|Rezension| Joelle Charbonneau „The Testing“

|Rezension| Joelle Charbonneau „The Testing“

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Templar * 01.08.2013 * The Testing #1 *  ISBN 978-1-848-77653-1

TB 7,99 €  * eBook 4,64 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

It’s graduation day for sixteen-year-old Malencia Vale, and the entire Five Lakes Colony  is celebrating. All Cia can think about—hope for—is whether she’ll be chosen for The Testing, a United Commonwealth program that selects the best and brightest new graduates to become possible leaders of the slowly revitalizing post-war civilization. When Cia is chosen, her father finally tells her about his own nightmarish half-memories of The Testing. Armed with his dire warnings, she bravely heads off to Tosu City, far away from friends and family, perhaps forever. Danger, romance—and sheer terror—await.

Meinung

The Testing und ich, wir hatten einen echt schweren Start. Ehrlich gesagt war ich anfangs tierisch genervt davon, dass es wirkte, als hätte jemand einen Haufen beliebter Dystopien genommen, um sich hier und da und dort ein Stückchen zu klauen. Ein bisschen Divergent, ein wenig Panem, ein Portiönchen Shatter Me –tada, fertig. Deswegen wirkte für mich die Welt auch ein wenig zu unausgereift. Nicht, dass sich alle Länder gegenseitig die Erde weggebombt haben, bis nichts Bewohnbares mehr übrig war. Das glaub ich sogar. Aber dass man Jugendliche von daheim wegholt, einen Großteil davon einfach mal sterben lässt und niemandem fällt das auf – öh, nö?

Und trotzdem – irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lesen. Wie konnte ich nicht wissen, wie es weitergeht? Meine Neugier fesselte mich an dieses Buch. Irgendwas hat die Autorin also doch richtig gemacht. Ich wollte wissen, wie die Tests aussehen, wollte wissen, wer überlebt und wer nicht, und – auch wenn es mich unheimlich an Panem und seine Arenen erinnert hat – wer den vierten Test übersteht und wer sich als skrupelloser Mörder herausstellt. Ich wollte erfahren, wer auf ihrer Seite ist und wer nur so tut, wo die Verräter in den Reihen der Regierung sitzen – ich wollte wissen, wissen, wissen. Verdammt. Dabei war ich schon so darauf eingestellt, das Buch zu hassen.

Hieran ist sicher nichts Neues – aber man hat Altbekanntes einfach spannend umgesetzt und manchmal reicht das ja auch, dass man plötzlich bis spät nachts über dem Reader hängt.

Fazit

Eine Geschichte mit Schwächen, ein Mischmasch aus bekannten Dystopien – und doch auf seine eigene Art reizvoll.

|Rezension| Pierce Brown „Red Rising“

|Rezension| Pierce Brown „Red Rising“

redrising

Heyne fliegt * 14.09.2015 * OT: Red Rising (#1) * ISBN 978-3-453-53441-4

TB 12,99 € * eBook 9,99 € * Leseprobe

Klappentext

Darrows Welt ist brutal und dunkel. Wie alle Roten schuftet er in den Minen des Mars, um ein Leben auf der Oberfläche des Planeten möglich zu machen. Doch dann wird seine große Liebe getötet, und Darrow erfährt ein schreckliches Geheimnis: Der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht, die Goldenen, leben in dekadentem Luxus. Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Er will einer von ihnen werden – um sie dann vernichtend zu schlagen …Meinung

Mein erster Gedanke zu Red Rising? „Bei diesem Buch kannst du auf keinen Fall essen.“ Red Rising ist derbe in jeder Hinsicht – hier wird sich in keinster Weise zurückgehalten mit ekligen Lebensumständen oder Grausamkeiten. Und das fand ich gut! Das ist keine weichgespülte Dystopie, in der sogar noch die schlimmsten Lebensumstände romantisiert werden. Es ist dreckig, anstrengend, dunkel unter der Marsoberfläche. Und es stinkt. Und drüber übrigens auch. Hier wird nicht an Brutalität und Leichen gespart, sondern gezeigt, was passiert, wenn man eine Menge machthungriger Teenager zusammen steckt und ihnen freien Lauf lässt oder sie gar aus politischen Gründen in ihrer Grausamkeit noch unterstützt.

