|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

raven king

Scholastic * 26.04.2016 (The Raven Cycle #4) * ISBN 978-0-5454-2498-1

TB 10 €  * eBook 10 € * Autorin

Klappentext For years, Gansey has been on a quest to find a lost king. One by one, he’s drawn others into this quest: Ronan, who steals from dreams; Adam, whose life is no longer his own; Noah, whose life is no longer a lie; and Blue, who loves Gansey… and is certain she is destined to kill him.

Now the endgame has begun. Dreams and nightmares are converging. Love and loss are inseparable. And the quest refuses to be pinned to a path.

Meinung

“He was a book, and he was holding his final pages, and he wanted to get to the end to find out how it went, and he didn’t want it to be over.”

Ich muss zugeben, dass ich – auch wenn ich Maggie Stiefvater liebe und wie gesagt noch ihre Einkaufszettel lesen würde – den Raven Cycle nie ganz oben auf meiner Lieblingsliste angesetzt hatte. Die Geschichte war natürlich toll, die Jungs super, Blue sympathisch und die Recherchearbeit – wow, Hut ab. Aber so richtig mein Herz gewonnen hat die Reihe erst mit ihrem Abschluss.

Vielleicht liegt es an der albtraumhaften Atmosphäre des Buches, denn Albträume zählen zu meinen Guilty Pleasures in der Buchwelt. Tatsächlich ist der letzte Teil der Reihe so richtig finster. Cabeswater wird vom Zufluchtsort zum Wohnort aller Albträume, die sich die Raven Boys und Blue nur vorstellen können. Und diese Albträume ziehen in die Wirklichkeit ein, nicht nur, weil Ronan sie mit sich dorthin trägt. Die ganze Stimmung des Buches ist bedrohlich und düster und ich liebe es!

Dabei schafft es Maggie Stiefvater mal wieder, dass man sich von ihrem Schreibstil durchs Buch getragen fühlt. Man möchte jeden Satz unterstreichen, weil er so schön ist, und hinter jedes Schimpfwort ein Ausrufezeichen setzen, weil es so passend ist für das, was man gerade fühlt, oder das Buch nach einem besonders schönen Kapitel einmal an sich drücken und seufzen und dabei vor Neid zerfließen, weil es wohl niemand so hinbekommt, gleichzeitig poetisch zu schreiben und doch nicht aufgesetzt zu wirken wie diese Frau.

Eine Wendung in der Geschichte, die ich persönlich nicht kommen haben sehe, war die Beziehung zwischen Adam und Ronan. Überhaupt hat sich Ronan schon in den letzten Teilen nach und nach zu meinem Lieblingscharakter entwickelt. Dass er sich irgendwann geoutet hat, fand ich toll, die möglichen Andeutungen, dass diese Gefühle aber für Adam existieren, habe ich wohl geflissentlich übersehen, weil ich bis dato viel zu sehr mit der Adam-Gansey-Blue-Konstellation beschäftigt war. Nichtsdestotrotz habe ich mein innerliches Fangirlfähnchen für Adam und Ronan geschwungen. Hach.

When Adam kissed him, it was every mile per hour Ronan had ever gone over the speed limit. It was every window-down, goose-bumps-on-skin, teeth-chattering-cold night drive. It was Adam’s ribs under Ronan’s hands and Adam’s mouth on his mouth, again and again and again. It was stubble on lips and Ronan having to stop, to get his breath, to restart his heart. They were both hungry animals, but Adam had been starving for longer.

Ein großer Fan war ich auch von Henry. Es scheint seltsam, in die enge Gruppe der Raven Boys plötzlich ein neues Gesicht aufzunehmen und ich habe gelesen, dass viele davon nicht besonders begeistert waren. Ich fand es toll. Henry hat eigentlich keine Ahnung davon, was so wirklich los ist. Er weiß nur, dass er und Gansey beide die gleiche innere Sehnsucht hegen, ihre Geheimnisse mit jemandem teilen zu können, weil niemand außerhalb je verstehen würde, mit welcher Art Magie sich manche herumschlagen müssen und wollen. Henry möchte aus der Suche nach Glendower nichts herausschlagen, er hat keinen Wunsch, den er an ihn richten könnte – er möchte einfach nur einen Platz, an den er gehören kann. Henrys Freundschaft mit Blue und Gansey ist von ganz anderer, reinerer Natur als die zu den anderen, ohne Verpflichtungen und Vorgeschichte.

My mom said she was never herself in English. But it wasn’t that Henry was less of himself in English. He was less of himself out loud. His native language was thought.

Von Artemus war ich hingegen mehr als enttäuscht. Ich hatte mir von Blues Vater wesentlich mehr erwartet als jemanden, der sich konstant in der Vorratskammer versteckt, sich weigert, seiner Tochter in irgendeiner Weise zu helfen,um sich nur ganz am Ende mal dazu herabzulassen, irgendetwas Hilfreiches beizutragen, das im Grunde sowieso alle schon wussten, von Blues wahrer Natur ausgenommen.

The Raven Boys – wie schon seine Vorgänger – wartet mal wieder mit einer Menge Überraschungen auf. Wie immer ist nichts so wie es zu sein schien und alles entwickelt sich in Richtungen, die man nie kommen sehen hat. Das macht die Reihe so spannend. Man weiß nie, wo man letztendlich endet. Wie es endet, war mir dann doch fast ein wenig zu einfach – zuerst die Art, wie Gansey auf Glendower stößt, und dann das Happy End, von dem man eigentlich doch wusste, dass es kommen muss. Nichtsdestotrotz habe ich Rotz und Wasser geheult, versteht mich nicht falsch. Immerhin fand ich es mutig, dass nach vier Büchern voller Suche und Rätsellösung und Leben-aufs-Spiel-Setzerei Glendower einfach tot ist.

