|Rezension| Christopher Moore „Die Bibel nach Biff“ Hörbuch

|Rezension| Christopher Moore „Die Bibel nach Biff“ Hörbuch

OT: Lamb

Christopher Moore @ ChrisMoore.com

Audio Media Verlag (September 2010)

5 h 4 min, 7 € oder bei audible.de

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Inhalt

Im Buch der Bücher fehlen wichtige Kapitel: Unter den wachsamen Augen von Engel Raziel soll Biff diese Lücke füllen und alles über die Kindheit und die turbulente Jugend von Jesus Christus berichten. Biff ist der einzige glaubwürdige Zeuge dieser Zeit, schließlich ist er in all den Jahren Jesu bester Freund gewesen und stand ihm schon zur Seite, als dieser noch versuchte, vertrocknete Eidechsen zum Leben zu erwecken …

Meinung

Schonmal von Biff gehört? Oder von Levi? Nie? Natürlich nicht. Dabei sollte Biff aka Levi einen ganz großen Namen im Neuen Testament haben, so als Jesus bester Freund. Der Meinung ist auch Gottes Sohn und beauftragt den Engel Raziel, Biff aus dem Grab zu holen, damit er ein Evangelium schreiben kann. Denn was Jesus zwischen seinem 6. und seinem 30. Lebensjahr so getrieben hat, weiß wohl derjenige am besten, der ihm dabei nie von der Seite gewichen ist. So landet Biff in einem amerikanischen Hotel, wo er sein Evangelium schreibt, heimlich das ihm unbekannte Neue Testament liest und dem Engel schwer auf den Wecker fällt.

Wer hier auch nur einen Funken theologischer oder historischer Korrektheit sucht, der wird wohl nicht fündig werden. Wer gerne eine Geschichte hören möchte, die unterhaltsam Bibel und schiere Fiktion vermengt, ist dagegen goldrichtig.

„Die Bibel nach Biff“ ist in meinen Augen immernoch Christopher Moores bestes Werk. Ihm gelingt es, dass einem jede Figur, die einem im Neuen Testament begegnet, plötzlich ans Herz wächst wie ein alter Freund. Man hat ein „Ich kenne dich, aber erzähl bitte noch mehr von dir“-Gefühl. Und auch wenn beim Tod Jesu zu weinen ein bisschen ist wie am Ende von Titanic überrascht zu sein, dass das Schiff untergeht – die Tränchen verdrücken konnte ich mir trotzdem nur schwer. Man sollte nur seinen Glauben nicht ganz so verbissen sehen. Aber vielleicht auch nicht zu locker, damit man auch alle Anspielungen versteht.

Die Geschichte wurde an genau den richtigen Stellen gekürzt, nämlich an denen, die ich beim Lesen zu langatmig fand. So hat das Hörbuch fast noch mehr Tempo als sein Pendant in Wort und Schrift. Und ich l-i-e-b-e Simon Jäger. Wirklich. Der traut sich was. Keine falsche Scham, einfach raus damit. Die vielen berühmten Männer, die er synchronisiert hat – die hab ich jetzt nicht so rausgehört, aber das tu ich ja nie. Aber die Stimme ist trotzdem einzigartig, der Elan pustet mich weg. Ich bin ganz sprachlos.

Wie wäre es also jetzt, zu Pfingsten, mal mit ein wenig Religion in unterhaltsamer Form?

|Rezensionen| Michelle Zink „Die Prophezeiung der Schwestern“ Hörbuch

|Rezensionen| Michelle Zink „Die Prophezeiung der Schwestern“ Hörbuch

Die Prophezeiung der Schwestern #1

OT: The Prophecy of the Sisters

Michelle Zink @ MichelleZinkBooks

Random House Audio (2009)

7h 39 min gekürzte Lesung, 24,95 €

Inhalt

Nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters erfährt Lia, dass sie und ihre Zwillingsschwester Alice Teil einer uralten Prophezeiung sind. Samael, der gefallene Engel, droht, aus der Anderwelt zurückzukehren – und eine der beiden Schwestern ist der Schlüssel zu dieser Rückkehr. Wider Erwarten ist Lia selbst, nicht etwa die berechnende Alice, das „Tor“ für Samael. Alice ist die Rolle des Wächters zugedacht. Doch die setzt alles daran, dass Samael von Lia Besitz ergreift…

Meinung

Lia und Alice sind Zwillingsschwestern. Nach dem Tod ihres Vaters sind sie nun auf ihre Tante angewiesen, die sich um sie und ihren Bruder kümmert. Kurz darauf entdeckt Lia an ihrem Handgelenk ein Zeichen und muss erfahren, dass sie Teil einer Prophezeiung ist, an der auch ihre Schwester Alice beteiligt ist. Lia muss versuchen, mehr über ihr Schicksal zu erfahren, bevor es zu spät ist.

