|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

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C. Bertelsmann * 22.02.2016  *  OT: Unbecoming * ISBN 978-3-570-10292-3

HC 19,99 €  * eBook 15,99 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …

Meinung

Für die Ungehörigkeit des Glücks habe ich eine unverschämt lange Zeit gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Immer wieder musste ich es zur Seite legen und schlucken. Dieses Buch erzählt die Geschichte dreier Generationen, die eher unwillig aufeinanderstoßen.

Katie ist im Teenageralter und leidet unter den hohen Erwartungen und strengen Regeln ihrer Mutter Caroline. Sie ist ein kluges Mädchen, das sich aber nicht nur darauf reduziert sehen möchte. Ihre einzige Freundin hat sie verloren, weil sie sie geküsst hat. So allein auf sich gestellt hadert sie mit sich selbst, als ihre Großmutter Mary wieder in ihr Leben tritt. Mary hat Alzheimer und schwankt zwischen klaren Episoden und dem Horror, den man erlebt, wenn man seine Erinnerung verliert und sich dessen auch bewusst ist. Während Mary und Katie sich erstaunlich gut verstehen, ist Marys Tochter Caroline über die Zusammenführung komplett unglücklich, denn Mary hatte sie als Baby an ihre Schwester Pat übergeben und sich seitdem nicht mehr bei ihr gemeldet.

Nun zeigt sich im Laufe des Buches, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Vor allem Marys und Carolines Geschichte hat einen sehr verworrenen Hintergrund. Hätte ich nun einfach das Buch in einem Rutsch durchgelesen, hätte ich es wohl echt blöd gefunden, wie Caroline mit Mary umgeht. Oder gut gefunden, dass Katie nicht mehr dauernd auf ihre Mutter hört. Aber mit längerem Nachdenken musste ich feststellen, dass jede Medaille eben doch zwei Seiten hat und das fand ich sehr gut vermittelt.  Ich muss zugeben, dass die Erzählweise auch ziemlich langsam ist. Es tut sich eigentlich gar nicht viel hier. Die Ungehörigkeit des Glücks ist mehr eine Beobachtung dreier Frauen und deren gemeinsamer Zeit. Und das geschieht mit viel Hingabe zum Detail, mit Ausschmückungen von Momenten und der Konzentration auf Emotionen und weniger auf Taten. Das muss man wollen, aber dann ist es gut gemacht.

Fazit

Ein stilles, lange nach klingendes Buch über drei Frauen verschiedener Generationen, die jede auf ihrer eigenen Suche nach dem Glück ist, mit detailliert ausgearbeiteten Charakteren.

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|Rezension| Karen Joy Fowler „Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke“

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schwestern

Manhattan * 11.5.2015 * OT We Are All Completely Beside Ourselves * ISBN: 978-3-442-54737-1

 HC 17,99 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Es war einmal ein Haus mit einem Garten, in dem wohnten ein Apfelbaum, ein Bach und ein kleine Katze mit mondgelben Augen. Hier wachsen drei Kinder auf: Rosemary, ihre ungestüme Schwester Fern und ihr großer Bruder Lowell. Sie könnten eine ganz normale Familie sein. Wäre ihr Vater nicht Wissenschaftler, und wäre Fern nicht ein ganz besonderes kleines Mädchen, das Wachsmalstifte verspeist, den perfekten Rückwärtssalto beherrscht und lacht wie eine Säge.

Jahre nach Ferns Verschwinden erzählt Rosemary nun deren Geschichte. Denn erzählen war das Einzige, was Fern nie konnte. (© randomhouse)

Meinung

Wenn ich ein Wort für Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke finden sollte, dann ist es wohl „anstrengend“. Dieses Buch ist keine lockerleichte Familiengeschichte, nicht einmal eine mittelschwere – hier trägt jeder eine Last, der auch nur am Rande auftaucht. Mit der Protagonistin und Icherzählerin Rose konnte ich mich schwer anfreunden – dabei kann sie gar nichts dafür, dass sie so eine anstrengende Person ist. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines Experiments ihres Vaters. Nein, sie IST ein Experiment ihres Vaters – wortwörtlich. Und dieses Experiment zerstört ihre ganze Familie – ihre Mutter, die in Depressionen verfällt, ihren Bruder, der sich irgendwann einfach von der Familie abwendet, weil er sie nicht mehr erträgt, am meisten aber sie selbst.

Anstrengend fand ich auch, dass Rose durch ihren Drang, besser zu sein als ihre Schwester Fern – sei sie nun aus ihrem Leben verschwunden oder nicht – immer beweisen muss, wie klug sie ist. Und so musste ich doch tatsächlich Wörter im Duden nachschlagen, um zu verstehen, was sie ausdrücken will. Und tatsächlich mache ich drei Kreuze, dass ich so gut wie alle Anspielungen auf jegliche Art von Kultur verstanden habe – aber was wäre, wenn nicht? Mich würde das nerven und sicher nicht dazu bewegen, das Buch weiterzulesen.

Dabei steckt hinter den großen Worten und der schweren Grundgeschichte auch immer das eine oder andere Fünkchen Überraschung, dass mich dann doch beim Buch gehalten hat. Zum Beispiel das Geheimnis, wohin Fern verschwunden ist – oha, DAS hab ich echt nicht kommen sehen. Auch haben manche Szenen ihren ganz eigenen Humor, der mich dann doch zum Lachen gebracht hat ob seiner Absurdität. Und tatsächlich kam nach dem anstrengenden Beginn die Zeit, in der ich nur ungern das Buch zur Seite legte, um mich dem Rest des Lebens zu widmen. Das lag vielleicht auch daran, dass man an einen Punkt kommt, wo man endlich einen richtigen Durchblick hat, was die ersten Kapitel angeht – nachdem ich klar gesehen habe, wollte ich nur wissen, wie es mit Rose weitergeht.

Bewundernswert fand ich auch, welchen Rechercheeinsatz die Autorin in dieses Buch gesteckt hat – hinterher kam ich mir echt hundertmal klüger vor als vor dem Buch. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Stunden das verschluckt hat.

Fazit

Wenn man zu Beginn Geduld hat, wird man mit einer höchst bizarren und interessanten Geschichte belohnt, in der offensichtlich viel Herzblut der Autorin steckt.