|Rezension| Cornelia Funke „Herr der Diebe“

|Rezension| Cornelia Funke „Herr der Diebe“

Dressler Verlag (1. Jan 2000) – 391 Seiten – 17,90 € – Hardcover

Die Geschichte

Der Herr der Diebe – das ist der geheimnisvolle Anführer einer Kinderbande in Venedig, die er mit dem Verkauf der Beute aus seinen Raubzügen über Wasser hält. Keiner kennt seinen Namen, seine Herkunft. Auch nicht Prosper und Bo – zwei Ausreißer, die auf der Flucht vor ihrer Tante und dem Detektiv Victor Unterschlupf bei der Bande gefunden haben. Als Victor den Kindern tatsächlich auf die Spur kommt, bringt er dadurch alle in Gefahr. Aber endgültig scheint die Gemeinschaft der Bande aufzubrechen, als ein rätselhafter Auftrag, erteilt von dem mysteriösen „Conte“, die Kinder auf eine Laguneninsel führt. Diese Insel, von außen unbewohnt und einsam scheinend, birgt ein Geheimnis, das alles verändert.

Meine Meinung

Manchmal reden die Erwachsenen davon, wie schön es war, ein Kind zu sein und träumen sogar davon wieder eines zu sein.
Aber wovon haben sie geträumt, als sie Kinder waren?
Weißt du es?
Ich glaube, sie träumten davon endlich erwachsen zu sein.

Herr der Diebe war für mich ein richtiges Überraschungspaket. Eigentlich hatte ich nur nach einem Buch gesucht, das für Siebtklässler geeignet ist und zu dem ein Hörspiel existiert. Bis dahin hatte mich die Geschichte nicht interessiert. Doch als ich begonnen hatte, das Buch zu lesen, war ich plötzlich wieder mittendrin in Cornelia Funkes fantastischem Schreibstil und konnte kaum aufhören.

Leider war ich noch nie in Venedig, aber ich hatte das Gefühl, genau zu wissen, wie es dort aussieht. Prosper und Bo zeichnen ein Bild von Venedig, wie es nur Kinder können – mit dunklen Ecken, magischen Orten und den wundervollen Details, die an den meisten erwachsenen Augen vorbeigehen. Vor allem ihr Versteck im alten Kino konnte ich mir richtig schön ausmalen – wie es gleichzeitig heruntergekommen ist und trotzdem eine magische Schönheit an sich hat mit den alten Stühlen und dem glitzernden Vorhang.

Die Figuren machten es einem leicht, sie zu mögen. Vor allem Prospers Liebe zu seinem kleinen Bruder fand ich wahnsinnig rührend. Eigentlich dreht sich sein ganzes Leben nur darum, seinen Bruder unter allen Umständen zu schützen, selbst wenn er selbst dafür stehlen muss. Er gibt seine Unschuld dafür auf, dass sein Bruder sie behalten darf. Auch die anderen Charaktere wuchsen mir schnell ans Herz. Natürlich sind manche Figuren sehr überspitzt dargestellt und handeln nicht unbedingt wie reale Menschen (allen voran Victor), doch das hat mich weniger gestört. Immerhin handelt es sich hier um ein Kinderbuch.

Mit fortschreitender Lesezeit entwickelt sich die Geschichte immer mehr in die fantastische Richtung, was mir persönlich wahnsinnig gut gefallen hat, weil ich mir vorher nicht vorstellen konnte, dass man auf Dauer eine spannende Geschichte über einen venezianischen 12jährigen Dieb erzählen kann. Was am Ende passiert ist und wie die Handlung komplett abgeschlossen wurde, fand ich ganz wunderbar. Als ich das Buch zugeschlagen hatte, war mir ganz warm ums Herz und das ist doch ein tolles Gefühl, das man bei Kinderbüchern öfter haben sollte.

Ich bin durch und durch begeistert und Herr der Diebe landet auf dem Stapel von Büchern, aus denen ich meinen Kindern einmal vorlesen möchte.