Lia und Alice sind typische Buch-Zwillinge. Sie sehen zwar gleich aus, sind aber unterschiedlich wie Tag und Nacht. Alice ist selbstbewusst, intrigant und wissbegierig, während Lia Schule für unnötig hält, mit Weichspüler gewaschen wurde und eigentlich auf eine Zukunft als Heimchen am Herd hofft. Das ist für das 18. Jahrhundert zwar nicht neu, aber mir persönlich wäre Alice als Protagonistin lieber gewesen. Dann wäre der Unterton des Buches wahrscheinlich nicht so jammerig wie er eben ist. Die restlichen Charaktere wie Luisa und Sonia, die ja eigentlich relativ wichtige Rollen spielen, sind irgendwie nichtssagend. Sie sind halt eben da und geben hie und da mal ihren Senf dazu.

„Die Prophezeiung der Schwestern“ geht eigentlich relativ spannend los, denn nach dem Tod ihres Vater ist vor allem Alice sehr wankelmütig, mal liebevoll zu Lia, mal richtig hinterhältig. Sie macht geheimnisvolle Andeutungen und schleicht sich heimlich in das Zimmer, in dem ihr Vater gestorben ist, um dort mit unsichtbaren Stimmen zu reden. Und dann beginnt Lia zu recherchieren – und zu recherchieren und zu recherchieren und… na, ihr versteht. Dabei schleppt sie ihre Freundinnen Luisa und Sonia mit, die das selbe seltsame Zeichen am Handgelenk besitzen. So wandern die drei von einer Person, die ein Stückchen Information hat, zur nächsten, die das nächste Puzzleteil an Wissen hat, welche sie wiederum zur nächsten Informationsstelle schickt. Zwischendrin bekommt Lia von ihrer Tante Virginia Wissen zugesteckt, bei dem ich mich gefragt habe: Wieso setzen sich beide nicht einfach mal hin und reden länger als 5 Minuten, dann wäre die Sache gegessen. Das Buch aber dann auch. Zwickmühle. Oder sie hätte mich fragen sollen, ich habe die Prophezeiung nämlich in Windeseile durchschaut. Liegt wohl daran, dass ich Schule nicht blöde finde. Oder dass sie einfach so Standard war.

Ein Manko, an dem ich ja gerne herumzumäkeln habe, ist die Übersetzung. So hin und wieder ist mir beim Hören ein Wort sauer aufgestoßen, das ich so noch nie gehört habe. Aber am allerschlimmsten fand ich die Übersetzung der Prophezeiung direkt (und diese Übersetzung bekommt man sehr oft zu hören bei der vielen Herumrecherchiererei.).:

In Krieg und Eintracht erduldete die Menschheit ihr Schicksal. Bis die Wächter kamen, die Frauen der Menschen zu Gemahlinnen und Geliebten nahmen und sich so seinen Zorn zuzogen. Zwei Schwestern, erschaffen in demselben wirbelnden Ozean. Die eine der Wächter, die andere das Tor. Die eine Hüterin des Friedens, die andere Hexenkraft für Hingabe eintauschend.

Man muss ja nicht jedes Partizip wörtlich übersetzen. Einfach nicht schön.

Das ganze kann man der Leserin des Hörbuchs aber nicht anlasten, die macht ihre Sache wirklich gut. Tanja Geke hat eine angenehme Stimme, die sie auf alle möglichen Arten verstellen kann und sich allgemein wirklich Mühe gibt, dem Buch Leben einzuhauchen.

Insgesamt klingt das nun wohl schlimmer als es war. Für Einsteiger und Leser jüngeren Alters mag „Die Prophezeiung der Schwestern“ ja auch ein unterhaltsames Buch sein. Für mich war das aber ein Fall von „Alles schonmal da gewesen“ gepaart mit öder Protagonistin. Wer es trotzdem probieren will: „Die Prophezeiung der Schwestern“ gibt es hier bei Audible.de.