|Rezension| Dawn Kurtagich „The Dead House“

|Rezension| Dawn Kurtagich „The Dead House“

dead house

Little, Brown Books for Young Readers * 15.09.2015  *  ISBN 978-0-316-29868-1

HC 17 €  * eBook 8 € *  Autorin

Klappentext

Three students: dead.
Carly Johnson: vanished without a trace.
Two decades have passed since an inferno swept through Elmbridge High, claiming the lives of three teenagers and causing one student, Carly Johnson, to disappear. The main suspect: Kaitlyn, „the girl of nowhere.“
Kaitlyn’s diary, discovered in the ruins of Elmbridge High, reveals the thoughts of a disturbed mind. Its charred pages tell a sinister version of events that took place that tragic night, and the girl of nowhere is caught in the center of it all. But many claim Kaitlyn doesn’t exist, and in a way, she doesn’t – because she is the alter ego of Carly Johnson.
Carly gets the day. Kaitlyn has the night. It’s during the night that a mystery surrounding the Dead House unravels and a dark, twisted magic ruins the lives of each student that dares touch it.

Meinung

The Dead House hat mich vom ersten Moment an verschluckt. Das fing schon mit der unkonventionellen Herangehensweise an. Die Geschichte über Carly und Kaitlyn wird nämlich nicht einfach nur erzählt, sondern man bastelt sie sich aus Dokumenten zusammen, die die Ermittler gefunden haben. Den Großteil übernimmt Kaitlyns Tagebuch, außerdem Filmaufzeichnungen aus mehreren Quellen, die in Worte gefasst wurden, Notizzettel, Befragungen bei der Polizei, Therapieunterlagen, aufgezeichnete Therapiegespräche. So kann man sich selbst ein Bild davon machen, ob Carly nun einfach eine schwere psychische Störung hatte oder ob wirklich etwas Übernatürliches hinter der Sache steckt. Wenn man glaubt, man ist sich sicher, werden wieder neue kleine Hinweise eingestreut, die einen zweifeln lassen.

Die Therapeuten glauben, Carly leide unter einer dissoziativen Identitätsstörung (im Volksmund Multiple Persönlichkeitsstörung) und hätte Kaitlyn erschaffen, um mit dem Tod ihrer Eltern besser klarzukommen. Die beiden Mädchen selbst sind jedoch überzeugt davon, dass sie schon immer zu zweit waren. Dabei ist es Kaitlyn, die man im Buch wirklich näher kennenlernt, und das ist auch gut so, weil Carly zwar sicher ein nettes und liebenswertes Mädchen ist, aber nicht ansatzweise so interessant und vielschichtig wie Kaitlyn. Dabei ist Kaitlyn nicht immer unbedingt liebenswert, das muss sie aber auch gar nicht. Jemand, der sein Leben in der Nacht verbringt, ist eben kein Sonnenschein.

Ich bin ein großer Fan von Voodoogeschichten und finde viel zu selten welche davon. Hier geht es zwar nicht direkt um Voodoo, aber mit dem Malakult hat die Autorin einen sehr ähnlichen Kult erfunden, der aber eben nicht in New Orleans, sondern auf einer kleinen Insel in Schottland seinen Schwerpunkt hat. Das Prinzip dahinter ist aber dasselbe. Und ich habe mich schon lange nicht mehr bei einem Buch so gegruselt – auch wenn die Videoszenen nur beschrieben sind, hat man sie doch so lebendig vor Augen, dass es einem die Gänsehaut über den Körper jagt. Und zu beobachten, wie Kaitlyn mehr und mehr ihren Verstand zu verlieren scheint, zwischen klarem Denken und Episoden wechselt, in denen sie nicht sie selbst zu sein scheint, das war verstörend.

Fazit

The Dead House ist ein wirklich gut gemachtes Buch mit einer frischen Umsetzung und dem absoluten Gruselfaktor.

|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

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Gulliver * 29.02.2016  * OT The Haunting of Lily Frost * ISBN 978-3-407-74654-2

HC 14,95 €  * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

KlappentextLily Frost zieht mit ihrer Familie in ein altes Haus in einer verschrobenen Kleinstadt. Ihr Zimmer auf dem Dachboden ist ihr unheimlich: Immer wieder fällt der Strom aus, die Tür verriegelt sich von selbst und Lily entdeckt Buchstaben, die in die alten Dielen geritzt sind – sie ergeben ihren Namen. Jemand – etwas – scheint mit ihr kommunizieren zu wollen. Ist es Tilly, das Mädchen, das früher hier gelebt hat? Warum traut sich niemand über ihr Verschwinden zu sprechen? Lily gerät auf ihrer Suche nach Antworten in tödliche Gefahr und begreift: Ihr Schicksal ist auf unheilvolle Weise mit Tilly verbunden.

