|Rezension| Sebastian Fitzek „Der Augenjäger“ Hörbuch

|Rezension| Sebastian Fitzek „Der Augenjäger“ Hörbuch

Der Augensammler #2

Sebastian Fitzek @ SebastianFitzek.de

Audible (September 2011)

9 Std 57 min ungekürzt

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Die Geschichte

Dr. Suker ist einer der besten Augenchirurgen der Welt. Und Psychopath. Tagsüber führt er die kompliziertesten Operationen am menschlichen Auge durch. Nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: Frauen, denen er im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnet. Denn bevor er sie vergewaltigt, entfernt er ihnen sorgfältig die Augenlider. Bisher haben alle Opfer kurz danach Selbstmord begangen. Aus Mangel an Zeugen und Beweisen bittet die Polizei Alina Gregoriev um Mithilfe. Die blinde Physiotherapeutin, die seit dem Fall des Augensammlers als Medium gilt, soll Hinweise auf Sukers nächste „Patientin“ geben. Zögernd lässt sich Alina darauf ein – und wird von dieser Sekunde an in einen Strudel aus Wahn und Gewalt gerissen…

Meinung

Der Augenjäger beginnt einige Tage, nachdem der Augensammler beendet wurde. Schon die erste Szene mit Alexander Zorbach ließ mich nur denken: Was zum Teufel ist hier denn los? Wie kann er sowas machen?! So ging es mir das ganze Buch hindurch. Immer und immer und immer wieder nimmt die Geschichte Wendungen, mit denen ich (als blutiger Thrilleranfänger zumindest) nicht einmal annähernd gerechnet hätte. Oft habe ich die wildesten Theorien angestellt, was denn nun wirklich geschehen ist – wer ist der Mörder, wer ist der Komplize, was ist echt und was nur Halluzination?

Zugegeben. An manchen Stellen fand ich die Geschichte schon etwas unrealistisch. Und nicht Fitzek-fantasyeinschlag-unrealistisch, sondern einfach nur unglaubwürdig. Ohne zu sehr vorausgreifen zu wollen, aber die Handlung um Andreas Zorbach – die Ausnahme der Ausnahmen schlechthin offensichtlich – war mir dann doch etwas too much. Doch abgesehen davon hat mich die Geschichte mal wieder länger an meinen Autositz gefesselt als eigentlich nötig gewesen wäre.

Das lag auch an Simon Jäger, den ich mit jedem Hörbuch, das er spricht, mehr liebe. Er hat einfach die perfekte Stimme und schafft es, jeden Dialekt und jeden Tonfall perfekt umzusetzen. Nie bleibt offen, wer denn nun gesprochen hat, denn er verleiht jeder Figur eine einzigartige Stimme. Und dass man bei der ungekürzten Version des Augenjägers davon eine ganze Menge hat, war für mich echtes Glück. Ich hätte keine Minute missen wollen.

|Rezension| Michael Mittermeier „Achtung, Baby!“ Hörbuch

|Rezension| Michael Mittermeier „Achtung, Baby!“ Hörbuch

Michael  Mittermeier @ mittermeier.de

Random House Audio

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Die Geschichte

Michael  Mittermeier  wechselt die Fronten – von dem, der sich über Eltern lustig macht, zu dem, der selbst Elternteil ist. Dabei beschreibt er, wie es war, immer zu diesem Schritt gedrängelt zu werden,  wie es ist, wenn man plötzlich tatsächlich eine schwangere Frau hat, und die ersten Monate mit der Tochter Lilly.

Meinung

Es gibt Bücher, die haben eine deutliche Zielgruppe, aber man kann sie trotzdem lesen und fühlt sich angesprochen. Und dann gibt es Bücher, die sind außerhalb ihrer Zielgruppe irgendwie nicht lustig. Ich sage es gleich: Wenn ihr keine Eltern seid oder absolut besessen von Babys – wartet mit Achtung, Baby! lieber noch, bis ihr in die Zielgruppe eintretet…

Ich mag Michael Mittermeier sehr gerne und finde ihn in der Regel auch immer sehr unterhaltsam, habe mich aber von seinen Programmen bis jetzt auch persönlich angesprochen gefühlt. Nicht so hier – ich bin keine Mutti, ich habe auch in absehbarer Zeit nicht vor, eine zu werden, und auch wenn ich Kinder liebe, muss ich mich auch mit befreundeten Müttern nicht zwingend pausenlos über ihre Kinder unterhalten. Nichtsdestotrotz hätte ich erwartet, dass ich das Buch mögen würde, einfach weil ich den guten Herrn Mittermeier unterhaltsam finde.

