|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

messebluesDie Frankfurter Buchmesse ist vorbei und auch wenn ich mich von meinem Halle 3.0-Trauma von Samstag noch erholen muss, bin ich doch wehmütig ob der vielen vielen Menschen, die ich nur zu solchen Gelegenheiten sehen kann, was eindeutig viel zu selten ist.

Da hatten Stehlblüten und BookWalk doch eine ganz wunderbare Idee: eine Lesechallenge, an der möglichst viele tolle Buchmenschen teilnehmen.

Die Aufgaben

  • Lies ein Buch, das sich schon mehr als ein Jahr auf dem SuB befindet.
  • Beende eine angefangene Reihe.
  • Lies einen Einzelband.
  • Lies ein Buch, dessen Genre du sonst nicht so oft liest.
  • Lies ein Buch mit über 500 Seiten.
  • Lies ein Buch, das du dir nicht selbst gekauft hast.
  • Lies ein Buch, das du aufgrund einer Rezension/eines Bookstagram-Posts gekauft hast.
  • Lies ein Buch, dessen Titel nur aus einem Wort besteht.
  • Lies ein Buch von einem Autor, den du noch nicht kennst.
  • Lies ein Buch von einem Autor, von dem du am meisten Bücher im Regal hast.
  • Liest ein Buch mit einem gelben oder orangen Cover.
  • Lies ein fremdsprachiges Buch.

Diesen Beitrag werde ich zu passenden Gelegenheiten updaten und wieder nach oben kramen.

|Einfach mal erzählt| Der Vielleser – das anspruchsvolle Wesen?

|Einfach mal erzählt| Der Vielleser – das anspruchsvolle Wesen?

Auf mehreren Veranstaltungen ist es mir schon aufgefallen – wir Blogger werden nicht als „der typische Leser“ angesehen. Bestimmte Kritikpunkte wie sich wiederholende Plots, eher oberflächlich beschriebene Liebesbeziehungen und Co werden damit erklärt, dass es Viellesern ja auch viel mehr auffallen würde, dass wir kritischer wären als normale Leser.

Mit einer Lesestatistik zwischen 50 und 90 Büchern im Jahr seitdem ich 6 bin – mit hormonell bedingter Frühteenagerabstinenz – ist es natürlich schwer, noch Geschichten zu finden, die ich so oder so ähnlich nicht schon einmal gelesen habe. Und es ist tatsächlich so, dass ich bei Rereads aus meiner Jugend mittlerweile eher schreiend die Flucht ergreifen würde. Ich stehe ja immer noch dazu, dass mich Twilight einst sehr begeistert und süchtig gemacht hat, würde es heute aber wohl nicht mehr mit der Beißzange anfassen. Es gibt so viel, dass ich mittlerweile nur schwer bis gar nicht mehr ertragen kann: Instantlove, erzwungene Dreiecksbeziehungen, durchschaubare Enden, miese Recherche, lieblos ausgearbeitete Charaktere. Unnatürlich lange Wimpern bei Männern, das schiefe Lächeln und das hübsche Mädchen, das sich aber selbst gaaanz dooolll blöd findet – wenn meine Augen in den Hinterkopf rollen könnten, sie würden es tun. Aber das ist wohl tatsächlich mein persönliches Problem – jemand, der wesentlich weniger liest, der hat das Gefühl dieses ewigen Deja-Vus nicht.

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Viel zu lesen hat mich aber auch dazu gebracht, kritischer auf das zu blicken, das ich lese. Diversität ist hier nur ein Stichpunkt. Korrekte Repräsentation eine anderes. Aber auch die Art, wie Beziehungen dargestellt werden oder wie das Bild von Frauen gezeichnet wird, stößt mir immer öfter sauer auf. Vielleicht liegt es auch daran, dass man mit der Zeit ja auch älter wird, aber Alter schützt ja auch nicht immer vor Dummheit. Jemand, der wenig liest, wird sich vielleicht nicht fragen, wieso eigentlich alle Protagonisten weiß sind. Wo zum Teufel die ganzen behinderten, farbigen oder Charaktere mit verschiedenen Sexualitäten oder Migrationshintergrund sind. Zumindest nicht, wenn er nicht selbst dazu zählt. Wieso manche sich wiederholende Handlungsstränge nicht romantisch sind, sondern das Gegenteil.