Meinung

Um in die Welt der Jugendmysterythriller eintauchen zu können, braucht es manchmal einen ganz seichten Einstieg. Wenn man den sucht, ist Lily Frost bestimmt eine gute Wahl.

Zum einen bietet das Buch nämlich eine altbekannte Geschichte. Ein Mädchen zieht in eine neue Stadt, in der es einen mysteriösen Vermisstenfall gibt. In diesem Fall handelt es sich dabei um Mathilda, die vorher in exakt dem Haus gelebt hat, in das Lily einzieht. Das übernatürliche Element folgt auf dem Fuße – Mathilda versucht nämlich Kontakt mit Lily aufzunehmen, auf sehr gruselige Weise. Dann gibt es noch den obligatorischen Exfreund der Vermissten, für den sich die Protagonistin interessiert, und die zickige beste Freundin, mit der sich Lily auch gleich anlegt.

Auf der einen Seite war Lily Frost tatsächlich spannend. Ich wollte unbedingt wissen, was denn nun mit Tilly passiert war – hatte ihr Exfreund sie getötet? Ihre beste Freundin? Jemand anderes? Oder hatte sie nur einen schlimmen Unfall? Ist sie überhaupt wirklich tot? Wann taucht sie wieder bei Lily auf? Meint sie es gut, ruft sie um Hilfe oder will sie Lily mit in den Tod reißen? Dieser Handlungsstrang war wirklich interessant und hat mich mitgerissen. Umso enttäuschter war ich vom Ende. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Skandal erwartet, mir war dieser Abschluss der Geschichte zu harmlos gestaltet, nachdem vorher so viele Theorien und Möglichkeiten auf den Tisch gekommen waren.

Auch versucht die Autorin, die gruseligen Elemente auf Filmart einzubauen. Das im Spiegel erscheinende Gesicht, der huschende Schatten hinter dem Rücken – das alles funktioniert super auf der Leinwand, geschrieben jedoch gar nicht. Im Schriftlichen muss viel mehr mit Beschreibungen und Gefühlen gearbeitet werden, was ihr aber nur teilweise gelingt.

Das Buch konzentriert sich nebenbei aber auch vermehrt auf Lilys Probleme mit dem Umzug im Allgemeinen. Durch die finanzielle Situation ihrer Eltern landet sie von der Großstadt im absoluten Kleinkaff, weit entfernt von ihrer besten Freundin, mit der sie sich ab da eigentlich nur noch streitet. Sicher ist das für Teenager eine richtig mistige Situation und sie haben alles Recht, sich darüber zu beschweren. Was ich dabei aber immer schade finde – und vielleicht bin ich da als Dorfkind einfach empfindlich – ist, dass Autoren dann beginnen, die Bewohner der Dörfer als absolute Vollhirnis darzustellen, die noch in Röhrenfernseher mit Schwarzweißbild starren und Georg Bush noch für den Präsidenten halten. Das Leben auf dem Dorf hat sicher viele negative Seiten,  aber die Bewohner so kleinzureden ist nicht okay. Auch hatte ich das Gefühl, dass Lilys persönliche Probleme mit ihrem Umzug und ihrer Familie sich nicht harmonisch in die Geschichte eingefügt haben, sondern eher als Beiwerk dranhingen.

Fazit

Ein Jugendmysterythriller, der auf altbekannte Elemente setzt und damit den Leser fesseln kann, dessen Ende dann aber eher mau ist.

|Buchnews| Montag ist Kingtag

|Buchnews| Montag ist Kingtag

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Die ersten Horrorbücher, die ich gelesen habe, waren Bücher von Stephen King. Das Feuerkind, Cujo, In einer kleinen Stadt, sie alle zogen mich in ihren Bann. An Es traue ich mich sogar bis heute noch nicht heran. Mein Mann hingegen schwärmt seit einigen Wochen schon von Der Anschlag, das er neulich als Hörbuch gehört hat und nun als Serie verfolgen kann.

