|Rezension| Kirsty Logan „The Gracekeepers“

|Rezension| Kirsty Logan „The Gracekeepers“

the gracekeepers

Vintage * 10.03.2016 * ISBN 978-1-7847-0013-3

TB 10 €  * eBook 6,50 * Leseprobe * Autorin

Klappentext As a Gracekeeper, Callanish administers shoreside burials, laying the dead to their final resting place deep in the depths of the ocean. Alone on her island, she has exiled herself to a life of tending watery graves as penance for a long-ago mistake that still haunts her. Meanwhile, North works as a circus performer with the Excalibur, a floating troupe of acrobats, clowns, dancers, and trainers who sail from one archipelago to the next, entertaining in exchange for sustenance.

In a world divided between those inhabiting the mainland (“landlockers”) and those who float on the sea (“damplings”), loneliness has become a way of life for North and Callanish, until a sudden storm offshore brings change to both their lives–offering them a new understanding of the world they live in and the consequences of the past, while restoring hope in an unexpected future.

Meinung

“We don’t belong anywhere, because we can belong everywhere.”

Es gibt Bücher, die reißen dich nicht mit einer atemberaubenden spannenden Story mit, sondern schleichen sich langsam in dein Herz mit ihrer poetischen Sprache und ihrer sich langsam entwickelnden, aber tiefgehenden Geschichte. So ein Buch ist The Gracekeepers.

Kirsty Logan malt mit Worten das Bild einer überschwemmten Welt, in der das Element Wasser sich seinen Weg gebahnt hat und Land – und alles, was damit zusammenhängt – ein wertvolles Gut geworden ist. Nun gibt es diese Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass man freiwillig auf diesen unbeweglichen Flecken Drecks leben kann, auf denen man gefangen ist. So jemand ist North. Sie wurde auf dem Zirkusboot geboren, auf dem sie nun auch als Bärendompteurin arbeitet. Ihr Bär ist ihre einzige Familie, ihr einziger Vertrauter – doch das fesselt sie auch an den Zirkus und seinen unberechenbaren Direktor, der sie mit seinem Sohn verheiraten und auf ein Haus an Land verfrachten will – für sie eine Horrorvision.

Norths Zirkusboot hatte ich beim Lesen sehr deutlich vor Augen, weil es wie ein schimmerndes Paradies beschrieben wird, in dem schillernde Figuren ihre Rollen sehr gut spielen und Tag für Tag mit ihrem Leben spielen, um die Landbewohner zu unterhalten. Doch unter dem bunten und leuchtenden Mantel steckt der Verfall, ebenso wie unter den lächelnden geschminkten Masken der Darsteller verdorbene Charaktere nisten, die sich selbst die Nächsten sind.

Callanish hingegen sitzt buchstäblich in ihrem Haus fest, denn aus mehr besteht ihre Insel gar nicht. Auch ihre Einsamkeit an diesem stillen Ort, ihr Dasein als Mülleimer für das Seelenleben Fremder, steht einem deutlich vor Augen. Mit der Ankunft des Zirkusbootes und damit auch Norths wird etwas in ihrem Inneren in Bewegung gesetzt, das sie dazu bringt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Doch man bekommt nicht nur North und Callanish mit – die Kapitel werden aus vielen verschiedenen Sichtweisen erzählt. So schafft es die Autorin zum Beispiel, dass man mit einer Figur trauert, die vorher nur am Rande erwähnt wurde, viele zwielichtige Motive aufgedeckt werden oder man einfach nur darin bestätigt wird, dass die betreffende Figur immer inneren genauso mies ist wie man es schon vermutet hat. So bekommen auch Nebenfiguren eine gewisse Tiefe, die andere Bücher vermissen lassen.

