|Rezension| Adele Griffin „Das unvollendete Leben der Addison Stone“

|Rezension| Adele Griffin „Das unvollendete Leben der Addison Stone“

addison

cbt * 02.11.2015 * OT: The unfinished life of Addison Stone * ISBN 978-3-570-16385-6

TB 14,99 € * eBook 11,99 € *  Autor

Klappentext

Addison Stone ist eine hochbegabte, dynamische Künstlerin, die in New York lebt und gewagte Kunstwerke in Szene setzt – ein gefeiertes Wunderkind in der Szene. Doch ihr Leben endet viel zu früh, als sie eines Abends von der Manhattan Brücke stürzt. Sie war erst achtzehn Jahre alt. War es Selbstmord? Ein Unfall? Oder Mord? Anhand von Interviews mit ihrer Familie, ihren Freunde, ihrer hippen New Yorker Entourage und ihren vergangenen Liebhabern, einer Vielzahl von Kunstwerken und Fotos gerät man in den atemberaubenden Sog von Addison Stones faszinierendem und enigmatischem Leben …
Meinung

Die einzige Gelegenheit, bei der ich Klatschzeitschriften lese, ist, wenn ich im Wartezimmer sitze und kein Buch mitgenommen habe. Das führte jedoch dazu, dass mich die optische Aufmachung von Das unvollendete Leben der Addison Stone gleichzeitig abschreckte und anzog.

Abgeschreckt war ich, weil ich befürchtete, eine oberflächliche Geschichte über ein noch oberflächlicheres Mädchen in einer oberflächlichen Gesellschaft zu lesen. Tatsächlich gibt es in dieser Geschichte Charaktere, die vor Snobismus, Charakterlosigkeit und geerbtem Reichtum nur so strotzen. Dazu zählen viele von Addisons Freunden, die sie in New York trifft, ebenso wie ihr Exfreund Zach. Durch Erzählungen der anderen, aber auch durch ihre eigenen Aussagen entlarven sie sich dabei selbst – die Welt scheint sich nur um sie zu drehen, der Gedanke, dass jemand nicht besessen von ihnen sein könnte, ist völlig absurd.

Addison erfüllt das Klischee der psychisch gemarterten Künstlerin, die zwischen den höchsten Hochs und den tiefsten Tiefs schwankt, die man sich vorstellen kann, und ihr Umfeld mit in den Abgrund reißt – seien es nun die Lehrer, die sich für sie einsetzen, ihre Familie in ihrer kleinen Heimatstadt, ihre beste Freundin, die sich Vorwürfe macht, sich einmal von ihr lossagen zu wollen, oder ihre beiden Exfreunde, die ebenso besessen von ihr sind wie Addison umgekehrt von ihnen. Zusätzlich dazu bringt Addisons Schizophrenie noch einen sehr gruseligen Aspekt mit in die Geschichte ein. Nichtsdestotrotz kann man nicht leugnen, dass mit Addison ein so faszinierender Charakter geschaffen wurde, dass man gerne den Erzählungen über sie folgt und herausfinden möchte, wer nun die wahre Addison Stone gekannt hat.

In diesem Buch steckt eine Menge Arbeit und Herzblut. Nicht nur, dass hierfür extra Bilder von Künstlern gemalt wurden, die wirklich gut sind. Auch wurde durch Fotos mit diversen Modells eine Welt erschaffen, die es so gar nicht gab, die aber überzeugend so wirkt, als hätte es sie geben können – Aufnahmen für Magazine wechseln sich ab mit Fotos, die so spontan wirken, als stammen sie wirklich aus dem Alltag der Abgebildeten. Sogar auf Kinderfotos wurde zurückgegriffen.

