|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

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Gulliver * 29.02.2016  * OT The Haunting of Lily Frost * ISBN 978-3-407-74654-2

HC 14,95 €  * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

KlappentextLily Frost zieht mit ihrer Familie in ein altes Haus in einer verschrobenen Kleinstadt. Ihr Zimmer auf dem Dachboden ist ihr unheimlich: Immer wieder fällt der Strom aus, die Tür verriegelt sich von selbst und Lily entdeckt Buchstaben, die in die alten Dielen geritzt sind – sie ergeben ihren Namen. Jemand – etwas – scheint mit ihr kommunizieren zu wollen. Ist es Tilly, das Mädchen, das früher hier gelebt hat? Warum traut sich niemand über ihr Verschwinden zu sprechen? Lily gerät auf ihrer Suche nach Antworten in tödliche Gefahr und begreift: Ihr Schicksal ist auf unheilvolle Weise mit Tilly verbunden.

Meinung

Um in die Welt der Jugendmysterythriller eintauchen zu können, braucht es manchmal einen ganz seichten Einstieg. Wenn man den sucht, ist Lily Frost bestimmt eine gute Wahl.

Zum einen bietet das Buch nämlich eine altbekannte Geschichte. Ein Mädchen zieht in eine neue Stadt, in der es einen mysteriösen Vermisstenfall gibt. In diesem Fall handelt es sich dabei um Mathilda, die vorher in exakt dem Haus gelebt hat, in das Lily einzieht. Das übernatürliche Element folgt auf dem Fuße – Mathilda versucht nämlich Kontakt mit Lily aufzunehmen, auf sehr gruselige Weise. Dann gibt es noch den obligatorischen Exfreund der Vermissten, für den sich die Protagonistin interessiert, und die zickige beste Freundin, mit der sich Lily auch gleich anlegt.

Auf der einen Seite war Lily Frost tatsächlich spannend. Ich wollte unbedingt wissen, was denn nun mit Tilly passiert war – hatte ihr Exfreund sie getötet? Ihre beste Freundin? Jemand anderes? Oder hatte sie nur einen schlimmen Unfall? Ist sie überhaupt wirklich tot? Wann taucht sie wieder bei Lily auf? Meint sie es gut, ruft sie um Hilfe oder will sie Lily mit in den Tod reißen? Dieser Handlungsstrang war wirklich interessant und hat mich mitgerissen. Umso enttäuschter war ich vom Ende. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Skandal erwartet, mir war dieser Abschluss der Geschichte zu harmlos gestaltet, nachdem vorher so viele Theorien und Möglichkeiten auf den Tisch gekommen waren.

Auch versucht die Autorin, die gruseligen Elemente auf Filmart einzubauen. Das im Spiegel erscheinende Gesicht, der huschende Schatten hinter dem Rücken – das alles funktioniert super auf der Leinwand, geschrieben jedoch gar nicht. Im Schriftlichen muss viel mehr mit Beschreibungen und Gefühlen gearbeitet werden, was ihr aber nur teilweise gelingt.

Das Buch konzentriert sich nebenbei aber auch vermehrt auf Lilys Probleme mit dem Umzug im Allgemeinen. Durch die finanzielle Situation ihrer Eltern landet sie von der Großstadt im absoluten Kleinkaff, weit entfernt von ihrer besten Freundin, mit der sie sich ab da eigentlich nur noch streitet. Sicher ist das für Teenager eine richtig mistige Situation und sie haben alles Recht, sich darüber zu beschweren. Was ich dabei aber immer schade finde – und vielleicht bin ich da als Dorfkind einfach empfindlich – ist, dass Autoren dann beginnen, die Bewohner der Dörfer als absolute Vollhirnis darzustellen, die noch in Röhrenfernseher mit Schwarzweißbild starren und Georg Bush noch für den Präsidenten halten. Das Leben auf dem Dorf hat sicher viele negative Seiten,  aber die Bewohner so kleinzureden ist nicht okay. Auch hatte ich das Gefühl, dass Lilys persönliche Probleme mit ihrem Umzug und ihrer Familie sich nicht harmonisch in die Geschichte eingefügt haben, sondern eher als Beiwerk dranhingen.