Weil die Lebensumstände eben so sind wie sie sind, werden die Roten auch nicht alt und müssen mit 13 schon erwachsen sein. Das sind sie aber nicht. Dieser Zwiespalt hat mich zu Beginn gestört. Darrow war so bockig, besserwisserisch und naseweis, wie es Teenager eben sind. Auch wenn er nun schon verheiratet ist und Verantwortung für seine Familie übernimmt und dazu noch eine traumatisierende Vergangenheit hat, ist er doch nicht so erwachsen, wie es Protagonisten in ähnlich gelagerten Büchern sind, selbst wenn er sich dafür hält. Aber wäre er das wirklich gewesen, hätte er sich nicht in die Lage manövrieren lassen, sich unter die Goldenen zu mischen. Denn das ist bei Weitem nicht seine eigene Entscheidung, sondern er lässt sich von allen – immer mit seinem toten Vater und seiner toten Frau als Joker – manipulieren und einreden, dass er das tun möchte oder muss. Und er hätte über Entscheidungen, die er in der Ausbildung getroffen hat, vielleicht länger und tiefer nachgedacht. Darrow lernt nach dem Motto Trial and Error. Sein jugendlicher Hochmut und seine Emotionsgeladenheit sind am Schluss sein Erfolgsrezept, weil er sich unter den Goldenen zwischen Gleichgestrickten befindet, die aber zusätzlich dazu ihr Leben lang verhätschelt wurden, im Gegensatz zu ihm.

Das Erzähltempo war ganz schön happig – alles geht zackzack und manchmal, wenn ich etwas geistesabwesend gelesen habe, musste ich zurückblättern, weil ich irgendeine wichtige Wendung verpasst habe. Das war einerseits ganz nett, weil eben nicht öde, andererseits fiel es mir so unheimlich schwer, mich mit den Figuren zu verbinden, weil auf deren großartige Entwicklung kein besonderer Wert gelegt wird. Wieso mag Darrow den einen und den anderen nicht – das konnte ich oft nicht nachvollziehen. Die waren ja sowieso nur kurz mal Teil der Handlung. Auch hatte ich die ersten 50 Seiten eigentlich herzlich wenig Ahnung, was überhaupt abging – Welteneinführung? Achnö, lass mal. Lass mal lieber ganz viele Begriffe ausdenken und für die Begriffe dann noch Spitznamen und dann zusehen, wie der Leser blind darin herumstolpert. Tatsächlich packten mich Story und Figuren erst, als Darrow seine Ausbildung beginnt und plötzlich vergaß ich so oft wie die Figuren selbst, dass sie sich in einer simulierten Situation befinden und nicht in einem wahren Krieg. Ich wollte das Buch gar nicht mehr zur Seite legen, so gefesselt war ich von allem, was ihm und seinen neugefundenen Freunden zustieß. Und ja, ich habe um die eine oder andere Figur getrauert, weil sie mir dann doch ans Herz gewachsen war. Nicht jede Wendung war so undurchsichtig, wie sie geplant war, aber das kann ich verzeihen – Red Rising war einfach unheimlich packend.

Insgesamt sah ich schon einige Parallelen zu bekannten Dystopien wie Battle Royale, The Hunger Games oder Enders Game und vielleicht mochte ich das Buch letztendlich deswegen auch so gerne, weil es auf den einfachen Schienen Spannung und Entsetzen fährt, die einen an die Story fesseln, aber auf ganz neue Weise.

