Sendepause

Sendepause

Einfach mal untertauchen, nichts schreiben, sich keinen Stress machen, dann wird das schon – das habe ich versucht. Nun ist es hier aber so lang still – so einfach komme ich dann doch nicht wieder zurück zum Blog.

Zu sagen, 2016 war „a hell of a year“ ist untertrieben. Während sich andere über den Neustart des Jahres freuen, möchte ich den Kopf auf den Tisch legen und nichts hören, sehen, sagen. Ich kann nicht mehr und vor allem kann ich dabei eines nicht – bloggen. Das Gefühl von Müssen macht es da nicht besser.

Natürlich werde ich nach 9 Jahren nicht endgültig gehen. Aber ich muss Luft holen, Ordnung schaffen, Entscheidungen treffen, mich ein wenig um mein Herz kümmern. Bis hoffentlich bald, spätestens zur Buchmesse bin ich zurück. Auf Instagram und Twitter werdet ihr mich nicht los, versprochen. So ganz ohne euch leben kann ich nicht. Danke für jedes liebe Wort, die Weihnachtskarten und dass ihr da seid.

hug

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

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Magellan * 25.07.2016  *  OT: The Geek’s Guide to Unrequited Love * ISBN 978-3-7348-5027-1

HC 16,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung

Im ersten Moment – mit diesem so viel gehypten Buch in der Hand – dachte ich: Oh Gott, das wird das Big Bang Theory unter den Nerdbüchern. Und das meinte ich nicht als Kompliment. Aber ach, wie Unrecht ich hatte. Es war so ganz und gar nicht wie TBBT und der Hype völlig gerechtfertigt.

Natürlich sagt der Titel schon einiges aus: man trifft auf den Nerd Graham, der in seine beste Freundin Roxy verliebt ist, die nicht nur seine Schreibpartnerin für den gemeinsamen Comic ist, sondern auch noch das Mädchen seiner Träume. Graham hat den besten Nerdfreund Casey, der zwar oberflächlich ein Auge auf Grahams unerreichbare Stiefschwester geworfen hat, obwohl da auch noch die gleichzeitig gutaussehende sowie kluge Felicia ist. Eigetlich gibt es in diesem Buch sowieso keine Figur, die kein Nerd ist, und ein wenig Klischee sind sie alle, aber so fassbar echtes Klischee eben. Und dennoch verzichtet man hier auf so viel – auf den abgefahrenen Comicautor mit Gottkomplex, auf die böse Stiefmutter, auf sexistische Witze, auf unrealistisches Glück im Unglück.

Vielleicht lag es daran, dass ich das Buch parallel zur Frankfurter Buchmesse gelesen habe, also einer Veranstaltung, die meinem Buchnerdhimmel nahe kommt – ich konnte die Begeisterung für die Comic Con, das Hetzen von Termin zu Termin, die Bewunderung für seine Idole, die man treffen kann, so gut nachvollziehen, weil es mir zum selben Zeitpunkt exakt genauso ging. Und die Nerds, die man hier trifft, sind nicht die der ekelhaft nöhligen Sorte – sie lieben, was sie lieben, mit Haut und Haaren und verschwenden ihre Zeit nicht damit, sich an Kleinigkeiten festzubeißen, die ihnen nicht in den Kram passen.

Und so ist es auch mit dem Verlauf der Geschichte: Graham liebt Roxanne, als beste Freundin und als Mädchen an sich. Dabei verliert er sich in den romantischen Vorstellungen, die er aus den Comics und Filmen kennt, die er liebt – so und nicht anders muss er Roxy seine Liebe gestehen, sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gefühle erwidert, in seiner Vorstellung gleich Null. Innerhalb der Tage auf der Comic Con muss er aber so einiges erkennen – dass es sein kann, dass Roxy andere Männer vielleicht viel attraktiver findet, dass direkte Ehrlichkeit ihm in den meisten Fällen viel mehr gebracht hätte als das, was er dann tatsächlich tut, dass Freundschaft das wertvollste Gut ist und dass sein kleiner Kreis an Freunden vielleicht nicht der einzige Ort ist, an dem man nach Frauen suchen könnte.

Die beinahe größte Liebesgeschichte der Welt hat somit auch kein Klischeeende – und damit das beste Ende, das ich mir nur wünschen konnte.

