|Rezension| Meike Frei „Fuck the Föhnfrisur“

|Rezension| Meike Frei „Fuck the Föhnfrisur“

föhnfsur

blanvalet * 18.04.2016  * ISBN 978-3-7341-2033-2

TB 9,99 €  * eBook 8,99 €

KlappentextLehrerin Meike hadert mit ihrem Alltag: Will sie ihren Bildungsauftrag wirklich in die Tat umsetzen und sich bis zum Rentenalter die Lunge aus dem Hals schreien? Als sie ausprobiert, welchen Alternativjob ihr die Berufsberatung nahelegen würde, ist sie fassungslos: Ausgerechnet Friseurin soll sie werden?! Meike begibt sich in die Ausbildung, womit sie sogar bei ihren Schülern gut abschneidet: Schließlich brauchen die Topmodels und DSDS-Stars von morgen eine persönliche Stylistin, die noch dazu die Rechtschreibfehler auf ihren Autogrammkarten ausmerzen kann! Doch dann passiert etwas wahrhaft Haarsträubendes, womit niemand gerechnet hat …

Meinung

Ist man einmal Lehrer, hat man es geschafft – immer frei, immer Recht haben, bisschen basteln und dafür Kohle kassieren. Zumindest ist das das Klischee, mit dem sich auch Meike Frei auseinandersetzen muss. Die Hauptschullehrerin ist mitten in ihren Dreißigern, verbeamtet – und totunglücklich mit ihrem Job. Ihre freie Zeit geht für Vertretungsstunden und Unterrichtsvorbereitung drauf,  ihre Schüler nörgeln nur, sie ist mehr Erzieherin als Wissensvermittlerin und von ihrem Umfeld muss sie sich nur kluge Sprüche über ihren lauen Job anhören. Tatsächlich fand ich es sehr nachvollziehbar, dass sich ihre anfängliche Motivation, Lehrerin zu werden, irgendwann verflüchtigt hat,  weil sie von niemandem Anerkennung erhält und sich irgendwann auch selbst nicht mehr die kleinen Gründe zusammenkratzen möchte, die sie ihren Beruf noch lieben lassen würden.

Dass sie frustriert ist, merkt man ihr auch anfangs am Umgang mit ihren Schülern an. Bücher über Lehrer gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer. Lehrerinnen wie Frau Freitag und Fräulein Krise merkt man in ihren Erzählungen auch immer an, dass sie trotz allen Ärgers und aller Frustration ihre Schüler lieben wie sie sind. Doch hier ist die Autorin zu Anfang nur genervt, motzig und patzig. Das wird später aber anders, als sie sich mit dem Gedanken angefreundet hat, sich eine neue Berufung zu suchen – je näher ihr Jobwechsel rückt, desto mehr wird ihr deutlich, wie sehr sie vor allem ihre Chaoten-Achter liebt. Tatsächlich schaffen es Kollegen, Schüler und Eltern erst dann, ihr einmal positive Rückmeldung zu geben, als es schon zu spät ist.

Durch Zufall stolpert Meike Frei über ihre wahre Berufung – das Friseurendasein. Sie ist begeistert davon, mit wie viel Freude ihre späteren Kollegen ihren Job ausüben. Zwar erfährt sie in ihrem Praktikum, dass sie ebenfalls absolute Horrorkunden haben und der Job auch seine Schattenseiten hat. Dennoch findet sie viele positive Aspekte an dem Beruf des Friseurs, auch wenn sie sich selbst dabei ertappt, dass sie ihre eigenen Vorurteile erst einmal widerlegen muss und sich ebenso weiter mit ihrem Umfeld darüber streiten muss, dass auch Friseure zu wenig Anerkennung für ihren Job erhalten. Leider fand ich, dass ihre Zeit im Friseursalon und ihren eigenen Experimenten an ihrer besten Freundin viel zu kurz kommen. Ich hätte mir weniger Schule und mehr Friseursalon gewünscht – Schule kenne ich mittlerweile ja in und auswendig, ich hätte gerne gesehen, wie sich ihre dortige Erfahrung in ihrem neuen Job auswirkt und wie es sich überhaupt so arbeitet in einem Salon.

Ich frage mich ja tatsächlich, ob diese Wörter aus den Jugendsprachewörterbüchern wirklich irgendwo verwendet werden. Sprechen Berliner Hauptschüler wirklich so? Ich fand die Sprache der Schüler, die Frau Frei hier unterrichtet, ja teilweise extrem aufgesetzt (vom hyperintelligenten Leon, der sich wohl vom Elitegymnasium an die Brennpunkthauptschule verlaufen hat ganz zu schweigen). Vielleicht wurde ich mit meinen Schülern aber auch immer verwöhnt – da war das Deutsch zwar auch nicht 1A, aber immerhin wusste ich, was sie von mir wollen. Von „Senfautomaten“, der gechillten Base und „Lass mal Haare wehen“ habe ich zumindest in diesem Buch das erste Mal in Anwendung gehört.