FazitBrutal – brutale Umstände, brutal in die Welt geworfen, brutal begeistert worden.

|Rezension| Lou Timisono „Centum Night“

|Rezension| Lou Timisono „Centum Night“

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Balladine Publishing * 21.05.2014 * ISBN 978-3945035177

TB 16,95 € * eBook 9,99 €

Klappentext

Mehr und mehr Länder schließen sich der Coastal Alliance an. Der Beitritt eines Landes verhilft der dortigen Elite zu einem Luxusrefugium, während die verarmte Bevölkerung in einer vom Verbrechen beherrschten Crime Zone leben muss.§Zwischen diesen Territorien befindet sich eine Hochsicherheitszone, deren Bewohner in monotoner Bedürfnislosigkeit gehalten werden. Wünsche nach emotionaler Nähe und sexuelles Verlangen werden auf hohem technologischen Niveau kontrolliert abgebaut. Hier, in Solocity, gibt es keine Gewalt.§Da geschieht das Undenkbare. In Solocity beginnt eine rätselhafte Mordserie. Agent Eddie Bellefleur erhält bei seinen Ermittlungen Hinweise auf ein weitgespanntes Netz aus Verrat und verborgenen Leidenschaften, das bis in die Spitze des Regimes reicht.Meinung

Mit Centum Night hatte ich einen schweren Start – nach einem heftigen ersten Kapitel war ich erst einmal komplett überfordert mit den ganzen neuen Begriffen, von denen nur die Hälfte zu Beginn erklärt wurde, und der Überzahl an verschiedenen Charakteren, die auch noch Spitznamen verpasst bekommen haben oder sonstwie umschrieben wurden. Und weil das noch nicht kompliziert genug war, gab es auch noch ungekennzeichnete Zeitsprünge in die Vergangenheit. Ich hatte wirklich null Ahnung, was gerade abging. Ich hätte nicht mal sagen können, wer denn nun jetzt die Hauptfigur ist.

Vom Anfang sollte man sich wirklich nicht abschrecken lassen. Nach und nach wird klarer, wie die Welt in Centum Night abläuft. Europa ist vor die Hunde gegangen und die Frage lautet nur: Wer sind diesmal die Mächtigen, die das Zepter in die Hand nehmen. Denn das, was aus Europa entstanden ist, funktioniert nicht besser. Entweder man lebt zwischen Kriminellen als Bonnie, was einen dazu zwingt, selbst auf die schiefe Bahn zu geraten. Oder man lebt als Solo und ist gefälligst regelhörig und emotionslos. Den Jackpot hat man, wenn man ein Younax ist, denn dann lebt man in Luxus und Sicherheit. Zumindest ist das der Plan. Dass das aber nicht lange gut geht und dass gleichzeitig Machthunger und Neid das System zu Fall bringen, ist vorprogrammiert.

Die Erzählart ist etwas derbe, das muss man schon mögen, um das Buch bis zum Ende durchzulesen. Auch fand ich den Weltenaufbau wirklich extrem männermachtlastig für meinen Geschmack, als wäre es auch in Zukunft undenkbar, dass Frauen einmal mehr zu sagen haben könnten. Google wird unter anderem dein bester Freund, wenn du wirklich verstehen möchtest, wovon gesprochen wird. Und die vielen Protagonisten muss man schon sortieren können, um wirklich durchzusteigen, und ziemlich wenige davon waren mir persönlich sympathisch. Ein luftigleichtes Lesevergnügen hatte ich ja nie erwartet, aber das Buch zu lesen war ehrlich gesagt manchmal echt harte Arbeit.

FazitFür jemanden, der es derbe mag und es liebt, sich in komplizierte, aber gut durchdachte Welten einzuarbeiten, sicher ein tolles Lesevergnügen.

|Rezension| Robin Wasserman „Wired“

|Rezension| Robin Wasserman „Wired“

OT: Wired

Skinned #3

Script5 (September 2011)

384 Seiten, 16,90 € HC

3839001153

Inhalt

Vor einem Jahr starb Lia Kahn.
Nur wenige Tage später wachte sie auf.
In einem neuen, künstlichen Körper.
Sie hatte eine neue Familie: Mechs wie sie. Und ein neues Leben eines, das für immer währen sollte.
Das dachte sie zumindest …
Doch nun stellt sich alles, was man ihr erzählt hat, als Lüge heraus. Jemand beginnt, die Mechs zu zerstören, sie einen nach dem anderen auszulöschen. Lia geht jedes Risiko ein, um sich selbst und die zu schützen, ohne die sie nicht sein kann. Aber sie muss sich der Wahrheit stellen: Alle kann sie nicht retten.