Der süße Typ behandelt sich wie Dreck – na klar liebt er dich, aber er ist einfach auch ein psychisch gebrochenes Wrack, das unter seiner miesen Vergangenheit leidet? Klar nimmst du das dann hin. Du leidest unter einer schweren Depression, aber dann kommt da dieser andere Mensch, in den du dich verliebst – tada, du bist geheilt. Liebe heilt nämlich alles. Und eine Vergewaltigung gehört einfach dazu, um eine richtig vollwertige persönliche Entwicklung durchmachen zu können. Übrigens bist du auch nur ein unabhängiges Mädchen, wenn du so ganz anders bist als andere.

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Ist es nicht unsere Aufgabe, als Leser überhaupt, eine Rückmeldung darüber zu geben, was gar nicht geht? Und ist es nicht unsere Aufgabe als Vielleser, vor allem als Rezensent, darauf hinzuweisen, dass das viel zu oft verwendet wird, um noch irgendwie akzeptabel zu sein? Muss ich mich mit dem Satz „Dir als Vielleser fällt das auf, aber anderen nicht.“ immer praktisch mundtot machen lassen? Es ist doch ein Unterschied, ob ich eine Storyline doof finde, weil ich sie zu oft gelesen habe, oder ob ich sie doof finde, weil die Botschaft dahinter grenzwertigen Charakter hat.

Denn auch wenn ich nicht viel lese – ein Buch hat Einfluss auf mich. Vielleicht leide ich selbst unter einer psychischen Krankheit, vielleicht verliere ich mich selbst in dem Gedanken, dass es doch verdammt nochmal besser werden müsste, jetzt wo ich einen Partner habe. In den Büchern ist das doch auch so! Ich fühle mich mies damit, wie mein Partner mit mir umgeht, aber der Arme hat ja so eine schwere Vergangenheit? In den Büchern ist das auch akzeptabel, dann wird das schon so richtig sein und ich muss das verzeihen… Beispiele dieser Art gibt es sicher unzählige.

Ich lese viel – und dabei lese ich auch viel unüberlegten Kram, vieles, das dringend laut kritisiert werden muss. Vielleicht fällt es mir auf, weil es sich immer und immer und immer wiederholt. Aber gerade deshalb, weil es so normal zu sein scheint, gerade deshalb – und nicht trotz dessen – muss ich es ansprechen.

Was meint ihr dazu?

|Rezension| Angela Mohr „Ada“

|Rezension| Angela Mohr „Ada“

ada

Arena * 13.07.2015  *  ISBN 978-3-401-60112-0

HC 14,99 €  * eBook 11,99 € * Autorin * Leseprobe

Klappentext

Ohne das Dorf gibt es kein Überleben. Draußen lauert das Verderben, und nur im Dorf bist du sicher. Das ist es, woran Ada glaubt – bis Luca auftaucht und alles in Frage stellt. Von ihm erfährt Ada: Ihr totgeglaubter Bruder Kassian lebt! Zusammen mit Luca bricht sie jede Regel, die das Dorf jemals aufgestellt hat. Schließlich geht Ada bis zum Äußersten: Sie flieht aus der Gemeinschaft. Sie will ihren Bruder finden. Doch erträgt sie die Wahrheit, die sie jenseits des Dorfes erwartet?

Meinung

Viele Problemliteratur für Jugendliche ist mir ja zu oberflächlich, schlecht recherchiert oder einfach so gefühllos herübergebracht, dass es mich innerlich schrecklich davor gruselt. Deswegen freut es mich umso mehr, wenn ich auf solche Perlen wie „Ada“ stoße.

Von schlechter Recherche kann man hier schon gar nicht sprechen, denn dieses Buch war ein Herzensprojekt der Autorin, in das sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen konnte, denn sie selbst verbrachte ihre Kindheit und Jugend in einer christlichen Sekte. Dass sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn man erkennen muss, dass man angelogen wurde und wie sehr einem das den Boden unter den Füßen wegreißt, wird an Ada sehr deutlich. Einen Großteil des Buches geht es tatsächlich darum, wie das junge Mädchen mit seinen Selbstzweifeln, seinen Sehnsüchten und seinem Glauben kämpft und wie schwer es ihm fällt, damit klar zu kommen, dass die, denen es vertraut hat, ihm nichts Gutes wollten.