Cornelia Funke „Gespensterjäger“ (SUB-Losbuch)

Cornelia Funke „Gespensterjäger“ (SUB-Losbuch)

Verlag: Löwe (Januar 2009)

Seiten: 520

ISBN: 3785567189

Preis: 14, 95 €

Inhalt

Unheimliche Schreie in der Nacht? Geheimnisvolle Spukerscheinungen? Kein Problem für das unschlagbare Gepensterjäger-Team! Tom Tomsky, Hedwig Kümmelsaft und das Gespenst Hugo sind Gruselexperten: Egal, ob sie eisige Spuren verfolgen, bedrohliche Feuergeister jagen, eine Gruselburg erkunden oder im Moor gefährlichen Gespenstern begegnen, sie sind immer bereit dem Spuk ein Ende zu machen. Doch einfach ist das nicht, denn die Geister halten für das Team immer wieder schreckliche Überraschungen bereit …

Meinung

Der Sammelband „Gespensterjäger“ beinhaltet alle vier Gespensterjägerbücher von Cornelia Funke: „Gespensterjäger auf eisiger Spur“, „Gespensterjäger im Feuerspuk“, „Gespensterjäger in der Gruselburg“ und „Gespensterjäger in großer Gefahr“.

Tom Tomsky ist kein mutiges Kind und vor dem Keller fürchtet er sich schon immer. Seine Angst wird an dem Abend bestätigt, als ihm aus einer Kellerecke ein Gespenst entgegenhüpft, ihn zu Tode erschreckt und seine Schuhe auf dem Boden festschleimt. Niemand glaubt Tom bis auf seine Großmutter, die ihn an eine alte Freundin weiterleitet: Hedwig Kümmelsaft ist professionelle Gespensterjägerin und bringt Tom bei, wie man den harmlosen Geist loswerden kann. Da stellt sich heraus, dass der arme Geist namens Hugo nur in Toms Keller sitzt, weil sein eigenes Spukhaus von einem böserem Geist übernommen wurde. Da beschließen Tom, Hedwig und Hugo, zusammenarbeiten. Und aus der einmaligen Zusammenarbeit wird bald ein festes Team, das erfolgreich gruselige Geister aus Hotel, Gespensterburgen und ganze Dörfer von Spukgestalten befreit.

Tom Tomsky ist ein Protagonist, der Kinder anspricht: Er ist völlig normal, nicht unheimlich sportlich, nicht übermäßig klug – wenn auch garantiert nicht auf den Kopf gefallen – und von der Statur eher schmächtig. Und vor allem hat er, wie jedes Kind einmal, Angst vor Geistern in dunklen Kellern oder unter dem Bett. Was Tom zu einem kleinen Vorbild macht, ist, dass er sich seinen Ängsten stellt, auch indem er sich Hilfe bei Hedwig Kümmelsaft holt und damit zeigt, dass es völlig okay ist, sich Unterstützung zu holen, wenn etwas gerade schief läuft. Hedwig Kümmelsaft selbst ist der Typ jung gebliebene, ein bisschen durchgeknallte Oma, die die Sachen fest in die Hand nimmt und sich von nichts schrecken lässt. Sie ist der Fels in der Brandung des Gespensterjäger-Teams. Hugo zeigt vielmehr, dass nicht alles, was auf den ersten Blick furchterregend ist, auch wirklich so schlimm ist. Vielmehr bringt Toms Mut, sich ihm zu stellen, ihm einen sehr guten Freund ein, der seinen menschlichen Kumpanen gerne in letzter Minute aus kniffligen Situationen hilft. Das MUG ( mittelmäßig gruseliges Gespenst ) hat seine ganz eigene Art zu sprechen und kann das Spuken auch dann nicht lassen, wenn es brenzlig wird, aber keiner kann ihm lange böse, sein. Schließlich ist er unersetzlich für das Team, da keiner soviel über Geister weiß wie ein Geist selbst.

Die Organisation der Gespensterjäger ist ziemlich gut organisiert. Es gibt ein großes Übersichtswerk über alle Arten von Geistern, die mit ihren Abkürzungen angesprochen werden, und sobald es das Team mit dem jeweiligen Geist in Kontakt bekommt, kann auch der Leser einen Blick in das Übersichtswerk werfen und lesen, was es zum momentanen Bösewicht zu sagen hat. Jedes Kapitel ist zusätzlich dazu illustriert, sodass man ein gutes Bild von den drei Gespensterjägern, ihren Kunden, den Geistern und der Umgebung bekommt.

Fazit

Mit dem Sammelband „Gespensterjäger“ von Cornelia Funke kann man schwerlich etwas falsch machen, wenn man Geschichten sucht, die groß und klein gleichermaßen Spaß machen. Mit viel Liebe zum Detail und genauso abgefahrenen wie sympathischen Charakteren geht Frau Funke mit ihren Lesern auf eine Reise durch die Welt der Geisterjäger. Der Band enthält alle bis jetzt erschienen Bände der Erzählung um Tom Tomsky, Hedwig Kümmelsaft und Hugo, das mittelmäßig gruselige Gespenst.