|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer: Vertraue niemandem“

|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer: Vertraue niemandem“

Reihe: Sternensaga Band: 2

Knaur (3. Dez 2012) – 432 Seiten – ISBN 978-3-426-65327-2 – 16,99 € Hardcover

Klappentext

Aus der Reise des Raumschiffs Empyrean zu einem weit entfernten Planeten ist ein Kampf um Leben und Tod geworden: Kieran ringt mit der Verantwortung, die als neuer Kommandant auf seinen Schultern lastet; Waverley muss alles daransetzen, ihre entführten Eltern zu befreien; und Seth, der in einer Arrestzelle eingesperrt ist, ahnt als Einziger, dass es einen blinden Passagier an Bord gibt, der nicht eher ruhen wird, bis er die Empyrean vernichtet hat …

Meine Meinung

Vom  ersten Teil der Sternensaga war ich nicht unbedingt überwältig – zuerst war es mir ein wenig zu Godspeed-ähnlich und dann ging mir die Hauptfigur Kieran so auf die Nerven, dass ich seine Stellen irgendwann überflogen habe. Dennoch wollte ich am Ende doch wissen, wie es weitergeht.

Oft sind zweite Bände Lückenfüller, in denen irgendwie nichts passiert, und das auf 300 Seiten. In diesem Fall ist Band 2 jedoch wesentlich spannender als der Serienauftakt selbst und überblättert habe ich diesmal keine einzige Seite. Probleme hatte ich immer noch mit dem Schreibstil. Von poetisch oder fließend kann hier nicht die Rede sein, eher von direkt und abgehackt. Mir hat so die eine oder andere Stelle gefehlt, in der man die Stimmung richtig mitfühlen konnte, weil einem das Geschehen so faktenmäßig hingeknallt wird.

Während im ersten Band Kieran, Seth und Waverly getrennt waren, befinden sie sich nun alle drei wieder auf demselben Schiff. Zwar wird immer noch aus den drei verschiedenen Sichten erzählt, insgesamt verbindet sich die Story aber viel besser, weil man nicht zwei komplett getrennte Handlungen hat, denen man folgen muss und dementsprechend auch aus der Erzählung gerissen wurde. Dadurch, dass man nicht durchweg den Gedankengängen eines einzelnen Protagonisten folgt, ist man von deren Verhalten sogar oftmals überrascht. Kieran ist und bleibt ein unerträglicher Mensch und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand seine Figur mag, was sicher auch so beabsichtigt ist. Doch auch Waverlys Verhalten wird in diesem Buch immer extremer – in ihren Bemühungen, gegen Kieran zu arbeiten und ihn vom Thron zu stoßen, wird sie immer mehr wie er selbst. Schön fand ich, dass man mehr von Seth zu hören bekommt, der aus seinem Verhalten gelernt zu haben scheint. Trotzdem habe ich den Figuren außer mäßiger Sympathie oder extremer Abneigung keine Gefühle entgegenbringen können – leider eben eine Begleiterscheinung des Schreibstils.

Mit dem Magen des Lesers wird erneut nicht zimperlich umgegangen, da übergeben sich Menschen, pinkeln sich vor Angst in die Hose oder ähnliches – wer hier empfindlich ist, der wird wohl nicht immer seine Freude mit dem Buch haben. Wenn man darüber aber hinwegsehen kann, bekommt man mit diesem Buch eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger übertrifft.

|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer“

|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer“

Reihe: Sternen-Saga Band: 1

PAN (1. Mär 2012) – 432 Seiten – 16,99 € – Hardcover

Die Geschichte

Die 15-jährige Waverly gehört zu den ersten Kindern, die an Bord des Sternenschiffes Empyrean geboren wurden. Jedermann erwartet, dass sie bald ihren Freund Kieran heiraten wird, um eine Familie zu gründen und das Überleben der Menschheit auf der langen Reise zu einem fernen Planeten zu sichern. Waverly liebt Kieran sehr – aber ist sie trotzdem schon bereit, so früh diesen entscheidenden Schritt zu gehen? Das friedliche Leben endet dramatisch, als wie aus dem Nichts das lange verschollen geglaubte Schwesterschiff angreift, die Erwachsenen tötet und alle Mädchen entführt. Während Kieran auf der schwer beschädigten Emphyrean um sein Überleben kämpft, muss Waverly viele Lichtjahre entfernt alles daransetzen, zu ihm zurückkehren zu können …

Meine Meinung

Das Weltall ist nicht aus Atomen zusammengesetzt, sondern aus Geschichten.

[Unbekannt]

Zuerst hatte ich befürchtet, Sternenfeuer wäre ein Abklatsch von Across the Universe und auch auf den ersten Seiten schien sich diese Befürchtung zu bewahrheiten. Doch dann steuerte das Buch in eine völlig andere Richtung – ob das nun direkt gut war, ist die Frage.

Die Grundidee ist tatsächlich sehr ähnlich. Die Erde ist ein sehr ungemütlicher Ort geworden und es wurden Menschen ausgesucht, die sich nun mit zwei Raumschiffen zu dem Planeten „New Earth“ (nicht sehr kreativ, muss ich hier mal anmerken) aufgemacht haben. Die Protagonisten Kieran und Waverly sind die zweite Generation auf der Empyrean. Beide lieben sich, sprechen von Hochzeit und Kindern.

