|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

letztersommer

heyne>fliegt  * 08.03.2016 * ISBN 978-3-453-27012-1

HC 14,99 €  * eBook 11,99 * Leseprobe * Autorin

KlappentextTessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Meinung

Mittlerweile habe ich ja schon einige Bücher gelesen, die nach dem Prinzip funktionieren, dass ein junger Mensch an der Schwelle des Todes noch einmal etwas ganz Wunderbares erlebt. Manche davon waren toll. Manche haben mir das Herz gebrochen. Und manche hinterlassen eher das Gefühl bei mir: Äh, ja, das wars schon? Entgegen des großen Hypes und der Lobeshymnen, die überall geschwungen werden, zählte Mein bester letzter Sommer für mich leider zu genau dieser Kategorie.

Irgendwie kann man ja fast gar nicht anders, als sich an Schema F halten. Man braucht also diesen jungen Menschen – Tessa –, der an einer tödlichen Krankheit leidet – Herzfehler –, der möglichst sein ganzes junges Leben damit verschwendet hat, gegen ebenjene Krankheit zu kämpfen und den Kampf aber ziemlich sicher verliert. Dann braucht man den zweifellos umwerfenden Love Interest – Oskar-, den man erst einmal weit von sich wegschieben muss, weil ja bald tot und ganz schlimm und gebrochenes Herz und so, um sich ihm dann doch zu ergeben, weil Carpe Diem. Wäre es nur das gewesen, dann wäre das nicht so schlimm. So funktioniert das einfach mit diesen Büchern. Und es hat auch funktioniert, denn geheult hab ich am Ende ja trotzdem.

Was mich tatsächlich mehr gestört hat, war, dass ich mir von dem Roadtrip, den Tessa und Oskar machen, wesentlich mehr erwartet hätte. Ich hatte das permanente Gefühl, es ginge eigentlich nur darum, dass die beiden Knutschen,  Kuscheln und irgendwann auch Sex miteinander haben. Dabei machen sie ganz tolle Dinge zusammen in Italien – ich würde mich zum Beispiel auch gerne mit dem Einkaufswagen durch eine romantische italienische Innenstadt kutschieren lassen. Davon wollte ich mehr lesen! Ich wollte lesen, wie die beiden die Städte genießen, wie sie beschreiben, was sie sehen, wie sie mehr abklappern als nur Eisdielen und Pizzerien. Leider blieb bei mir das schale Gefühl zurück, dass sie das alles, was sie getan haben, auch in Deutschland hätten haben können, denn ihre Reiseroute wirkte eher so, als müssten diese Orte halt mal erwähnt werden.

Auch viel Konflikt- und Aufarbeitungspotenzial wurde für mich nicht richtig genutzt. Nachdem Tessa und ihre Mutter ewig um das Thema der Lüge herumschleichen, um sich dann so richtig darüber zu fetzen und es dann zu klären, bleibt der Rest irgendwie auf der Strecke. Wie geht Tessa damit um, dass ihr Vater sich lieber um seinen Job als um sie gekümmert hat? Was macht sie aus dem, was sie über ihre Schwester erfährt? Und wie geht es Oskar, der drauf und dran ist, schon wieder jemanden in seinem kurzen Leben an den Tod zu verlieren? Dagegen fand ich Probleme wie „Findet Oskar meine Narbe nicht sexy?“ dann doch eher unwichtig, obwohl sie so einen prominenten Platz in Tessas Kopf einnehmen.

Natürlich gab es auch die tollen Seiten an diesem Buch, der Hype ist ja nicht komplett unbegründet. Davon abgesehen, dass Tessa und Oskar als Paar zusammen natürlich unheimlich zuckrig süß sind, gab es die Momente, die einem bildlich vor Augen standen – das waren meistens auch die intensivsten zwischen ihnen. Wie sie gemeinsam auf dem Autodach in den Himmel blicken. Tessa im Scheinwerferlicht des Autos. Vielleicht lag das auch daran, dass sie gedanklich mit Musik unterlegt waren und ich so ein Musikjunkie bin, der Lieder mit Büchern verbindet. Der Musikgeschmack war einfach einwandfrei! Auch muss man einfach die wunderschöne Gestaltung des Buchs hervorheben – innen und außen ist es ein echter Hinkucker!