Fazit

Ein Jugendmysterythriller, der auf altbekannte Elemente setzt und damit den Leser fesseln kann, dessen Ende dann aber eher mau ist.

|Rezension| Jeri Smith-Ready „Shade“

|Rezension| Jeri Smith-Ready „Shade“

Shade #1

Jeri Smith-Ready @ JeriSmithReady.com

Simon & Schuster (September 2010)

320 Seiten, 7,99€ TB

Klappentext

Like everyone born after The Shift, sixteen year-old Aura can see and talk to ghosts. She’s always found this mysterious ability pretty annoying, wishing only that she could reverse it and have some peace. But when her boyfriend, Logan, dies unexpectedly, Aura is forced to reconsider her connections to the dead…Devastated by Logan’s sudden death, Aura realises that her ability to see ghosts might actually be a blessing. Surely a violet-hued spirit Logan is better than no Logan at all? But just when Aura is coming to terms with having a ghost as a boyfriend, she starts developing feelings for her new friend Zachary, who is understanding, supportive and, most of all, alive. Each boy holds a piece of her heart – as well as vital cues to the secret of the Shift – and it’s time for Aura to choose between loving the living, or embracing the dead…

Meinung

So viel bei einem Buch geweint habe ich nicht mehr seit Shiver. Dabei hätte ich eigentlich gar nicht so viel davon erwartet – ein wenig Mystery, ein bisschen Dreiecksbeziehung. Jetzt möchte ich nur unbedingt wissen, wie es weiter geht.

In Aura Welt gibt es den einen Fixpunkt – der Moment, nach dem alle Kinder plötzlich Geister sehen konnten. Die Geister können sich gegenseitig nicht sehen und versuchen, alle, die sie sehen können, dafür einzuspannen, sich von der Welt lösen zu können. Aura arbeitet für ihre Tante in einer Anwaltkanzlei, die die Interessen von Geistern vertritt, und übernimmt den Posten der Übersetzerin für die Erwachsenen, die die Aussagen der Verstorbenen nicht hören können. Auch der Staat hat den Wert der Jugendlichen erkannt, die sie nach dem Schulabschluss rekrutieren möchten und dafür mit der Übernahme der Studienkosten locken. Vor allem möchten sie gegen die Schatten vorgehen – Geister, die so verbittert wurden, dass sie Menschen angreifen und sie körperlich krank machen können. Beinahe alle Kinder tragen rote Kleidung, da die Farbe Rot und Obsidian die wenigen Möglichkeiten sind, sich Geister vom Hals zu halten.

Normalerweise fällt es mir leicht, in Dreiecksbeziehungen einen Favoriten herauszupicken. In Shade ist mir das bis zum Ende nicht gelungen. Zum einen ist da Auras Freund Logan. Er ist leidenschaftlicher Musiker und Aura fühlt sich vor seinem Tod oft von ihm vernachlässigt. Als Logan an einem Mix aus Alkohol und Kokain stirbt, erfährt sie erst wirklich, wie sehr Logan sie liebt. Er macht sich schwere Vorwürfe, dass er so dumm war, das Kokain überhaupt anzunehmen. Gerade, dass Logan keine reine Weste hat, hat ihn mir aber so sympathisch gemacht. Er ist ein Charakter mit Ecken und Kanten und vielen Fehlern, aber er beweist immer wieder, dass Aura für ihn das Größte im Leben war. Zachary dagegen ist ein warmherziger Charakter. Er lässt Aura alle Zeit der Welt, tröstet sie, ohne sie unter Druck zu setzen und fängt sie in jeder Situation auf. Bei so ziemlich allem, was Zach getan hat, ist mein Herz geschmolzen. Auch Aura fand ich als Charakter sehr liebenswert und man hatte nicht, wie so oft in solchen Situationen das Gefühl, sie will aus beiden Beziehungen nur das Beste für sich herausholen. Sie macht sich große Vorwürfe Logans Tod betreffend und ist hin und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Logan, der sie aber nicht mehr berühren kann und mit dem sie keine Zukunft hat, und dem lebenden Zach, der sie auffängt und mit dem sie unter Umständen auch alt werden könnte.

Man kann, wenn man möchte, Shade auch als Einteiler lesen, je nachdem, welchen Handlungsstrang man am meisten abgeschlossen sehen möchte – die Geschichte um Auras Liebe oder um den Zusammenhang zwischen ihrer Geburtszeit, der von Zach und dem Aufenthalt ihrer Eltern in Schottland. Natürlich verrate ich hier nicht, welche Fragen offen bleiben und welche nicht. Wäre ja sonst echt öde und ich will ja, dass ihr das Buch auch lest.

|Rezension| Mara Purnhagen „Past Midnight“

|Rezension| Mara Purnhagen „Past Midnight“

Past Midnight #1

Mara Purnhagen @ Marapurnhagen.com

Harlequin (September 2010)

224 Seiten, 4,57 € TB

0373210205

Klappentext

Let me set the record straight. My name is Charlotte Silver and I’m not one of those paranormal-obsessed freaks you see on TV…no, those would be my parents, who have their own ghost-hunting reality show. And while I’m usually roped into the behind-the-scenes work, it turns out that I haven’t gone unnoticed. Something happened on my parents‘ research trip in Charleston—and now I’m being stalked by some truly frightening other beings. Trying to fit into a new school and keeping my parents‘ creepy occupation a secret from my friends—and potential boyfriends—is hard enough without having angry spirits whispering in my ear. All I ever wanted was to be normal, but with ghosts of my past and present colliding, now I just want to make it out of high school alive….

