|Rezension| Claire Singer „Karlotta voll verschneit“

|Rezension| Claire Singer „Karlotta voll verschneit“

Karlotta #2

arsEdition (September 2011)

112 Seiten, 9,95 € HC

Bei Amazon kaufen

Die Geschichte

Der Winter hat durchaus auch sein Gutes, findet Karlotta: Denn auch wenn es gar nicht mehr aufhört, zu schneien, bedeutet das zumindest, dass die neue italienische Freundin ihres Papas zu Besuch kommt – und mit ihr ihr gutaussehender Neffe Giulio – ein Italiener wie aus dem Bilderbuch! Eigentlich hat sie zwar schon einen Freund, doch der kümmert sich in letzter Zeit kaum noch um sie. Doch Giulio scheint da nicht viel besser zu sein – und das, obwohl Karlotta in zwei Tagen Geburtstag hat. Geht ihr Wunsch, den Geburtstag mit den beiden Jungen zu feiern, noch in Erfüllung?
So viel sei gesagt, sie wird ihr hellblaues Wunder erleben…

Meinung

Mit Karlotta voll verschneit führt Claire Singer ihre Geschichte um Karlotta, Paul, Papa Bonbon und Rosalia fort, die in Karlotta verzettelt sich ihren Anfang genommen hat. Zwischen dem chaotischen Sommerurlaub in Italien und dem  Jetzt sind ein paar Monate vergangen und es ist tiefster Winter. Karlotta ist da genau wie ich – Kälte macht ihr echt miese Laune. Und ihr zerstreuter Vater hat irgendwie vergessen, den Heizöltank neu auffüllen zu lassen.  Ehrlich gesagt  war Karlottas Vater einer der Punkte, die mich diesmal ein bisschen gestört haben. Selbst, wenn ich der zerstreuteste Mensch der Welt bin,  aber wenn mein Haus kälter als ein Iglu ist und meine Freundin aus Italien kommt, und ich DANN merke, dass mein Heiztank leer ist, dann rufe ich einfach wo an und lasse den auffüllen.  So schwer kann das doch nicht sein.

Mein fränkisches Herz schlug ja höher, als ich mitbekommen habe, dass die Zeltnachbarin Patrizia mittlerweile Karlottas beste SMS-Freundin ist. So musste ich auch in diesem Buch nicht auf den breiten fränkischen Dialekt verzichten. Während Karlotta oft rätseln musste, was „Bäddi“ ihr mitteilen möchte, war es für mich natürlich glasklar. Ich bin erklärter Patriziafan!

Ich war ja ebenso verwirrt wie Karlotta, was die falschverstandenen Zettel und die mysteriösen Versteckspielchen von Rosalias Neffen angingen, aber da ich es sowieso nicht besonders toll fand, dass Karlotta ihn so anhimmelte, war es mir ganz lieb, wenn er wegblieb. Ein bisschen mehr Paul hätte ich schon gerne gehabt, wo sich die beiden doch endlich gefunden hatten.

Optisch ist das Buch natürlich wieder top, schön bunt und fantasievoll illustriert. Die Post-Its sind sogar noch besser gelungen als im Vorgängerbuch. Karlotta voll verschneit ist ein Buch, das sich wunderbar in der passenden Jahreszeit lesen lässt, wenn man sich selbst auf dem Sofa mit Tee verkrümeln kann, während das arme Karlottchen den Popo abfriert, und das Ende macht es einem ganz warm ums Herz.

Trotz allem hat Frau Singer diesmal nicht ihr ganzes Können ausgepackt und das finde ich schrecklich schade, denn ich weiß mittlerweile, dass sie viel witziger und sarkastischer sein kann als sie es hier gezeigt hat.

|Rezension| Claire Singer „Karlotta verzettelt sich“

|Rezension| Claire Singer „Karlotta verzettelt sich“

Karlotta #1

Baumhaus (Mai 2011)

112 Seiten, 6,99 € TB

3843200122

Inhalt

Endlich Sommer! Gemeinsam mit ihrem chaotischen Vater macht Karlotta Urlaub auf einem italienischen Campingplatz und landet gleich neben dem Wohnwagen von Familie Stempfhuber und ihrer nervigen Tochter Patrizia. Da tauchen plötzlich geheimnisvolle Zettelbotschaften auf und bringen Karlotta auf eine verrückte Idee: Warum soll sie nicht ein bisschen Schicksal spielen und Patrizia an der Nase herumführen? Karlotta wird zur Zettelkönigin, vertauscht und schreibt und stellt am Ende fest, dass sie sich dabei gehörig verzettelt hat …

Meinung

Ich griech die Griese.