Fazit

Ich kann mich dem Hype leider nicht anschließen – Mein bester letzter Sommer ist eine schöne Liebesgeschichte, unterlegt mit passender Musik und gespickt mit wunderbaren Momenten, von denen es aber leider viel zu wenige gibt.

|Buchtipp| Calender Girl

|Buchtipp| Calender Girl

calender girl 1

Kürzlich erreichte mich ein sehr hübsch verpacktes Päckchen von Ullstein. Darin befand sich en Buch, über das ich schon auf der Leipziger Buchmesse gestoßen war.

calender girl 2

Die Calender Girl-Reihe von Audrey Carlan erschien in ihrer Originalsprache als eBook-Reihe. Jeden Monat erschien ein neuer Teil und hielt die Leser damit in Atem. Nach Abschluss der Reihe wurden die Bücher dann noch einmal in einen Vierteljahrrhythmus zusammengefasst, den der Ullstein-Verlag übernommen hat.

Auch wenn es dazu ganz tolle Nagellacke gab, kann man über die Farbgestaltung ja schon ein wenig streiten. Über die Haptik aber nicht – nutzt die Gelegenheit und nehmt die Bücher im Laden zumindest einmal in die Hand. Auf Bildern kann man gar nicht festhalten, wie toll die glänzenden Blumen und Schrift auf dem matten Papier wirken.

calender girl

Worum geht’s denn nun in Calender Girl?

Mia Saunders braucht Geld. Viel Geld. Eine Million Dollar, um ihren Vater zu retten. Er liegt im Krankenhaus, weil er seine Spielschulden nicht begleichen konnte. Um die Summe aufzutreiben, heuert Mia bei einer Agentur an und lässt sich als Begleitung buchen. Ihre Gesellschaft kostet 100.000 Dollar pro Monat. Sex ist ausdrücklich nicht Teil des Deals – leichtverdientes Geld! Und der Liebe hat Mia sowieso abgeschworen. Als sie ihrem ersten Kunden, dem Hollywood-Autor Wes Channing, gegenübersteht, ist schnell klar: Zwischen den beiden knistert es gewaltig. Vor ihnen liegt ein Monat voll heißer Leidenschaft. Doch Mia darf sich nicht verlieben. Denn Wes ist nur Mr Januar…

Mehr erfahrt ihr auf www.einjahrvollerleidenschaft.de.

Der Vergleich mit Pretty Woman ist offensichtlich, obwohl ich persönlich ja nicht wirklich Fan dieser Geschichte bin. Auf die Umsetzung hier bin ich jedoch mal gespannt – mit den meisten Büchern in der Richtung stehe ich ja auf Kriegsfuß und erhoffe mir endlich mal eine Protagonistin, die dür sich selbst einstehen kann. Ab dem 27.6. könnt ihr dem auch auf den Grund gehen – oder seid ihr das schon?

|Rezension| Nina Ponath „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella!“

|Rezension| Nina Ponath „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella!“

tinderella

Eden Books * 14.03.2016  * ISBN 978-3-9591-0047-2

TB 12,95 €  * eBook 9,99 €

KlappentextTinder hat sich seit geraumer Zeit zu DEM Dating-Portal schlechthin gemausert. Man meldet sich an, bekommt Bilder von Singles vorgeschlagen und mit einem Wisch kann sich entscheiden, ob man heute noch ein Date hat oder nicht. Diese Einfachheit und Zwanglosigkeit hat in der Netzgemeinde jedoch schnell dazu geführt, dass man hier auch eher lockere Bekanntschaften macht, die in der Regel so gar nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Erst nach einer wahren Odyssee durch die Welt der verrückten Tinder-Treffen kommt das Beste dann doch noch zum Schluss: Ninas Happy End mit Traummann Jannick. In diesem Buch schreibt Nina von ihren und von Jannicks skurrilen und witzigen Erfahrungen und Katastrophendates, bis sie sich endlich gefunden haben.

