|Rezension| Bettina Belitz „Luzie und Leander: Verflucht himmlisch“

|Rezension| Bettina Belitz „Luzie und Leander: Verflucht himmlisch“

Luzie und Leander #1

Bettina Belitz @ BettinaBelitz.de

Loewe (15. Juni 2010)

223 Seiten, 12,00 € TB

978-3785571910

Inhalt

Luzie Morgenroth und Leander von Cherubim kommen blendend miteinander aus – wenn Luzie nicht gerade ihren Lieblingssport Parkour betreibt. Denn Leanders Job als unsichtbarer Wächter ist es, Luzie zu beschützen, ohne dass sie etwas davon mitbekommt. Keine leichte Aufgabe bei einem Mädchen, das lieber mit Jungs über Dächer klettert und auf Geländern balanciert, als zu Hause zu sitzen oder zum Ballett zu gehen. Eines Tages hat Leander genug. Er tritt in Streik – und ahnt nicht, dass damit die Probleme erst beginnen.

Meinung

Ich fürchte, Bettina Belitz Bücher und ich, wir werden einfach nicht warm miteinander. Ich würde ja gerne, ehrlich, aber es funktioniert einfach nicht. Dabei klang „Luzie und Leander“ nach so einer süßen Idee. Luzie ist für jeden Schutzengel der personifizierte Albtraum. Schon als Baby kletterte sie überall hinauf und purzelte auch wieder hinunter, wo es nur ein wenig erhöht war. Und mittlerweile ist Luzie passionierte Parcour-Läuferin. Luzies Herbstrun soll alle beeindrucken – vor allem ihren Schwarm Seppo. Doch dann macht ihr ein Farbeimer einen Strich durch die Rechnung und Luzie hat einen schweren Unfall. Als sie beginnt, Stimmen zu hören und Schemen zu sehen, glaubt sie noch, zu hart auf den Kopf gefallen zu sein. Der Typ, der um sie herumhüpft und jammert, behauptet nämlich, er wäre ihr Schutzengel.

Luzie ist eine typische 13-Jährige und mir damit nicht automatisch unsympathisch, und auch Leander ist eigentlich ein Charakter, den man mögen kann. Aber beide zusammen gehen irgendwie gar nicht, vor allem nicht, wenn sie sich streiten. Luzie bockt, Leander schmollt, Luzie prahlt, Leander gibt an, Leander verbietet etwas und Luzie macht es erst recht, bis Leander überreagiert. Mag ja sein, dass die beiden sich aneinander reiben müssen, aber wenn es ein Buch lang nur darum geht, ödet es irgendwann mal an. Dabei hatten beide sicher auch gute Momente. Wenn Leander zum Beispiel Luzies Ohr zudeckt. Doch die guten Momente werden in Nebensätzen abgehandelt, wenn die beiden sich streiten. Deswegen fand ich das Ende auch ein wenig zu Heitideiti. Sicher hätte mich Leanders Sinneswandlung mehr überzeugt, wenn sich die beiden nicht nur in den Haaren gehabt hätten.

Noch dazu habe ich mich ernsthaft gefragt: Wie kann ein Schutzengel – pardon, Sky Patrol – so wenig über das menschliche Leben wissen, wenn er doch immer darauf bedacht sein muss, seinen Menschen zu beschützen? Leander weiß weder, wie sich normale Körpertemperatur anfühlt, hat es aber offensichtlich drauf, Luzie krank zu machen, bzw. müsste er doch auch wissen, wann Fieber einfach zu hohes Fieber ist. Er weiß nicht, dass ein Mensch trinken und essen muss, hat aber Luzie doch dabei sicher seit Jahren zugesehen. Mal abgesehen davon wollte ich ja nicht unbedingt wissen, dass es auf dem Klo stinkt, wenn Leander drauf saß. Too much information.