Hier hatte ich schon meine ersten Probleme. Natürlich sind die Vorgänge auf beiden Schiffen keine, die man als vorbildlich bezeichnen würde. Der Leser soll kritisch an  diese Aspekte herangehen. Aber diese extreme Beeinflussbarkeit von Kieran hat mich tierisch genervt. Während Waverly Heirat und Kinderwunsch mit 15 für völlig übertrieben hält, findet Kieran es total logisch, dass sie für das Weiterleben ihrer Rasse sorgen sollten und das bitte jetzt sofort. Und das nur, weil der Kapitän des Schiffes das für Erstrebsam hält. So einfach schlucke ich das nicht, tut mir leid. Zwischen der Generation hier auf der Erde und der auf dem Raumschiff liegt nur eine Generation und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die kritische Einstellung gegenüber Teenagerschwangerschaften und Co. ruckzuck ändern kann. Kieran lässt sich für mich viel zu leicht Meinungen aufdrängen. Und trotzdem wird er als der rechtmäßige Nachfolger des Kapitäns angesehen – er ist der Gute, immer. Dabei hat er von Tuten und Blasen keine Ahnung und ist komplett überfordert, als das Raumschiff bei der Entführung der Mädchen beschädigt wird. Doch anstatt sich Hilfe zu suchen oder einzusehen, dass er vielleicht doch noch nicht ausgebildet genug ist, klammert er sich stur an seine Position. Auf der anderen Seite ist das Seth, der dieselbe Begabung wie Kieran besitzt, ein Schiff zu leiten – außer der, dem Kapitän genug Honig ums Mäulchen zu schmieren. Seth hätte eine wirklich vielschichtige Person sein können, wenn er nicht in Turbogeschwindigkeit von vernünftig zu total psycho gerutscht wäre. Kieran , Seth und ihre Streitereien haben mich streckenweise so genervt, dass ich deren Buchteile quergelesen habe, um meinen Blutdruck niedrig zu halten. Ich habe nie ganz verstanden, wie man sich mit solchen Machtspielchen aufhalten kann, während Menschen sterben!

Waverly hingegen mochte ich sehr gerne und empfand die Teile, in denen sie im Fokus stand, auch wesentlich spannender. Während sich Kieran und Seth auf hohem Gewaltniveau kindergekabbelt haben, hat Waverly ihre Rettung alleine in die Hand genommen und ihre Umgebung zum Nachdenken gebracht. Ihre Beziehung zu Amanda, zu den anderen Mädchen und zu Anne Mather war geprägt von Zweifeln und Vertrauen und was mit ihr auf der New Horizon gemacht wurde, hat mich innerlich richtig wütend gemacht. Vom mir aus hätte das ganze Buch von ihr handeln können.

Insgesamt hatte ich aber bei keinem der Protagonisten das Bild eines Jugendlichen vor mir, sondern erwachsene Mensch, was daran lag, dass sie so geredet und gehandelt haben wie Erwachsene, während die Erwachsenen vor allem auf der New Horizon sich oft benommen haben wie kleine Kinder. Die Jungen, die nach der Entführung der Mädchen auf der Empyrean zurückbleiben, übernehmen zum Beispiel eigenständig das gesamte Schiff und denken automatisch an alle Aspekte, die ihr Überleben sichern. Dabei sind Kieran und Seth mit gerade mal 16 die Ältesten unter ihnen. Zwar gibt es genug Geschichten, in denen Kinder es schaffen, eigene Gesellschaftsstrukturen zu schaffen, um ihr Überleben zu sichern, aber die komplizierte Technik eines Raumschiffes einfach so zu übernehmen ist mir eine Stufe zu viel Selbstständigkeit für im Schnitt Zehnjährige.

Was mich letztendlich  jedoch komplett irritiert hat, war, dass Religion mit ins Spiel gebracht wurde. Was will die Autorin damit sagen? Dass Kirchen an sich und ihre Mitglieder im speziellen nicht vertrauenswürdig sind? Dass gläubig zu sein eine ganze Menge blinden Gehorsams und noch mehr Dummheit erfordert? Ich bin tatsächlich kein übergläubiger Mensch und doppelt kein Kirchgänger, aber das hat mir wirklich sauer aufgestoßen.  Ich finde es nicht toll, wenn mir jemand durch ein Buch erzählen will, dass ich doch an Gott glauben muss. Genauso wenig mag ich es aber, wenn mir jemand ungefragt das Gegenteil aufs Auge drücken möchte. Das wäre sicher auch anders gegangen.

Insgesamt war Sternenfeuer ein interessantes Buch, aber keines, dessen Protagonisten mich vom Hocker gehauen hätten. Dabei ist die Grundidee wirklich gut und die Reihe es sicher auch wert, weiter verfolgt zu werden. Vielleicht bekommt wenigstens Seth noch die Kurve, ein Charakter zu werden, den man mögen kann.