|Rezension| Stephanie Tromly „Digby“

|Rezension| Stephanie Tromly „Digby“

digby

Oetinger * 22.02.2016 * OT: Trouble is a friend of mine (Digby #1) * ISBN 978-3-7891-4809-5

TB 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe

Klappentext

Beschossen. Inhaftiert. Gekidnappt. Ein ganz normaler Tag mit Digby: Bei Digby muss man auf alles gefasst sein. Das war Zoe in dem Moment klar, als sie seine Bekanntschaft machte. Nicht klar war ihr allerdings, dass sie mit ihm auch gleich von einer gefährlichen Situation in die nächste geraten würde. Denn Digby setzt alles daran, den Fall seiner kleinen Schwester, die vor acht Jahren entführt wurde, aufzuklären.Wie er es aber anstellt, dass Zoe mit ihm bei einem Gynäkologen einbricht,kurzzeitig auf der Polizeiwache landet und an einen Drogenhändlerring gerät? Keine Ahnung. Nur eines weiß sie genau: Ein Plan B wäre jetzt gerade sicher nicht verkehrt.
Meinung

Über Digby zu lesen hat unheimlichen Spaß gemacht. Das lag natürlich zum einen an Digby selbst. Der leicht derangierte Junge im Anzug, der auf Zoes Türschwelle auftaucht, ist nämlich nicht nur extrem klug, sondern auch erschreckend ehrlich. So durchschaut er seine Mitmenschen schnell und spricht sie ganz unverblümt auf ihre Lügen und Schwachstellen an. Auch Zoe muss den einen oder anderen schrägen Kommentar einstecken. Irgendwie musste ich bei den beiden daran denken, wie das mit Katzen so ist – die suchen sich auch aus, wen sie mögen, und sind dann zur Not auch schonungslos aufdringlich, wenn man sie nicht brauchen kann, und wollen ständig etwas zu essen haben. Trotzdem möchte man unbedingt, dass man der auserwählte Mensch ist, dem sie damit auf die Nerven fallen. Genauso ist es mit der Freundschaft zwischen Zoe und Digby, denn Zoe hat anfangs nicht darum gebeten, in seine komischen Machenschaften hineingedrängt zu werden, findet sich aber bald in einer Freundschaft wieder, die ihr klammheimlich wichtig geworden ist.

Zoe selbst ist auch von Anfang an kein braves Mädchen und neigt zur Überheblichkeit, doch mit Digbys Hilfe wird aus ihr eine richtige Draufgängerin. Man könnte meinen, dass er ein schlechter Einfluss auf sie wäre – tatsächlich aber hilft er ihr, endlich zu sich selbst zu finden und einen genaueren Blick auf ihr Umfeld zu werfen, das sie mit ihrem Verhalten auch oft verletzt. Dass sie dabei auch einen näheren Blick auf ihn wirft, ist ihm dabei aber nicht angenehm.

Denn zwischen der ganzen spannenden Story, in der sie die verschwundene Marina Miller suchen, die seltsame Sekte von gegenüber ausspionieren und einem perversen Frauenarzt das Handwerk legen wollen, bekommt man auch mit, dass die idyllische Kleinstadt weniger idyllische Familiengeschichten in sich birgt. Sei es Zoes Scheidungskinddasein mit einer unsicheren Mutter und einem diktatorischen Vater, Zoes Schwarm Henrys enorme Eingespanntheit in seine Großfamilie und Angst vor zu großer Nähe oder Digbys verschwundene Schwester, der Alkoholikervater in Texas und die manisch-depressive Mutter – hier geht es um ernste Angelegenheiten, die alle Beteiligten hinter ihrem Galgenhumor zu verstecken suchen. Selbst bösartige Hexen wie Henrys Freundin Sloane bekommen die Chance, dass man sie nicht nur hassen will, sondern auch die weiche andere Seite in ihnen kennenlernt.

