|Rezension| Abby Hanlon „Donner und Dory“

|Rezension| Abby Hanlon „Donner und Dory“

dory

cbt * 31.8.2015 * OT: Dory Fantasmagory #1 * ISBN: 978-3-570-16375-7

 HC 10,99 € * eBook 9,49 € * Leseprobe

Klappentext

Die Jüngste zu sein ist ziemlich doof, wenn die älteren Geschwister einen immer zu kindisch finden. Dory ist schon sechs, und trotzdem rollen Charlotte und Luca jedes Mal die Augen, wenn sie mitmachen will. Also bleibt Ratte, so Dorys Spitzname, nichts anderes übrig, als in ihrer eigenen Welt zu spielen, wo ihr das Lieblingsmonster Mary stets zu Diensten ist und sie Herrn von Morps, ihre gute Fee, von jeder Banane aus anrufen kann. Und auch mit der 507 Jahre alten Frau Knorpel-Knacker, die die Großen nur aus Rache erfunden haben, erlebt Dory das Abenteuer des Jahrhunderts. Doch dann brauchen Charlotte und Luca eine Heldin in der wirklichen Welt – und Dory ist zur Stelle! (© randomhouse)

Meinung

Als kleine Schwester hat man es im Leben ja nicht immer leicht. Die großen Geschwister dürfen hundertmal mehr als man selbst und mit einem spielen wollen sie irgendwie auch nie. So geht es auch Dory, deren großer Bruder und große Schwester herzlich wenig Interesse daran haben, sich mit dem Nachzügler zu beschäftigen.

Doch Dory hat eine wunderbar blühende Fantasie, mit der sie sich durch den Tag rettet. So hat sie eine unsichtbare Freundin namens Mary, die gerne mit ihr spielt und sich alle Ideen anhört, die Dory hat. Sie unterstützt sie auch, als ihre Geschwister Dory von der bösen Frau Knorpel-Knacker erzählen, die es auf Dory abgesehen hat, und die prompt am nächsten Tag an der Tür klingelt, um sie zu holen. Doch nicht mit Dory – mit einigen Tricks und Kniffen, die nur einem Kind mit viel Fantasie einfallen können, entkommt sie der vampirzahnigen Frau.

Doch manchmal, wie Geschwister eben so sind, mögen die beiden Großen Dory eben doch. Beim Witzemachen am Frühstückstisch oder wenn sie für Luca das Hündchen spielt, das er immer haben wollte. Trotz Dorys ausgeprägter Fantasie blitzt einfach immer wieder durch, wie der Alltag zwischen Geschwistern so abläuft. Und dieser Alltag ist so überzeugend – weder überzogen nett noch viel zu gemein, sondern einfach die alterstypische Hassliebe, die Geschwister füreinander empfinden und ausleben.

In die Geschichte sind sehr viele Bilder eingebaut, zwar schwarz weiß, aber mit viel Liebe zum Detail. Sie unterstützen die Geschichte nicht nur, sondern sind essentieller Teil von ihr. Wörtliche Rede findet nicht selten nur in Sprechblasen statt. So kann ich mir das Buch prima für Leseanfänger vorstellen und es wandert schnellstmöglich in meine Klassenbibliothek.

Fazit

Donner und Dory ist eine herzerfrischende Geschichte über ein fantasievolles Mädchen.

|Rezension| Leonie Swann „Dunkelsprung“

|Rezension| Leonie Swann „Dunkelsprung“

dunkel

Goldmann * 10.10.2014 * ISBN: 978-3-442-31387-7

 HC 19,99 € * eBook 15,99 € * Leseprobe

Klappentext

Julius Birdwell, Goldschmiedemeister, Flohdompteur und unfreiwilliger Einbruchkünstler, wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich eine ruhige, unbescholtene Existenz führen zu können. Doch als seine Flohartisten einem plötzlichen Nachtfrost zum Opfer fallen und die geheimnisvolle Elizabeth Thorn in sein Leben tritt, überstürzen sich die Ereignisse. Ein Magier wird ohnmächtig, eine alte Dame macht sich in einem gestohlenen Lastwagen davon, ein Detektiv mit Konzentrationsstörungen findet zu einem ungewöhnlichen Haustier, und Julius sieht sich auf einmal mit existentiellen Fragen konfrontiert: Wie befreit man eine Meerjungfrau? Wie viele Flöhe passen auf eine Nadelspitze? Und warum ist das Leben trotz allem kein Märchen? Julius bleibt nichts anderes übrig, als sich weit über den Tellerrand seiner Welt hinauszulehnen und den Sprung ins Unbekannte zu wagen. Ein phantastisches Abenteuer beginnt …

Meinung

Manchmal braucht man es einfach ein bisschen verrückt – und Dunkelsprung klang schon im Klappentext so ganz besonders. Tatsächlich hat mich endlich mal wieder ein Buch so richtig begeistert. Von der wunderbaren Aufmachung außen und drinnen will ich gar nicht reden, davon kann sich jeder im Buchladen persönlich überzeugen.