Fazit

Dieses Buch verdient den Hype um sich voll und ganz – man trifft auf Charaktere, die das lieben, was sie tun und sind, und auf eine Storyline, die ganz anders ist, als man es im ersten Moment erwarten würde. Am Ende geht es mehr um Selbstliebe und Begeisterung als um eine große Liebesgeschichte – und das ist verdammt gut so.

diversity inside

|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

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Magellan * 25.07.2016  *  ISBN 978-3-7348-5016-5

HC 14,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Antonia kann es nicht fassen: Ihre Mutter will sie für ein halbes Jahr (also praktisch ewig) nach Ungarn verschleppen! Das geht gar nicht! Toni kann unmöglich ihre beste Freundin Paulina mit ihren Monsterzwillingsbrüdern alleinlassen. Außerdem muss sie auf Mr Bond aufpassen, den Hund ihres Nachbarn. Gerade erst hat sie in letzter Sekunde verhindert, dass er entführt wird. Was, wenn da dieselben Leute dahinterstecken, die dreizehn Papageien aus dem Zoo gestohlen haben? Wer soll die Tiere denn retten, wenn Toni nach Ungarn fährt? Damit ist die Sache klar: Um ihre Mutter zur Vernunft zu bringen, muss Toni der Tiermafia das Handwerk legen. Leider gerät sie dabei an ein paar ganz schön undurchsichtige Typen …

Meinung

Antonia rettet die Welt ist der erste und gleichzeitig sehr gelungene Versuch der Autorin Katrin Zipse, ein Kinderbuch zu schreiben.

Ihre Protagonistin Antonia ist eine liebenswerte Heldin auf der Schwelle zur Pubertät. 13 ist ja ein ganz schwieriges Alter, um darüber zu schreiben, denn gefühlt ist jeder und jede Dreizehnjährige irgendwie verschieden weit in der Entwicklung. Dieser Unterschied wird aber durch die Freundschaft zwischen Pauline und Antonia gut aufgefangen. Denn während Antonia fast noch etwas kindlich wirkt und ihre Aufmerksamkeit lieber der Tierrettung widmet, geht es bei Pauline um Jungs und die erste Liebe, die nur über Schwärmereien hinausgeht. Das sorgt bei beiden auch für Zündstoff, weil sie von der jeweils anderen nicht begreifen können, wie sie ihre Prioritäten setzen.

Gerade Antonias unbedarfte Art macht den Plot auch erst möglich – für sie ist gar nichts unmöglich. Alleine mit den Geschwistern zuhause bleiben, wenn die Eltern in Ungarn sind, sich um zwei kleine Rabauken im Kindergartenalter kümmern, auf eigene Faust einer Tierhändlerbande das Handwerk legen, für sie ist das alles gar kein Problem. Erst sehr spät bekommt sie Angst vor ihrer eigenen Courage, als es schon keinen Weg mehr zurück gibt.

Wie Antonia selbst kann man nur ahnen, was wirklich mit den Papageien los ist, wie ihr Nachbar Jonas in der Sache drinsteckt und wie man dem Ganzen auf die Schliche kommen kann. Sicher ist man als erwachsener Leser da auch immer einen Schritt voraus, für die Zielgruppe ist es aber die ideale Mischung aus gut gesetzten Hinweisen und vollkommenem Rätsel.

Fazit

Ein spannendes Buch mit einer liebenswerten, wenn auch naiven und chaotischen Protagonistin, einem immer wieder überraschenden Plot und der richtigen Portion Humor.

diversity inside

|Blogtour| FanFictions

|Blogtour| FanFictions

liebesgeschichte

Diese Blogtour steht unter dem Motto „ComicCon Confessions“ und richtet sich damit vor allem an die Hardcorefans unter uns.

Mein Dasein als Fangirl begann in der achten Klasse mit Akte X. Heimlich – meine Eltern fanden die Serie für mein gerade vierzehnjähriges Ich nämlich nicht geeignet – auf Minimallautstärke fieberte ich mit Mulder und Scully und diskutierte am nächsten Schultag heiß mit meiner damaligen besten Freundin darüber. Zwar benutzten wir noch keine Wörter wie OTP oder Ähnliches, aber wir waren immerhin ausgewachsene X-Philes.

mulderscully

Erste Schritte ins Fanfictionschreiben machte ich in einer langweiligen Unterrichtsstunde, in der meine Freundin und ich ein Gedicht begannen, das mit den kreativen Worten

Der Mulder und die Scully,

die machten Halligalli.

begann und das stolze Ausmaß von über 30 Seiten auf Word erreichte, bis wir über die Tatsache unüberbrückbare Differenzen entwickelten, ob Mulder und Scully Nachwuchs zeugen sollten oder nicht. Es war, wie man sich denken konnte, keine literarische Meisterleistung, dafür aber unheimlich witzig.

Wie sieht eigentlich so eine richtige Fanfiction aus?

Fanfictions (oder kurz Fanfic bzw. FF) greifen die Geschichten von Büchern, Filmen, Serien und Co auf, setzen sie fort, ändern sie oder benutzen auch nur die Welt und/oder ihre Protagonisten, um etwas ganz Neues daraus zu erschaffen.