Natürlich ist die Geschichte fern vom Realistischsein, aber das ist nicht schlimm, denn sie ist einfach so unheimlich spannend, quirlig und unterhaltsam, dass man den Realismus gerne außenvor lassen kann. Ich weiß gar nicht, wie ich es bis zum nächsten Band aushalten soll.

FazitMit skurrilen Charakteren und einer spannenden und witzigen Geschichte, die aber auch ernste Töne anschlägt, schafft es Digby, dass man das Buch nicht zur Seite legen möchte, bis es zu Ende gelesen ist – und dann hofft man nur, dass der nächste Band möglichst schnell erscheint.

|Rezension| Carmen Rodrigues „Du bist das Gegenteil von allem“

|Rezension| Carmen Rodrigues „Du bist das Gegenteil von allem“

gegenteil

cbt * 30.3.2015 * OT 34 Pieces of You * ISBN: 978-3-570-16158-6

 HC 16,99 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes … Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess – und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat …

Meinung

Bücher über Suizid sind normalerweise schon ganz schön harter Tobak. Aber Du bist das Gegenteil von allem setzt dem ganzen schon die Krone auf. Puh. Beginnend mit dem Tag, an dem Ellie stirbt, begleitet man drei Personen – Ellies Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und Sarahs kleine Schwester Jessie, die alle ein schweres Päckchen mit sich herumtragen. Vor allem schleppen sie das Päckchen Schuldgefühl mit sich – jeder von ihnen erinnert sich zurück an das Bild, das sie von Ellie hatten – und diese Bilder sind manchmal so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Jake über Ellies schwere Vorgeschichte Bescheid weiß, mit der er aber selbst nicht klar kommt und deswegen auf eine weit entfernte Uni geflüchtet ist, hat Sarah nur das Bild von Ellie, das sie ihr zeigen wollte – stark, unverwundbar und alles, was ihr eigentlich zur Selbstzerstörung dient, vermittelt sie Sarah als Herausforderung. Jessie, von der ich mich anfangs fragte, wieso sie überhaupt eine eigene Erzählperspektive hat, trägt die schwerste Last von allen, nämlich zugleich Ellies Last vor ihrem Tod und Sarahs nach Ellies Tod und zusätzlich noch ihre ganz eigene. Alle drei haben verschiedene Bilder von Ellie, aber insgesamt ergibt sich dabei eine Persönlichkeit, die mir zeitweise mehr als zuwider war und dann doch wieder Verständnis und Mitleid aus mir herauskitzeln konnte. Über die Erzählungen erfährt man aber auch, wie zum Beispiel Ellies Eltern auf ihren Tod reagieren, aber auch der vierte im Cliquenverbund – Tommy, Sarahs mal und dann wieder nicht Freund.

Du bist das Gegenteil von allem spricht so viele Themen an – sexuelle Übergriffe, Betrug, emotionale Erpressung, Scheidung, Alkoholismus, Selbstverletzung. Dennoch wirkt es nicht überladen, denn Ellies Verhalten basiert auf den zwei traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit, nämlich der Scheidung ihrer Eltern und der sexuellen Belästigung durch ihre Stiefvater. Das ganze Buch hindurch spürt man die niedergedrückte Stimmung aller Figuren und dringt immer tiefer in ihre Seelenwelt ein. Dabei möchte man sie manchmal trösten und manchmal schütteln und rufen: Jetzt mach doch mal die Augen auf und schau, was du den anderen antust!

Ein wenig gestört hat mich, dass man nie genau erfährt, was an Ellies Todesabend wirklich passiert ist. Meiner Meinung nach ist das aber so gewollt, damit man sich ein eigenes Bild darüber machen kann, ob Ellies Tod nur ein Unfall und missglückter Hilfeschrei war oder ob sie wirklich geplant hatte zu sterben.

Fazit

Du bist das Gegenteil von allem ist ein bedrückendes Buch, das zu vielen verschiedenen Themen, die Jugendliche beschäftigen oder betreffen können, zum Nachdenken anregt.