Ganz so schlimm war es dann doch nicht, schließlich nimmt er sich und seine Frau aufs Korn, so wie er früher als Außenstehender Witze über Eltern gerissen hat. Immer wieder zieht er das Fazit: Das, worüber ich mich als Unbeteiligter lustig gemacht habe, ist genau so, wie ich es dargestellt habe. Nur stört es mich plötzlich nicht mehr.  Die Stellen, an denen es mir zuviel waren, waren die, wo es um Kaka, Pipi und Pupsis ging (und ja, so wird das auch bezeichnet). Ich bin kein Mensch, der sich schnell ekelt, ich benutze Tütchen beim Gassigehen und habe Katzen (und Katzenbesitzer wissen, was ich damit ausdrücken möchte (; ). Und natürlich machen Babys Häufchen und pupsen, machen wir uns doch nix vor. Aber nachdem die gefühlt fünfhunderste Geschichte über die Verdauungsvorgänge von klein Lilly kam, wurde es mir dann doch ein bisschen zuviel. Too much information. Und wo wir schon dabei sind – vom Sexleben wollte ich auch nicht unbedingt hören. Dankesehr.

Wie es sich für einen Comedian gehört, liest Michael Mittermeier sein Buch natürlich selbst, was bedeutet, dass er auch genau weiß, wie er es rübergebracht haben wollte. Ein bisschen war das schon wie eines seiner Programme kucken. Nur eben leider keines von denen, die ich lustig fand. Schade. Schön war jedoch, dass ganz am Ende ein Lied eingefügt wird, das seine Frau Gudrun für ihre Tochter geschrieben hatte, als sie schwanger war.  Gudrun – und das wusste ich vorher auch nicht – ist nämlich Somersault, die ich persönlich ja sehr gerne mag.

|Rezension| Derek Landy „Skulduggery Pleasant. Der Gentleman mit der Feuerhand“ Hörbuch

|Rezension| Derek Landy „Skulduggery Pleasant. Der Gentleman mit der Feuerhand“ Hörbuch

OT: Skulduggery Pleasant.

Skulduggery Pleasant #1

Derek Landy @ SkulduggeryPleasant.com

Hörcompany

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Die Geschichte

Stephanie trifft Skulduggery Pleasant zum ersten Mal auf der Testamentsverlesung ihres Lieblingsonkels Gordon. Dass sie bald das Abenteuer ihres Lebens mit der seltsam vermummten Gestalt erleben wird, weiß sie bis dahin noch nicht. Erst, als Skulduggery ihr das Leben rettet, merkt Stephanie, dass in den Büchern ihres Onkels ein Funken Wahrheit liegt und dass Magie nicht nur in Büchern stattfindet.

Meinung

Die Grundidee von Skulduggery Pleasant ist eigentlich eine, die einem ständig über den Weg läuft. Ein junger Protagonist oder eine junge Protagonistin lebt sein oder ihr mundänes Leben vor sich hin, bis er oder sie durch eine seltsame Begebenheit merken muss, dass Magie nicht nur Erfindung ist, sondern etwas, das in seiner Lebenswelt eine große Rolle spielt. Hier handelt es sich um Stephanie Edgley, wohnhaft in Irland, die mit dem Vermögen ihres verstorbenen Onkels Gordon auch dessen Probleme erbt. Gordon, seinerseits Schriftsteller, war nämlich im Besitz eines wertvollen Artefakts, auf das es nun der Bösewicht Serpine abgesehen hat. In die magische Welt wird Stephanie von Skulduggery Pleasant eingeführt, der vorher von Gordon auf seinen detektivischen Aufträgen begleitet wurde. Soweit, so gut. Was macht Skulduggery jetzt so interessant?