Meinung

Ich liebe ja diese Bücher der Art „Ich probiere etwas aus und erzähle euch mal, wie das so war“. Alexandra Reinwarth ist für mich die Meisterin in diesem Bereich, aber ich sehe mich gern auch nach ebenbürtigen Autoren um. Deswegen war ich sofort fasziniert von der Idee, die in „Viele Frösche musst du küssen, Tinderella“ verfolgt wird. Ich erwartete mir lustige Dategeschichten und Chatverläufe.

Tatsächlich fällt es mir etwas schwer, diese Rezension zu schreiben im Bewusstsein, dass sowohl die Autorin als auch ihr Freund als auch alle drum herum tatsächlich existierende Menschen sind und keine erfundenen theoretischen Figuren. Denn wenn ich ehrlich bin, würde ich keinem von ihnen gerne auf einer Internetplattforum für Singles begegnen (oder überhaupt), weil sie genau das darstellen, was ich dabei fürchten würde. Das trifft vor allem aber auf die männliche Seite zu.

Das liegt auch daran, dass so viele echt unnötige, auch verletzende Treffen nicht hätten sein müssen, wenn man einfach mal ehrlich gewesen wäre. Obwohl man es der Autorin auch nicht recht machen kann, denn sowohl ein einfaches Hallo als auch ellenlange Texte sind für sie ein No-Go, am liebsten hätte sie einen witzigen Abschleppspruch. Mir persönlich wäre ein normales Hallo ja tausendmal lieber als ein blöder Spruch, der sowieso nur Copy und Paste-mäßig benutzt wird. Bei vielen Typen hat sie von vornherein ein mulmiges Gefühl im Bauch, auf das sie aber nie hört. Die Autorin berichtet nicht nur einmal davon, wie sie hinten und vorne belogen wird, zeitgleich gedatet mit anderen Frauen, durch aufpolierte Bilder getäuscht oder nur als schnelle Nummer herhalten soll, ohne das aber so deutlich zum Ausdruck zu bringen. Damit bestätigt sie zum einen ihren eigenen Eindruck von der Flirtapp, zum anderen aber auch die Befürchtung, die man selbst dabei auch so hat – um sich einen One Night Stand zu suchen, ist das ganze ja echt prima, aber die ernsthaften Beziehungskandidaten kann man suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Umso schlimmer fand ich Janniks Bericht, weil er genau das repräsentiert. Es tut mir ja echt leid, und die Idee, auch den Mann zu Wort kommen zu lassen in allen Ehren, aber mir war er echt unsympathisch, eben genau _weil_ er so viel Tinderklischee war. Für ihn ist es völlig okay, die Frauen da abzuschleppen, aber selbst kontaktiert zu werden, um abgeschleppt zu werden, geht für ihn gar nicht? Und bei Frauen, die angetüdelt bis betrunken sind, versucht er ja gerne mal, ob was geht? Allein bei der Aussage stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf. Außerdem hat er ein echt ernsthaftes Problem mit Yoga (wie seine Freundin übrigens auch), lesende yogamachende Frauen kommen für ihn nämlich gar nicht in die Tüte. Der Gipfel war dann, als er ein Mädchen, das sich aufdrängt, einfach mit nach Hause nimmt (weil sie sich aufdrängt, jaja, wir wissen es), und anstatt der Frau einfach zu sagen: „Ey, sei mir nicht böse, das mit uns läuft gar nicht.“, hat er mit ihr Sex, den er eigentlich blöd fand, und meldet sich dann erst am nächsten Tag nicht und nach hundert (zugegeben nervigen, aber verständlichen!) Nachfragen schenkt er ihr übers Telefon reinen Wein ein. What? Wenn ich könnte, wie ich wollte, wäre dieser Beitrag ein Ü-18 Beitrag wegen sämtlicher Schimpfwörter, die mir hier in den Sinn kommen. Das geht gar nicht, ganz egal, wie verquer seine Flirtpartnerin war!

Jannik hat übrigens auch einen echt dicken Kumpel, der Frauen im Sinne von Angelina Jolie in „Durchgeknallt“ – also irre, abgemagert, aber mit großen Titten – so geil findet, dass er den ganzen Film über einen Ständer hatte. Zur Aufklärung: In Durchgeknallt geht es um die wahre Geschichte einer Psychiatrieinsassin, die von ihren 18 Monaten dort und den Menschen erzählt, die sie dort kennengelernt hat. Es geht um Depressionen, Selbstmord, Verzweiflung, Abhängigkeit, Selbstverletzung und Essstörungen.  Ich finde keine Worte außer: Solchen Männern möchte ich nachts nicht auf der Straße begegnen. Und das sind nur zwei Punkte, die mich innerlich schon auf 180 getrieben haben, die Liste wäre durchaus noch länger.