Luca hingegen zeigt deutlich, wie es passieren kann, dass jemand von außen in eine Sekte geraten kann. Er selbst ist durch seinen gewalttätigen Vater zwar von Grund auf misstrauisch, doch auch er kann sich nicht helfen und die positiven Seiten des abgeschiedenen Lebens der Dorfgemeinschaft genießen. Vielmehr ist es Ada und die Art, wie die anderen mit ihr umgehen, was ihm am deutlichsten zeigt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vorgeht. Seine Mutter hingegen, die bis dato weder Halt noch Hoffnung gekannt hat, fügt sich in die Sekte ein und fühlt sich dabei so glücklich wie schon seit Jahren nicht mehr.

Einerseits fand ich die beiden Erzählperspektiven von Luca und Ada sehr interessant, weil man Szenen oft aus zwei Blickwinkeln sieht und erkennt, wie unterschiedlich das Leben im Dorf aufgefasst wird. Sicher hätte ich aber auch die ursprünglich angedachte Version, nur Ada zu Wort kommen zu lassen, gerne gelesen, weil man so sicher noch mehr Eindruck davon erhalten hätte, wie logisch für Ada war, dass ihre Art zu leben und die Geschichten der Ältesten die einzige Wahrheit darstellen. Auch Liz – selbst, wenn sie einem anfangs wohl wirklich unheimlich unsympathisch sein wird – bringt noch einmal eine ganz neue Sichtweise ein, weil sie das komplette Gegenteil von Ada ist und ihrer eigenen Welt zuerst ebenso unkritisch gegenübersteht wie Ada ihrem Dorf.

Angela Mohr hat eine sehr unaufgesetzte, aber gleichzeitig ausdrucksstarke Art zu schreiben, die einem das Geschehen deutlich vor Augen treten lässt. Ich habe mit Ada und Luca gezittert bis zuletzt.

Fazit

Ein leider viel zu unbeachtetes Buch, das mich noch Tage lang weiter verfolgt hat.

diversity inside

|Eins nach dem Anderen| Pro und Contra Buchkaufverbot

|Eins nach dem Anderen| Pro und Contra Buchkaufverbot

Früher, also so ganz früher, als ich noch keinen Blog hatte, da betrug mein SUB die stolze Zahl von 1. Genau. Ein Buch auf Vorrat, wenn ich das aktuelle fertig gelesen hatte. Manchmal gab es auch eine Höhe von 0. Dann gab es eben einen Re-Read.

Dann kam der Blog, mit dem Blog das Stöbern auf anderen Blogs, die Wunschliste, Rezensionsexemplare, Tauschticket, Tauschgruppen, Impulskäufe – und jetzt stehe ich da und zähle meinen SUB schon gar nicht mehr. Das wäre eher ungut für meine Gesundheit (Nerven, Herz und Co.).

Mit den hohen SUB kam dann auch das Buchkaufverbot – die erste Aktion dazu hieß „6 Wochen buchkauffrei“ und die habe ich mehrmals gemeinsam mit anderen Bloggern bestritten. Das war sogar richtig spaßig und motivierend. Aber schon lange herrscht hier im Hause Umblättern kein Buchkaufverbot mehr. Warum eigentlich?

Kontra Buchkaufverbot

  • Ich gebe zu – ich bin ein Frustkäufer. Wenn ich miese Laune habe, stöbere ich in Büchern. Wenn ich ganz miese Laune habe, kaufe ich Bücher. Das kann nichts ersetzen – Klamotten frustrieren mich dann, wenn ich merke, dass der Platz im Kleiderschrank dafür zu eng ist, mit dem Essen stehe ich sowieso irgendwie grundsätzlich auf dem Kriegsfuß, Deko muss ich zum Putzen nur aus dem Weg räumen. Überfüllte Bücherregale machen mir dabei eher weniger aus, vor allem, weil ich regelmäßig aussortiere.
  • Buchpost ist die schönste Post. Nicht umsonst schaue ich gerne Unpackingvideos an, bei denen Blogger sich dabei filmen, wie sie Amazonpäckchen aufreißen – dieses befriedigende Ratschen und der neugierige Blick hinter die Pappverpackung. Noch besser, wenn man das dann live erlebt.
  • Meist ist ein Buchkaufverbot ja auch nicht weitreichend genug. Auf den SUB wandern ja auch erst einmal Rezensionsexemplare (möglichst nicht zu lange), Überraschungsverlagspost und Geschenke. Auch Tauschen hat dafür gesorgt, dass mein SUB nicht weiter schrumpft. Wenn schon, denn schon ein Bucherhaltverbot, oder?

