|Leserunde| Die Stadt der besonderen Kinder

|Leserunde| Die Stadt der besonderen Kinder

bucherparty

Fliegende Kinder, Kinder, in denen Bienen leben, Kinder, die stärker sind als jeder ausgewachsene Mann, eine Frau, die sich in einen Vogel verwandeln kann, Menschen, die in Zeitschleifen leben: das alles bietet Die Insel der besonderen Kinder. Egal, ob ihr den Film gesehen oder das Buch gelesen habt – ihr wollt doch sicher wissen, wie es weitergeht.

Deswegen wollen Dani und ich mit euch eine Leserunde starten: ab dem 2. Dezember wollen wir gemeinsam mit euch  Die Stadt der besonderen Kinder lesen und uns darüber austauschen. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr darauf, eure Meinung zu hören.

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 Mit Müh und Not konnten Jakob und die besonderen Kinder aus der Zeitschleife, der Insel Cairnholm, vor ihren Feinden fliehen. Nun sind sie im England der 1940er Jahre gestrandet, immer noch verfolgt und ohne Beistand von Miss Peregrine, die sich nicht mehr in ihre Menschengestalt verwandeln kann. Um Miss Peregrine zu retten, brauchen die Kinder eine andere Magierin. Gerüchteweise lebt eine in London, und so machen sie sich auf den gefährlichen Weg in die zerbombte Stadt. Dort angekommen, finden sie schließlich Miss Wren und glauben schon, gerettet zu sein. Doch ausgerechnet hier, in ihrer vermeintlichen Zuflucht, erwartet sie der größte Verrat.

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|Blogtour| #ichliebemeinenjob als Lehrerin

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jobblogtour

Oft finde ich es schwer zu erklären, warum ich die Schulart gewechselt habe, ohne das Gefühl zu haben, anderen Lehrern gewaltig auf die Zehen zu treten. Darum vorneweg: mein Wechsel zur Reformpädagogik war ein sehr persönlich motivierter, mindestens genauso persönlich motiviert wie überhaupt die Entscheidung, Lehrerin zu werden.

Meine Schulzeit war so großen Stücken für mich die Hölle. Mit dem Wechsel aufs Gymnasium ging es erstmal abwärts, Prüfungsangst und Mobbing waren für mich über lange Strecken an der Tagesordnung. Doch in dieser ganzen Zeit gab es immer diese besonderen Lehrer, sogar viele davon, die eine helfende Hand und ein ermutigendes Wort für mich übrig hatten, auch, wenn ich vieles davon erst im Rückblick erkenne – die Ermunterung zu Nachmittagskursen mit anderen Schülern außerhalb meiner Klasse, die pädagogische Note in der letzten Schulaufgabe, für die ich Stunden gelernt hatte, das aufmunternde Lächeln auf dem Gang, das Lob für gute Arbeit.

Be the person you needed when you were younger.

Danach wollte ich unterrichten. Mit idealistischen Vorstellungen bin ich ins Studium – ich hatte die Personen, die im richtigen Moment das richtige getan hatten, und wollte das auch. Ich dachte, ich hätte den richtigen Platz gefunden, mich weit über das Maß mit Schulpädagogik beschäftigt, war in dem Bereich sogar HiWi. Und dann kam das Referendariat….

Ich kenne niemanden, der je gesagt hätte, das Referendariat wäre die schönste Zeit seines Lebens gewesen. Ich habe vorher und auch später nie wieder so wenig geschlafen, so ineffektiv Unterricht vorbereitet, mich so oft zum Affen gemacht, so unmögliche Erwartungen an mich gestellt, so viel unnützes Geld für Material ausgegeben, mich noch nie so wenig respektiert und ernst genommen gefühlt (und das nicht von den Schülern!) wie in diesen zwei Jahren. Ich bin nie wieder so gegen Wände gelaufen in meinem Bemühen um meine Schüler, ich hatte nie wieder so das Gefühl, meine einzige Aufgabe wäre es, Noten aus Kinder herauszuquetschen, Wissen wie Wasser in Siebe zu kippen, mehr auf Lehrpläne und Notenschlüsse konzentriert zu sein als auf die Personen, die da vor mir saßen.

Das war nicht, was ich wollte! Ich war totunglücklich mit dem System.

