|Rezension| Albert Espinosa „Club der roten Bänder“

|Rezension| Albert Espinosa „Club der roten Bänder“

club

Goldmann * 19.10.2015 * ISBN 978-3-442-22176-9

TB 8,99 € * eBook 7,99 € * Leseprobe

Klappentext

Albert Espinosa ist vierzehn Jahre alt, als er an Knochenkrebs erkrankt. Doch statt zu resignieren, nimmt er den Kampf gegen die Krankheit auf. Mit fünf anderen „Todgeweihten“ gründet er den Club der roten Bänder. Gemeinsam finden sie heraus, wie Glücklichsein wirklich geht. Albert ist davon überzeugt, dass eine Glücksakte viel wichtiger ist als eine Krankenakte mit Fieberkurve. Als sein Bein amputiert werden muss, veranstaltet er eine Abschiedsparty für das Bein. Seine Glücksregeln stecken voller Humor und Optimismus und zeigen: Glück, das nicht auf der Hand liegt, sondern sich erst auf den zweiten Blick zeigt, ist dafür umso intensiver.

Dieses Buch ist auch unter dem Titel „Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“ im Goldmann Verlag erschienen.

Meinung

Die Serie „Club der roten Bänder“ fand schnell eine große Fangemeinde . Das liegt sicher unter anderem daran, dass sie auf dem Leben von Albert Espinosa basiert und eine Adaption von Polseres vermelles ist, einer spanischen Serie, an der der Autor maßgeblich mit beteiligt war.

Das dazugehörige Buch, das im Goldmannverlag erschienen ist, sollte man als Ergänzung zu der Serie sehen. Hier berichtet der Autor eigentlich nur am Rande von seinem Leben im Krankenhaus. Es tauchen zwar immer wieder einzelne Episoden und Zitate auf, man erhält aber bei Weitem keinen Überblick über den Krankenhausalltag.

Vielmehr nutzt der Autor dieses Buch, um seine Erkenntnisse zu teilen, die er innerhalb der langen Krankenhauszeit erlangt hat. Dabei betont er, dass diese Schlüsse, die er gezogen hat, nicht nur für jemanden gelten, der krank ist, sondern auch von jedem anderen angewendet werden können. Und damit hat er auch eindeutig Recht. Er selbst handelt immer noch danach, auch wenn er nun gesund ist.

Man sollte sich für dieses Buch wirklich Zeit nehmen. Zuerst nahm ich es in die Hand und dachte mir: Ach, da bist du ja innerhalb eines Tages durch. Pustekuchen. Denn auch wenn die Kapitel manchmal nur zwei oder drei Seiten umfassen, ist das, was man darin liest, doch keine leichte Kost für zwischendurch, sondern etwas, worüber man immer wieder und länger nachdenken muss. Ich möchte sogar behaupten, dass einmal Lesen bei Weitem nicht reicht. Und es ist wirklich sehr faszinierend, einen so deutlichen Blick darauf zu bekommen, was plötzlich wichtig und unwichtig ist, wenn man den Tod vor Augen hat.

 

Fazit

Ein Buch, für das man trotz seines geringen Umfangs eine ganze Menge Zeit einplanen sollte, wenn man jeden klugen Ratschlag mitnehmen möchte.

|Rezension| Antonia Michaelis „Das Institut der letzten Wünsche“

|Rezension| Antonia Michaelis „Das Institut der letzten Wünsche“

institut

Knaur * 1.4.2015 * ISBN: 978-3-426-65365-4

 HC 19,99 € * eBook 17,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Die verträumte Mathilda arbeitet für eine Organisation, die sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt. Ein letztes Mal Schneeflocken spüren mitten im Hochsommer, Maria Callas live erleben oder in einem stillgelegten Vergnügungspark Riesenrad fahren – alles kein Problem, kleine Tricks inbegriffen. Das ändert sich, als Mathilda Birger begegnet. Er wünscht sich, vor seinem Tod noch einmal seine frühere Freundin Doreen und ihr gemeinsames Kind wiederzusehen. Mathilda soll sie für ihn suchen – nur will sie Doreen eigentlich gar nicht finden, denn sie hat sich auf den ersten Blick in Birger verliebt.