FazitEin mit viel Mühe entwickeltes Buch, dessen Protagonistin es tatsächlich schafft, so interessant zu wirken, dass man ihr Leben gern verfolgt, auch wenn es tatsächlich fiktiv ist.

|Rezension| Kate Hattemer „Für Freiheit, Kunst und Mayonnaise“

|Rezension| Kate Hattemer „Für Freiheit, Kunst und Mayonnaise“

freiheit kunst

Carlsen * 28.8.2015 * OT: The Vigilante Poets of Selwyn Academy* ISBN 978-3-551-58330-7

HC 17,99 € * eBook 10,99 € * Autor

Klappentext

Wie bitte? An ihrer renommierten Kunstakademie soll einen Reality-Show gedreht werden? Ethan und seine Freunde Luke, Elisabeth und Jackson können es nicht fassen. Auch wenn es ein Stipendium zu gewinnen gibt, so tief wollen sie nicht sinken! Luke, der Mastermind des Widerstandes, hat schon einen Plan: Sie werden den Feind mit den Waffen der Kunst schlagen, und zwar mit subversiv in Umlauf gebrachten Protestgedichten. Und mit viel Mut und Fantasie und einer heldenhaften Wüstenrennmaus können die Freunde fast alles erreichen!

Meinung

Realityshows haben die Talkshows abgelöst und sprießen nur so aus dem Boden. Dass sie mit Realität nicht wirklich viel zu tun haben, wollen aber viele Zuschauer immer noch nicht erkennen. Mit demselben Problem kämpfen Ethan, Jackson, Elizabeth und Luke. Sie alle lernen an einer Kunstschule, die in diesem Schuljahr Schauplatz der Realityshow „For Art’s Sake“ wird und finden diese Umstände aus verschiedenen Gründen ganz grauenvoll. Auch, wenn mir bei den meisten nie ganz deutlich wurde, was genau denn nun ihr Problem dabei ist.

Ich fand alle Figuren auf ihre eigene Art sehr liebenswert. Natürlich erfährt man am meisten von Ethan, der der Erzähler der Geschichte ist. So chaotisch wie er erzählt, ist er selbst auch. Im Prinzip ist er ein kleiner Eigenbrödler mit gehörigem Selbstbewusstseinsmangel und verbringt seine Zeit lieber mit seinen kleinen Schwestern und einer Rennmaus namens Mayonnaise, als sich der Welt zu stellen. Jackson bleibt ein wenig der blasse Klischeecomputernerd, während auch Elizabeth – nicht grundlos – eine große Rolle in Ethans Erzählungen spielt. Auch Luke sieht man die Geschichte lang immer durch Ethans Augen, der ihn weit weit in den Himmel lobt, obwohl er gar nicht so perfekt ist.

Einerseits hat es richtig Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ethan und seine Freunde haben einen tollen Humor und wie sie in den Machenschaften des TV-Senders und der Verantwortlichen in der Schule herumschnüffeln, war auch irgendwie spannend. Oft dachte ich mir bei Wendungen: Was? Was soll der Mist? Das hätte ich nie erwartet! Natürlich steckte noch genug Klischeehandlung mit drin, dennoch fand ich es super, dass ich endlich auch mal überrascht wurde.

Ein kleiner Wehmutstropfen war für mich Mayonnaise. Ich fragte mich ja die ganze Zeit, was Ethan mit der verdammten Rennmaus will. Versteht mich nicht falsch, ich hatte selbst einmal Rennmäuse und es sind tolle Tiere, aber er war ja sichtlich besessen. Aber dann (Spoiler!). Mein gutherziges, ans Gute glaubende Herz dachte wirklich die ganze Zeit, Mayonnaise wäre irgendwie versehentlich schwanger geworden und der Knubbel in ihrem Bauch wäre kein Tumor, sondern süße kleine Rennmausbabies. Umso entsetzter war ich, als Ethan ihn geopfert hat. Er. Hat. Ihn. Wissentlich. Geopfert. Das lässt sich nicht schönreden. Habe ich Ethan am Ende gehasst, boah! Der Mistkerl! Ebenfalls fand ich am Ende unlogisch, dass offenbar die Eltern der teilnehmenden Schüler, vor allem aber Mauras, entweder nie die Show gesehen haben (wie realistisch ist das denn? Mein Kind ist im Fernsehen und ich ignoriere das?) oder einfach nichts dagegen unternommen haben, dass ihre Kinder als promiskuitive Teenager vermarktet werden.

Nebenbei kann man noch eine Menge über Trikolons, Langgedichte und das Konzept von Reality-TV lernen – so als nettes Gimmick nebendran.

Fazit

Ein spannendes Buch, dessen Idee es so schnell wohl kein zweites Mal gibt.