Während sich in der darauffolgenden Jobsuche meine Kollegen herrlich über Waldorfvorurteile amüsierten, sah ich plötzlich einen Lichtstreif am Horizont. Ich habe eine offene Stelle gefunden, zwei Monate an meinem freien Tag hospitiert und schließlich dort angefangen. Ich habe eine eigene Klasse übernommen, nebenbei meine Waldorfausbildung nachgemacht. Das ist jetzt mehr als drei Jahre her.

Every student can learn. Just not on the same day or in the same way. [George Evans]

Nein, ich vergebe tatsächlich keine Noten. Meine Kinder können auch nicht sitzen bleiben. Sie lernen trotzdem. Wir können alle unseren Namen tanzen. Und noch eine ganze Menge mehr. Wir haben einen eigenen Acker angelegt und einen eigenen Kompost auf dem Schulgelände gemauert – mit unseren eigenen Händen. Wir spielen zweimal im Jahr Theater. Wir können alle mindestens ein Instrument spielen. Wir sind nicht dumm, wir sind keine Sonderschule. Ich arbeite mehr, als ich es im Referendariat getan habe. Und bin glücklich damit – zumindest die meiste Zeit. Wenn ich abends müde ins Bett falle, dann, weil ich das mit Herzblut machen kann, was ich von Anfang an wollte: meine Kinder individuell sehen, ihnen Zeit geben, sie nicht in Leistungsraster pressen. Für mich war diese Entscheidung die richtige.

Gestern berichtete Jessica von Testen mit Spaß übrigens von ihrem Job im Bereich Inkasso und morgen ist Manuela von Nikui Text und Rat an der Reihe.

|Behind the Screens| Ferienedition

|Behind the Screens| Ferienedition

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Nach der Buchmesse musste ich mich erst einmal erholen – nicht nur, dass ich mir wie viele andere auch einen Messevirus eingefangen habe, die letzte Schulwoche war auch mächtig stressig und zwischendrin musste ich meine Batterien aufladen. Ich liebe es, euch alle zu treffen, aber für mich introvertierte Person ist es gleichzeitig das Kräftezehrendste, das man sich vorstellen kann.

Wie war deine Woche?

Meine Woche war ein Auf und Ab und ich kann gar nicht sagen, was für mich gerade Vorrang hat. Einerseits hatte ich Ferien, hab aber nicht einmal einen Bruchteil dessen geschafft, was auf meiner To Do-Liste stand. Irgendwas lief ganz verquer und kann nicht festmachen, was es war. Wahrscheinlich, dass sich Ärger und Freude und Schock so schlagartig abgewechselt haben, dass alles jetzt ein großer Mischmasch in meinem Kopf ist. Dienstag war ich mit Dani im Kino, um die Freikarten für Die Insel der besonderen Kinder einzulösen. Zum Film gibt es noch einen extra Beitrag, aber Spoiler: Das war ja mal ganz anders als erwartet. Irgendwie kann ich nur mit einem Schulterzucken auf den Film zurückblicken.Danach haben wir beide festgestellt, dass wir die Folgeteile noch nicht gelesen haben und kamen auf die Idee, gemeinsam mit Knaur eine Leserunde dazu zu veranstalten. Im Rahmen der Bücherparty widmen wir uns also der Stadt der besonderen Kindern. Die Leseparty beginnt am 2. Dezember und es gibt natürlich etwas zu gewinnen. Genaueres erfahrt ihr noch.

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Mittwoch hatte ich ein Elterngespräch und bin danach bei einem Tattoostudio in der Nähe vorbeigefahren, weil ich dort einen Besprechungstermin hatte. Nachdem mich mein eigentliches Studio der Wahl mehrfach sitzenlassen hatte, hatte ich einfach die Nase voll, und glücklicherweise sehr spontan bei dem neuen Studio einen Termin bekommen. Weil es mein erstes Tattoo war, hatte ich echt Muffensausen, aber wurde sehr nett behandelt und durfte dem Tätowierer auch kurz über die Schulter sehen, zur Sicherheit. Noch spontaner bekam ich gleich am Donnerstag einen Termin und tada – das wird nicht mein letztes Tattoo sein. Trotz schwitziger Hände und Magengrummeln war es am Ende nämlich so gar nicht schlimm…