Der Heyne-Verlag widmet sich nun schon eine ganze Weile dem „King of Horror“, der mehr als 40 Bücher (Pseudonyme wie Richard Bachmann mit eingerechnet) und über 100 Kurzgeschichten verfasst hat. Jeden Montag erscheint eine Kurzgeschichte des Autors als eBook only für je 99 Cent.

Bisher erschienen 20 Kurzgeschichten, zum Ende des Jahres wird der Verlag dann 52 Geschichten über ein ganzes Jahr veröffentlicht haben. Außerdem startet jeden Montag ein Gewinnspiel, bei dem man die Kurzgeschichte der folgenden Woche gewinnen kann.

„Meine Bücher sind das literarische Äquivalent eines Big Mäc mit einer großen Portion Pommes.“

 

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler“

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler“

nightmares 2

Dressler * 19.11.2015 * OT Nightmares! – The Sleepwalker Tonic (#2) * ISBN 978-3-7915-1948-7

HC 17,99 € * eBook 13,99 € * Autor

Klappentext

Albträume können einem ziemlich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Schließlich hat er schon so einige Horrornächte hinter sich. Deshalb sind auch alle begeistert, als der neue Kräuterladen in Orville Falls ein Wundermittel gegen Albträume anbietet. Doch das Elixier hat schaurige Nebenwirkungen: alle, die es genommen haben, geistern wie Schlafwandler durch die Stadt. Schaffen es Charlie und seine Freunde erneut, sich den Schrecken der Nacht zu stellen?MeinungIm ersten Teil von Nightmares wurden mächtig Probleme gewälzt und die meiste Zeit im Albtraumreich verbracht. Nightmares Band 2 ist ganz anders, aber nicht minder spannend.

Charlie, seine Stiefmutter und Freunde haben sich mit der Tatsache arrangiert, dass Charlie und sein kleiner Bruder Jack die neuen Hüter des Tores zur Traumwelt sind. Auch als Familie sind sie mittlerweile zusammengewachsen. Dennoch trübt wieder etwas ihr idyllisches Familienleben – diesmal geht es nämlich um Existenzangst und Rivalität unter Geschwistern.

Wenn sich Eltern Sorgen machen, dann bekommen Kinder das meistens mit, auch wenn Erwachsene nur ungern realisieren möchten. So bemerkt auch Charlie, dass seine Stiefmutter Charlotte drauf und dran ist, sowohl ihren Laden als auch das lila Haus zu verlieren, was in vielerlei Hinsicht katastrophal wäre – zum einen bedeutet das einen neuen Umzug und schlimmer noch, den Verlust der Kontrolle über das Tor im Turmzimmer. Und so passiert, was passieren muss: Charlie öffnet mit seiner Angst das Tor erneut.

Doch nicht nur Charlie ist dazu in der Lage, sondern auch Jack. Und der fühlt sich pudelwohl zwischen all den Monstern und macht sich erst einmal eine Menge Freunde – mehr Freunde, als Charlie bisher geschafft hat. Zu seiner Sorge gesellt sich also auch noch die Eifersucht auf seinen furchtlosen kleinen Bruder, der jeden um den Finger wickeln kann, was ihm nicht so gelingt. Doch auch Jack merkt, dass sein Bruder wütend auf ihn ist und fühlt sich bald als Last und Zumutung für ihn, was ihn traurig macht, vor allem als er seinen großen Bruder am meisten braucht. Dieses Eifersuchtsgefühl kennen bestimmt alle Leser mit Geschwistern und finden sich darin wieder.

Obwohl der zweite Band mehr in der wachen Welt spielt, haben die Autoren es geschafft, dass es nicht minder spannend, gruselig und auch lustig wird. Die Stadt voller Schlafwandler ist schon beängstigend und die Zeit sitzt allen wirklich im Nacken. Urkomisch hingegen fand ich die Nachtmahre in Menschenverkleidung (vor allem das ruppige Wechselbalg in Babyklamotten) und den neuen Charakter Ollie, der Michel von Lönneberga echte Konkurrenz machen könnte.

Schön fand ich den Grundtenor des Buches – dass Liebe und Hoffnung Berge versetzen und heilen können, dass der Rückhalt von Familie so bedeutend für Groß und Klein ist, und dass sich diese Liebe manchmal auf sehr versteckte Art und Weise zeigen kann und man manchmal genau hinsehen muss, um sie zu entdecken. Und auch, dass das Fehlen dieser Liebe und Hoffnung Menschen dazu bringen kann, unerhörte Dinge zu tun und dass hinter bösen Fassaden manchmal nur zerbrochene Herzen stecken.