The Gracekeeper kommt eigentlich ganz gut ohne die große Liebesgeschichte aus, obwohl natürlich Gefühle eine Rolle spielen. Dass sich Callanish und North so zueinander hingezogen fühlen, blieb für mich einerseits irgendwie unbefriedigend, sehen sie sich doch nur für eine kurze Weile und teilen ihre dunkelsten Geheimnisse miteinander. Andererseits sind sie zwar ein Anker füreinander, aber nicht entscheidend für die Handlungen, die nach ihrem Treffen folgen. Eher haben die beiden sich wachgerüttelt und gehen dann wieder ihren eigenen Weg, den jeweils anderen dann als Kraftquelle im Gedanken, wenn es schwer wird.

Fazit

Eine eher stille Geschichte in poetischer Sprache und dennoch auf ganz eigene Art mitreißend.

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|Rezension| Sandra Öhl „Kitty Kathstone“

|Rezension| Sandra Öhl „Kitty Kathstone“

kittyMr Bumblebee’s House * 15.10.2015 * ISBN: 9783950400304

 HC 17,99 € * eBook 9,99 €

Klappentext

Sie ist schlagfertig und zieht Schwierigkeiten an, wie das Licht die Motten. Da ist es auch kein Wunder, dass ausgerechnet an Kittys fünfzehnten Geburtstag alles schief läuft. Und als wären es nicht genug Katastrophen für einen Tag (nebst dem spurlosen Verschwinden ihres Vaters), eröffnen ihr ihre zurückhaltende Mutter und die resolute Großmutter das lange totgeschwiegene Familiengeheimnis. (Nichts Neues, denkt Ihr? Naja, seid Euch da mal nicht so sicher.) Kitty findet sich schneller, als ihr lieb ist in einer Welt voller Mythen wieder, bevölkert von Gorgonen, Formwandlern, japanischen Einhörnern, Walküren und anderen unglaublichen Wesen, in der es aber vor allem um eines geht: Gemeinsam mit 14 Guardians und jahrtausendealten Steinen, das Gleichgewicht des Universums zu bewahren

Meinung

Ich wollte dieses Buch ja so unbedingt lieben – ich meine, seht es euch nur mal an! Es ist so schön! Es fasst sich sogar toll an! Aber irgendwie wollte es zwischen uns nicht wirklich funken.

Kitty Kathstone basiert auf dem simplen Prinzip, das schon andere Erfolgsromane hervorgebracht hat: Kitty erfährt an ihrem 15. Geburtstag, dass sie kein normales Mädchen ist, sondern aus einer Linie von Gestaltwandlern kommt. Nach dieser Erkenntnis wird sie an eine Schule verfrachtet, auf der sie ihre Fähigkeiten beherrschen lernen soll. Darüber hinaus stellt sich heraus, dass sie nicht nur die simplen, von ihr erwarteten Fähigkeiten hat, sondern sogar noch etwas ganz Besonderes ist. Kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, ging es nicht Harry, Percy und Co nicht anders.

Dabei ist die Schule, auf die Kitty geht, eigentlich ganz interessant – zugepropft mit mythischen Wesen aller Art, mal einer netten Abwechslung an Kursen und Lehrkräften und einem der Beschreibung nach sehr hübschen Schulgebäude war es doch nett, sich im Kopf dort aufzuhalten. Auch die Reise, die auf Kitty und Nora zukam, war ganz spannend zu beobachten, weil so viele neue Ideen gepaart mit alten Mythen eingebaut wurden.

Leider hatte ich ein wenig das Gefühl, dass sich die Geschichte unnötig zieht – zumindest hatte ich nie den inneren Drang, jetzt unbedingt weiterlesen zu müssen –, während mir manches zu schnell ging. Vor allem die Instant Love zwischen Kitty und ihrem Elfenprinzen Glade. Ganz pubertär fallen hier schon die 5 berühmten Buchstaben nach gerademal zwei Küssen. Aber Kitty ist eben auch wandelnde Pubertät – bockig, oberflächlich, gedankenlos, impulsiv, alles in allem also eher weniger sympathisch. Kittys Alter schlägt sich dann auch in den Formulierungen nieder, obwohl ja die Geschichte eigentlich aus der Feder eines wesentlich älteren Hundes (Ja, ihr habt richtig gelesen) stammt. Nora war auch ein mehr als skurriler Charakter – in Egoismus steht sie Kitty in nichts nach, ist dabei aber auch noch Neunmalklug und ein Jammerlappen. Die Freundschaft zwischen ihnen kann man auch nur Zweckgemeinschaft nennen.