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Freitag kam dafür dann der richtige Schlag in die Magengrube, den wir jetzt erstmal verdauen müssen. Nachdem er jetzt das stolze Alter von 8 Jahren erreicht hatte, musste unser Tierarzt leider einen riesigen Tumor bei unserem Hund feststellen, der auch schon in alle Richtungen gestreut hat. Wir hoffen, dass wir es noch bis Weihnachten zusammen schaffen. Bis dahin gibt es nun statt Diätfutter und Schongang Verwöhnung pur. Wir können ihm den letzten Weg jetzt nur so angenehm wie möglich gestalten.

Welche zwei Bücher willst du bis Jahresende noch gelesen haben (und wieso)?

And I Darken liegt jetzt schon viel zu lange hier und muss immer zurückstecken, dabei wüsste ich gerne, was es mit dem Hype auf sich hat. Und die Uralte Metropole gehört für mich einfach in den Dezember. Bis auf Somnia habe ich alle Bücher verschlungen und geliebt.

Was war dein Wochenhighlight?

Zum einen der Staffelbeginn von Supernatural (Ja, ich bin hinterher und erst bei Staffel 11 und ich rolle mich innerlich unter Schmerzen auf dem Boden bei der unheimlich schlimmen Synchro, aber weil ich die Serie mit dem Herrn Umblättern ansehe, komme ich nicht drumrum…).

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Zum anderen bin ich viel zu spät über Welcome to the Show von Adam Lambert gestolpert und höre es seitdem in Dauerschleife. Ich würde mir ja ein Bein dafür ausreißen, ihn mal live zu sehen.

|Aktion| Der Lovelybooks Leserpreis – meine Nominierungen

|Aktion| Der Lovelybooks Leserpreis – meine Nominierungen

Es ist wieder soweit – der Lovelybooks Leserpreis wird verliehen. Doch zuerst einmal müsst ihre eure Lieblingsbücher dafür ins Rennen schicken.

Bis zum 10. November 2016 können Leser bei Lovelybooks ihre Buch-Favoriten des Jahres 2016 nominieren.
Auf die Shortlist schaffen es die beliebtesten 35 Titel, die dann vom 14. bis 22. November für den DER LESERPREIS in Gold, Silber und Bronze zur Abstimmung stehen. DER LESERPREIS wird in 14 Kategorien verliehen: Romane, Krimi und Thriller, Fantasy und Science Fiction, Jugendbücher, Kinderbücher, Liebesromane, Erotische Romane, Historische Romane, Humor, Sachbuch und Ratgeber, bestes Hörbuch, bestes E-Book Only, bester Buchtitel sowie das beste Buchcover. Am 24. November gibt LovelyBooks.de die Preisträger bekannt.
Was den DER LESERPREIS so besonders macht? Allein die Leser entscheiden, welche Neuerscheinungen des Jahres zu den besten Büchern 2016 gekürt werden und teilen so die Bücher, die sie wirklich lieben und empfehlen.

Ich habe nur in wenigen Kategorien nominiert und zwar folgende Bücher:

Jugendbücher:

Kinderbücher:

Fantasy & Science Fiction:

london

Humor:

freitag

Hörbuch:

lady-hor

Und, habt ihr schon nominiert? Sind wir uns irgendwo einig? Oder fandet ihr meine Nominierungn persönlich sogar unmöglich?

|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

ungehorigkeir

C. Bertelsmann * 22.02.2016  *  OT: Unbecoming * ISBN 978-3-570-10292-3

HC 19,99 €  * eBook 15,99 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …

Meinung

Für die Ungehörigkeit des Glücks habe ich eine unverschämt lange Zeit gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Immer wieder musste ich es zur Seite legen und schlucken. Dieses Buch erzählt die Geschichte dreier Generationen, die eher unwillig aufeinanderstoßen.