Vielleicht sehen jüngere Leser über diese ganzen Kritikpunkte hinweg, vielleicht finden sie Leanders Unerfahrenheit auch lustig (Was sie auch gewesen wäre, wäre da nicht einfach die fehlende Logik.). Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie sich mit Luzie identifizieren können, denn sie ist wie gesagt ein sehr lebensechter Charakter. Ich mag der Reihe ja gar nicht ihr Potential absprechen. Aber für mich war das einfach ein mittelmäßiges Buch, das seine Möglichkeiten nicht ideal genutzt hat.

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Bettina Belitz „Splitterherz“

Bettina Belitz „Splitterherz“

Verlag: Script5 (Januar 2010)

Seiten: 630

ISBN: 3839001056

Preis: 19,90 €

Inhalt

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Meinung

Zugegeben, ich hatte anfangs wirklich Angst, dass ich meinen „Leipziger Buchmesse Superspontankauf“ irgendwie bereuen würde, denn anfangs hatte ich immense Schwierigkeiten mit „Splitterherz“. Ich bin ein Dorfkind. War es, bin es und werde es hoffentlich immer sein. Städte finde ich gruselig, Bayreuth ist das Höchste der Gefühle und ich bete wirklich, dass mich die bayrische Regierung niemals im Leben nach München steckt. ( Tut mir leid, liebe Münchner, bitte hasst mich jetzt nicht. ). Als gerne „in der Pampa“ lebende Dame konnte ich vieles nicht nachvollziehen, was Ellie gefühlt hat. Das heißt nicht, dass ich nicht ihre Situation verstanden hätte – als Jugendliche aus der Stadt aufs triste Land zu ziehen ist wahrscheinlich wirklich scheisse. Das war nicht mein Problem. Vielmehr waren es Szenen wie die im Wald, als sie spazieren geht und das Gewitter aufzieht. Das sind für mich Momente, bei denen ich in den Himmel kucke und mir das Herz aufgeht, wenn der Donner von allen Seiten zu kommen scheint und der Wind durch die Baumwipfel pfeift. Ich liebe Gewitter am Land. Ellie hingegen findet das gar nicht toll und da widersprechen sich einfach meine persönlichen Gefühle dermaßen mit denen der Hauptfigur, dass mich das total aus der Bahn wirft. Solche Situationen gab es en masse. Erst, als Ellie und Colin mehr miteinander zu tun hatten und das ganze „Igitt, ich wohne am Land“-Thema langsam gegessen war, legte sich auch mein Problem mit dem Buch.

Elisabeth kann ich bis jetzt nicht leiden. Dafür hat sie es sich anfangs schon versaut mit ihrer Einstellung und ganz ehrlich wirkte sie nicht nur, als halte sie sich für etwas besseres, sondern hat das auch. Aber da ich oft Probleme mit den Protagonistinnen habe ( siehe Hush,Hush ) und die Bücher trotzdem mag, hat das nichts zu sagen. Denn Colin rettet alles. Ich finde es ja gut, dass Bettina Belitz es geschafft hat, klar zu machen, wie schön er ist ohne es tausendmal zu wiederholen, bis man es nicht mehr hören kann. Trotzdem hat er Eindruck hinterlassen und das nicht zu knapp.

Besonders toll fand ich es aber, dass Frau Belitz es geschafft hat, einen Mythos aufzugreifen, der in letzter Zeit nicht bis zum Erbrechen ausgelutscht wurde wie Vampire oder Engel. Das gab dem Buch etwas Besonderes und man musste gemeinsam mit der Protagonistin auf Aufklärung warten, anstatt schon im Voraus ein vages Wissen zu besitzen, was passieren wird. Und je weiter das Buch fortschritt und die zähen ersten 200 Seiten hinter mir lagen, desto weniger konnte ich das Buch zur Seite legen. Ich hatte Ooooh und Aaaaaah Momente und mir die eine oder andere Träne verdrückt.

Nimmt man dazu das absolut passende Ende, hat sich „Splitterherz“ für mich doch noch als ein guter Griff herausgestellt.