Die Chemie zwischen Skulduggery und Stephanie stimmt einfach. Beide sind nicht auf den Mund gefallen, beide sind gerne mal sarkastisch und haben einen schwarzen Humor, der sie verbindet. Da wird gestichelt und gespaßt, was das Zeug hält. Man muss diesen sarkastischen Humor natürlich mögen, damit einem das nicht auf Dauer auf die Nerven geht.

Die Geschichte an sich ist zwar nie langweilig, hält ihren roten Faden konstant durch und hat am Ende sogar noch eine Wendung, die ich persönlich ja sehr interessant fand – so richtig besonders war sie aber nicht. Für jüngere Leser scheint mir das Buch aber perfekt und Stephanie ist eine Protagonistin, mit der man sich einfach identifizieren kann.

Skulduggery Pleasant ist eines dieser Bücher, die davon profitieren, wenn sie vorgelesen werden. Soweit die eigene Fantasie auch reicht, der richtige Leser schafft es trotzdem, vor allem den besonderen Charakter des Detektivs richtig greifbar werden zu lassen. Rainer Strecker macht hier eine wahnsinnig gute Arbeit und klingt genauso, wie ich mir Skulduggery vorgestellt habe – ein bisschen kratzig, extrem sarkastisch. Auch die anderen Protagonisten spricht er so, dass sie man sie sich locker vorstellen kann. Am schönsten fand ich ja seine Interpretation des Brückentrolls. Die sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen.

|Rezension| Alice Kuipers „Sehen wir uns morgen?“ Hörbuch

|Rezension| Alice Kuipers „Sehen wir uns morgen?“ Hörbuch

OT: Life on the Refridgerator Door

Alice Kuipers @ AliceKuipers.com

Argon Hörbuch

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Die Geschichte

Claire und ihre Mutter sehen sich nur selten, da ihre Mutter in einer Geburtsklinik arbeitet und deswegen ständig auf dem Sprung ist. Beide hinterlassen sich Zettel am Kühlschrank, um ihren Alltag zu regeln, wenn sie sich nicht in die Augen sehen können. Doch dann wird Claires Mutter schwer krank und statt Einkaufslisten hängen nun persönliche Briefe aneinander an der Kühlschranktür.

Meinung

Man kann Geschichten erzählen und dabei jede Lücke ausfüllen und man kann Geschichten erzählen und dabei viel der Fantasie des Lesers überlassen. Alice Kuipers hat sich für letzteres entschieden. Sehen wir uns morgen? besteht wirklich nur aus den Briefen, die sich Claire und ihre Mutter hin und her schreiben. Anfangs sind es nur Einkaufslisten, Aufgaben und die Bitte nach mehr Taschengeld. Doch als Claires Mutter einen Knoten in ihrer Brust entdeckt, ändert sich das Leben im Frauenhaushalt gewaltig. Man sollte meinen, dass es schwer ist, eine solche Geschichte zu erzählen, wenn man Briefchenform beibehalten möchte. Was macht man mit den Geschehnissen dazwischen? Der Diagnose, den Diskussionen, den Klinikbesuchen, den Streits, den Tränen? Die werden hier ausgelassen, sind Leerstellen, die der Leser sich mit Hilfe der Nachrichten selbst füllen muss. Trotz allem schafft es die Autorin, den Leser mitleiden zu lassen. Mir ist es nie vorgekommen, dass ich nicht mehr verstanden habe, was denn nun passiert.

Die beiden Sprecherinnen Anna Stieblich und Josephine Preuß fand ich für die Rollen perfekt geeignet und sie wirkten auf mich wirklich wie ein Mutter-Tochter-Paar. Obwohl das Hörbuch nur etwas über eine Stunde dauert, war ich wirklich gefesselt und berührt von der Geschichte. Es hätte mich sicher gereut, für so wenig Text 10 € hinzublättern, aber das Hörbuch ist jeden Cent wert, weil die Lesung meiner Meinung nach die Geschichte noch ein wenig reeller macht als es das gedruckte Wort schafft.

|Rezension| Christopher Moore „Die Bibel nach Biff“ Hörbuch

|Rezension| Christopher Moore „Die Bibel nach Biff“ Hörbuch

OT: Lamb

Christopher Moore @ ChrisMoore.com

Audio Media Verlag (September 2010)