Meinung

Nachdem ihr letzter Angriff auf BioMax schief gelaufen ist und ihren Freund Riley dabei seinen Mechkörper gekostet hat, blieb Lia Kahn nichts anderes übrig, als sich in die Hände derjenigen zu begeben, die sie zutiefst verabscheut. So wohnt sie wieder bei ihrer Familie, die sie nicht will, und macht Werbung für den Konzern, dem sie ausgeliefert ist – nur, um Riley einen neuen Körper zu besorgen. Zwischen dieser Ausgangssituation und dem Ende passieren hundert verschiedene Dinge. Und nicht alle davon machen Sinn.

Lia, Riley und Jude planen immernoch, BioMax zu sabotieren – nicht zuletzt deswegen, weil Lia hinter ein schreckliches Geheimnis kommt: Ihr Tod war geplant und eigentlich sollte es auch nicht sie, sondern ihre kleine Schwester treffen. Diese Erkenntnis bringt auch die beiden Geschwister wieder zusammen und so unterstützt Zo die Mechs bei ihren Sabotageaktionen. Dabei reiten sie sich und sämtliche andere Orgs aber immer mehr in eine ausweglose Situation. Allianzen, von denen sie glaubten, sie besäßen sie, stellen sich als heiße Luft heraus, und Informationen, die sie veröffentlichen, gehen im allgemeinen Wahnsinn des Internets unter. Egal, was die Mechs versuchen – alles geht nur schief oder wird mehr oder weniger unabsichtlich vereitelt.

Bisher sind Jude, Riley und Lia nicht besonders sorgsam mit ihren Körpern umgegangen, denn ihnen war bewusst, dass sie jederzeit wieder neu hochgeladen werden können. In Wired ändert sich die Situation schlagartig. Weder haben Mechs das Alleinrecht an ihrer hochgeladenen Persönlichkeit, wie sie erschrocken feststellen müssen, noch weiterhin den Vorteil des ewigen Lebens. Plötzlich hat Lia den Tod wieder vor Augen und das macht wieder menschlicher als jeder vorherige Versuch, sich selbst zu überzeugen. Jetzt ist sie gefangen zwischen ihrem Wunsch, die Alte zu sein und ihrem Bewusstsein, dass sie eben doch nur eine Menge Informationen in einem künstlichen Körper ist.

Den Schluss fand ich ja im ersten Moment total verwirrend. Deutlich angesprochen, was der Plan von BioMax war, wird nämlich nicht. Dadurch kann man sich seine ganz eigene Verschwörungstheorie zusammenreimen. Einen anderen Schluss hätte ich mir aber auch für diese Reihe nicht vorstellen können. Lias Welt ist so von Technik durchzogen und in den Händen so weniger Machtträger, dass ein zuckersüßes Happyend ein Ding der Unmöglichkeit war.

Sieht man die Trilogie im ganzen, kann ich jedem wirklich ans Herz legen, sie zu lesen. Die Thematik hat sich auch noch Tage nach dem Lesen in meinem Kopf festgesetzt und mich wirklich zum Nachdenken gebracht.

|Rezension| Jeyn Roberts „Dark Inside“

|Rezension| Jeyn Roberts „Dark Inside“

Dark Inside #1

Jeyn Roberts @ JeynRoberts.co.uk

Macmillan (September 2011)

368 Seiten, 11,99 € HC

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Inhalt

Nach einem Erdbeben steht die Welt Kopf. Die Menschheit teilt sich in zwei Gruppen: Menschen, deren dunkelstes Inneres nach außen dringt und die wahllos Morden, Plündern und sich anderweitig an ihrem Umfeld vergehen, und diejenigen, die normal geblieben sind und vor den brutalen Mitmenschen flüchten. Vier Jugendliche reisen getrennt voneinander durch Amerika und kämpfen um ihr Leben.

Meinung

Wem The Happening zu seicht war und in 28 Days Later zu blutig, der bekommt mit Dark Inside die perfekte Mischung aus beidem. Aus The Happening zieht man das mysteriöse Geheimnis, das das Verhalten der Menschen urplötzlich völlig verändert, und gegen das man nicht vorgehen kann, weil man es nicht durchschaut. Aus 28 Days Later könnten die Mitmenschen stammen, die sich von normalen Mitbürgern in zutiefst aggressive und menschenfeindliche Personen verwandeln.