Meinung

Wenn du dir einen letzten Wunsch vor dem Sterben erfüllen könntest, welcher wäre das wohl? Mathilda und Ingeborg aus dem Institut der letzten Wünsche haben schon viele abgefahrene Wünsche gehört und erfüllt – unzählige Weihnachtsfeiern zu jeder Jahreszeit sind dabei noch die einfachste Aufgabe. Tatsächlich fand ich die Idee hinter dem Institut der letzten Wünsche ganz anrührend – Menschen, die innerhalb des nächsten halben Jahres sterben werden, oder auch deren Angehörige geben dort die Erfüllung eines letzten großen Traums in Auftrag. Und von diesen Wünschen erfährt man viel mehr als nur die der Protagonisten. Das ganze Buch hindurch arbeiten die beiden Frauen immer wieder an Aufträgen – Riesenrad im stillgelegten Spreepark fahren, Zelten wie damals in Indien, das letzte Mal den Schnee sehen. Als Leser kam mir am Anfang gar nicht in den Kopf, dass man das Institut überhaupt kritisch sehen könnte, ist doch die Intention dahinter so gutherzig. Doch in Zeiten, in denen immer noch heiß über Sterbehilfe diskutiert wird und darüber, ob man lieber das Leben genießen oder verlängern sollte, taucht auch in diesem Buch irgendwann die Kontroverse auf: Wenn die kranken Menschen aus dem Krankenhaus gehen, um ihre Abenteuer zu erleben, sorgen sie dann nicht dafür, dass sie früher sterben? Und hilft das Institut dann dabei, dass die Menschen früher sterben als nötig? In meinen Augen findet Birger gegen Ende des Buches die richtigen Worte zur Arbeit des Instituts.

Die Geschichten der Kunden, mit denen man sich im Laufe des Buches länger beschäftigt, sind ganz unterschiedlich. So weiß Herr Mirusch gar nicht wirklich, wann er stirbt – es könnte jederzeit soweit sein, dass seine Ader platzt und vorher möchte er noch einmal einen Spieleabend in einer WG erleben. Frau Kovalska möchte noch einmal Maria Callas singen hören, bevor ihre Organe aufgeben. Und Birger Raavenstein sucht seine verlorene Liebe und ihr gemeinsames Kind, das er nie gesehen hat. Und alle bekommen ihre Wünsche erfüllt – irgendwie, auch wenn oft nicht so, wie sie sich am Anfang vorgestellt haben. Und gerade um Birgers Geschichte ranken sich so viele Ungereimtheiten, die den Blick des Lesers auf seine Person immer wieder ändern.

Ein wenig gestört hat mich, dass ich nicht nachvollziehen konnte, wieso sich Mathilda so zu Birger hingezogen fühlt, der doch offensichtlich nur Augen und Gedanken für seine verlorene Doreen übrig hat. Aber das ist ein kleiner Wehmutstropfen in einem Buch, dass mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückgelassen hat, aber mit einem ganz warmen Gefühl der Hoffnung im Herzen.

Fazit

Lesen lesen lesen – zum Wohlfühlen, zum Traurigsein, zum Hoffnungschöpfen!

|Rezension| Anna McPartlin „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“

|Rezension| Anna McPartlin „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“

rabbit

rowohlt * 20.3.2015 * OT The Last Days of Rabbit Hayes * ISBN: 978-3-499-26922-6

 TB 12 € * Ebook 9,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst …
Meinung

Bücher über Krebs häufen sich im Moment ja – oder ich werde einfach nur gehäuft mit der Nase darauf gestoßen. Bei Die letzten Tage der Rabbit Hayes bin ich anfangs über den Klappentext gar nicht von einem Krebsbuch ausgegangen. Ist es natürlich trotzdem, denn Rabbit – Mutter einer zwölfjährigen Tochter – hat Krebs im Endstadion und wird zu Beginn des Buches von ihrer Mutter ins Hospiz gebracht, wo sie ihre letzten Tage verbringt. Denn im Gegensatz zu den meisten Büchern, die ich gelesen habe, geht es hier einmal nicht darum, wie jemand mit einer unheilbaren Krankheit die letzten Tage seines Lebens noch genießt, Berge besteigt und aus dem Flugzeug springt. Rabbits Körper gibt auf, die meiste Zeit schläft sie und träumt von ihrer glücklichen Vergangenheit.

