|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

liebesgescichte2

Magellan * 25.07.2016  *  OT: The Geek’s Guide to Unrequited Love * ISBN 978-3-7348-5027-1

HC 16,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung

Im ersten Moment – mit diesem so viel gehypten Buch in der Hand – dachte ich: Oh Gott, das wird das Big Bang Theory unter den Nerdbüchern. Und das meinte ich nicht als Kompliment. Aber ach, wie Unrecht ich hatte. Es war so ganz und gar nicht wie TBBT und der Hype völlig gerechtfertigt.

Natürlich sagt der Titel schon einiges aus: man trifft auf den Nerd Graham, der in seine beste Freundin Roxy verliebt ist, die nicht nur seine Schreibpartnerin für den gemeinsamen Comic ist, sondern auch noch das Mädchen seiner Träume. Graham hat den besten Nerdfreund Casey, der zwar oberflächlich ein Auge auf Grahams unerreichbare Stiefschwester geworfen hat, obwohl da auch noch die gleichzeitig gutaussehende sowie kluge Felicia ist. Eigetlich gibt es in diesem Buch sowieso keine Figur, die kein Nerd ist, und ein wenig Klischee sind sie alle, aber so fassbar echtes Klischee eben. Und dennoch verzichtet man hier auf so viel – auf den abgefahrenen Comicautor mit Gottkomplex, auf die böse Stiefmutter, auf sexistische Witze, auf unrealistisches Glück im Unglück.

Vielleicht lag es daran, dass ich das Buch parallel zur Frankfurter Buchmesse gelesen habe, also einer Veranstaltung, die meinem Buchnerdhimmel nahe kommt – ich konnte die Begeisterung für die Comic Con, das Hetzen von Termin zu Termin, die Bewunderung für seine Idole, die man treffen kann, so gut nachvollziehen, weil es mir zum selben Zeitpunkt exakt genauso ging. Und die Nerds, die man hier trifft, sind nicht die der ekelhaft nöhligen Sorte – sie lieben, was sie lieben, mit Haut und Haaren und verschwenden ihre Zeit nicht damit, sich an Kleinigkeiten festzubeißen, die ihnen nicht in den Kram passen.

Und so ist es auch mit dem Verlauf der Geschichte: Graham liebt Roxanne, als beste Freundin und als Mädchen an sich. Dabei verliert er sich in den romantischen Vorstellungen, die er aus den Comics und Filmen kennt, die er liebt – so und nicht anders muss er Roxy seine Liebe gestehen, sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gefühle erwidert, in seiner Vorstellung gleich Null. Innerhalb der Tage auf der Comic Con muss er aber so einiges erkennen – dass es sein kann, dass Roxy andere Männer vielleicht viel attraktiver findet, dass direkte Ehrlichkeit ihm in den meisten Fällen viel mehr gebracht hätte als das, was er dann tatsächlich tut, dass Freundschaft das wertvollste Gut ist und dass sein kleiner Kreis an Freunden vielleicht nicht der einzige Ort ist, an dem man nach Frauen suchen könnte.

Die beinahe größte Liebesgeschichte der Welt hat somit auch kein Klischeeende – und damit das beste Ende, das ich mir nur wünschen konnte.

Fazit

Dieses Buch verdient den Hype um sich voll und ganz – man trifft auf Charaktere, die das lieben, was sie tun und sind, und auf eine Storyline, die ganz anders ist, als man es im ersten Moment erwarten würde. Am Ende geht es mehr um Selbstliebe und Begeisterung als um eine große Liebesgeschichte – und das ist verdammt gut so.

diversity inside

|Rezension| Nadja Hermann „Erzähl mir nix“

|Rezension| Nadja Hermann „Erzähl mir nix“

erzähl mir nix

Heyne * 11.01.2016 * ISBN 978-3-453-60370-7

TB 8,99 € * eBook 7,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Ob Genderfragen oder Political Correctness, Beziehungswirrwarr oder Abnehmweisheiten: Mit scharfsinnigem Blick beobachtet Nadja Hermann den Wahnsinn unseres Alltags und packt ihn in irrsinnig komische Comics. Mal bitterböse überspitzt, mal liebenswert menschelnd, dabei immer extrem pointiert – und vor allem extrem unterhaltsam. Ein Buch mit Kultfaktor!
Meinung

Menschen sagen manchmal unheimlich blöde Dinge. Oder unbedachte Dinge. Unverständliche Dinge. Und dann fragt man sich, wie man sie durch die Blume darauf stoßen könnte. Ich bin mir sicher, Nadja Hermann ist Meisterin darin.

In kurzen Dialogen, die von simplen Strichmännchen herübergebracht werden, nimmt sie so ziemlich jeden doofen Kommentar zu allen möglichen gesellschaftlichen Themen aufs Korn und trifft dabei den Nagel oft auf den Kopf. Dazu braucht es weder große Worte noch kompliziert gezeichnete Figuren, sondern nur ein paar Striche und kurze, aber knackige Dialoge.

In die vier Kategorien Gesellschaftliches, Zwischenmenschliches, Psychologisches und Alltägliches aufgeteilt, füllen die Comics jeweils eine Seite und laden so dazu ein, mal hier, mal dort reinzuschnuppern oder alle Comics von vorne bis hinten weg zu lesen. Aus dem heftigen Nicken, Losprusten oder still vor sich hin Kichern kommt man dabei kaum heraus. Und wer noch mehr Comics lesen möchte: Nadja Hermann bloggt unter erzaehlmirnix.wordpress.com

FazitSo kurz und gut wie die Comics: auf den Punkt gebrachte Kritik in Humor verpackt.