Die Geschichte bekommt man aus fünf Blickwinkeln erzählt. Zum einen sind da die vier Teenager Mason, Michael, Clementine und Aries, die die schweren Erdbeben und bisherigen Attacken durch infizierte Mitmenschen überlebt haben und auf der Suche sind – nach Verwandten oder einfach einem sicheren Ort. Dabei begegnen sie sich aber erst zum Schluss und schlagen sich bis dahin mit fremden Menschen oder völlig allein durch. Der fünfte Blickwinkel stammt von einer Person, die sich selbst „Nichts“ nennt und die gegen die gewalttätigen Impulse in sich selbst ankämpft. Vor allem diese Perspektive gibt Einblick in die Geschehnisse, während die restlichen Teenager größtenteils völlig ahnungslos durch die Gegend ziehen und nur beschreiben können, was sie beobachten und erleben. Die wechselnden Perspektiven sind anfangs verwirrend und auch anstrengend, da man die verschiedenen Handlungsstränge immer im Hinterkopf behalten muss.

Dark Inside hat die richtige Mischung auch Spannung, Grusel und Rätselhaftigkeit, um einen an das Buch zu fesseln. Dabei bleibt es auch nicht aus, dass es an einigen Stellen etwas eklig wird – Mord, Totschlag und der Kampf ums Überleben laufen eben nicht immer sauber ab. Wer das vertragen kann und eine Schwäche für Filme des Typs der oben genannten hat, für den ist Dark Inside ein Buch, das sich lohnt und das eine spannende Serie verspricht.

Dark Inside erscheint laut Autorin übrigens beim Loeweverlag.

|Rezension| Thomas Thiemeyer „Das verbotene Eden. David und Juna“

|Rezension| Thomas Thiemeyer „Das verbotene Eden. David und Juna“

Das verbotene Eden #1

Thomas Thiemeyer @ Thiemeyer.de

Pan (August 2011)

464 Seiten, 16,99 € HC

3426283603

Inhalt

Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen.

Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer …

Meinung

Das verbotene Eden ist tatsächlich ganz anders als die Dystopien, die ich sonst immer lese. Was ich gewöhnt bin, ist: Pärchen, die sich auf den ersten Seiten kennenlernen, sich recht schnell irgendwie ineinander verlieben, Technik, die Überhand nimmt, etc pp. Vielleicht fiel es mir deswegen auch ein wenig schwer, mich in diese Geschichte einzufinden.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass Das verbotene Eden sich anfangs anfühlt wie ein High Fantasy-Roman und von solchen bin ich kein besonderer Fan. Es ist mühsam, sich in diese neue Welt einzufinden, in der jeder Stadtname so exotisch wie unbekannt ist, die Frauen zumindest ebenso ausgefallene Namen tragen und sich nach einer Religion ausrichten, die mehrere Göttinnen anbetet, während die Männer sich gleichermaßen eine eigene Lebenswelt mit eigener Religion aufgebaut haben. Immerhin ist das (leicht veränderte) Christentum nicht so schwer zu durchschauen.

Möglicherweise lag es auch daran, dass, obwohl nur rund 65 Jahre vergangen sind, seitdem der Virus Männer und Frauen in erbitterte Feinde verwandelt hat, alle Menschen reden wie im Mittelalter. Wie kommt das denn? Sprache ist immerhin etwas, das gleichermaßen überliefert wird wie sie sich weiterentwickelt, aber dass sie sich plötzlich rückwärts entwickelt, finde ich schon ein bisschen komisch. Oder führt der Zwang, wieder ohne Technik auskommen zu müssen, dazu, sich auch wieder wie im Mittelalter zu unterhalten?