Katie ist im Teenageralter und leidet unter den hohen Erwartungen und strengen Regeln ihrer Mutter Caroline. Sie ist ein kluges Mädchen, das sich aber nicht nur darauf reduziert sehen möchte. Ihre einzige Freundin hat sie verloren, weil sie sie geküsst hat. So allein auf sich gestellt hadert sie mit sich selbst, als ihre Großmutter Mary wieder in ihr Leben tritt. Mary hat Alzheimer und schwankt zwischen klaren Episoden und dem Horror, den man erlebt, wenn man seine Erinnerung verliert und sich dessen auch bewusst ist. Während Mary und Katie sich erstaunlich gut verstehen, ist Marys Tochter Caroline über die Zusammenführung komplett unglücklich, denn Mary hatte sie als Baby an ihre Schwester Pat übergeben und sich seitdem nicht mehr bei ihr gemeldet.

Nun zeigt sich im Laufe des Buches, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Vor allem Marys und Carolines Geschichte hat einen sehr verworrenen Hintergrund. Hätte ich nun einfach das Buch in einem Rutsch durchgelesen, hätte ich es wohl echt blöd gefunden, wie Caroline mit Mary umgeht. Oder gut gefunden, dass Katie nicht mehr dauernd auf ihre Mutter hört. Aber mit längerem Nachdenken musste ich feststellen, dass jede Medaille eben doch zwei Seiten hat und das fand ich sehr gut vermittelt.  Ich muss zugeben, dass die Erzählweise auch ziemlich langsam ist. Es tut sich eigentlich gar nicht viel hier. Die Ungehörigkeit des Glücks ist mehr eine Beobachtung dreier Frauen und deren gemeinsamer Zeit. Und das geschieht mit viel Hingabe zum Detail, mit Ausschmückungen von Momenten und der Konzentration auf Emotionen und weniger auf Taten. Das muss man wollen, aber dann ist es gut gemacht.

Fazit

Ein stilles, lange nach klingendes Buch über drei Frauen verschiedener Generationen, die jede auf ihrer eigenen Suche nach dem Glück ist, mit detailliert ausgearbeiteten Charakteren.

diversity inside

|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

messebluesDie Frankfurter Buchmesse ist vorbei und auch wenn ich mich von meinem Halle 3.0-Trauma von Samstag noch erholen muss, bin ich doch wehmütig ob der vielen vielen Menschen, die ich nur zu solchen Gelegenheiten sehen kann, was eindeutig viel zu selten ist.

Da hatten Stehlblüten und BookWalk doch eine ganz wunderbare Idee: eine Lesechallenge, an der möglichst viele tolle Buchmenschen teilnehmen.

Die Aufgaben

  • Lies ein Buch, das sich schon mehr als ein Jahr auf dem SuB befindet.
  • Beende eine angefangene Reihe.
  • Lies einen Einzelband.
  • Lies ein Buch, dessen Genre du sonst nicht so oft liest.
  • Lies ein Buch mit über 500 Seiten.
  • Lies ein Buch, das du dir nicht selbst gekauft hast.
  • Lies ein Buch, das du aufgrund einer Rezension/eines Bookstagram-Posts gekauft hast.
  • Lies ein Buch, dessen Titel nur aus einem Wort besteht.
  • Lies ein Buch von einem Autor, den du noch nicht kennst.
  • Lies ein Buch von einem Autor, von dem du am meisten Bücher im Regal hast.
  • Liest ein Buch mit einem gelben oder orangen Cover.
  • Lies ein fremdsprachiges Buch.

Diesen Beitrag werde ich zu passenden Gelegenheiten updaten und wieder nach oben kramen.

|Einfach mal erzählt| Der Vielleser – das anspruchsvolle Wesen?

|Einfach mal erzählt| Der Vielleser – das anspruchsvolle Wesen?

Auf mehreren Veranstaltungen ist es mir schon aufgefallen – wir Blogger werden nicht als „der typische Leser“ angesehen. Bestimmte Kritikpunkte wie sich wiederholende Plots, eher oberflächlich beschriebene Liebesbeziehungen und Co werden damit erklärt, dass es Viellesern ja auch viel mehr auffallen würde, dass wir kritischer wären als normale Leser.