Daraus können tolle Geschichten entstehen, die einen entsprechend hohen Fankreis haben – in einzelnen Fällen waren sie schon Sprungbrett für Autoren (Cassandra Clare wurde zum Beispiel mit ihren FF über Draco Malfoy berühmt, an die sicher auch Clary und Jace angelehnt sind) oder wurden mit geänderten Namen zum Bestsellern (50 Shades of Grey lässt grüßen). Fanfictions in ihrem ursprünglichsten Verständnis existieren schon seit der Artussaga, im engeren Sinn seit den Weiterführungen von Sherlock Holmes und fanden ihren ersten Höhepunkt mit der Star Trek-Fangemeinde, die sogenannte Slash-Fictions beliebt machten – also Fanfics, die sich mit den sexuellen Beziehungen der Figuren auseinandersetzten.

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Auf Webseiten wie Fanfiktion.de (mit sage und schreibe 360094 Fics zum jetzigen Zeitpunkt) und in noch größerem Ausmaß auf fanfiction.net und wattpad.com findet man Geschichten zu allen Themen, die das Herz begehrt. Keine Kombination ist zu abwegig, um sie nicht in irgendeiner Fanfiction zu finden, wenn natürlich die ursprünglichen Pärchen der Vorbildwerke am beliebtesten sind, dicht gefolgt von nicht erfüllten Dreiecksbeziehungsausgängen und dem Erzfeind-wird-Lover-Ding, das sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut. Ich vertreibe mir mit Fanfictions gerne die Zeit zwischen zwei Serienstaffeln.

Nicht jede Fanfiction ist ein Meisterwerk, doch in diesem unüberschaubaren Angebot findet man immer wieder richtige Schätze von Autoren, von denen man sich wünschen würde, sie würden Bücher für Verlage schreiben, die man dann liebevoll ins Regal stellen kann. Unter diesen Autoren würde ich mich zwar nicht wiederfinden, denn meine Fanfictions zu Akte X – obwohl ich sie damals durchaus todernst gemeint hatte – haben eichhornchendoch im Nachhinein etwas Komödiantisches. Besonders stolz war ich zum Beispiel auf meinen Killereichhörnchenfall, der gekonnt natürlich auch aus der Sicht der entsprechenden Nagetiere geschrieben war. Ein Hoch darauf, dass ich damals nicht auf die Idee gekommen bin, das hochzuladen…

Mit Fanfictions beschäftigt sich in „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“ übrigens auch Roxys kleine Schwester Samira, die auf der Comic-Con damit auch auf viele Gleichgesinnte stößt.

„Von Roxanas elfjähriger Schwester ist nichts zu sehen, als ich mit den tellern ins Esszimmer gehe. Wahrscheinlich sitzt sie schon wieder über ihrer Fan-Fiction. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Mrs. Afsari genervt ist, wenn Samira sich ständig vor ihren Haushaltspflichten drückt, aber andererseits habe ich auch volles Verständnis für Samiras Drang zu schreiben. Schließlich weiß ich genau, wie es ist, wenn einen unerwartet die Muse küsst, egal, ob sie nun in Gestalt eines Superhelden oder eines Boygroupmitglieds daherkommt.“ (S.130)

Außerdem ist sich Graham sicher, dass sein Lieblingscomicautor Zinc in einem Fanforum zu seiner Reihe weiter an seiner Geschichte arbeitet und es unter dem Label „FanFiction“ laufen lässt. Ob er damit Recht hat? Lest es am besten selbst nach!

liebesImmer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas – sammelt einfach die Buchstaben aus unseren Blogtourbeiträgen zusammen und gewinnt eines von zwei Buchexemplaren. Mein Buchstabe ist also der dritte im Bunde.

Meine Frage lautet:

Wovon handelte meine schlechteste Fanfiction? Killer-_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

|Leserunde| Die Stadt der besonderen Kinder

|Leserunde| Die Stadt der besonderen Kinder

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Fliegende Kinder, Kinder, in denen Bienen leben, Kinder, die stärker sind als jeder ausgewachsene Mann, eine Frau, die sich in einen Vogel verwandeln kann, Menschen, die in Zeitschleifen leben: das alles bietet Die Insel der besonderen Kinder. Egal, ob ihr den Film gesehen oder das Buch gelesen habt – ihr wollt doch sicher wissen, wie es weitergeht.

Deswegen wollen Dani und ich mit euch eine Leserunde starten: ab dem 2. Dezember wollen wir gemeinsam mit euch  Die Stadt der besonderen Kinder lesen und uns darüber austauschen. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr darauf, eure Meinung zu hören.