Nachdem ich mich erstmal in die Welt, die Geschichte und die Lebensumstände eingefunden habe, las sich Da verbotene Eden aber plötzlich ganz flüssig. Mit ein bisschen mehr Durchblick, was die Lebensweisen der beiden Geschlechter und deren verbohrte Ansichten angeht, fand ich es plötzlich wahnsinnig interessant, was sie sich über die „Hexen“ und „Teufel“ zusammenreimen, als die sie sich gegenseitig sehen. Angenehm war auch, dass die Begegnung zwischen Juna und David nicht nach Schema F ablief, sondern dass vor allem Juna streckenweise noch echte Probleme hat, die ihr eingeimpften Prinzipien zu überwinden, obwohl sie spürt, dass ihr Gefühl gar nicht dahinter steht. Trotzdem bleiben Juna und David für mich oberflächliche Sterotype der Kriegerfrau und des weichlichen Mönchsjungen.

Trotz allem zieht sich die ganze Geschichte doch in die Länge, vor allem, weil Thomas Thiemeyer sich manchmal in Details verliert, die mich persönlich ja echt nicht interessiert hätten. Ist doch schnuppe, ob hinten in der Ecke Stühle stehen, auf denen man höchst theoretisch sitzen könnte, es aber nicht tut, und ob hier Perlen in den Haaren hängen oder Kirschen oder Blüten oder Popel.

Schön fand ich die Briefe und Radioübertragung, die am Anfang der drei Teile standen und fand es schade, dass man auf solche Extras nicht öfter zurückgegriffen hat. Es wäre einfach gewesen, so einen Rückblick auf die Ereignisse um den Ausbruch des Virus zu geben, der nicht aus vagen Andeutungen besteht.

Für jemanden, der eine typische Dystopie des Typs Delirium und Co erwartet, der wird überrascht sein, denn Das verbotene Eden ist ganz anders. Man muss es mögen und ein Hang zu Fantasy und geschwollener Sprache schadet sicher auch nicht. Was mir gar nicht gefallen hat, kann für andere genau das perfekte Buch ausmachen.

Nichtsdestotrotz freue ich mich auf Band 2, der sich um Logan und Gwen drehen soll und zwar aus folgendem Grund: Ich liebe Gwen. Obwohl man von ihr kaum etwas mitbekommen hat, war Gwen der unterhaltsamste und lebendigste Charakter des ganzen Buches, trotzig und unerschrocken. Und außerdem redet sie normal!

|Rezension| Ally Condie „Matched“

|Rezension| Ally Condie „Matched“

Matched Trilogy #1

Deutsche Übersetzung: Die Auswahl

Ally Condie @ AllyCondie.com

Dutton (30. November 2010)

384 Seiten, 11,95 € HC

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Klappentext

Cassia has always trusted the Society to make the right choices for her: what to read, what to watch, what to believe. So when Xander’s face appears on-screen at her Matching ceremony, Cassia knows with complete certainty that he is her ideal mate . . . until she sees Ky Markham’s face flash for an instant before the screen fades to black.

The Society tells her it’s a glitch, a rare malfunction, and that she should focus on the happy life she’s destined to lead with Xander. But Cassia can’t stop thinking about Ky, and as they slowly fall in love, Cassia begins to doubt the Society’s infallibility and is faced with an impossible choice: between Xander and Ky, between the only life she’s known and a path that no one else has dared to follow.

Meinung

O may my heart’s truth
Still be sung
On this high hill in a year’s turning.

[aus “In October” von Dylan Thomas]

Wie würdest du es finden, wenn die Regierung jede Entscheidung für dich trifft? Welchen Job du bekommst, welches Essen du isst, welche Kleidung du trägst, wen du einmal heiraten wirst und wie viele Kinder ihr bekommt – sogar, wann du sterben wirst. Auf keines dieser Dinge haben Cassia und ihre Freunde Einfluss. An ihrem 17. Geburtstag soll Cassia ihr zukünftiger Lebenspartner zugewiesen werden und sie kann ihr Glück kaum fassen, dass sie ihr Leben mit Xander verbringen darf, der seit ihrer Kindheit ihr bester Freund ist. Verbindungen wie diese sind selten. Doch als sie den Mikrochip mit Informationen über Xander ansehen will, taucht das Bild eines anderen Jungen auf – Ky. Und obwohl ihr versichert wird, dass das ein Fehler wäre, denn Ky dürfe gar nicht in den Pool aufgenommen werden, wundert sich Cassia, ob nicht Ky ihr wirklicher Partner gewesen wäre. Und je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto mehr wünscht sie sich, dass dem so wäre.