Karlotta ist 12 und tragischerweise in ihrer Vater-Tochter-Beziehung die Erwachsene. Denn Karlottas Vater ist Künstler und ernährt sich von Bonbons und überlässt Organisatorisches lieber seiner Tochter. Kein Wunder, dass sich Karlotta mit viel Selbstironie und Sarkasmus durch ihr junges Leben schlägt. Und in diesem Fall – durch einen katastrophalen Spontanurlaub auf einem italienischen Campingplatz.

Nachdem ich von „Blut ist nicht rosa“ so begeistert war, habe ich natürlich versucht, auch alle anderen Bücher von Claire Singer auszugraben, um herauszufinden, ob sie mich auch so mitreißen können. Und oh ja – „Karlotta verzettelt sich“ kann das eindeutig. Die Protagonistin Karlotta erzählt aus ihrer Sicht von ihren freundinnen-, schwarm- und mutterlosen Sommerferien, die mit jedem Tag katastrophaler zu werden scheinen. Nachdem sie mit Schokoladeneis bombardiert wurde, wird Karlotta von ihrem Künstlervater in ihren klapprigen VW-Bus verfrachtet, um auf einen Campingplatz in Italien zu fahren – ohne Geld, aber mit fränkischen Nachbarn, die aus dem Barbieland entsprungen zu sein scheinen. Doch Karlotta wäre nicht sie selbst, wenn sie das alles nicht mit ihrem ganz eigenen Humor nehmen würde. Und der ist so schwarz wie spritzig.

Gott sei Dank bin ich Fränkin, denn Karlottas Zeltnachbarn sprechen wirklich sehr fränkisch. Ich kann mir ja vorstellen, dass für Nichtfranken das entziffern diverser Dialoge etwas schwer werden könnte. Trotzdem habe ich mich herrlich amüsiert, man muss ja auch über sich selbst lachen können.

Die Aufmachung finde ich auch sehr liebevoll gemacht. Zwar ist das Buch, wie „Blut ist nicht rosa“ auch, sehr pink gehalten, aber ein wirklicher Hinkucker. Für SMS-Nachrichten gibt es gezeichnete Handys, die meisten Seiten sind umrandet (und das bei jeder Seite anders!) und besonders hübsch sind die Zettelchen. „Karotta verzettelt sich“ heißt so, weil die Protagonistin hie und da Zettel zugesteckt bekommt oder verteilt. Diese Zettel kann man als Leser selbst auffalten und die Nachrichten lesen, die natürlich auch in Handschrift gedruckt sind. Mir hat das richtig Spaß gemacht und ich bin sicher, die eigentliche Zielgruppe (die ich ja um doppelt so viele Jahre nun doch nicht mehr bin) findet das auch nicht übel.

Alles in Allem hat mich Frau Singer mal wieder sehr vom Hocker gerissen, „Karlotta verzettelt sich“ war wunderbar lustig und leicht und die perfekte Sommerlektüre für Zwischendurch. Und ab September kann man mit „Karlotta voll verschneit“ auch weiterlesen, was aus dem Sommerurlaub geworden ist.

|Rezension| Claire Singer „Blut ist nicht rosa“

|Rezension| Claire Singer „Blut ist nicht rosa“

arsEdition (16. Februar 2011)