Was ich persönlich sehr schade fand – und ich kann da einfach nicht aus meiner Germanistenhaut – war, dass sich Rechtschreibfehler, vor allem aber Kommafehler so gehäuft haben. Tatsächlich wurden Kommas hier so inflationär und sinnlos eingesetzt, dass ich innerlich bei jedem zusammengezuckt bin. Bei einem Buch, das optisch so professionell wirkt, fällt das für mich doppelt auf.

Fazit

In Kitty Kathstone wird eine erfolgreiche Grundgeschichte in eine interessante Umgebung gebettet, aber leider mit einer unleidlichen Protagonistin versalzen.

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|Buchnews| Neues bei Blogg dein Buch

|Buchnews| Neues bei Blogg dein Buch

bdbenglisch

d5dea7710f3b466ebe25fb0484669d5e.front_cover.KH28G4XNQV7J8Schon über längere Zeit erweitert die Plattform „Blogg dein Buch“ ihr Angebot.  Zu den Printbüchern kamen Hörbücher und eBooks dazu, außerdem die Möglichkeit, sich für verschiedene Kategorien gleichzeitig zu bewerben. Nun ist BdB eine Kollaboration mit Random House Group UK Ltd. eingegangen und bietet ab nun also auch Bücher in Originalsprache an. Das dürfte viele Blogger freuen, die schon immer lieber zum Original als zur Übersetzung gegriffen haben.

Gestartet wird mit dem neuen Werk der bekannten Autorin Sophie Kinsella „Wedding Night„, Mitte April gefolgt vom neuen Bridget Jones-Teil der Autorin Helen Fielding.

|Rezension| Steffan Heuer „Mich kriegt ihr nicht“

|Rezension| Steffan Heuer „Mich kriegt ihr nicht“

P1000840

Murmann (26. Feb 2013) – 238 Seiten – ISBN 386774243X – 16,90 € Taschenbuch +eBook

Inhalt

Wenn Google, Facebook, Twitter + Co. ihre Dienste anbieten, ist das keinesfalls umsonst wir zahlen mit unseren Daten, der Währung unserer Tage. Viele Firmen leben und profitieren von unserer `digitalen Identität´. Sie finden sie, speichern sie und verkaufen alle möglichen Informationen über Geschmack, Religion, Alter, politische Überzeugung, Gesundheit, sexuelle Orientierung, sogar über unsere Freunde. Wir werden verkauft. Nicht jede Firma saugt alle unsere Daten ab, aber der Handel und Missbrauch mit unserer digitalen Spuren ist längst ein weltweites Milliardengeschäft. Wir brauchen Hilfe. Das Buch `Mich kriegt ihr nicht!´ ist eine Gebrauchsanweisung, wie wir unsere Online-Identität schützen und welche Werkzeuge wir benutzen sollten, um unsere Identität im Netz gezielt einzusetzen wie man das Internet nutzt und sich dabei nicht verliert. Wie man Tracking-Cookies blockiert, `LikeIt´-Buttons ausschaltet und neugierige Apps neutralisiert denn wichtiger als ein sogenannter `Service´, den uns profitorientierte Firmen `bieten´, ist unsere Privatsphäre. Das Buch zeigt, was wir tun müssen, um unerkannt durchs Netz zu surfen und uns gegen unerwünschten Datenklau zu schützen.