Die Anekdoten, die zwischendrin eingestreut werden, entschädigen ein wenig für diese abschreckende männliche Riege, die hier auftaucht, und die Idee, dass Jannik und Nina sich immer wieder über den Weg laufen oder Bekannte daten, war ganz nett, weil es zeigt, wie klein die Datingwelt auch sein kann.

Insgesamt hat mich dieses Buch aber nur mit einem Gefühl zurückgelassen: Gott sei Dank bin ich kein Single und muss so einen Mist nicht mitmachen, mir diese Lügereien antun und mich selbst in ein Licht rücken, das mit mir als Person gar nichts zu tun hat. Tinder ist nicht umsonst zuerst auf Optik ausgerichtet.

Fazit

Eine Erfahrungsgeschichte, die einerseits zwar Mut macht, dass den Partner im Internet zu finden auch möglich ist, deren männliche Protagonisten aber jede Angst bestätigen, die man im Zusammenhang mit Flirtapps nur haben kann.

|Kurzmeinung| Susanna Ernst „Immer wenn es Sterne regnet“ + Gewinnspiel

|Kurzmeinung| Susanna Ernst „Immer wenn es Sterne regnet“ + Gewinnspiel

Sternenregen

Knaur * 01.12.2015 * ISBN 978-3-426-51680-5

TB 9,99 € * eBook 9,99 € * Leseprobe Autor

Klappentext

Als Mary auf einem Trödelmarkt einen alten Sekretär erwirbt und darin ein Bündel Briefe findet, stürzt sie Hals über Kopf in eine Geschichte, die ihr Leben für immer verändert. Es sind Liebesbriefe aus den 1920er Jahren, geschrieben von einem gewissen Adam an seine heimliche Angebetete Gracey. Die sehnsüchtigen Zeilen treffen Mary mitten ins Herz, und sie beschließt, mehr über das ungleiche Paar und ihre verbotene Liebe herauszufinden. Dabei entdeckt Mary etwas, womit sie nie gerechnet hätte; und als der Himmel plötzlich aufreißt und es mit einem Mal Sterne regnet, wird der Ausflug in die Vergangenheit zu einer Reise zu sich selbst.
Meinung

Diese Männer aus früheren Zeiten, die haben schon etwas an sich – man denkt sie sich als Gentlemen, die ihre Angebeteten auf Händen tragen. Adam, dessen Liebesbriefe Mary in einem alten Sekretär findet, ist genau diese Art Mann. Er bezeichnet sein Geschriebenes selbst als „erbärmlich schwülstig“ und ein bisschen ist es auch so. Oder Adam ist einfach Hals über Kopf verliebt. Der zweite Gedanke ist natürlich wesentlich schöner und auch wesentlich richtiger.

Immer wenn es Sterne regnet präsentiert dem Leser nun keine innovative Idee, die er vorher noch nie im Leben gehört, geschweige denn gelesen hat. Alte Briefe, die jemand findet und deren Spuren er folgt, zwei Personen, die eine eher raue Vergangenheit miteinander haben und dennoch zusammen finden – das gab es alles schon. Und dennoch ist es irgendwie schön zu lesen, wie sich Mary und Jeremy näher kommen, wie beharrlich er versucht, wiedergutzumachen, was er als Kind angestellt hat, und wie sie langsam Vertrauen zu ihm fasst, weil sie beide so ähnliche Schicksale teilen. Obwohl beide irgendwie Klischee sind, sind sie doch sympathisch.

Spannend fand ich persönlich schon, was aus Adam und Grace geworden ist, und bin Mary bei ihren Nachforschungen sehr gerne gefolgt. Dabei – und auch, weil er wesentlich mehr zu Wort kommt – wächst einem Adam sehr ans Herz. Er wird einfach als so herzensguter Mensch dargestellt, der nie über seine erste und einzige große Liebe hinweggekommen ist, und sich lieber um fremde Kinder kümmert, als mit einer Frau, die er nicht annähernd so liebt wie Grace, eine Familie zu gründen.

