|Rezension| Alexa Hennig von Lange „Die Welt ist kein Ozean“

|Rezension| Alexa Hennig von Lange „Die Welt ist kein Ozean“

ozean

cbt * 27.7.2015 * ISBN: 978-3-570-16296-5

 TB 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat? (© randomhouse)

Meinung

Es gibt sie ja, diese unkonventionellen Liebesgeschichten, bei denen man sich von Anfang an denkt: Das kann doch nicht gut gehen – und trotzdem hätte man es so gerne. Ich wollte das ganze Buch über, dass es mit Franzi und Tucker klappt. Ob es das tut? Lasst euch selbst überraschen.

Franzi war mir ganz schön sympathisch, obwohl ich mich am Anfang gesorgt hatte, dass sie so eine ist, die ihre emotionale Intelligenz maßlos überschätzt und sich einbildet, besser heilen zu können als alle gelernte und studierte Mitarbeiter der Psychiatrie zusammen. Umso erleichterter war ich, dass sie schnell ernüchtert feststellt, dass sie sich das Leben in einer psychiatrischen Anstalt rosiger vorgestellt hat als es ist und dass sie eigentlich null Ahnung davon hat, was sie tut und wie sie die Erfolge mit Tucker erzielt. Ebenfalls gut fand ich, dass sie ihren Traum, nach Australien zu gehen, nicht Hals über Kopf über den Haufen wirft, sondern so zwiegespalten ist. Für 16 finde ich Franzi wirklich schon reif. Leider bekommt man von Tucker nur sehr wenig mit, weil das Buch aus Franzis Sicht geschrieben wurde und Tucker selbst ja sehr wortlos bleibt. Auf der einen Seite tat er mir irgendwie leid, denn was ihm widerfahren ist, ist schrecklich, und seine Eltern haben echt alles dafür getan, den armen Kerl noch mehr zu traumatisieren.

Aber, Spoiler: Ganz uuuuurplötzlich geht es ihm wieder gut, er redet wieder UND macht Scherzchen, kriegt aber sonst den Mund nicht auf, um seiner alten Freundin zu sagen, sie soll dich gefälligst dahin scheren, wo sie sich ein Jahr lang verkrochen hat. Da kam echt der Punkt, an dem ich dachte: Liebe Franzi, nimm doch den netten Bruder des Freundes deiner Freundin, wär doch auch nicht übel.

Etwas irritiert haben mich die Andeutungen auf „Ach wie gut, dass niemand weiß“, dem Buch der Autorin, das sich um Franzis Schwester Sina und deren Freund Noah dreht. An sich wäre es ja unheimlich interessant gewesen, das Buch auch noch zu lesen, aber durch die eingestreuten Informationen habe ich jetzt das Gefühl, dass ich sowieso weiß, was darin passiert. Schade.

FazitEine wunderbare Liebesgeschichte, wenn man sich keine harte Psychiatrierealität erwartet.

|Rezension| Sara Raasch „Schnee wie Asche“

|Rezension| Sara Raasch „Schnee wie Asche“

P1030577

cbt * 14.4.2015 * OT Snow like Ashes (Band 1) * ISBN: 978-3-570-30969-8

 TB 14,99 € * eBook 11,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Sechzehn Jahre sind vergangen, seit das Königreich Winter in Schutt und Asche gelegt und seine Einwohner versklavt wurden. Sechzehn Jahre, seit die verwaiste Meira gemeinsam mit sieben Winterianern im Exil lebt, mit nur einem Ziel vor Augen: die Magie und die Macht von Winter zurückzuerobern. Täglich trainiert sie dafür mit ihrem besten Freund Mather, dem zukünftigen König von Winter, den sie verzweifelt liebt. Als Meira Gerüchte über ein verloren geglaubtes Medaillon hört, das die Magie von Winter wiederherstellen könnte, verlässt sie den Schutz der Exilanten, um auf eigene Faust nach dem Medaillon zu suchen. Dabei gerät sie in einen Strudel unkontrollierbarer Mächte …

Meinung

Alles in allem, mit den ganzen aufgebauten Erwartungen und dem Hype auf tumblr, war Schnee wie Asche ein Okay-Buch. Ich mochte den Aufbau der Welten, die Unterschiede zwischen den Jahreszeitenkönigreichen, in denen das Wetter sich nie großartig ändert und deren Bewohner alle so besonders aussehen, dass man sie sofort zuordnen kann. Die Städte, die beschrieben wurden, hatte ich unheimlich deutlich vor Augen. Vor allem die Beschreibung von Cordell hat es mir so angetan, dass ich dort am liebsten gewohnt hätte. Dennoch war ich mit dem gesamten Weltenaufbau nicht ganz zufrieden – mir haben einige Details gefehlt, vor allem was die Vorgeschichte der Magie angeht, mit denen die Herrscher ihren Reichen helfen oder schaden – wieso können das nur bestimmte Geschlechter? Was gab es denn vor den aktuellen Herrschern? Und was macht eigentlich Sommer, außer zu existieren, während Frühling, Herbst und Winter Krieg führen?

Meine Hoffnung hatte ich in Meira gesetzt – einmal im Leben möchte ich eine Protagonistin erleben, die nicht nur taff und unabhängig dargestellt wird, sondern es auch IST. Und Meira hätte das Potential dazu gehabt, sich durchzubeißen, ihren Willen durchzusetzen und eine starke Kämpferin zu sein. Und am Anfang scheint sie auch genau das zu sein. Leider wird Meira aber in Gegenwart von gutaussehenden Männern – die in diesem Fall Mather und Theron heißen – ein hormonüberschwemmtes Mädchen, das nicht mehr geradeaus denken kann. Da schlottern die Kämpferknie plötzlich und sie stolpert über jede Teppichfalte im Umkreis von 100 Metern. Von der Instantlove will ich gar nicht reden – Theron ist super, sicher, aber eigentlich findet Meira ihn nur toll, weil er Muskeln und ein hübsches Gesicht hat und der Rest kommt dann später mal hintendran. Auch bin ich mir nicht sicher, ob man hier ein Lovetriangle einbauen wollte oder nicht – immerhin ist Meira sich ziemlich sicher, wen sie will und wen nicht. Das kapieren aber die Jungs scheinbar nicht, die sich wie zwei Gorillas in ihrer Gegenwart aufbauen und sich auf die Brust klopfen, um zu zeigen, wer der größere Macker ist.

Immerhin war das Tempo, das die Geschichte vorlegt, so schnell und oft so überraschend, dass man es in einem Rutsch hätte durchlesen können. Zwar bekommen die Protagonisten immer wieder Verschnaufpausen von ihren Erlebnissen, aber sobald sie sich in Sicherheit wiegen, passiert etwas, was ihre ganze Situation wieder auf den Kopf stellt. Nicht überraschend war jedoch die hochgelobte Wendung des Buches. Nachdem ich es fertig gelesen hatte, erzählte ich den Beginn meinem Mann und der hatte innerhalb einer Minute raus, wie das Buch enden würde. Für mich war dieser Teil der Geschichte viel vorhersehbarer als so manche andere Wendung (zum Beispiel die Ankunft in Cordell und die folgenden Kapitel).

Fazit

Eine nette Geschichte in einem faszinierenden Setting mit einer Protagonistin, die leider die Erwartungen an sie nicht erfüllen konnte.