Etwas schade fand ich, dass es in den deutschen Ausgaben die Bilder nicht gibt, mit denen die englischen Ausgaben bestückt sind. Zwar ist das Buch reichlich illustriert mit den Schattenfiguren, die sich auch am Cover finden, im Vergleich zu den englischen Ausgaben ist das aber leider nur ein schwacher Trost.

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung der unterhaltsamen Reihe, die die Geschcihte des ersten Teils wieder gut aufnnimmt und dennoch ganz neu erzählt.
|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares!“

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares!“

nightmares

Yearling * 28.7.2015 * Nightmares! #1 * ISBN 978-0385744263

TB 6,60 € * eBook 6,27 € * Autor

Klappentext

Charlie Laird has several problems.

1. His dad married a woman he is sure moonlights as a witch.
2. He had to move into her purple mansion—the creepiest place in Cypress Creek.
3. He can’t remember the last time sleeping wasn’t a nightmarish prospect. Like even a nap.

What Charlie doesn’t know is that his problems are about to get a whole lot more real. Nightmares can ruin a good night’s sleep, but when they start slipping out of your dreams and into the waking world . . . well, that’s something only Charlie can face. And he’s going to need all the help he can get, or it might just be lights-out for Charlie Laird.

For good.

Meinung

Als Kind hatte ich immer ein und denselben Albtraum. So geht es wohl jedem Kind einmal, das unter bestimmten Ängsten leidet. Diese Erfahrung wird in Nightmares aufgegriffen und zu einem Kinderbuch verarbeitet.

Nightmares bekam wohl auch deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil es vom How I Met Your Mother-Star Jason Segel geschrieben wurde, dessen Humor ich persönlich sehr mag. An seiner Seite stand dafür die erfahrene Autorin Kirsten Miller.

Zu Beginn fand ich, dass sich das Buch etwas zog. Der Protagonist Charlie hat schwer daran zu knabbern, dass seine Mutter gestorben ist und sein Vater, anstatt zu trauern, sich schon neu verheiratet hat und dann noch sein Elternhaus verlassen hat, um in das schreckliche lila Monsterhaus von Charlies Stiefmutter zu ziehen. Natürlich ist es verständlich, dass Charlie totunglücklich ist, und man kann nicht von ihm erwarten, dass er seine neue Stiefmutter heiß und innig liebt – seine Verschwörungstheorien und Hasstiraden ziehen sich für meinen Geschmack aber zu lange. So richtig spannend fand ich das Buch erst, als er mit Haut und Haaren in die Albtraumwelt gerät.

Die Albtraumwelt besteht nämlich aus genau dem: allen Albträumen, die Menschen sich erträumen können. Da bekommt sogar der Clown im Aufziehauto einen gruseligen Touch. Auf der Suche nach seinem Bruder und beim Versuch, seinen Freunden aus ihren Albträumen zu helfen, durchstreift Charlie also die verschiedensten Traumlandschaften. Er selbst und seine Freunde müssen sich ihren eigenen Albträumen stellen – das sind zwar für jedes Kind altbekannte Ängste, die aber dennoch für jeden von ihnen ganz persönliche und individuelle Hintergründe haben. Hier kann jeder den einen oder anderen Albtraum entdecken, den er selbst schon einmal hatte, aber auch Albträume, auf die man im Leben selbst nicht gekommen wäre, die für andere aber purer Ernst sind. So bekommt man auch ein Gespür dafür, wie vielfältig Angst sein kann.

So ist es auch nicht verwunderlich, wenn zwischen gruselig und lustig auch ein Funken Traurigkeit im Buch steckt, denn Charlie ist nicht der einzige, der hart an seinem Leben zu knabbern hat. Auch Depressionen und Mobbing werden hier thematisiert und sprechen damit Kinder an, die sich vielleicht in denselben Situationen wiederfinden wie die im Buch – und schöpfen Mut aus deren Leistungen.

Sehr schön fand ich persönlich die Idee, dass aus Albträumen, wenn sie überwunden sind und keine Albträume mehr sein können oder wollen, Träume werden. Und dass Albträume nicht dazu da sind, um uns zu quälen, sondern tatsächlich dazu, uns ein Stückchen mutiger und kräftiger zu machen.

Fazit

Ein unterhaltsames Kinderbuch, das unerwartet sogar in die Tiefe geht.