5 h 4 min, 7 € oder bei audible.de

3868046038

Inhalt

Im Buch der Bücher fehlen wichtige Kapitel: Unter den wachsamen Augen von Engel Raziel soll Biff diese Lücke füllen und alles über die Kindheit und die turbulente Jugend von Jesus Christus berichten. Biff ist der einzige glaubwürdige Zeuge dieser Zeit, schließlich ist er in all den Jahren Jesu bester Freund gewesen und stand ihm schon zur Seite, als dieser noch versuchte, vertrocknete Eidechsen zum Leben zu erwecken …

Meinung

Schonmal von Biff gehört? Oder von Levi? Nie? Natürlich nicht. Dabei sollte Biff aka Levi einen ganz großen Namen im Neuen Testament haben, so als Jesus bester Freund. Der Meinung ist auch Gottes Sohn und beauftragt den Engel Raziel, Biff aus dem Grab zu holen, damit er ein Evangelium schreiben kann. Denn was Jesus zwischen seinem 6. und seinem 30. Lebensjahr so getrieben hat, weiß wohl derjenige am besten, der ihm dabei nie von der Seite gewichen ist. So landet Biff in einem amerikanischen Hotel, wo er sein Evangelium schreibt, heimlich das ihm unbekannte Neue Testament liest und dem Engel schwer auf den Wecker fällt.

Wer hier auch nur einen Funken theologischer oder historischer Korrektheit sucht, der wird wohl nicht fündig werden. Wer gerne eine Geschichte hören möchte, die unterhaltsam Bibel und schiere Fiktion vermengt, ist dagegen goldrichtig.

„Die Bibel nach Biff“ ist in meinen Augen immernoch Christopher Moores bestes Werk. Ihm gelingt es, dass einem jede Figur, die einem im Neuen Testament begegnet, plötzlich ans Herz wächst wie ein alter Freund. Man hat ein „Ich kenne dich, aber erzähl bitte noch mehr von dir“-Gefühl. Und auch wenn beim Tod Jesu zu weinen ein bisschen ist wie am Ende von Titanic überrascht zu sein, dass das Schiff untergeht – die Tränchen verdrücken konnte ich mir trotzdem nur schwer. Man sollte nur seinen Glauben nicht ganz so verbissen sehen. Aber vielleicht auch nicht zu locker, damit man auch alle Anspielungen versteht.

Die Geschichte wurde an genau den richtigen Stellen gekürzt, nämlich an denen, die ich beim Lesen zu langatmig fand. So hat das Hörbuch fast noch mehr Tempo als sein Pendant in Wort und Schrift. Und ich l-i-e-b-e Simon Jäger. Wirklich. Der traut sich was. Keine falsche Scham, einfach raus damit. Die vielen berühmten Männer, die er synchronisiert hat – die hab ich jetzt nicht so rausgehört, aber das tu ich ja nie. Aber die Stimme ist trotzdem einzigartig, der Elan pustet mich weg. Ich bin ganz sprachlos.

Wie wäre es also jetzt, zu Pfingsten, mal mit ein wenig Religion in unterhaltsamer Form?

|Rezension| Die Tribute von Panem Hörbücher

|Rezension| Die Tribute von Panem Hörbücher


OT: The Hunger Games / Catching Fire / Mockingjay

Suzanne Collins @ SuzanneCollinsBooks.com

Oetinger Audio

~ 6 h 30 min, gekürzte Lesung je 24 95 € oder bei Audible.de

Inhalt

Als Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester für die Spiele von Panem ausgelost worden ist, meldet sie sich freiwillig – wohl wissend, dass sie damit ihr Todesurteil unterschreibt. Denn es darf nur einer überleben bei diesem grausamen Ritual in der fernen Zukunft Nordamerikas. Noch weiß sie nicht, dass sie Peeta, einem Jungen aus ihrem Distrikt, gegenüber stehen wird. Wird einer den anderen töten, um selbst zu überleben? Da geschieht das Wunder: Peeta scheint ihr Leben retten zu wollen. (Tödliche Spiele)

