|Rezension| Jason Lethcoe „Flight“

|Rezension| Jason Lethcoe „Flight“

Der mysteriöse Mr. Spines #2

OT: Flight

Jason Lethcoe @ JasonLethcoe.com

Arsedition (14. Januar 2011)

240 Seiten, 12,95 € HC

3760753248

Inhalt

Seit dem Tag, an dem Edward Flügel gewachsen sind, lauern überall um ihn Gefahren und er hat mächtige Feinde in fremden Welten. Aber er hat auch die Chance, seine Mutter aus den Klauen des berüchtigten Schakals zu befreien. Kann der mysteriöse Mr. Spines Edward dabei helfen, sein Schicksal zu erfüllen? Und ist er wirklich Edwards Vater?
Es gibt Welten, von denen wir nicht die geringste Ahnung haben.
Welten, die uns nicht einmal in unseren kühnsten Träumen einfallen würden.
Und die doch mit unglaublichen Kräften unser Leben beherrschen
– und unseren Tod!

Meinung

Wenn Edward Mcleod gedacht hat, dass es nicht mehr schräger geht, hat er sich schwer geirrt. Nachdem dem Waisenjungen Flügel gewachsen sind und er von einem verkrüppelten Mann mit Stacheln und dessen Begleitern – einem Hermelin und einer geflügelten Kröte – aus seiner Schule gerettet wurde, wo ihm die Flügel gestutzt werden sollten, hatte er schon genug Aufregung für seinen Geschmack. Als er in der Nachwelt erfährt, dass seine tote Mutter vom Schakal entführt wurde und er selbst Teil einer Prophezeiung ist, übersteigt es schon seine Grenze der Akzeptanz. Doch nun muss Edward erfahren, dass der kleine stachelige Mann sein Vater ist – und dazu noch an der ganzen Misere Schuld. Nichtsdestotrotz macht Edward sich auf den Weg zu seiner Mutter, um sie aus dem Bau des Schakals zu retten..

Edward befindet sich mittlerweile in der Nachwelt – also der Welt, die man betritt, wenn man stirbt-, wo er eine Menge neue Leute trifft. Zum einen ist das das Faunmädchen Bridget, das Edward sehr nett findet. Bridget ist wirklich hübsch und lieb zu ihm, was der früher so unbeliebte schlacksige Junge erstaunlich findet. Dabei hat Bridget ein sehr trauriges Geheimnis und will sich gar nicht so fest an Edward binden. Außerdem trifft er Tabitha, eine Wächterin in Ausbildung. Die ist aber nicht sonderlich begeistert von ihrer Begegnung, denn sie glaubt weder daran, dass der stotternde dünne Edward der berüchtigte Brückenbauer sein kann, noch hat sie Lust, ihre Aufstiegsfeier sausen zu lassen, um ihm zu helfen.

Auch in dem zweiten Band der Reihe wird wieder viel mit biblischen und mythischen Motiven gespielt, was vor allem den erwachsenen Lesern einen Grund liefert, das Buch gerne zu lesen. So werden Edward und seine Begleiter von einem Fährmann über einen Fluss transportiert, über den sonst nur Tote geschickt werden, treffen auf die Söhne des Wächters Mik’ael und am Schluss begegnet man weiteren besonderen Dienern des Schakals.

Edward macht in „Flight“ eine große Entwicklung durch. War er in Band 1 vorerst verstört und überfordert von seiner Situation, findet er sich mittlerweile mit seinem Schicksal ab, auch wenn er immer wieder neue Dinge erfährt, die ihn aus der Bahn werfen könnten. Letztendlich stellt er sich sogar seiner größten Furcht und wächst daran. Auch, als er sein Kartenspiel verliert, das ihm immer Halt gegeben hat, lernt er, Stärke in sich selbst zu finden.

„Flight“ ist eine wunderbare Fortsetzung und hat mir persönlich sogar noch mehr gefallen als sein Vorgänger. Die neuen Charaktere – sogar wenn sie eigentlich echt anstrengend sind – waren mir durchaus sympathisch, Bridget ist mir so schnell ans Herz gewachsen wie Edward und die leicht gruselige Stimmung hat ihr Restliches dazugetan. Besonders schön fand ich den Anhang, in dem man –nachdem ja nun aufgedeckt wurde, dass Mr. Spines Edwards Vater ist – erfährt, wie sich Edwards Eltern kennengelernt haben und welches Opfer Edwards Vater bringen musste, um mit seiner Mutter zusammen sein zu dürfen.