Dunkelsprung hat es tatsächlich geschafft, dass ich nie wusste, was als nächstes passieren würde. Einerseits lag das daran, dass die Geschichte der Figuren gar nicht so dermaßen im Detail ausgestaltet wurde (auch wenn sie im Kopf sicher ausführlich existent war) und sie so immer etwas unberechenbar blieben. Auch wurden immer wieder neue Figuren eingeführt, die manchmal nur kurze Gastspiele hatten, manchmal über längere Zeit blieben, aber allesamt so speziell waren, dass sie einem ans Herz wachsen konnten – sogar die Flöhe waren mir sympathisch, und das muss man erst einmal hinbekommen.

Besonders interessant fand ich auch, dass Figuren wie Fawkes und Elisabeth auf tatsächlich existierenden Personen basierten, so als wäre Dunkelsprung einfach die Fortsetzung ihres Lebens.

Alle Szenen waren so beschrieben, dass ich sie direkt vor Augen hatte. Das begann schon mit der ersten Szene in Fawkes Zirkus und blieb so bis zur allerletzten Szene. Ein wenig hatte ich einen inneren Film vor Augen, der von Tim Burton gedreht hätte sein können. Vielleicht kommt das ja noch?

Fazit

Dunkelsprung ist ein fantasievolles und überraschendes Buch mit interessanten Figuren und einer fast unvorhersehbaren Handlung.

|Rezension| Kirsten Hinkler „Frau Bengali“

|Rezension| Kirsten Hinkler „Frau Bengali“

bengali

Waldhuhn Verlag * 7.2.2015 * ISBN: 978-3-943671-03-2

 HC 16,95 €  * Leseprobe

Klappentext

Frau Bengali ist unsere Nachbarin. Sie wohnt schräg gegenüber. Morgens, wenn ich aus dem Haus gehe, treffen wir uns oft auf der Straße. Um die Schultern trägt Frau Bengali ein Tuch, auf das ein ganzer farbenfroher Dschungel gemalt ist: Man sieht leuchtend bunte Papageien, exotische Pflanzen und aus dem hohen Gras lugt der Kopf eines großen Tigers. Ich schaue mir das Tuch gerne an, besonders den Tiger. An manchen Tagen kommt es mir vor, als würde der Tiger mich auch ansehen. Frau Bengali lächelt dann und sagt, der Tiger sei ihr Freund, er begleite sie jeden Tag, ganz gleich, ob es regnet oder die Sonne scheint. Frau Bengali umgibt irgend-etwas Besonderes, ein Geheimnis, das ich unbedingt lüften möchte …

Meinung

Begegnungen mit fremden Kulturen haben Kinder so oft, dass es ihnen meist gar nicht mehr auffällt. In der Schule hatte ich lange mehr türkische Freunde als deutsche, aber darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Doch im Nachhinein betrachtet war ich fasziniert von der fremden Musik, der Sprache, die ich bis zum Abitur nicht durchschauen konnte, und der doch andersartigen, aber genauso reichen Kultur.

Aber Indien – das blieb mir ganz fremd. Den Kindern aus „Frau Bengali“ aber nicht, denn sie wohnen direkt neben einer Inderin. Von der wird in einfach, klaren Worten erzählt, obwohl Frau Bengali selbst ganz und gar nicht klar und einfach ist. Sie ist bunt und warmherzig und mit ihrem Tuch, das sie trägt, kann sie einen ganzen indischen Dschungel heraufbeschwören. Frau Bengali erzählt gerne von ihrem Leben in Indien und so erfahren die Kinder fast unbemerkt, wie das Leben in diesem fernen fremden Land ist. Sie lernen aber auch, dass sie selbst eine Geschichte mit sich tragen.

Den größten Teil der Seiten nehmen die Zeichnungen ein, die eine Mischung aus Strichzeichnung und großen bunten Flächen darstellen. Meist ist das, was im Mittelpunkt steht, so gut wie nicht coloriert und sticht gerade deswegen heraus.

Schön fand ich auch, dass das Kind in der Geschichte weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich ist – weder in der Geschichte selbst noch auf den Zeichnungen. So fällt es den Kindern leichter, sich selbst in ihm wiederzufinden, ganz egal, ob sie nun Junge oder Mädchen sind.

Fazit

Eine bunte Geschichte darüber, dass jeder seine ganz eigene Geschichte hat, unterlegt mit ebenso farbenfrohen Bildern – Frau Bengali ist eine wunderbare Geschichte für Groß und Klein.