|Rezension| Cornelia Franke „Tougard“

|Rezension| Cornelia Franke „Tougard“

tougard

papierverzierer * 2.3.2015 * ISBN: 9783944544427

 TB 14,95 € * eBook 3,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Charlie gelangt aufgrund einer besonderen Gabe, von der er bislang noch nichts wusste, in die Welt Tougard. Mit anderen Befähigten lernt er in einer Schule, seine Fähigkeit zu verbessern und damit umzugehen. Als einige Mitschülerinnen verschwinden und er wegen einer Prophezeiung vermutet, ein Seelenseher würde seine beste Freundin Ann töten, scheint ihm die Zeit davonzulaufen. Für Charlie beginnt das Abenteuer seines Lebens, denn in Tougard … in Tougard ist alles möglich!

Meinung

Tougard hat mich ja in manchen Punkten sehr stark an Jamies Quest erinnert, das erste Buch, das ich von Cornelia Franke gelesen habe. Zum einen stürzen sowohl Jamie als auch Charlie aus heiterem Himmel aus ihrem normalen Leben in ein Paralleluniversum, in dem sie eine große Aufgabe haben, von der sie vorher nicht einmal ansatzweise etwas geahnt haben. Außerdem lassen beide ein Mädchen zurück, zu dem sie dringend wieder zurückkehren möchten. Doch Charlie ist nicht der einzige Protagonist im Fokus. Da sind auch noch Becca und Ann sowie Avid, die alle völlig unterschiedliche Charaktereigenschaften und Vorgeschichten haben, die sie mit nach Tougard tragen. Becca fand ich sehr sympathisch, weil sie vorneherum zwar dickköpfig und selbstbewusst wirkt, aber im Inneren noch an so vielen alten Ängsten und Unsicherheiten zu knabbern hat. Auch ihre Neckereien mit Raphael fand ich ganz erfrischend, weil sie sich nicht benimmt wie ein hirnloser verliebter Teenager, die zu Hauf in das Buch eingebaut waren. Ann dagegen hat mich unheimlich geärgert, weil sie streckenweise wirklich herzlos mit Charlie war. Charlie und Ann gemeinsam habe ich fast nicht ertragen, weil Charlie so ein Jammerlappen wurde und Ann schon Kürbisse auf den Augen hatte statt Tomaten. Auch andere Figuren wie Edward kommen an passenden Stellen zu Wort. Etwas zu blass fand ich Daisuke, was aber wohl an seinem ruhigen und zurückhaltenden Charakter liegt.

Tougard fand ich sehr interessant – hier versammeln sich alle Menschen mit Gaben, um sie beherrschen zu lernen, egal wie alt sie sind. Man hat hier also keine typische magische Schule ala Hogwarts, sondern eine bunt gemischte Truppe allen Alters aus aller Herren Länder, die irgendwie miteinander auskommen müssen. Auch die netten kleinen Ideen wie die Türmännchen machen die Schule zu einem ganz besonderen Ort. Trotzdem – und es ist sicher leidig, dass jedes Buch mit Harry Potter verglichen wird – kam ich an manchen Parallelen einfach nicht vorbei, auch wenn sie meist in anderen Zusammenhängen auftauchten (z.B. sich Sätze als Strafe in die Hand ritzen). Außerdem hätte ich gerne viel mehr vom Schulleben mitbekommen, vom Unterricht und dem sonstigen Zusammensein der Schüler dort. Doch über die Hälfte des Buches sind die Freunde auch unterwegs. Das Land, durch das sie streifen, ist farbig beschrieben und hat ebenfalls einige Überraschungen zu bieten.

Bis auf ein paar Längen auf der Reise nach Emrond war das Buch immer gespickt von Überraschungen. Auch sind die Autoren kein Stück pingelig mit ihren Charakteren und schrecken nicht davor zurück, den ein oder anderen von ihnen zurückzulassen, auch wenn der Tod in Tougard und Umgebung dadurch abgemildert wird, dass die Personen dadurch nur in ihre alte Welt zurückgeschickt werden. Nichtsdestotrotz musste ich schon das eine oder andere mal schlucken, vor allem, je länger man die Personen auf ihrem Weg begleitet hat.

