|Rezension| Gillian Heal „Opa Bär und sein langer bunter Schal“

|Rezension| Gillian Heal „Opa Bär und sein langer bunter Schal“

opa bär

Patmos * 11.01.2016 * OT: Grandpa Bear’s Fantastic Scarf * ISBN 978-3-8436-0586-1

HC 12,99 €  * Leseprobe

Klappentext Der kleine Bär liebt seinen Opa über alles – und ganz besonders dessen langen bunten Schal. Er will mehr darüber wissen, und so erzählt ihm Opa, was die verschiedenen Farben zu bedeuten haben: Schwarz und Grau stehen für die dunklen Zeiten in seinem Leben, Rot und Gelb für die fröhlichen Tage, der silberne Faden für ganz besondere Momente.

Jeden Tag webt Opa Bär daran, und inzwischen ist er so lang und so bunt wie sein Leben. Nun möchte der kleine Bär seinen eigenen Schal weben, und im Gespräch mit Opa Bär versteht er immer mehr, worauf es dabei ankommt: dass er selbst dafür verantwortlich ist, welche Farben er wählt und ob er kuschlig wird oder rau, ob er den Schal mag oder nicht.

Meinung

Großeltern sind eine Quelle an Wissen und Erfahrung, aus der wir unermüdlich schöpfen können, wenn wir wollen. Sicher gibt es den einen oder anderen dunklen Fleck, über den sie nicht sprechen möchten, aber ansonsten habe ich immer genossen, wenn ich Geschichten von damals anhören und damit ein wenig miterleben durfte. Auch der kleine Bär hört seinem Opa Bär gerne zu.

Opa Bär webt an seinem Schal, seitdem er so alt war wie Kleiner Bär, und in diesen Schal webt er Erinnerungen ein. Der Schal dient hier als Analogie zum Leben und der Person, die es lebt. Die einen Fäden sind der Mensch – pardon, Bär – selbst, seine „Knochen, die [ihn] formen“, seine Eigenschaften, die er geerbt hat. Dabei kann man sich manches Garn nicht aussuchen, genauso wie man sich nicht aussuchen kann, welche Haarfarbe man erbt, aber bei andern kann man ganz tief in den Farbtopf greifen, weil es in den eigenen Händen liegt, was man aus dem macht, was einem von der Verwandtschaft mitgegeben wurde.

Schon hier enthält das Buch eine schöne Nachricht: Du bist, was du selbst aus dir machst. Dein Weg ist nicht vorgeschrieben, du musst nicht automatisch den Weg einschlagen, den deine Eltern und Großeltern vor dir gegangen sind, du musst nicht so sein wie sie – und das ist gut so! Opa Bär sagt: „Es ist dein Schal, mach ihn zu deinem eigenen!“ und meint damit doch: Es ist dein Leben, mach dich selbst glücklich.

Die anderen Fäden, die den Schal zu einem Gewebe machen, das sind die Gefühle, die man empfindet – das Honiggold der Lieblingsspeise, die bunten Farben, die Äpfel haben können, das Geld und Blau von Sonnentagen, aber auch das Grau, wenn man traurig ist. Und auch das ist okay – es gehört dazu, schlechte Tage zu haben, und es macht die anderen Farben nur noch strahlender.

„Wenn du das Weben deines eigenen Schals in die Hand nimmst, solltest du nicht dem Leben oder anderen die Schuld für die Stücke im Schal geben, die vielleicht nicht so schön geworden sind. Das, was du webst, gehört nur dir. […] Hab keine Angst vor Veränderung oder davor, Fehler zu machen. Denn das gehört dazu, wenn man Weben lernt.“

Das Buch bietet eine wunderbare Basis, um mit Kindern über das Leben zu sprechen – welche Farben hätte ihr Schal, wie stellen sie ihn sich vor? Die Botschaft bleibt immer: Du bist deines Glückes Schmied, es liegt in deiner Hand, wie du dein Leben führst und wie du dich deswegen fühlst. Und wenn du dich mal schlecht fühlst, ist das auch okay, das gehört zum Leben dazu. Vielleicht ist das eine Nachricht, die erst sehr viel später in den Kinderköpfen wirklich ankommt und an die sie sich erinnern werden, wenn das Leben wirkliche Entscheidungen von ihnen fordert – aber sie ist dann da.

Genauso bunt wie Opas Schal sind die Illustrationen des Buches – kräftige Farben und Liebe zum Detail machen es zu einem echten Hingucker. Verschiedene Maltechniken ergeben ein harmonisches Ganzes.

Fazit

Eine wunderbare Analogie zum Thema Glück, gewohnt schön ausgestaltet.

|Rezension| Janna de Lathouder „Das ist kein Krimskrams!“

|Rezension| Janna de Lathouder „Das ist kein Krimskrams!“

krimskrams

Lingen * 15.8.2015 * ISBN 9783945136430

HC 12,99 €

Klappentext

Eule wohnt in einem alten Baum. Doch kommt sie bald nicht in ihr Haus – so viele Sachen hat sie gesammelt. Niemanden kann sie einladen und so kennt sie keiner. Andere betrachten sie als seltsam und ihre Sammlerstücke bezeichnen sie verächtlich als Krimskrams. Dabei hängt an jedem Stück eine wertvolle Erinnerung für sie. Gut, dass Eichhörnchen eine Idee hat, wie Eule wieder Platz bekommt, ihre Erlebnisse mit anderen teilen kann – und am Ende etwas ganz Neues sammeln kann.

