|Rezension| Christoph Marzi „Lycidas, Lilith, Lumen“ Hörbuch

|Rezension| Christoph Marzi „Lycidas, Lilith, Lumen“ Hörbuch

Die Uralte Metropole #1-3

Christoph Marzi @ Christoph-Marzi.de

Random House (2004)

7 h 55 min gekürzte Fassung, 20,95 €

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Die Geschichte

Mysteriöse Gestalten huschen durch die Winternacht, Menschen verschwinden vom Angesicht der Erde und fremde Nebel suchen London die Stadt der Schornsteine heim. Als die kleine Emily eines Nachts obendrein Besuch von einer sprechenden Ratte erhält, weiß sie, dass nichts in ihrem Leben so bleiben wird, wie es einmal war. Nicht, dass sie ein gutes Leben in dem kleinen Waisenhaus in einem Armenviertel Londons führen würde. Doch dass sie auf der Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft eine phantastische Stadt unter den Straßen Londons entdecken würde und schon bald von den seltsamsten Wesen verfolgt wird, das hätte sich Emily selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgedacht. Begleitet von ihrem Mentor, dem mürrischen Alchimisten Wittgenstein der ihre gemeinsame Geschichte erzählt, erlebt Emily Abenteuer in London, Paris und Prag sowie den geheimnisvollen städtischen Unterwelten und muss mehr als einmal gefährliche Wege gehen, um sich und ihre Freunde zu retten…

Meine Meinung

Es gibt Bücher, die gewinnen dadurch, dass sie als Hörbuch veröffentlicht werden. Und es gibt Bücher, die leiden schwer darunter. Als mein Freund mir die CDs des Hörbuchs wieder zurückbrachte mit dem Kommentar „das könne er sich nicht anhören“, habe ich gar nicht verstanden wieso. Normalerweise liege ich nie SO stark daneben, dass er sich die Hörbücher nicht zu Ende anhört, vor allem nicht, wenn es sich um meine Lieblingsbücher handelt. Die Geschichte um die uralten Metropolen unter London, Paris und Prag haben mich restlos begeistert, ganz egal, wie oft die Leute „geklaut“ riefen.

Aber nachdem ich auf meinem Weg zur Arbeit Lycidas selbst ins Autoradio geschoben hatte und nach 25 Kilometern schon halb durch Lycidas durchgehört hatte, da wusste ich, was er meint. Man kann eben keine Trilogie auf sechs HörbuchCDs quetschen. War ich eine Sekunde geistig abwesend, hatte ich sofort den Anschluss in der Geschichte verpasst. Und selbst wenn ich aufmerksam war, waren die Sprünge in der Story manchmal so groß, dass absolut kein Zusammenhang mehr zwischen den ablaufenden Szenen erkennbar war. Jede Atmosphäre, jede Persönlichkeit der Charaktere ging komplett verloren und übrig blieb ein zusammenhangloses Blabla und Protagonisten, die mir nicht mehr am Po hätten vorbeigehen können.

Dabei hatte der Hörbuchsprecher so viel Potential. Helmut Krauss klingt wie der perfekte Märchenonkel, der von dem Typ, den man ganze Nächte neben seinem Bett sitzend haben möchte, damit er einen in den Schlaf liest. Für Lycidas eigentlich die perfekte Wahl – aber nur dann, wenn man die Bücher nicht bis zur Unkenntlich- und Unerträglichkeit zerstückelt.

Christoph Marzi „Heaven“

Christoph Marzi „Heaven“

Verlag: Arena (August 2009)

Seiten: 358

ISBN: 3401063820

Preis: 14,95 €

Inhalt

Feenblut fließt in den Adern von Heaven. Aber bisher weiß das Mädchen noch nichts von ihrer besonderen Abstammung. Als die Jagd auf sie beginnt, ist Heaven ist ganz auf sich gestellt. David dagegen findet sein Leben ziemlich normal. Gut, seine Ex hat ihn gerade verlassen, aber kein Grund für ein Hollywood-Drama. Doch dann trifft er hoch auf den Dächern Londons Heaven. Und Davids Leben ändert sich für immer. (Amazon.de)

Meinung

Heavens erstes Problem in meinen Augen: Es wurde ganz schrecklich arg hochgejubelt. Da die ersten drei Bände der Uralten Metropole immernoch zu meinen Lieblingsbüchern zählen, habe ich mir ähnliche Qualität erwartet, vor allem bei London als Schauplatz. Womit wir schon zu Problem 2 kommen: An genau diese Bücher scheint der Auor nicht mehr heranzureichen.

Nicht, dass Heaven nicht ein schönes Buch wäre, leicht zu lesen, mit einer guten Idee dahinter. Es gelingt dem Buch nur nicht, mich zu fesseln, der Hintergrund wirkt schwammig und nicht so liebevoll ausgearbeitet wie in Lycidas und Co. So wird aus einer wunderschönen Hintergrundgeschichte ein Märchen, das in der Realität aber fade wirkt. Die Dialoge sind größtenteils sinnentleert, die Protagonisten grinsen und „hm“en ein bisschen zuviel. Es werden viele Andeutungen gemacht, die nicht aufgeklärt werden, und am Ende habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir dachte: Achso, jaja, ich hab keine Ahnung, um was es jetzt wirklich ging. Die Protagonisten sind alle so oberflächlich, dass es schwer fällt, sich mit ihnen zu freuen oder Angst um sie zu haben.

Wie gesagt, Heaven ist ein nettes Buch und wird auch vielen gefallen, vor allem, wenn sie die Uralte Metropole nicht kennen. Doch der Hype, an den das Buch dann nicht heranreichte, hat mir die Lektüre ein wenig verleidet.