Fazit

Eine schöne Liebesgeschichte mit leicht übernatürlichem Touch.

 

Sterne Gewinn

Ihr könnt ein Exemplar von Immer wenn es Sterne regnet gewinnen. Wie? Erzählt mir doch von eurer überraschensten Entdeckung! Teilnahme nur über 18 oder mit Erlaubnis der Eltern, keine Auszahlung, pipapo, ihr wisst schon.

Und für doppelte Gewinnchancen: Auf meiner Facebookseite gibt es ein weiteres Exemplar abzustauben.

Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, 12 Uhr Mittag. Viel Glück!

|Rezension| Alexa Hennig von Lange „Die Welt ist kein Ozean“

|Rezension| Alexa Hennig von Lange „Die Welt ist kein Ozean“

ozean

cbt * 27.7.2015 * ISBN: 978-3-570-16296-5

 TB 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat? (© randomhouse)

Meinung

Es gibt sie ja, diese unkonventionellen Liebesgeschichten, bei denen man sich von Anfang an denkt: Das kann doch nicht gut gehen – und trotzdem hätte man es so gerne. Ich wollte das ganze Buch über, dass es mit Franzi und Tucker klappt. Ob es das tut? Lasst euch selbst überraschen.

Franzi war mir ganz schön sympathisch, obwohl ich mich am Anfang gesorgt hatte, dass sie so eine ist, die ihre emotionale Intelligenz maßlos überschätzt und sich einbildet, besser heilen zu können als alle gelernte und studierte Mitarbeiter der Psychiatrie zusammen. Umso erleichterter war ich, dass sie schnell ernüchtert feststellt, dass sie sich das Leben in einer psychiatrischen Anstalt rosiger vorgestellt hat als es ist und dass sie eigentlich null Ahnung davon hat, was sie tut und wie sie die Erfolge mit Tucker erzielt. Ebenfalls gut fand ich, dass sie ihren Traum, nach Australien zu gehen, nicht Hals über Kopf über den Haufen wirft, sondern so zwiegespalten ist. Für 16 finde ich Franzi wirklich schon reif. Leider bekommt man von Tucker nur sehr wenig mit, weil das Buch aus Franzis Sicht geschrieben wurde und Tucker selbst ja sehr wortlos bleibt. Auf der einen Seite tat er mir irgendwie leid, denn was ihm widerfahren ist, ist schrecklich, und seine Eltern haben echt alles dafür getan, den armen Kerl noch mehr zu traumatisieren.

Aber, Spoiler: Ganz uuuuurplötzlich geht es ihm wieder gut, er redet wieder UND macht Scherzchen, kriegt aber sonst den Mund nicht auf, um seiner alten Freundin zu sagen, sie soll dich gefälligst dahin scheren, wo sie sich ein Jahr lang verkrochen hat. Da kam echt der Punkt, an dem ich dachte: Liebe Franzi, nimm doch den netten Bruder des Freundes deiner Freundin, wär doch auch nicht übel.

Etwas irritiert haben mich die Andeutungen auf „Ach wie gut, dass niemand weiß“, dem Buch der Autorin, das sich um Franzis Schwester Sina und deren Freund Noah dreht. An sich wäre es ja unheimlich interessant gewesen, das Buch auch noch zu lesen, aber durch die eingestreuten Informationen habe ich jetzt das Gefühl, dass ich sowieso weiß, was darin passiert. Schade.