192 Seiten, 9,95 € TB

376076357X

Inhalt

Dido, Lilli, Camillo und TomTom sitzen jede Freistunde in ihrem Stammcafe, dem „LunaLuna“. Dort ist es herrlich gemütlich und die liebenswerte Besitzerin Luna verleiht dieser Schüleroase eine ganz besondere Note. Doch eines Tages ist Luna plötzlich verschwunden. Dafür steht jetzt ihr attraktiver Bruder Marco hinter dem Tresen und das „LunaLuna“ verändert sich in Windeseile in einen Treffpunkt für komische Gestalten. Das finden jedenfalls Dido, Camillo und TomTom. Lilli dagegen steht auf den wortkargen Schönling, was nicht nur ihren Freund TomTom schwer irritiert, sondern auch die Freundschaft mit Dido und Camillo stark beeinträchtigt. So haben die vier bald alle Hände voll zu tun, ihre Freundschaft zur retten und dabei die schrägen Gäste des „LunaLuna“ im Blick zu behalten. Nicht ganz einfach, bei schönstem Sommerwetter, einer durchgeknallten Tante und Mitschülern, denen man nicht im Dunklen begegnen möchte. Und das Verschwinden von Luna bleibt weiterhin mysteriös, sodass Dido und ihre Freunde beschließen, sich auf Spurensuche zu begeben …

Meinung

„Blut ist nicht rosa“ – aber dieses Buch. Und wie. Für Fans der Julie-Tagebücher von Franca Düwel ist die Geschichte um Dido, ihre Freunde und das LunaLuna eine wunderbare Alternative.

Zum einen ist da die tolle Aufmachung des Buches. Natürlich muss man dafür ein Fan von Rosa und Pink sein, denn sowohl von außen als auch von innen strahlt einem die Farbe entgegen. Sogar die Schrift ist knallpink und jedes Kapitel mit rosa und pinken Illustrationen verschönert. Mein Herz lacht.

Dido, die Erzählerin der Geschichte, ist eine typische 13jährige – mitten im Schul-, Liebes- und Pubertätschaos, das sie alles mit Humor nimmt. Sie hat eine fröhliche und quirlige Art, ihre Erlebnisse zu erzählen, und besitzt einen unglaublichen Wortwitz. Deswegen habe ich Dido und ihre Freunde auch gerne in einem Rutsch durch ihr Abenteuer begleitet, ohne gelangweilt zu werden. Didos Freunde, das sind Lilli, TomTom und Camillo. Lilli ist Didos beste Freundin und geht mit ihr durch dick und dünn. TomTom ist Lillies Freund und Camillo – ja, der ist total in Dido verschossen, doch die kann sich nicht so ganz über Freundschaft hinaus für den kleinen, dünnen, oberklugen Brillenträger begeistern.

Jeden Tag verbringen die vier ihre Freistunden und Nachmittage im LunaLuna – ein quietschrosa Cafe, in dem sogar das Essen rosa ist und die Welt nie grau wirkt, egal, wie sehr man sich geärgert hat. Das liegt auch an der bezaubernden Luna, die immer ein offenes Ohr für ihre Kunden hat. Das LunaLuna mag wohl viele an das Cafe erinnern, in dem man selbst als Schüler seine Tage verbringt oder verbracht hat – ich zumindest konnte gut nachvollziehen, wie schön es ist, einen Ort zu haben, in den man in Freistunden verschwinden kann, um sich dort mit seinen Mitschülern den Bauch vollzuschlagen. Und genauso konnte ich den Verlust der Kinder verstehen, als aus ihrem LunaLuna plötzlich ein Laden des Chaos wird. Denn Luna macht Urlaub und ihr Bruder Marco übernimmt den Laden. Vorbei ist es mit rosa Crepes, Grenadinecocktails und dem netten Publikum. Stattdessen gibt es angekokeltes Essen und seltsame Gestalten am Tresen. Noch schlimmer – Lilli hat ein Auge auf Marco geworfen und bringt damit ihre Freundschaft ins Wanken. Dido, TomTom und Camillo sind sich dagegen einig – da geht es nicht mit rechten Dingen zu. Nichtsahnend manövrieren sie sich mit ihren Ermittlungen in eine ausweglose Situation.

„Blut ist nicht rosa“ ist schrill und spritzig und an manchen Stellen auch ein bisschen zuviel des Guten. Nach Glaubwürdigkeit sucht man stellenweise doch vergeblich. Darüber sehe ich jetzt aber einfach mal hinweg, denn schon lange habe ich nicht mehr so gut unterhalten gefühlt wie von dieser rasanten Geschichte und den verqueren Charakteren. Da darf es auch ein wenig over the board gehen.