Ob Frau Frei wirklich ihren Traumberuf gefunden hat, lasse ich hier mal offen. Nur so viel sei gesagt: Jeder Beruf hat gute und schlechte Seiten und die schlechten übersteht man wohl nur, wenn man sich immer wieder die guten vor Augen hält.

Fazit

Zwar eines von vielen Lehrerbüchern, in denen nterhaltsam über den Lehralltag berichtet wird, aber mit einem interessanten neuen Gedanken aufgepeppt.

|Rezension| Jason Good „Kinder sind der Wahnsinn“

|Rezension| Jason Good „Kinder sind der Wahnsinn“

kinder

Goldmann * 22.6.2015 * OT This is Ridiculous, This is Amazing * ISBN: 978-3-442-17516-1

 TB 8,99 € * eBook 7,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Mit Humor geht alles einfacher, besonders das Elternsein. Ob es nun um die 7 Stadien geht, die ein Kind im Wutanfall durchläuft, oder um 10 Plätze, an denen Eltern unentdeckt Kekse essen können: Jason Good hat 71 Listen zusammengestellt, die die Absurdität und den Spaß einfangen, den eine Familie mit sich bringt – nicht zu vergessen all die herzwärmenden Momente, die das Leben mit Kindern zu einer besonderen Erfahrung machen. (© randomhouse)

Meinung

Mama bin ich ja noch nicht. Vormittagsmama zwischen den Ferienzeiten schon. Freundin von Eltern auch. Ich bin ein großer Kinderfan, bewundere aber jeden, der seinen kompletten Alltag mit ihnen meistert. Außerdem bin ich ein Listenfan. Da ist „Kinder sind der Wahnsinn“ ja ideal für mich.

Jason Good hat einen unschlagbaren Humor, den er schon in der Einleitung zeigt (laut ihm auch das einzige Stück Lesearbeit für Eltern mit wenig Zeit). Gegenteiliges hätte mich bei einem Stand Up-Comedian aber auch gewundert. Die müssen auf den Punkt komisch sein und das kann er – mit einer gehörigen Prise Selbstironie, was sein Vatersein angeht.

Die Listen sind in 6 thematische Bereiche eingeteilt wie „Vorbereitung“ und „Ansprüche runterschrauben“. Die Listen an sich sind verschieden lang gehalten und werden immer von einem kleinen Text eingeleitet, der erklärt, was sich der Autor dabei gedacht hat. So ganz erschließen sich manche Punkte auf den Listen aber nicht automatisch beim ersten Lesen. Und so ganz lustig waren leider auch nicht alle, weil der Autor bei manchen Themen einfach übers Ziel hinausschießt. Situationen zu überspitzen ist sicher ein gängiges und oft wirksames Mittel des Comedian, aber ab einem bestimmten Punkt ist es dann nur albern. Das fing schon bei der ersten Liste an, in der er eine Notfallausrüstung zusammenstellt, die unter anderem Pelikanabwehrmittel beinhaltet.

Nach besagter erster Liste hatte ich schon Sorge, dass es so überspitzt weitergeht, Gott sei Dank hat sich das aber so nicht bewahrheitet. Über den meisten Listen saß ich auch als halbwegs neutraler Außenstehender kichernd und habe wissend genickt. Und in jeder Liste liest man doch heraus – für Jason Good ist Kinderhaben zwar anstrengend, aber das Beste, was ihm je passiert ist.

Fazit

Humor in Portionen, die auch beschäftigte Eltern zwischendrin mal einschieben können. Uterhaltsam für Eltern und die, die es gerade werden wollen.

|Rezension| Becky Murphy „Klein sein ist das Größte“

|Rezension| Becky Murphy „Klein sein ist das Größte“

klein

Goldmann * 17.11.2014 * OT I’d rather be short * ISBN: 978-3-442-17477-5

 TB 7,99 € * eBook 6,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Klein zu sein kann oft genug nerven, doch Becky Murphy zeigt, dass die Vorteile eindeutig überwiegen. In ihrem charmant illustrierten Buch „Kleinsein ist das Größte“ listet sie 100 Dinge auf, die das Leben unter 1,65 m einfach wunderbar machen: Man muss bei Umzügen nie die schweren Sachen tragen, kann bei Konzerten immer ganz vorn stehen, passt noch in Baumhäuser und darf trotzdem schon zu Cocktailpartys. Liebeserklärung und Mutmachbuch für alle kleinen Menschen – witzig, originell, inspirierend!