“I stopped asking how. I just did it. The head is too wise. The heart is all fire.”

Fazit

Ein Reihenabschluss, der sich ins Herz schleicht und da lange festsitzt, mit einer Sprache, die den Leser in den Bann zieht und einer dunklen Atmosphäre, durch die immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen blitzen. Ein Buch also, das man am liebsten komplett zitieren möchte, und ein Beispiel dafür, dass das Young Adult-Genre nicht grundsätzlich leichte Kost für zwischendrin ist.

|Rezension| Emily Whitman „Radiant Darkness“

|Rezension| Emily Whitman „Radiant Darkness“

Emily Whitman @ EmilyWhitman.com

Greenwillow Books (April 2009)

288 Seiten, 12,99 € HC

Klappentext

Persephone lives in the most gorgeous place in the world. But her mother’s a goddess, as overprotective as she is powerful. Paradise has become a trap. Just when Persephone feels there’s no chance of escaping the life that’s been planned for her, a mysterious stranger arrives. A stranger who promises something more—something dangerous and exciting—something that spurs Persephone to make a daring choice. A choice that could destroy all she’s come to love, even the earth itself.

In a land where a singing river can make you forget your very name, Persephone is forced to discover who—and what—she really is.

Meinung

Die Legende von Persephone hat mich schon seit frühester Kindheit fasziniert und ebenso alles, was auf ihr basierte – Filme, Bücher, Musik. Die Legende besagt, dass Persephone, Tochter von Demeter, eines Tages von Hades in die Unterwelt entführt wurde, nachdem sie eine Narzisse brach und der Erdboden sich unter ihr auftat. Ihre Mutter Demeter wandt sich daraufhin von Menschheit und Göttern gleichermaßen ab, Dürren brachen aus oder Überschwemmungen überzogen das Land, bis Zeus Hermes befahl, Persephone aus der Unterwelt zurückzuholen. Doch Persephone hatte in der Unterwelt von einem Granatapfel gegessen und war damit an sie gebunden. Man einigte sich darauf, dass sie die Hälfte des Jahres über der Erde bei ihrer Mutter verbringen durfte, die andere Hälfte des Jahres aber bei Hades bleiben musste.

Emily Whitman spielt mit dieser Legende und ändert die Umstände – in „Radiant Darkness“ entscheidet sich Persephone, freiwillig mit Hades in die Unterwelt zu gehen, um seine Königin zu sein. Persephone lebt in einem Garten fern von der Männerwelt und ihre Mutter ist besessen davon, sie als ihr kleines Mädchen zu behalten. Das weckt in der langsam älter werdenden Persephone aber Trotz und als sie auf Hades trifft, verheimlicht sie ihre Treffen sowohl vor Demeter als auch vor ihren Freundinnen, den Nymphen. Es mag an meinen Vorstellungen von Persephone und Hades liegen, aber beide Figuren und ihre Liebesgeschichte blieben die ganze Zeit schrecklich oberflächlich und flach. Zwar sehen sich Persephone und Hades mehrere Male, bis Persephone beschließt, ihn in die Unterwelt zu begleiten, doch außer dass Hades der einzige Mann weit und breit ist, sehe ich keinen Grund, wieso sie sich verlieben. Persephone ist kindisch, hat durch ihre Gefangenschaft kaum etwas zu berichten und weiß sowieso nicht, wie sie mit Hades umgehen soll, der umgekehrt nur über Pferde redet oder sie anstarrt. In der Unterwelt sehen die beiden sich beinahe nie und wenn, dann behandelt Hades sie weiterhin wie ein entmündigtes Kind. Anfangs benimmt sie sich auch noch so, ist tollpatschig und trotzig, doch mit der Zeit entwickelt sie sich doch noch zu einem selbstbewussten Charakter. Hades – in meiner Vorstellungen eigentlich ein sehr trauriger und einsamer Charakter – war hier nur großkotzig, großväterlich und egoistisch.

Die Beschreibung der Unterwelt, des Styx, von Charon und Cerberus fand ich wiederum sehr schön, weil sie sich von der altbekannten Legende doch etwas abhebt. Die Unterwelt ist hier ein sogar sehr lebendiger Ort mit gefährlichen Ecken und keine dunkle Hölle, wie man glauben mag. Auch, wie Persephone neuen Wind in die Unterwelt bringt, war sehr schön zu lesen. Ansonsten wird sich stark an die ursprüngliche Legende gehalten – Persephone findet Hades mit Hilfe des Duftes von Narzissen, sie isst tatsächlich von dem Granatapfel und sowohl Demeter als auch Zeus reagieren genauso wie von ihnen erwartet wird. Auch werden hier und da weitere Legenden eingeschoben, wie die von Zeus, der sich in einen Schwan verwandelt, oder die von der hochmütigen Arachne, die Athene ärgert.

Alles in allem hätte ich mir mehr erhofft und nur eine lahme Geschichte mit platten Charakteren bekommen. Sehr schade. Die Legende besitzt viel Potential, das andere Autoren viel besser ausgenutzt haben.