Meinung

Mit „Die Tribute von Panem“ hat Suzanne Collins eine Dystopie erschaffen, die schon viele Leser in ihren Bann gezogen hat. Nach einer Reihe von Umweltkatastrophen ist Nordamerika nicht mehr wiederzuerkennen und hat nichts mehr von dem Amerika, das wir kennen. Panem ist in 12 (ursprünglich sogar 13) Distrikte aufgeteilt, die vom Kapitol aus gesteuert werden. Jeder Distrikt hat eine eigene Aufgabe. Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, dem Kohleförderdistrikt. Seit dem Tod ihres Vaters in den Minen versorgt sie ihre Familie allein durch ihre Jagdfähigkeit. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Einmal im Jahr werden je ein Junge und Mädchen zwischen 12 und 18 aus den Distrikten ausgelost, um in einer Arena bei den Hungerspielen ums Überleben zu kämpfen. Dabei wird es nur einen Gewinner geben. Als das Los auf Katniss kleine Schwester Prim fällt, meldet sie sich freiwillig, an ihrer Stelle zu gehen. Katniss landet in der Arena, gemeinsam mit Peeta, dem sie schon einmal ihr Leben zu verdanken hatte.

Obwohl es anfangs so klingt, geht es in dieser Reihe nicht um rohe Gewalt in einer Arena. Vielmehr wird hier eine Geschichte geschaffen, die eine düstere Zukunftsvision mit politischen Aspekten vermischt. Katniss entwickelt sich zu einem Symbol für eine neue Rebellion der Distrikte gegen das Kapitol und wird dabei selbst wieder zu einem Spielball der Rebellen. Nachdem ich schon die Bücher gelesen hatte, die oft so mitreißend und überraschend waren, dass ich die feinen Aspekte schon fast übersehen habe, war ich beim Hören der Hörbücher fasziniert davon, wie viel der Handlung von den Medien abhängig gemacht wird. Ab dem Moment, als Katniss für ihre Schwester Prim als Tributin antritt, ist ihr zukünftiges Geschick komplett davon abhängig, wie sie sich im Fernsehen präsentiert und welche Geschichte um sie und Peeta in den Medien aufgebaut wird. Selbst in der Arena ist es ihr unmöglich, sich der Zuschauer nicht bewusst zu sein, die über ihren Sieg oder ihre Niederlage mitbestimmen können.

Die Hörbücher sind nicht unnötig gekürzt, auch wenn mir einige Lieblingsszenen gefehlt haben, die zwar nicht essentiell für die Handlung waren, die mir Katniss aber sehr ans Herz haben wachsen lassen. Gerne gehört hätte ich zum Beispiel die Szene, als Katniss einen Pfeil auf die Spielemacher schießt, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Für mich war das ihr erster wirklich rebellischer Akt. Wunderbar gemacht und in dieser Art erst einmal erlebt (nämlich bei den Mortal Instruments-Hörbüchern) waren die Musikeinlagen, die die entscheidenden Szenen abschließen oder einleiten. Oft haben sie mir erst recht eine Gänsehaut gemacht oder mir Pipi in die Augen getrieben. Überhaupt und gegen meine Erwartungen war ich auch beim zweiten „Lesen“ immernoch gleich gespannt und gerührt von der Geschichte. Gerade das ist wohl ein Beweis, dass das Buch den Fokus nicht nur auf Blut und Gewaltmomente reduziert, sondern eine starke und gut durchdachte Basis hat.

Die Sprecherin Maria Koschny hat eine sehr angenehme und junge Stimme und ich habe ihr gerne zugehört. Meine Lieblingssprecherin wird sie trotzdem nicht, da fehlt der letzte Pfiff. Gerne hätte ich ja jemanden gehabt, der auch Singen kann, da Katniss mehr als einmal ihr verborgenes Talent auspackt.

Auch nach dem zweiten Mal „lesen“ ist und bleibt The Hunger Games eine meiner Lieblingsreihen. Und ich möchte nicht wissen, ob mich nicht mancher Autofahrer für ein wenig verrückt gehalten hat, da ich bei den Hörbüchern entweder geweint habe, entsetzt gekuckt oder mit einem breiten Grinsen die Straßen entlang gedüst bin. Über die fehlenden Lieblingsszenen kann ich hinwegkucken, da die Reihe auch gekürzt schön rund war.

|Rezension| Rachel Ward „Numbers“ Hörbuch

|Rezension| Rachel Ward „Numbers“ Hörbuch

OT: Numbers

Numbers #1

Rachel Ward @ RachelWardBooks.com

Silberfisch (April 2010)