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 Mit Müh und Not konnten Jakob und die besonderen Kinder aus der Zeitschleife, der Insel Cairnholm, vor ihren Feinden fliehen. Nun sind sie im England der 1940er Jahre gestrandet, immer noch verfolgt und ohne Beistand von Miss Peregrine, die sich nicht mehr in ihre Menschengestalt verwandeln kann. Um Miss Peregrine zu retten, brauchen die Kinder eine andere Magierin. Gerüchteweise lebt eine in London, und so machen sie sich auf den gefährlichen Weg in die zerbombte Stadt. Dort angekommen, finden sie schließlich Miss Wren und glauben schon, gerettet zu sein. Doch ausgerechnet hier, in ihrer vermeintlichen Zuflucht, erwartet sie der größte Verrat.

|Blogtour| #ichliebemeinenjob als Lehrerin

|Blogtour| #ichliebemeinenjob als Lehrerin

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Oft finde ich es schwer zu erklären, warum ich die Schulart gewechselt habe, ohne das Gefühl zu haben, anderen Lehrern gewaltig auf die Zehen zu treten. Darum vorneweg: mein Wechsel zur Reformpädagogik war ein sehr persönlich motivierter, mindestens genauso persönlich motiviert wie überhaupt die Entscheidung, Lehrerin zu werden.

Meine Schulzeit war so großen Stücken für mich die Hölle. Mit dem Wechsel aufs Gymnasium ging es erstmal abwärts, Prüfungsangst und Mobbing waren für mich über lange Strecken an der Tagesordnung. Doch in dieser ganzen Zeit gab es immer diese besonderen Lehrer, sogar viele davon, die eine helfende Hand und ein ermutigendes Wort für mich übrig hatten, auch, wenn ich vieles davon erst im Rückblick erkenne – die Ermunterung zu Nachmittagskursen mit anderen Schülern außerhalb meiner Klasse, die pädagogische Note in der letzten Schulaufgabe, für die ich Stunden gelernt hatte, das aufmunternde Lächeln auf dem Gang, das Lob für gute Arbeit.

Be the person you needed when you were younger.

Danach wollte ich unterrichten. Mit idealistischen Vorstellungen bin ich ins Studium – ich hatte die Personen, die im richtigen Moment das richtige getan hatten, und wollte das auch. Ich dachte, ich hätte den richtigen Platz gefunden, mich weit über das Maß mit Schulpädagogik beschäftigt, war in dem Bereich sogar HiWi. Und dann kam das Referendariat….

Ich kenne niemanden, der je gesagt hätte, das Referendariat wäre die schönste Zeit seines Lebens gewesen. Ich habe vorher und auch später nie wieder so wenig geschlafen, so ineffektiv Unterricht vorbereitet, mich so oft zum Affen gemacht, so unmögliche Erwartungen an mich gestellt, so viel unnützes Geld für Material ausgegeben, mich noch nie so wenig respektiert und ernst genommen gefühlt (und das nicht von den Schülern!) wie in diesen zwei Jahren. Ich bin nie wieder so gegen Wände gelaufen in meinem Bemühen um meine Schüler, ich hatte nie wieder so das Gefühl, meine einzige Aufgabe wäre es, Noten aus Kinder herauszuquetschen, Wissen wie Wasser in Siebe zu kippen, mehr auf Lehrpläne und Notenschlüsse konzentriert zu sein als auf die Personen, die da vor mir saßen.

Das war nicht, was ich wollte! Ich war totunglücklich mit dem System.

Während sich in der darauffolgenden Jobsuche meine Kollegen herrlich über Waldorfvorurteile amüsierten, sah ich plötzlich einen Lichtstreif am Horizont. Ich habe eine offene Stelle gefunden, zwei Monate an meinem freien Tag hospitiert und schließlich dort angefangen. Ich habe eine eigene Klasse übernommen, nebenbei meine Waldorfausbildung nachgemacht. Das ist jetzt mehr als drei Jahre her.

Every student can learn. Just not on the same day or in the same way. [George Evans]

Nein, ich vergebe tatsächlich keine Noten. Meine Kinder können auch nicht sitzen bleiben. Sie lernen trotzdem. Wir können alle unseren Namen tanzen. Und noch eine ganze Menge mehr. Wir haben einen eigenen Acker angelegt und einen eigenen Kompost auf dem Schulgelände gemauert – mit unseren eigenen Händen. Wir spielen zweimal im Jahr Theater. Wir können alle mindestens ein Instrument spielen. Wir sind nicht dumm, wir sind keine Sonderschule. Ich arbeite mehr, als ich es im Referendariat getan habe. Und bin glücklich damit – zumindest die meiste Zeit. Wenn ich abends müde ins Bett falle, dann, weil ich das mit Herzblut machen kann, was ich von Anfang an wollte: meine Kinder individuell sehen, ihnen Zeit geben, sie nicht in Leistungsraster pressen. Für mich war diese Entscheidung die richtige.

Gestern berichtete Jessica von Testen mit Spaß übrigens von ihrem Job im Bereich Inkasso und morgen ist Manuela von Nikui Text und Rat an der Reihe.