Pro Buchkaufverbot

  • Ich bin ein Frustkäufer. Ja, das stand auch schon auf der Kontraliste. Oft landen aber die Bücher, die ich aus Frust gekauft habe, dann auf dem SUB und versauern da im schlimmsten Fall, weil ich nicht dazu komme, sie zu lesen. Wenn das Geld dann eh nicht so locker sitzt, hat man unnötige Ausgaben fabriziert, im schlimmsten Fall für Bücher, die ich dann doch ungelesen wieder weitergebe.
  • Der Geist ist oft auch nicht williger als das schwache Fleisch – Mängelexemplarverkäufe, Rabattgutscheine, Rezensionsexemplarangebote. Und schon bekommt man mehr Bücher, als man in einem halben Jahr weglesen kann. Sind wir realistisch, dann haben wir doch mehr Alltagspflichten als Lesezeit. Am schlimmsten ist das natürlich bei Rezensionsexemplaren. Die liegen gleichzeitig auf dem SUB und dem Gewissen, denn schließlich sollte man sie ja gleich besprechen und nicht erst in ein paar Monaten. Und spätestens wenn der SUB auf die Stimmung schlägt, sollte man etwas dagegen tun.
  • Man spart zweifellos eine Menge Geld.
  • Keine neuen Bücher zu kaufen gibt den SUB-Leichen eine Chance, auch gelesen zu werden. Wenn man sich nicht immer im Zwang sieht, das allerneuste gekaufte Buch zu lesen, entdeckt man vielleicht einen Schatz, den man schon längst nach dem Erwerb wieder verdrängt hat.

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Ein Buchkaufverbot oder gar Bucherwerbsverbot kommt für mich momentan nicht in Frage. Tatsächlich habe ich mir aber überlegt, dass ich gerne bewusster mit meinen Buchneuzugängen umgehen würde. Das bedeutet für mich:

Ab heute darf ich ein Buch nur dann kaufen, tauschen oder anfragen, wenn ich es sofort lesen kann und werde. Und das Ganze von heute ab ein ganzes Jahr lang. (Geschenke und Überraschungspost ausgenommen, für die kann ich ja nichts. Zwinkerzwinker.)

|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

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Arena * 01.07.2016  *  ISBN 978-3-401-60216-5

HC 16,99 €  * eBook 13,99 € * Autorin

Klappentext

Durch die Heirat ihrer Mutter mit dem Grafen Frederik von Raben zieht Pippa in ein prächtiges Schloss nach Dänemark. Doch ihre neue Familie birgt ein Geheimnis, das immer mehr Besitz von Pippa ergreift. Seltsame Dinge geschehen und bald weiß sie nicht mehr, was real ist und was nicht. Bei einem Ball begegnet Pippa ihrem verwirrend attraktiven Stiefbruder Niels. Beide kommen sich schnell näher, doch auch Niels scheint nicht ganz ehrlich zu sein. Als Pippa klar wird, welche Mächte in Schloss Ravensholm lauern, muss sie alles aufs Spiel setzen, um die zu retten, die sie liebt …

Meinung

Eines vorweg: Wer mit Glimmernächte eine abgeänderte Version von Titeln wie Selection und Das Juwel erwartet, der liegt trotz des ähnlichen (und durchaus ansehnlichen) Covers weit daneben. Denn hier geht es mehr um Verschwörungen mit einem Hauch von Übersinnlichem.