Mit einer Lesestatistik zwischen 50 und 90 Büchern im Jahr seitdem ich 6 bin – mit hormonell bedingter Frühteenagerabstinenz – ist es natürlich schwer, noch Geschichten zu finden, die ich so oder so ähnlich nicht schon einmal gelesen habe. Und es ist tatsächlich so, dass ich bei Rereads aus meiner Jugend mittlerweile eher schreiend die Flucht ergreifen würde. Ich stehe ja immer noch dazu, dass mich Twilight einst sehr begeistert und süchtig gemacht hat, würde es heute aber wohl nicht mehr mit der Beißzange anfassen. Es gibt so viel, dass ich mittlerweile nur schwer bis gar nicht mehr ertragen kann: Instantlove, erzwungene Dreiecksbeziehungen, durchschaubare Enden, miese Recherche, lieblos ausgearbeitete Charaktere. Unnatürlich lange Wimpern bei Männern, das schiefe Lächeln und das hübsche Mädchen, das sich aber selbst gaaanz dooolll blöd findet – wenn meine Augen in den Hinterkopf rollen könnten, sie würden es tun. Aber das ist wohl tatsächlich mein persönliches Problem – jemand, der wesentlich weniger liest, der hat das Gefühl dieses ewigen Deja-Vus nicht.

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Viel zu lesen hat mich aber auch dazu gebracht, kritischer auf das zu blicken, das ich lese. Diversität ist hier nur ein Stichpunkt. Korrekte Repräsentation eine anderes. Aber auch die Art, wie Beziehungen dargestellt werden oder wie das Bild von Frauen gezeichnet wird, stößt mir immer öfter sauer auf. Vielleicht liegt es auch daran, dass man mit der Zeit ja auch älter wird, aber Alter schützt ja auch nicht immer vor Dummheit. Jemand, der wenig liest, wird sich vielleicht nicht fragen, wieso eigentlich alle Protagonisten weiß sind. Wo zum Teufel die ganzen behinderten, farbigen oder Charaktere mit verschiedenen Sexualitäten oder Migrationshintergrund sind. Zumindest nicht, wenn er nicht selbst dazu zählt. Wieso manche sich wiederholende Handlungsstränge nicht romantisch sind, sondern das Gegenteil.

Der süße Typ behandelt sich wie Dreck – na klar liebt er dich, aber er ist einfach auch ein psychisch gebrochenes Wrack, das unter seiner miesen Vergangenheit leidet? Klar nimmst du das dann hin. Du leidest unter einer schweren Depression, aber dann kommt da dieser andere Mensch, in den du dich verliebst – tada, du bist geheilt. Liebe heilt nämlich alles. Und eine Vergewaltigung gehört einfach dazu, um eine richtig vollwertige persönliche Entwicklung durchmachen zu können. Übrigens bist du auch nur ein unabhängiges Mädchen, wenn du so ganz anders bist als andere.

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Ist es nicht unsere Aufgabe, als Leser überhaupt, eine Rückmeldung darüber zu geben, was gar nicht geht? Und ist es nicht unsere Aufgabe als Vielleser, vor allem als Rezensent, darauf hinzuweisen, dass das viel zu oft verwendet wird, um noch irgendwie akzeptabel zu sein? Muss ich mich mit dem Satz „Dir als Vielleser fällt das auf, aber anderen nicht.“ immer praktisch mundtot machen lassen? Es ist doch ein Unterschied, ob ich eine Storyline doof finde, weil ich sie zu oft gelesen habe, oder ob ich sie doof finde, weil die Botschaft dahinter grenzwertigen Charakter hat.

Denn auch wenn ich nicht viel lese – ein Buch hat Einfluss auf mich. Vielleicht leide ich selbst unter einer psychischen Krankheit, vielleicht verliere ich mich selbst in dem Gedanken, dass es doch verdammt nochmal besser werden müsste, jetzt wo ich einen Partner habe. In den Büchern ist das doch auch so! Ich fühle mich mies damit, wie mein Partner mit mir umgeht, aber der Arme hat ja so eine schwere Vergangenheit? In den Büchern ist das auch akzeptabel, dann wird das schon so richtig sein und ich muss das verzeihen… Beispiele dieser Art gibt es sicher unzählige.

Ich lese viel – und dabei lese ich auch viel unüberlegten Kram, vieles, das dringend laut kritisiert werden muss. Vielleicht fällt es mir auf, weil es sich immer und immer und immer wiederholt. Aber gerade deshalb, weil es so normal zu sein scheint, gerade deshalb – und nicht trotz dessen – muss ich es ansprechen.

Was meint ihr dazu?