Meinung

Jeder hat dieses hässliche Ding, von dem niemand versteht, wieso man es sich ins Regal stellt, und das wir trotzdem nie hergeben würden, weil schöne Erinnerungen daran hängen. So geht es Eule im Buch „Das ist kein Krimskrams!“. Ihr Haus ist so voll mit Dingen, dass sie selbst gerade darin Platz hat. Das macht Eule aber auch sehr einsam und die Tiere im Wald flüstern über sie.

Als sich dann Eichhörnchen traut, zu ihr auf den Baum zu kommen, erfährt er, was Eule mit alle den vielen Dingen wirklich will und hat eine Idee, mit der alle glücklich sind. Auf der einen Seite ist die Geschichte von Eule und ihren Erinnerungsstücken ein wenig traurig – niemand nimmt sie ernst, alle lästern hinter ihrem Rücken und sie ist einsam mit ihren ganzen Erinnerungen, die das einzige sind, was sie noch glücklich macht. Deswegen hat Eule auch meistens einen ganz traurigen Gesichtsausdruck. Eichhörnchen bringt Leben in Eules Bude. Er ist so lebendig und zappelig gezeichnet und steckt Eule damit an.

Am wichtigsten aber ist – Eichhörnchen zeigt Eule, dass man nicht alles aufheben muss, damit man sich an die schönen Dinge erinnert. Und damit hilft er, dass Eule den ganzen Kram, den sie angesammelt hat, loslassen kann, damit sie mit Freunden neue Erinnerungen sammeln kann.

Die Zeichnungen zu der mutmachenden Geschichte sind wirklich wunderschön – die Farben sind kräftig, vom quietschorangen Eichhörnchen über die dunkelblaue Nacht und Eules bunte Sammlung. Allein, die vielen Gegenstände zu zeichnen, bedeutet schon viel Detailverliebtheit. Auch kann man den Tieren sehr gut vom Gesicht ablesen, wie sie sich fühlen, ohne dass sie zu vermenschlicht wirken.

Fazit

„Das ist kein Krimskrams“ ist eine schöne Geschichte übers Loslassen und darüber, dass man für vieles einen Grund hat, den man nicht auf den ersten Blick erkennt.

|Rezension| Emma Hooper „Etta and Otto and Russell and James“

|Rezension| Emma Hooper „Etta and Otto and Russell and James“

etta

randomhouse uk * 29.1.2015 * ISBN: 9780241003329

 HC ~15 € * eBook ~ 10 € * Autor

Klappentext

Etta’s greatest unfulfilled wish, living in the rolling farmland of Saskatchewan, is to see the sea. And so, at the age of eighty-two she gets up very early one morning, takes a rifle, some chocolate, and her best boots, and begins walking the 2, 000 miles to water. Meanwhile her husband Otto waits patiently at home, left only with his memories. Their neighbour Russell remembers too, but differently – and he still loves Etta as much as he did more than fifty years ago, before she married Otto.

Meinung

Ich bin zugegeben wohl die größte Couchpotatoe des weiten Umkreises. Lieber gehe ich mit Protagonisten auf Reisen – und reisen konnte ich mit Etta – der Protagonistin von Etta and Otto and Russell and James – einmal quer durch Kanada.

Etta ist tatsächlich eine sehr beeindruckende Figur, denn mit 82 und beginnender Demenz packt sie ihren Rucksack und beschließt, ihrem Lebenstraum zu folgen und das Meer zu sehen. Ihre Entschlossenheit packt nicht nur die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet und die sie dabei unterstützen, sondern auch den Leser selbst. Auch dann, wenn man sich gerade nicht mehr sicher ist, ob Etta Verstand ihr einen Streich spielt – lange habe ich mich zum Beispiel gefragt, ob James – der Kojote, der sie begleitet –tatsächlich echt ist. So schnell wie Etta habe auch ich James lieben gelernt, ohne den sie doch sehr einsam wäre und der ihr durch schwere Zeiten und immer zu sich selbst zurückhilft.

Otto und Russell sind zwei sehr verschiedene Charaktere, obwohl ich von Letzterem gerne noch mehr gehört hätte. Ihre Reaktion auf Ettas Reise basiert auf zwei völlig verschiedenen Erfahrungen mit ihr – Russell erlebte Etta in ihren schwächsten Momenten, die Otto in seiner Abwesenheit verpasst hatte. So traut Otto seiner Frau ohne Weiteres zu, dass sie die Reise hinter sich bringt und zu ihm zurückkehrt, während Russell sie am liebsten sofort einsammeln und zurückkarren würde.

Ottos und Ettas Liebesgeschichte ist keine hyperromantische, perfekte Liebe ohne Fehltritte und Zweifel. Ab und zu musste ich deswegen schon schlucken, da mir Otto eigentlich sehr ans Herz gewachsen war und ich mir gewünscht hätte, dass es diese dunklen Flecken nicht gegeben hätte. Andererseits ist es eine Liebe, die sich während des Krieges entwickelt und die meiste Zeit davon sehen die beiden sich gar nicht.

So ist auch ein Teil der Geschichte über die Briefe erzählt, die Etta und Otto sich gegenseitig während seines Kriegseinsatzes schicken du die die Basis ihrer jungen Liebe bilden. Den Einblick in das Leben während Kriegszeiten fand ich auch immer wieder wahnsinnig interessant.

Fazit

Etta and Otto and Russell and James ist eine melancholische, aber sehr besondere Geschichte über drei außergewöhnliche Menschen und deren Lebensgeschichte, für die man sich unbedingt eine ruhige Stunde nehmen sollte, um ihr auch gerecht zu werden.

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