Zu Beginn des Buches dachte ich ja, die Geschichte würde in eine ganz andere Richtung gehen, als sie es dann letztendlich tat: es wurde so viel über nordische Mythologie gesprochen, über Runen etc, dass ich mich schon richtig darauf gefreut hatte, eine moderne Version der nordischen Götter zu treffen. Das ist wohl meiner leichten Besessenheit für diese Mythologie geschuldet – ich wollte das auch unbedingt so sehen und habe schon fleißig herumgerätselt, was da nun wohl auf wessen göttlichen Mist gewachsen war. Spoiler: Als die Story dann in Richtung Geheimbünde gekippt ist, war ich sogar richtiggehend enttäuscht – menno. Persönlich weiß ich auch so wenig über diesen Geheimbund, dass ich mir gar kein richtiges Urteil darüber erlauben möchte, ob die beiden Themen jetzt so richtig vereinbar waren. Irgendwie hat es sich aber nicht stimmig angefühlt.

Davon abgesehen fand ich es aber sehr spannend zu beobachten, wie Pippa versucht, hinter die seltsamen Vorkommnisse im Schloss zu kommen und langsam, aber sicher an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Noch einmal zur Verwirrung tragen die eingeschobenen Erinnerungen einer unbekannten Person bei. Ich hatte mehrere wilde Theorien, was genau los war, auch wenn ich schon früh einen Verdacht hatte, wer es nicht gut mit Pippa meint. Sicher, wie das funktioniert, war ich aber lange nicht.

Ganz schön gestört hat mich die Instantlove von Pippa und Niels. Ja, Niels ist gutaussehend und sagt lauter tolle, ganz schnulzige Dinge zu ihr, ist aber auf der anderen Seite auch a) anfangs einfach echt mies zu ihr, b) angeblich verrückt und hat sogar einen Betreuer und c) eigentlich fast nie da. Ich hätte es besser gefunden, wenn beide mehr Zeit miteinander verbracht hätten, damit Pippas Vertrauen in ihn berechtigter gewesen wäre.

Einerseits war ich also ganz schön begeistert von Glimmernächte – ich fand es spannend, die Mythologie hat mich begeistert, auf lange Strecke war es für mich auch ziemlich undurchsichtig, was passiert ist. Und am allerbesten: Man musste sich auch zum Schluss, als man wusste, was wirklich los war, noch alle Ungereimtheiten selbst aufdröseln. Ich hasse ja nichts so sehr wie: So, nun sind wir am Ende, also erkläre ich dir dummen Leser jetzt nochmal lang und breit, was wirklich passiert ist. Der Themenwechsel und die Beziehung zwischen Niels und Pippa waren für mich aber leider ganz schöne Minuspunkte.

Fazit

Am Anfang noch mitreißend, hat mich der Themenwechsel persönlich sehr enttäuscht und die Instantlove der Protagonisten war auch nicht meins. Andererseits war es eine spannende, streckenweise gruselige Geschichte, die mich doch gepackt hat.

|Blogtour| Antonia und Verantwortung

|Blogtour| Antonia und Verantwortung

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Innerhalb eines Interviews für einen anderen Blog fiel einmal die Frage: Was würdest du Eltern raten, so aus Sicht einer Lehrerin. Unter anderem lautete die Antwort: Traut euren Kindern etwas zu. Übertragt ihnen Verantwortung.

Ordnung ist das halbe Leben

Die Zahl von Schülern, die vor einem Besen, vor dreckigem Geschirr oder einer Gießkanne stehen wie der Ochs vorm Berg und nicht wissen, wie das alles funktioniert, die kehren wie die Figuren in Comics, weil sie es anders nicht gelernt haben, lässt mich immer wieder verwundert zurück. Das macht die Mama, die Putzfrau, auf jeden Fall immer jemand anderes. Dabei ist das doch die einfachste Verantwortung, die man Kindern geben kann: die Mitverantwortung im Haushalt beim Thema Ordnung und Sauberkeit.

Was kann schon kaputt gehen, wenn mein Kind den Boden fegt, mal das Geschirr in die Spülmaschine räumt, Ordnung im eigenen Zimmer schafft, mit mir kocht? Eine Tasse? Ein Kratzer im Boden? Eine vertrocknete Zimmerpflanze? So what? Immerhin spare ich mir damit später die panischen Anrufe des gerade ausgezogenen, nun auf dem Papier erwachsenen Kindes, das nicht einmal weiß, wie man eine Waschmaschine bedient. Bei Antonia lief das dann bei den älteren Geschwistern doch eher schief und sie selbst ist die Einzige, die überhaupt Ordnung halten kann, was in Abwesenheit ihrer Eltern in Glasflaschenpyramiden in Flur und Rotweinflecken auf dem Sofa endet, weil man als 13-Jährige natürlich nicht allen Dreck wegräumen kann, den zwei Volljährige inklusive derer Freunde so hinterlassen.