Fazit

Spannende Fantasy mit sehr unterschiedlichen Charakteren und einem Hauch Hogwarts – aber nur ein Hauch.

|Rezension| Cornelia Franke „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“

|Rezension| Cornelia Franke „Jamies Quest: Aufgabe gesucht“

jamies Quest

Klappentext

Von Merlin gesandt, erblüht unser Land durch des Wanderers helfende Hand. Jamie kann nicht glauben, dass gerade er ein sagenumwobener Wanderer sein soll. Eigentlich wollte er nur sein neues Computerspiel starten, als er sich plötzlich in Brior wiederfindet. Von monströsen Spinnen verfolgt, fordert sein Abenteuer all seinen Mut, doch lauert auf Jamie ein weitaus größerer Feind …

Meine Meinung

Lange Zeit hatte ich als Jugendliche diese Phase, in der ich unheimlich gerne RPGs gespielt habe – live, Pen and Paper, am PC, ganz egal. Jamie zu begleiten, versetzte mich wieder ein wenig in diese Zeit zurück, vor allem da er sich selbst ein wenig so vorkommt wie ein Rollenspielheld, der sich plötzlich in einem Spiel wiederfindet und so auch in ausweglosen Situationen überlegt, wie wohl eine Rollenspielfigur reagieren würde. Nicht, dass das immer funktionieren würde…

Die Welt, in der Jamie landet, ist so herrlich unkompliziert – tatsächlich habe ich meist ein Problem damit, wenn ich ein komplettes Buch brauche, um überhaupt ansatzweise den Aufbau einer Welt zu kapieren. Beim Lesen möchte ich nicht das Gefühl haben, mir ein mentales Notizbuch für „So funktioniert es in Timbuktulila“ anlegen zu müssen. Jamies neue Welt ist originell mit eigenen Tieren, verschiedenen Rassen (sprechende Riesenfrösche, aber hallo) und einer eigenen Kultur, wartet aber auch mit bekannten mittelalterlichen Elementen und ebenfalls vertrauten Figuren wie Merlin auf.

Es war eine Abwechslung, mal nicht den typischen Teenager als Protagonisten zu haben. Jamie steht kurz vor seinem Abitur und steckt eigentlich in einer ernsten Beziehung, die man aber nur am Rande mitbekommt. Manchmal habe ich mich über Jamies Verhalten ärgern müssen – vor allem, wenn er so einfach auf die Reize einer anderen Frau reinfällt oder einfach nicht kapieren will, dass er sich nicht in einem Spiel befindet. Tatsächlich ärgert sich Jamie aber selbst über genau diese Punkte ebenfalls. Vielleicht musste er einfach da durch, um seine Rolle endgültig anzunehmen. Hannes führte Jamie (und den Leser) gekonnt durch die neue Welt und war dabei so charmant tollpatschig, loyal und gut gelaunt, dass er einem einfach ans Herz wachsen musste. Umso erschütterte war ich zeitweise über die Entwicklungen in der Geschichte.

Ich bin ja absolut kein Freund von Spinnen und zugegebenermaßen habe ich mir das Cover wohl nicht genau genug angesehen, um die Unmengen an vieläugigen achtbeinigen haarigen Monstern im Hintergrund zu sehen. Also konnte ich mich immer sehr gut in Jamies Horror einfühlen, wenn er sich meinem persönlichen Albtraum stellen muss – riesige Spinnen. Iiiiiih!

Die ganze Geschichte durch gab es kaum Längen und bis auf wenige kleine Vermutungen, bei denen man sich aber nie sicher sein konnte, ob sie zutreffen, fand ich Jamies Quest immer überraschend und spannend. Ein besonderes Highlight waren darüber hinaus die liebevollen und detaillierten Zeichnungen im Buch.