Das Buch ist eingeteilt in die wenigen Tage, die Rabbit noch hat. Hier kommen ihre Familienmitglieder und Freunde zur Wort – ihre Mutter und ihr Vater, die nicht aufgeben wollen und am letzten Strohhalm festhalten möchten, ihre Tochter Juliet, der noch niemand die Wahrheit gesagt hat, ihre beste Freundin Marjorie und ihr Bruder Davie sowie ihre Schwester Grace. Außerdem kann man in Rabbits Träumen ihre Kindheit mitverfolgen und wie sie erwachsener wird, mit der Band ihres Bruders Davey durchs Land reist und damit ihrer großen Liebe Johnny immer nahe ist, der selbst an MS leidet und weit vor Rabbit stirbt.

Alle Protagonisten waren mir unheimlich sympathisch, vielleicht, weil ich so mit ihnen mitfühlen konnte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es ist, sogar in der allerletzten Phase zu leugnen, dass es keinen Ausweg mehr gibt. Es gibt so viele Arten, wie man darauf reagieren kann und sie sind alle in diesem Buch vertreten. Auch fand ich es interessant zu sehen, wie Rabbit selbst mit der Situation umgeht und wie viel sie selbst tut, damit es den anderen besser geht mit ihrem Tod.

Zugegeben, geweint habe ich jetzt nicht, ein kleines Tränchen am Schluss aber doch verdrückt. Ich finde aber auch, dass das Buch selbst gar nicht so extrem auf die Tränendrüse drückt, sondern immer diese Aussicht auf eine Zukunft gibt, in der alle über diesen schrecklichen Moment hinauskommen können.

Fazit

Die letzten Tage der Rabbit Hayes macht seinem Namen einfach alle Ehre. Ein berührendes, aber nicht schnulziges Buch über das Thema Krebs und Hospiz.

|Rezension| Heiner Meemken „Himmelrot“

|Rezension| Heiner Meemken „Himmelrot“

himmelrot

Knaur * 14.1.2015 * ISBN: 978-3-426-51437-5

 TB 9,99 € * eBook 9,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Klaus Wiesenbach steht am Scheideweg seines Lebens. Genau zu dieser Zeit erreicht ihn eine E-Mail seines alten Freundes Rüdiger, der nicht mehr lange zu leben hat. Er bittet Klaus, für ihn eine Abschiedsfeier mit den ehemaligen Freunden aus der Studentenzeit zu organisieren, die mittlerweile in alle Himmelsrichtungen verstreut leben. Klaus macht sich auf eine Suche, die Rüdigers letzten Wunsch erfüllen soll – dabei erlangt auch Klaus unerwartet Klarheit und gibt seinem Leben eine neue Richtung.

Meinung

Vielleicht lag es daran, dass mindestens eine Generation zwischen mir und den Protagonisten von Himmelrot lag, aber ich wurde mit dem Buch einfach nicht warm. Zu Beginn ist es einfach nur deprimierend – nicht, weil Klaus eine Email von seinem krebskranken Freund bekommt. Natürlich ist das auch kein Grund, vor Freude zu jubeln, doch Rüdiger nimmt seine Situation mit einem gewissen Humor, der seinen Nachrichten etwas an Schwere nimmt, auch wenns im Herzen schon ein wenig ziept.

Deprimierend sind Charaktere wie Martina, deren Gejammer man über mehr als 50 Seiten ertragen muss – eine erwachsene Frau, die von Prinzipien nichts hält, die sauer ist auf den Mann, der sie hinten und vorne belogen hat, dem sie nie genug vertrauen konnte, um ehrlich zu ihm zu sein, sich aber nach einem Gespräch und genug Wein bereitwillig wieder in seine Arme wirft und schon rosige Zukunftsaussichten vor Augen hat, kann einen nur runterziehen. Nach der ersten Begegnung mit diesem alten Freundeskreis hatte ich auf den Rest schon gar keine Lust mehr. Nehmen wir Rüdiger dabei aus – Rüdiger ist der einzige erträgliche Charakter. Ich bin mir sicher, das ist auch so gewollt, aber einfach schwer auszuhalten. Nach Martina kam dann „Mein Haus – Mein Auto – Mein Boot“ – Herbie, der nicht weniger unerträglich war.