Haustiere manchmal auch

Und wer von uns kennt sie nicht: die „Ich hätte gerne ein Haustier“-Argumentationskette, warum man (also wahlweise wir selbst oder nun unsere Kinder) prädestiniert ist, sich so richtig verantwortungsvoll um einen Hasen/eine Katze/einen Hund/eine Giraffe zu kümmern und man unbesorgt dieses Tier anschaffen könnte. Das klappt dann auch mal mehr, mal weniger gut. Wenn die Eltern Glück haben, halten sich die Kinder an ihre Versprechungen und kümmern sich rührend um ihre Haustiere. Wenn man Pech hat, latscht man selbst bei Regen mit dem Hund um die Straßenecken, während das Kind daheim im Warmen „Hausaufgaben macht“.

Antonia selbst hat wegen der Tierhaarallergie ihres Vaters keine eigenen Tiere. Nicht, dass sie es nicht versucht hätte. Seitdem ihr Nachbar mit dem alten und leicht übergewichtigen Hund Mr. Bond im Haus wohnt, hat sie aber adäquaten Ersatz gefunden – täglich geht sie nun auf ausgedehnte Spaziertouren mit dem Vierbeiner.

Wir sind füreinander da

Verantwortung ganz anderer Art haben wir für unsere Familie und Freunde – eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man sich hier in der Not unter die Arme greift. So wie Antonias Geschwister also auf sie aufpassen (oder ihr zumindest Smoothies und Tiefkühlpizza bereit stellen), während ihre Mutter ihren Vater in Ungarn unterstützt, kümmert sich Antonia selbst auch um die Gremlins – die beiden kleinen Zwillingsbrüder ihrer besten Freundin.

Gebt den Kindern mehr Verantwortung

Kinder wachsen daran, wenn sie selbst etwas in die Hand nehmen können. Sie lernen, sich selbst zurechtzufinden. Sie lernen, dass sie selbst etwas können, dass sie auch einmal allein klar kommen können, auch wenn sie es die meiste Zeit gar nicht müssen. Sie lernen, nicht nur auf sich zu sehen, sondern auch auf andere. Und sie lernen, dass sie sich auch auf andere verlassen können, wenn sie in Not sind. Lasst los, liebe Eltern. Das heißt nicht, dass ihr nicht weiterhin ein Auge darauf habt, was eure Kinder tun. Pfeift auf die blöde Kaffeetasse, die mal herunterfällt. Oder den angebrannten Topf. Das kann man alles neu kaufen. Den stolzen Blick eurer Kinder, wenn sie etwas allein geschafft haben, den liebevollen Umgang mit Mensch und Tier, den ihr beobachten könnt – das könnt ihr nicht kaufen.

antoniaAntonia kann es nicht fassen: Ihre Mutter will sie für ein halbes Jahr (also praktisch ewig) nach Ungarn verschleppen! Das geht gar nicht! Toni kann unmöglich ihre beste Freundin Paulina mit ihren Monsterzwillingsbrüdern alleinlassen. Außerdem muss sie auf Mr Bond aufpassen, den Hund ihres Nachbarn. Gerade erst hat sie in letzter Sekunde verhindert, dass er entführt wird. Was, wenn da dieselben Leute dahinterstecken, die dreizehn Papageien aus dem Zoo gestohlen haben? Wer soll die Tiere denn retten, wenn Toni nach Ungarn fährt? Damit ist die Sache klar: Um ihre Mutter zur Vernunft zu bringen, muss Toni der Tiermafia das Handwerk legen. Leider gerät sie dabei an ein paar ganz schön undurchsichtige Typen …

Gewinnspiel

Um zu gewinnen, müsst ihr aus allen Lösungsbuchstaben der Blogtour ein Wort zusammensetzen. Hier braucht ihr die letzten zwei Buchstaben des Lösungswortes:

Was sollten Kinder viel mehr übertragen bekommen?

|Blogprojekt| Otto de Kat

|Blogprojekt| Otto de Kat

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Autor, Kritiker, Verleger

otto-de-katDer 1946 in Rotterdam geborene Otto de Kat (eigentlich Jan Geurt Gaarlandt) arbeitete nach seinem Studium schon lange als Literaturkritiker, bevor er selbst begann zu schreiben. 1986 gründete er den Verlag Balans, der sich größtenteils auf Sachbücher konzentriert. Nach der Veröffentlichung eines Gedichtbandes legte er eine 22jährige Pause ein, bis 1998 sein Debütroman „Man in de verte“ (Mann in der Ferne) erschien. Es folgten „Sehnsucht nach Kapstadt“ und die Fortsetzungsromane „Julia“, „Eine Tochter in Berlin“ und „Die längste Nacht“. Durch all seine Werke zieht sich die Beschäftigung mit der Vergangenheit – der persönlichen und der historischen.

Zwei Lebensgeschichten in einem Band

Zu seinem siebzigsten Geburtstag und passend zur Frankfurter Buchmesse erschienen nun seine beiden ersten Bücher als Sammelband bei Schöffling.

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Übersetzer: Andreas Ecke

256 Seiten, gebunden mit Lesebändchen

20 €

ISBN: 978-3-89561-532-0

In „Mann in der Ferne“ zieht es einen Mann immer wieder in die Welt, wo er jedoch keine neuen Abenteuer und Erfahrungen findet, sondern seine Liebe zu seiner Heimat, die Sehnsucht nach seiner Vergangenheit in den Niederlanden und den Menschen, die er in seinem Leben zurückgelassen hat. Alles, was er sieht und erlebt, zieht seine Gedanken zurück zu den glücklichen Tagen seiner Jugend – ein  Theaterstück, das er mit Leidenschaft gespielt hat, ein Nachmittag auf dem zugefrorenen Fluss mit seinem Vater und Bruder, die aufregende erste Liebe. Viel geschieht nicht, Minuten ziehen sich, denn der Erzähler beobachtet alles um sich herum mit Genauigkeit. Er verliert sich in Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Vor allem Erinnerungen daran, wie er auf der Suche ist, verschiedene Länder bereist, schon damals immer auf der Suche nach etwas, das er selbst gar nicht greifen kann.

Sehnsucht nach Kapstadt“ spielt zwar ebenfalls vor einigen Jahrzehnten, trifft aber immer noch den Nerv heutiger Zeit – hier geht es um Abnabelung nicht nur von den Eltern, sondern auch vom alten Selbst, um das Reisen in die Ferne, um den eigenen Weg zu finden. Der Protagonist tut das mit einer auf den ersten Blick kaltschnäuzigen Vehemenz, bricht nicht nur die Zelte ab, sondern brennt sie gleich nieder, im Inneren aber dennoch irgendwie zerrissen. „Goldgräber in selbstgewählter Freiheit, frei von dem, was er gewesen war oder hätte werden sollen. Ein Jahr, zwei Jahre, fünf – untergetaucht, auf der Jagd, zeitlos, allein.“ Letztendlich landet der, der das vorgezeichnete Leben hinter sich lassen wollte, um Abenteurer zu werden, nur in einer andere, brutaleren Art eines fremdbestimmten Lebens im Krieg und in der Kriegsgefangenschaft, deren Erinnerung und Verluste er nie wieder loswird.

Poetisch und prägnant

Liest man Otto de Kat, erwarten einen bildgewaltige Lebensgeschichten und immer wieder die Beschäftigung mit dem zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig prägnant und poetisch braucht der Autor dafür nicht viele Seiten, um einen starken Eindruck zu vermitteln. Man erhält gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit und findet in den Protagonisten immer wieder Lebensgeschichten, die sich auch heute noch in ihren Wünschen und Emotionen, ihren Fehlern, Erfolgen und Konsequenzen wiederholen. Die Erzählweise in Fragmenten ist gewöhnungsbedürftig, jedoch passend – immerhin geht es immer um Erinnerungen, die sich selten wie ein einziger Film in unserem Kopf abspielen.

„In einem dünnen Buch muss alles stimmen.“ – Otto de Kat –