Meinung

Der Mann nennt mich manchmal liebevoll Hobbit. Spätestens ab der siebten Klasse sind die meisten Schüler größer als ich. An das oberste Regal meiner Küchenschränke komme ich nur mit Fingerspitzen. Ich bin klein, wenn auch nicht winzig. Aber klein zu sein hat auch Vorteile und hundert davon hat Becky Murphy aufgeführt, damit zumindest unser Selbstbewusstsein über uns hinauswächst.

Tatsächlich ist jedes Bett groß genug für mich und mancher meiner Pullis stammt aus der Kinderabteilung. Und die Vorstellung, dass ich mal eine niedliche kleine Oma werde, ist schon fast entzückend. Und platzsparender auf Sofas, in Whirlpools oder in Betten kann man ja gar nicht sein.

Manche Punkte sind mit einem zwinkernden Auge zu betrachten, aber insgesamt war ich am Ende des Buches doch ganz froh, eine Frau der kleinen Sorte zu sein. Besonders schön waren natürlich auch die Illustrationen, die das Buch eigentlich dominieren. So simpel gehalten wie sie sind, waren sie doch extrem unterhaltsam. Denn wenn man genau hinsieht, weiß man, wie viel Überlegung und Detailverliebtheit dahinter steckt.

Fazit

Klein sein ist das Größte ist ein wirklich humorvolles und aufmunterndes Buch für Frauen unter 1,65 und ein ideales Mitbringsel unter Freundinnen.

|Rezension| Johannes Hayers, Felix Achterwinter „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn“

|Rezension| Johannes Hayers, Felix Achterwinter „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn“

einhorn

rororo * 19.12.2014 *  ISBN: 978-3-499-62872-6

 TB 9,99 € * eBook 9,99 € * Leseprobe

Klappentext

Johannes Hayers und Felix Achterwinter haben die besten Erziehungstricks von ganz normalen Eltern gesammelt. Obwohl: Ist Angelika normal, wenn sie bei sich selbst einbricht, um ihrem Sohn das Abschließen der Haustür einzutrichtern? Ist Maria normal, wenn sie ihre Tochter dazu bringt, den Sicherheitsgurt anzulegen, indem sie droht: «Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!»? Ob normal oder nicht, ob legal oder nicht, diese listigen und lustigen Erziehungstricks haben tatsächlich funktioniert. Denn Kinder lieben nicht nur Einhörner, sie lieben auch Bären. Warum sollte man ihnen also nicht hin und wieder einen aufbinden?

Meinung

Erziehung ist kein Kinderspiel. Manchmal muss man kreativ sein, um wütenden Ausbrüchen, permanenten Verweigerungen oder Tränenflüssen Einhalt zu gebieten. Zu meiner Schande (oder eher zum Lob meiner eigenen Kreativität?) muss ich zugeben, dass ich auch schon zu abstrusen Geschichten gegriffen habe, um meine Schüler wieder auf die Spur zu bringen. Es gab da mal diese Geschichte mit dem verlorenen Milchzahn im Wald, der knappen Zeit bis zum Mittagessen in der Schulküche und dem Zahnbaum… nagut.

Die Geschichten, die man in Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn findet, wird man in keinem Erziehungsratgeber lesen können – manche davon sollte man aber vielleicht darin aufnehmen. Ich war durchaus oft erstaunt von der kreativen, aber manchmal auch dezent bösartigen Ader, die Eltern herauslassen können. Und manchmal musste ich einfach nur herzhaft lachen, zum Beispiel bei der Vorstellung, wie sich eine Mutter im Supermarkt einfach neben ihr schreiendes Kind auf den Boden wirft und mitschreit, bis das Kind peinlich berührt aufsteht und ruhig ist. Das merke ich mir!

Geben wir es doch zu – manchmal sind wir unsicher, weil die tollen Ratgebertipps nicht helfen. Da tut es doch gut, einmal zu lesen, dass es anderen nicht besser geht, dass ihre Kinder auf konventionelle Weise einfach nicht mehr reagieren und man die Sache mit Witz und guten Ideen angehen kann. Sicher gab es auch die eine oder andere Geschichte, bei der ich mir dachte: Oha, das ist aber jetzt zu viel des Guten. Aber in so vielen Fällen kann man auch lesen, wie die Kinder reagierten, wenn sie ihre Eltern durchschaut hatten. Und das war nicht minder lustig zu erfahren.

Fazit

Mit unverwechselbarem Wortwitz, einer großen Prise Galgenhumor und einem zwinkernden Auge werden dem Leser hier unkonventionelle Wege präsentiert, mit dem eigensinnigen Nachwuchs umzugehen. Wunderbar lustige Kost für Eltern und andere Erziehungsbeauftragte.