird. Umso deutlicher wird das, als er auf Becks eigentlichen Nachfolger trifft: Cole.

Cole ist einer der neuen Wölfe und ein großer Teil des Buches wird aus seiner Sicht geschrieben. Cole ist ehemaliger Leadsänger der Band NARKOTIKA. Sein Leben bestand nur aus Drogenräuschen und Fehlern, jeden, der ihm etwas bedeutet hat, hat er in den Abgrund mitgerissen. Als er bei einem Konzert mit einer Überdosis unbekannter Drogen auf der Bühne zusammenbricht, sieht Beck seine Chance, ihn unbemerkt zu verwandeln und nach Mercy Falls zu bringen. Doch Cole hatte nie vor, Becks Platz einzunehmen. Das einzige, was er will, ist für immer ein Wolf zu bleiben.

Zwischen Cole und Isabel entwickelt sich eine Bindung, als Cole splitternackt in Isabels Haus marschiert. Doch Isabel wäre nicht sie und Cole nicht er, wenn ihre Beziehung auch nur annähernd aussehen würde wie die von Sam und Grace. Vielmehr klammern sich beide daran, dass es den anderen eigentlich gar nicht interessiert, wie es ihnen geht und mit welchen Teufeln ihrer Vergangenheit sie zu kämpfen haben. Überhaupt schafft es Isabel, durch ihre eigentlich unverändert hochnäsige und zickige Art den Leser von sich zu überzeugen, denn sie bleibt gleichzeitig authentisch und erlaubt trotzdem einen Blick hinter ihre Fassade. Vor allem Grace hängt ihr mehr am Herzen als sie je zugeben wollen würde.

Auch Grace Leben findet keine Ruhe, denn ihre Eltern habe plötzlich beschlossen, nach Jahren der Vernachlässigung ihren elterlichen Pflichten nachzugehen – und die bestehen daraus, den Freund ihrer Tochter nicht zu mögen. Als sie Sam dann in Grace Zimmer finden, verbieten sie ihr, ihn zu sehen. Trotz allem erlebt man mit Sam und Grace diese stillen gemeinsamen Momente, die schon „Shiver“ zu etwas Besonderem gemacht haben. Doch selbst diese Momente sind wieder vom Schatten des Verlustes verdunkelt, denn diesmal ist es nicht Sam, sondern Grace, die merkt, dass der Wolf in ihr nach draußen möchte. Weder sie noch Sam wissen, was sie tun sollen, denn sie wird immer schwächer und kränker.

„Linger“ hat die stillen Momente seines Vorgängers und durch die neuen Erzählperspektiven von Isabel und Cole auch eine neue, emotional aufwühlendere Seite. Daraus ergibt sich eine perfekte Mischung zwischen Spannung und Ausruhen. Vor allem das Ende fesselt den Leser, so dass er nicht aufhören kann, bis das Buch leider in einem Cliffhanger endet. Leider deswegen, weil es noch so lange hin ist bis zur Veröffentlichung von „Forever“.

Für alle deutschen Leser, die das Original lesen, gibt es wieder ein kleines Schmankerl, wenn Rilke gelesen wird, Ulrik deutsch spricht oder auch Sam sich daran versucht.