Was mir leider jedoch wieder gefehlt hat, waren ausführliche Beschreibungen. Jason Lethcoe verliert kein Wort zuviel über die Umgebung in der Nachwelt, was ich sehr schade finde, denn von einer Welt, die von unserer bekannten abweicht, hätte ich schon gerne gewusst, was sie von unserer optisch unterscheidet.

|Rezension| Jason Lethcoe „Wings“

|Rezension| Jason Lethcoe „Wings“

OT: Wings – The mysterious Mr. Spines

Reihe: Der mysteriöse Mr. Spines

Band: 1

Verlag: arsEdition (16. Juli 2010)

Seiten: 224

ISBN: 376075323X

Preis: 12,95 €

Inhalt

Edward, gerade mal 14 Jahre alt, gilt als Sonderling: Er stottert, ist eine fast 2 m lange »Bohnenstange«, baut am liebsten Kartenhäuser und dann ist da diese merkwürdige Stelle auf seinem Rücken, die juckt und juckt bis ihm eines Tages schwarze Flügel wachsen! Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es einmal war. Auf der Flucht vor Whiplash Scruggs, der es auf seine Flügel abgesehen hat, bekommt Edward unerwartet Unterstützung von dem mysteriösen Mr. Spines. Mit ihm taucht er ein in eine unbekannte Welt: die Welt nach dem Tod, die von einem abgrundtief bösen Geschöpf beherrscht wird . dem Schakal! Ob Edward tatsächlich der Sohn eines gefallenen Engels und damit der prophezeite Erlöser ist? Er selbst hat vorerst nur ein Ziel: seine Mutter aus den Klauen des Schakals zu befreien.

Meinung

Nach dem Tod seiner Mutter landet der schlaksige und stotternde Edward in einer Berufschule für schwierige Schüler. Zwischen den gewalttätigen und weniger intelligenten Kindern fühlt er sich immer mehr fehl am Platze. Eines Tages überschlagen sich die Ereignisse. Edward bekommt eine juckende und brennende Stelle am Rücken und bei einem Streit mit einem Mitschüler lässt er durch reine Wunschkraft ein Regal umkippen. Nun bekommt er höllischen Ärger, und der kommt in Form von Scruggs, einem dicklichen Mann mit weißem Anzug und Peitsche. Doch Edward versteht nicht, was der gruselige Mann von ihm will, bis ihm in seinem Kellergefängnis Flügel wachsen – groß und ebenholzfarben. Und was der kleine stachelige Mann von ihm möchte, der ihn aus dem Keller rettet, versteht er auch nicht ganz. Völlig verwirrt flüchtet Edward vor Mr. Spines und mitten in noch tiefere Probleme.

„Der mysteröse Mr. Spines“ verspricht eine spannende neue Kinderserie zu werden, entstammt sie doch der Feder des Autoren Jason Lethcoe, der schon bekannt ist für seine Reihen „Benjamin Piff“ und „Zooms Acadamy“. Dabei bedient sich Lethcoe für seine neue Serie an alten Mythen und verpackt sie neu für seine Leser. Er greift die Geschichte des gefallenen Engels Luzifer auf, ohne ihn namentlich zu benennen.  Der Schakal ist gefallen und hat viele der Wächter mit sich genommen, die ihm dienen wollten. Die einst so schönen geflügelten Wesen sind jetzt größtenteils verunstaltete Tierwesen und nur die wenigstens bekommen durch einen Zauber zumindest beinahe menschliche Gestalt. Zu den gefallenen Wächtern zählen auch Mr. Spines und seine beiden Schüler Sariel und Artemus, jedoch fielen diese aus anderen Gründen. Der kleine Mann, der an ein Stachelschwein erinnert, hat ein Auge auf Edward und wartet ungeduldig auf dessen Verwandlung, denn er hat Pläne mit ihm: Gemeinsam mit dem Jungen möchte er nach Woodbine zurückkehren, dem Ort, aus dem er verbannt wurde. In Woodbine herrscht der Schakal, aber es ist auch ein Ort für die Toten, an dem sie sein können, was sie schon immer wollten – und wenn das eine Gottesanbeterin in Kimono ist.

Edward ist ein typischer Kinderbuchheld. Er ist nicht auf den Kopf gefallen, aber macht körperlich nicht viel her. Zwar ist er groß, aber extrem dünn. Außerdem stottert er stark, weswegen er sich nicht traut, viel zu sagen. Seine Gabe besteht darin, Kartenhäuser zu bauen, und zwar in realistischen Maßstäben. Außerdem lernt er viel in der Berufsschule über Maschinen und ähnlich praktisches. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Mutter ist nach einer schweren Krebserkrankung gestorben. Edward zeigt den kleinen Lesern, dass auch ein Kind mit Schwächen und allein auf sich gestellt über sich hinauswachsen kann, selbst wenn es selbst noch nie daran geglaubt hat. Die Tatsache, dass er Mr. Spines aufgrund seines seltsamen Auftretens nicht traut, den netten alten Leuten aber schon, die sich später als nicht so nett herausstellen, lehrt dem jungen Leser, nicht auf Äußerlichkeiten zu achten.

„Wings“ eignet sich gut, um es vorzulesen, aber auch, um es selbst lesen zu lassen. Es ist kein allzu dickes Buch, mit dem richtigen Schuss Mystery und Grusel, ohne den Lesern Angst zu machen, und die erwachsenen (Vor-)Leser werden mit den eingebauten Mythen belohnt, die für die Kinder noch nicht so greifbar sind.