Meinung

Dean: What are we doing?
Sam: We are hunting a ghost.
Dean: A ghost, exactly. Who does that?
Sam: Us!
Dean: Us, right! And that’s, Sam, that’s exactly why our lives suck. I mean, come on, we hunt monsters! What the hell?!? Normal people, they see monsters and they run. But not us, no no no. We search out things that want to kill us. Yeah? Huh? Or eat us! You know who does that? Crazy people. We are insane!

[Supernatural]

 

Manche Eltern sind Ärzte, Lehrer oder Bauarbeiter. Doch Charlotte hat dieses Glück nicht – ihre Eltern sind Geisterdokumentarfilmer. Sie hat nie länger als ein halbes Jahr an der selben Schule verbracht und die Gerüchte, die ihre Mitschüler über sie erfunden haben, sind noch absurder als alles, was ihre Eltern in Spukhäusern entdecken könnten. Während ihre ältere Schwester aufgrund ihres guten Aussehens als Geistermagnet fungiert, hilft Charlotte höchstens beim Ton aus. Bis ihre Schwester nach einer Seance in Charleston die Nase voll hat und ihre Eltern vor die Wahl stellt – entweder, sie gehen endlich auf die Bedürfnisse ihrer Kinder ein, oder sie wird nie wieder als „Köder“ herhalten. Für Charlotte bedeutet das: Ihr gesamtes Abschlussjahr an einer Schule bleiben, Freunde finden, in einem nagelneuen Haus ohne Geister leben. Dumm nur, dass „ohne Geister“ ein Irrtum war. Denn in Charleston hat nicht ihre Schwester die Geister angezogen, sondern sie – und jetzt wird sie sie nicht mehr los.

Charlotte ist ein Charakter, den man mögen kann. Sie hat sich bisher immer den Wünschen ihrer ausgeflippten Eltern unterworfen , was für sie hieß, ständig umziehen zu müssen, in Häusern zu wohnen, in denen es spukt und sich regelmäßig den Spott und Gerüchten ihrer wechselnden Mitschüler auszuliefern, während ihre Eltern ihre hübschere Schwester für Dokumentationen vor die Kamera zerren, ihre Familie als „Team“ bezeichnen und stolz jeden Zeitungsbericht über sich sammeln. Es grenzt an ein Wunder, dass Charlotte nicht schon längst ausgeflippt ist. Dass sie ihr Abschlussjahr an ein und derselben Schule verbringen darf, grenzt für sie schon fast an ein Wunder, und sie versucht alles, um sich das Jahr so angenehm wie möglich zu machen. Also erzählt sie ihren neuen Freunden auch nichts vom Beruf ihrer Eltern. Das gibt ihr aber auch nur eine Schonfrist bis Halloween, denn dann laufen alle Dokus ihrer Eltern täglich als Marathon. Doch nicht nur Charlotte hat Geheimnisse, sondern auch ihre neue Freundin Avery erzählt ihr nicht von Anfang an die Wahrheit. Also kann sich Charlotte nur wundern, wieso sie nie die Hauptstraße benutzt, ihre Freundinnen wie Glucken um sie herumschwärmen und warum die gesamte Schule nicht mit Jared redet, der doch ganz nett zu sein scheint.

„Past Midnight“ ist – leider – an manchen Stellen sehr vorhersehbar. Ziemlich früh kann man erraten, wer die beiden Geister sind, die Charlotte verfolgen und auch deren Geschichte ist eine dieser typischen Geistergeschichten der Eltern, die ihre verschwundene Tochter suchen. Auch die Geschichte um Avery und Jared ist leicht zu erraten. Dabei ist „Past Midnight“ ein Buch, das sich ansonsten schnell runter lesen lässt und alles andere als langweilt. Nur bleibt der Gruselfaktor bei mir aus. Vielleicht bin ich persönlich auch schon zu abgestumpft, da braucht es mehr als ein paar schummrige Schemen im Dunkeln, um mir eine schaurige Gänsehaut zu verpassen. Zählt man noch dazu, dass das Ende wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt, ist „Past Midnight“ insgesamt ein vollkommen durchschnittliches Buch – weder so schlecht, dass man die Zeit bereut, die man aufgewendet hat, noch so gut, dass man es unbedingt weiterempfehlen möchte. Immerhin ist es in sich vollkommen abgeschlossen, was für einen Serienstart nicht garantiert ist. So liegt es offen, ob man die nächsten Teile noch kaufen will, oder sich einfach mit Teil 1 begnügt.