Meine Meinung

Ich weiß eine Menge über meine Schüler. Nicht nur, weil sie mir hie und da mal etwas erzählen. Einfach deswegen, weil mich ab und zu die Neugierde packt und so gut wie niemand von ihnen sein Facebookprofil auch nur ansatzweise schützt. Das gibt mir schon zu denken. Und obwohl ich das Gefühl habe, dass ich bei Facebook doch recht vorsichtig bin – man sieht von mir nichts außer meinem Profilbild, wenn man nicht mit mir befreundet ist – zweifle ich doch daran, wie ich sonst mit meiner Person im Internet umgehe – immerhin bin ich recht gesprächig bei Twitter, mein Tumblr ist eine Sammlung meiner Fandoms und mein Blog einer der ersten Links, wenn man meinen Namen googelt.

Deswegen hat mich „Mich kriegt ihr nicht“ sehr interessiert. Ich erwartete mir Aufklärung – was passiert, wenn ich zu offen bin? Wohin wandern meine Daten? Und wie kann ich mich schützen? Tatsächlich kann man in den ersten Kapiteln lesen, wie unsere Daten gesammelt und verwertet werden und wohin das führen kann. Nachdem ich mich durch diese Unmenge an Informationen – in meinen Augen schon fast zu detailliert – gelesen hatte, war ich schwer paranoid und wollte am liebsten nur noch in Läden mit Bargeld einkaufen und mir eine neue Identität anschaffen. Tatsächlich hatte ich ein wenig das Gefühl, dass jede Art von sozialer Kommunikation im WWW ein Akt der Dummheit ist, der mich in die Hände geldgieriger Unternehmer treibt, die mich an andere Unternehmer verkaufen möchten. Und ganz tief in meinem Inneren regte sich auch ein bisschen Widerwille in mir – ich will aber nicht über alles schweigen, nöhlte die kleine Heike in mir. Ich will aber erzählen, was ich gelesen habe und wie ich es fand, ich will mich über Twitter austauschen und schöne Lieder mit meinen Freunden auf Facebook teilen! Ich will nur einfach wissen, wie ich das sicher machen kann!

Auf Seite 193 kamen nun endlich Tipps, wie ich mich denn schützen kann. Schön und gut, sicher muss man wissen, wovor man sich schützen muss – aber bei einem Buch, dessen Untertitel „Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung“ lautet, hätte ich mir diese Tipps wesentlich früher erwartet und dabei auf die eine oder andere ins philosophische abgedriftete Ausführung verzichtet.  Nun bekommt man so sinnvolle Tipps wie: Veröffentlichen Sie nicht ihre Sozialversicherungsnummer, fotografieren Sie nicht Ihre Kreditkarte und stellen das Bild ins Internet, etc. Es gibt ja durchaus Menschen auf der Welt, die zu treudoof sind, aber DAS ist doch wohl klar, oder? Natürlich sind nicht alle Informationen so offensichtlich und die eine oder andere Einstellung habe ich auch für mich übernommen. Vor allem Facebook ist ein Wirrwarr an Sicherheitslücken und alle auszumerzen gleicht einer Reise in die entlegensten Winkel der Plattform. Teilweise waren die Tipps im Buch schon wieder so veraltet, dass Facebook die Privatsphäreneinstellungen an neuen Stellen versteckt hatte. Manche Tipps muteten aber schon fast wie Spiontechniken an (Handy in Alufolie wickeln, um nicht geortet werden zu können – ich stelle mir gerade die Blicke meines Umfelds vor, wenn ich mein Handy auswickle wie ein Pausenbrot, weil ich telefonieren möchte.)

Was ist also mein insgesamtes Fazit? Wer eine Anleitung erwartet, wie er sich im Internet richtig absichert, der sollte lieber googeln – aber bitte geschützt. Denn wirkliche Tipps gibt es nur auf knapp 30 Seiten und manche davon sind so logisch, dass man sie nicht einmal hätte erwähnen müssen, während andere in meinen Augen schon fast wieder über das Ziel hinausschießen, wenn man ein „normaler“ Internetuser ist. Die ganzen Informationen im Voraus waren zwar interessant zu lesen und auch alarmierend, hinterließen aber bei mir einen bitteren Nachgeschmack – am Ende habe ich mich gefühlt wie ein wandelnder Idiot, weil ich das Internet überhaupt nutze.

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