6 Std 8 min gekürzte Lesung, 22,95 € oder bei Audible.de

9783867420570

Inhalt

Jem weiß, dass nichts ewig dauert. Und seit dem Tod ihrer Mutter weiß sie auch, was die Zahlen bedeuten, die vor ihrem inneren Auge auftauchen, sobald Jem jemanden ansieht. Es ist das Todesdatum ihres Gegenübers. Das mit den Zahlen ist ihre Sache, findet Jem und behält ihr Geheimnis für sich. Und geht anderen lieber aus dem Weg. Das ändert sich, als der hyperaktive Spinne in Jems Leben platzt und gar nicht daran denkt, sie wieder in Ruhe zu lassen. Gemeinsam machen sie einen Ausflug zum London Eye. Doch dann entdeckt Jem in den Gesichtern der Touristen in der Warteschlange die immer gleiche Zahlenfolge…

Meinung

Jem sieht Menschen nicht gern ins Gesicht, denn wenn sie es tut, hat sie deren Todesdatum vor Augen. Auch das ihrer Mutter, die an einer Überdosis starb, als Jem noch klein war. Von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und mit ihrem Geheimnis hat sich Jem zu einem Mädchen entwickelt, das niemanden an sich heran lässt und allgemein hin als schwierig gilt. Dann trifft Jem auf Spinne, der bei seiner Großmutter lebt und gerade ein Leben als Kleinkrimineller anstrebt. Doch Jem weiß: Spinnes Leben wird nicht mehr lange dauern. Nach einem Anschlag auf das London Eye, von dem Jem und Spinne kurz zuvor weggelaufen sind, sind beide auf der Flucht, fest überzeugt davon, Hauptverdächtige zu sein.

Viele Blogger haben bemängelt, dass es in dem Buch zu viel um Drogen, Gewalt und Sex gehen würde. Das hat mich persönlich jetzt gar nicht gestört, immerhin ist die Welt nicht immer aus rosa Zuckerwatte. Ich konnte Jem sogar gut verstehen, dass sie jeden von sich weggestoßen hat, schließlich hat sie immer vor Augen, wann sie die Person wieder verlieren wird. Was mich an Numbers eher gestört hat, war, dass ich nicht ganz eingesehen habe, wieso Jem aus London geflüchtet ist. Dass Spinne nicht unbedingt auf Polizisten treffen wollte, war klar, schließlich war er in mehrere seltsame Geschäfte verwickelt und sowieso der Überzeugung, dass er als Dunkelhäutiger sofort in den Fokus geraten wird. Aber Jem hatte ja nichts großartiges zu verbergen und hätte sich sicher eine logische Erklärung einfallen lassen können. Für mich wirkt es ein wenig so, als hätte die Autorin einfach einen Grund gebraucht, wieso Jem und Spinne zusammen Zeit verbringen müssen, um sich näher zu kommen.

Dabei ist die ganze Geschichte irgendwie ziellos. Jem und Spinne machen sich auf den Weg ans Meer. Sie flüchten vor Polizisten, sie verstecken sich, hier und da passiert mal ein Unglück und mittendrin stellen sie fest, dass sie sich verliebt haben. Schön und gut, aber wozu? Immerhin fand ich positiv, dass die Autorin nicht auf den vorhersehbaren Zug aufgesprungen ist, dass die Protagonistin, die den Todestag der Menschen sehen kann, versucht, ihn zu ändern. Vielmehr muss Jem merken, dass sie nichts ändern kann und das wurde konsequent durchgesetzt. Auch, dass sie sich charakterlich nie total unrealistisch geändert hat, sondern sich immer in ihren Möglichkeiten bewegt, fand ich gut.

Gerettet hat dieses Hörbuch aber eindeutig die Sprecherin. Laura Maire hat eine wunderbar passende jugendliche Stimme und den Figuren so viel Leben eingehaucht, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Sie schreit, sie flüstert, sie weint. Sie ist wütend, traurig, ängstlich. Nichts davon klingt aufgesetzt, es ist eher, als wäre man live dabei und würde alles belauschen, was passiert. „Numbers“ war sicher nicht mein letztes Hörbuch dieser Sprecherin.