Und dann – ja, dann war mir ehrlich gesagt meine knapp bemessene Zeit zu schade. Irgendwie sah ich kein Licht am Horizont für Himmelrot und mich. Das Buch hat unheimlich viele, sicher von der richtigen Zielgruppe abgegebene gute Bewertungen. Aber ich hatte mir einfach etwas ganz anderes erwartet. Für mich blieb der schale Beigeschmack, dass man seine Ideale und Überzeugungen im Lebensalltag verlieren kann wie andere Haargummis.

Fazit

Dieses Buch musste ich einfach abbrechen, weil ich mit keinem der Protgonisten warm wurde, geschweige denn mit der Geschichte. Wahrscheinlich bin ich doch die falsche Zielgruppe.

|Rezension| Judith End „Sterben kommt nicht in Frage, Mama!“

|Rezension| Judith End „Sterben kommt nicht in Frage, Mama!“

Verlag: Droemer/Knaur (Oktober 2010)

Seiten: 297

ISBN: 3426275392

Preis: 16,95 €

Inhalt

Judith End ist eine junge, alleinerziehende Mutter, mitten im Studium, als sie in ihrer Brust einen Knoten ertastet und ihre Welt aus den Fugen gerät. Eben noch war sie dabei, sich frisch zu verlieben, jetzt quält sie sich mit der Frage, bei wem ihre Tochter Paula aufwachsen soll, falls sie sterben sollte. Operation folgt auf Operation, Chemo- und Strahlentherapie schließen sich an. An den guten Tagen vor dem nächsten Infusionstermin versucht Judith mit Paula in den alten, unbeschwerten Alltag zurückzukehren. Und sie lernt trotzig auf ihr Examen und legt die Prüfungen ab. Am Schluss der Prozedur hat sie beides: Hoffnung, den Krebs überwunden zu haben, und ein Einserexamen. Judith End ist eine Autorin, deren Erzähltalent, deren Sinn für Dramatik, deren offene Nüchternheit und deren großes Maß an Selbstironie Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in ihren Bann schlagen.

Meinung

Mit 25 Jahren, kurz vor ihrem Examen, bekommt Judith End die Diagnose Brustkrebs. Bis jetzt hatte die junge Frau ihr Leben fest im Griff – Studium, Tochter, Freizeit. Dich plötzlich übernimmt jemand anderes – der Krebs. Vor ihr liegt eine schwere Zeit, die geprägt ist von Krankenhausaufenthalten und Ängsten.

„Ich habe mich unbesiegbar und unkaputtbar gefühlt, mein Schicksal nie in Frage gestellt. Habe in derselben schützenden Arroganz und Naivität gelebt wie all die anderen wahrscheinlich auch. Wir verdrängen und vergessen unsere Zerbrechlichkeit, aber wir sind es dadurch nicht weniger.“ Dieses Zitat hat mich am meisten zum Nachdenken gebracht. Als Judith End ihre Diagnose bekommen hat, war sie so alt wie ich (Und hat nebenbei noch ungefähr das Doppelte geschafft). Auch, wenn man weiß, dass es einen theoretisch treffen könnte, man zum Frauenarzt geht und sich dort abtasten und untersuchen läst – man geht davon aus, dass der Arzt danach nickt und einen befundlos nach Hause schickt. Doch was passiert, wenn er das eben nicht tut? Unvorstellbar.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe bis spät in die Nacht gelesen. Man will einfach nicht aufhören, bis man weiß, dass es wenigstens ein kleines, ein winziges Happy End gibt. Das Leben kann doch nicht so unfair sein.

Im Laufe der Erzählungen durchlief ich viele Emotionen – Ungläubigkeit, Traurigkeit, Wut. Und auch Unsicherheit. Unsicherheit darüber, ob ich nicht auch auf meinen Körper mehr aufpassen und weniger gedankenlos damit umgehen sollte. Unsicherheit darüber, ob man nicht manchmal wie ein Bulldozer mit den Gefühlen anderer umgeht, auch wenn man es gut meint.

„Sterben kommt nicht in Frage, Mama!“ hat mich von vorne bis hinten gefesselt und auch aufgerüttelt, nicht so selbstverständlich mit meiner Gesundheit und meinem Leben umzugehen. Denn Jugend macht einen nicht unsterblich und manchmal muss es einem nochmal vor Augen geführt werden. Vor allem, wenn die Erzählende gar nicht so viel anders ist als man selbst.