Wir sind so daran gewöhnt, so ziemlich jede Entscheidung für uns selbst treffen zu können, dass uns die Welt, in der Cassia lebt, völlig fremd ist. Hier ist alles geregelt und überwacht, zum „Wohle der Menschen“. Niemand weiß mehr als er muss, Gedichte, Lieder und Bilder sind auf je 100 Exemplare beschränkt, der Rest wurde zerstört, um Überreizung zu vermeiden. Alles basiert hier auf Werten, Berechnungen und Wahrscheinlichkeiten. Jede Person hat ihr eigens auf sie abgestimmtes Essen und Sportprogramm, den Partner, mit dem sie am wahrscheinlichsten gesunde Kinder bekommt und sogar ihr Leben ist getimt. Mit 17 bekommt man seinen Lebenspartner zugewiesen, mit 21 wird geheiratet, um dann in einem Zeitfenster von 10 Jahren Kinder zu bekommen. An seinem 80. Geburtstag stirbt der Mensch letztendlich. Und die Ergebnisse geben dem Staat sogar recht – niemand wird mehr schwer krank, Krebs ist so gut wie ausgemerzt, Verbrechen existieren nicht mehr. Personen, die aus dem Rahmen fallen, werden von der Gesellschaft ausgeschlossen und abgeschoben. Doch jeder ist so zufrieden damit, wie die Dinge für sie laufen, so beschützt und problemlos, dass niemand protestiert.

Auch Cassia war nie eine der rebellischen Bewohnerinnen ihrer Stadt. Sie sticht als Sortiererin heraus, hat eine glänzende Zukunft vor sich und nun auch noch ihren besten Freund als Lebenspartner. Doch als sie sich ihrem Großvater anvertraut, säht er den Keim des Zweifels in ihr, ob nicht doch Ky dazu gedacht war, ihre Zukunft zu sein. Ky, dessen Vater eigentlich eine Abnormität ist, dessen Tante ihn aber nach dem Tod seiner Eltern zurück in die Stadt geholt hat. Ky, der den schwersten aller Jobs bekommen hat und nie eine Familie gründen darf aufgrund dessen, was sein Vater war. Und nach dem Tod ihres Großvaters merkt Cassia, dass sie nicht die einzige ist, die den Rebellengeist ihres Opas in sich trägt, sondern ihre ganze Familie. Gerade deswegen kommt sie Ky immer näher, dem sie als Einziges anvertrauen kann, was niemand sonst weiß – Cassias Opa hat ihr Gedichte vermacht, die nicht zu den 100 offiziellen gehören. Im Gegenzug erzählt ihr Ky seine Geschichte und lehrt ihr Schreiben. Nach und nach wird Cassias Rebellion nicht nur stärker, sondern auch vom Staat bemerkt.

„Matched“ ist ein wunderbares Buch für alle, die Dystopien mögen. Ich konnte es schwer aus der Hand legen, und das, obwohl nicht besonders viel spannendes passiert. Aber man merkt unterschwellig, wie sowohl Cassias Gehorsam sich immer mehr in offene Unzufriedenheit gegen den Staat wandelt, und wie umgekehrt der Staat droht, seinen festen Griff um die Bürger zu verlieren und deswegen auf immer stärkere Mittel zurückgreift, um den Gehorsam seiner Bürger zurückzuerlangen. Dadurch, dass man Kys Geschichte erst nach und nach erfährt, möchte man immer mehr über ihn wissen und hängt schnell stärker an ihm als an Xander, der mehr und mehr aus der Handlung verschwindet. Auch wird immer wieder angedeutet, dass nicht nur Cassia unter Verdacht steht, gegen den Staat zu arbeiten, sondern auch ihre Eltern werden scharf beobachtet. Ich hätte mir gewünscht, dass Cassia ein bisschen mehr hin und hergerissen gewesen wäre zwischen Xander und Ky, aber dann wäre die Geschichte eine völlig andere geworden. „Matched“ ist von hinten bis vorne ein völlig rundes Buch und hat mich restlos begeistert.