FazitEine wunderbare Liebesgeschichte, wenn man sich keine harte Psychiatrierealität erwartet.

|Rezension| Leisa Rayven „Wohin du auch gehst“

|Rezension| Leisa Rayven „Wohin du auch gehst“

wohin du auch gehst

Fischer * 23.7.2015 * OT Bad Romeo (Bad Romeo & Broken Juliet #1) * ISBN: 978-3-7341-0053-6

 TB 14,99 € * eBook 12,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Der Traum vom unsterblichen Ruhm führt Cassandra Taylor und Ethan Holt zu einer der berühmtesten Schauspielakademien der USA. Bereits während des Vorsprechens kommt es zu einem schicksalshaften Ereignis: Cassandra und Ethan spielen eine gemeinsame Szene so perfekt, als besäßen sie eine tiefe Verbindung und würden sich seit Jahren kennen. Zwischen ihnen herrscht eine Anziehungskraft, die weder einstudiert noch erklärbar ist. Für das Auswahlverfahren erweist sich dies als Glücksfall: Cassandra und Ethan werden als das bekannteste Liebespaar der Geschichte gecastet. Trotz der gegenseitigen Anziehungskraft klappt es privat zwischen den beiden überhaupt nicht. Dennoch sind sie auch in den kommenden Jahren die perfekte Besetzung für große Liebesgeschichten. Und mit jedem Vorhang der fällt, werden Cassandra und Ethan tiefer in das Wunder der Liebe hineingezogen.

Meinung

Als ich noch ein junger Hüpfer war (diese Formulierung liegt wahrscheinlich daran, dass ich vor Kurzem 30 geworden bin…), da fand ich diese ganzen Liebesromane ja toll – dieses große Hiiin und Heeer und Nein, ich will dich nicht und Doch, ich will dich natürlich, aber kann das doch nicht so zugeben und so weiter und so fort. Diese Bücher, in denen es auch um nichts anderes ging, keine dystopisch zerstörte Welt mit seltsamer Weltordnung und sowas. Seitdem ich den Herrn Umblättern kenne, sank mein Interesse daran aber immer mehr, bis ich diese Art von Buch gar nicht mehr gelesen habe.

Nun flatterte aber dieses zugegeben ansehnliche Exemplar von Buch überraschend ins Haus und ich wollte ihm auch eine Chance geben. Das ging irgendwie gut und irgendwie auch wieder nicht. Das Positive zuerst: Ich mochte den Schreibstil wirklich gerne. Die Autorin hat eine ganz lockere Art zu schreiben, nimmt kein Blatt vor den Mund und die beiden Protagonisten triezen sich auf die Art und Weise, die ich ja bei Freunden immer ganz amüsant finde – nach dem Motto: Was sich liebt, das neckt sich lassen die beiden sich einfach keine Ruhe. Auch die verschiedenen Zeitebenen fand ich – nach anfänglicher Verwirrtheit – ganz spannend, weil die Vergangenheit und Gegenwart immer gleich Bezug aufeinander nehmen und nicht so völlig zusammenhanglos dahingeschrieben sind. Auch hätte ich zu gern gewusst, was Ethan ihr jetzt so Schreckliches angetan hat, und die Auflösung wird ja ewig aufgeschoben.

Und damit kommen wir zu dem, was mich extrem gestört hat – es geht einfach um nichts anderes als darum, dass die beiden sich unbedingt wollen, aber es nicht gebacken kriegen, auch nur ein vernünftiges, weiterführendes Gespräch miteinander zu führen, ohne dass ihre Hormone ihnen jeglichen Intelligenzpunkt aus dem Hirn pusten. Das war am Anfang noch amüsant, aber irgendwann stellte sich das Gefühl ein, dass man zwei Teenager beobachtet, die auf der Stelle treten, weil keiner von beiden sich traut, mal zu sagen, was Sache ist. Dass beide so unheimliche Klischees sind – sie das hübscheste Mädchen weit und breit, dass das aber selbst gar nicht bemerkt, er der seelische Krüppel, der das aber mit seinem unheimlich guten Aussehen wieder wett macht – macht die Sache dann auch nicht besser. Man möchte sich vor sie hinstellen und sagen: „Leute, ihr seid erwachsene Menschen, kriegt euch mal ein.“ Dass das Ende dann auch noch aus einem Cliffhanger besteht, hat mich dann zutiefst frustriert. Irgendwie kam ich mir um mein Happy End betrogen vor, auf das doch die ganze Zeit so hingearbeitet wird.

Fazit

Für Leser, die dieses Genre gerne mögen, ist Wohin du auch gehst, sicher eine prima Investition und eine tolle Unterhaltung. Für mich zog sich das anfangs sehr unterhaltsame Buch irgendwann nur noch wie zäher Kaugummi.