|Unterwegs| Meet & Greet mit S. J. Kincaid

|Unterwegs| Meet & Greet mit S. J. Kincaid

Es ist ja kein Geheimnis, dass Autoren mich in der Regel in bewundernde Schockstarre verfallen lassen, wenn ich sie kennenlerne (was aber für ziemlich viele andere Menschen auch zutrifft. Die Freuden des introvertierten Lebens…).  Als ich das Meet & Greet mit S. J. Kincaid gewonnen hatte, deren Buch Diabolic ich damals – noch im Original – in einem Zug durchgelesen hatte, war ich also entsprechend nervös.

kincaidIm Nachhinein war das natürlich mal wieder völlig unnötig, denn S. J. Kincaid war so offen und zuckersüß, dass es ganz einfach war, mit ihr zu sprechen. Schon beim Signieren der Bücher, das für alle offen war, war sie total offen, hat sich mit jedem unterhalten und immer ein nettes Wort übrig gehabt. Danach durften wir hinter die Kulissen des Würzburger Hugendubels, wo wir als kleines Grüppchen von Arena-Mitarbeitern, Bloggern und Instagramern unsere Fragen an sie loswerden konnten.

Über das Leben als Autorin

Natürlich ging es einerseits um das Schreiben an sich und wie sie Autorin wurde. Schreiben war für S. J. Kincaid lange vorrangig nur ein Hobby. Eigentlich wollte sie Astronautin werden, was sie für realistischer hielt als hauptberufliche Autorin. Vor Insignia hatte sie schon 6 Manuskripte erfolglos eingereicht und hatte einen Abschluss in Geschichte und als Krankenpflegerin gemacht (letzteres eher ungerne, da sie ihren Unterricht lieber damit verbrachte, sich Gedanken über ihre Bücher zu machen). Nach ihrer ersten Veröffentlichung fiel sie erst einmal in ein kleines Loch, weil sie sich fragte, was nun noch Großartiges folgen konnte. Doch als sie die positiven Seiten des Schreibens wiederentdeckte – nämlich das zu tun, was man liebt, sich neuen Herausforderungen in seinen Büchern zu stellen und natürlich die vielen tollen Reisen – war auch dieser Tiefpunkt überwunden.

Mit Autorenkollegen redet sie gerne über die Veröffentlichung von Büchern und holt sich da Tipps, nicht aber über den Schreibprozess an sich. Negative Rezensionen stören sie weniger. Ihr Tipp: Lies 1-Sterne-Rezensionen zu einem Buch, das du liebst, und du wirst merken, dass Geschmäcker verschieden sind und nicht jeder dein Buch mögen wird. Schlimmer findet sie Rezensionen, in denen an ihr Buch nur lala findet. Insgesamt ist sie aber immer begeistert davon, dass überhaupt jemand liest, was sie schreibt. Nach der Veröffentlichung von Insignia musste sie sich dazu zwingen, eine Schreibroutine zu entwickeln. Normalerweise bleibt sie gerne bis in die frühen Morgenstunden wach, nun zwingt sie sich, um 2 ins Bett zu gehen, damit sie sich am Morgen mit ihrem Laptop in einen Coffeeshop verziehen und schreiben kann. Dabei hört sie gerne und eigentlich immer Musik. (Zu Diabolic ganz viel Lorde, vor allem „Royals“ und „Tennis Court“, „Emperor’s new clothes“ von Panic at the Disco!, bei Insignia waren es „The Day the World Ended“ und „Written in the Stars“). Hängt sie einmal fest, lässt sie ihr Projekt auch einmal kurz liegen oder schreibt erst die Teile, die ihr am meisten Spaß machen, dann ergibt sich der Teil dazwischen oft wie von selbst. Das funktioniert so gut, weil sie ihre Bücher und Figuren im Vornherein so weit durchdenkt, dass sich im Nachhinein nichts mehr verselbstständigen kann. Figuren mit Eigenleben hat sie deswegen nie.

Debutautoren rät sie, das erste Jahr ihres Debuts irgendwie festzuhalten, weil alles so schnell vergeht, dass man sonst alles vergisst, was man erlebt.

diabolic

Über Diabolic

Diabolic wurde inspiriert durch die BBC-Serie I, Claudius. S. J. Kincaid war fasziniert davon, wie Claudius so viel Macht erringen konnte, einfach dadurch, dass er von allen grundsätzlich unterschätzt und für einen Idioten gehalten wurde. Das inspirierte sie zu Tyrus, den sie in eine Science Fiction-Umgebung setzte. Insgesamt schrieb sie an Diabolic 6 Monate. Dabei dachte sie nicht, dass es ein großer Erfolg werden würde, da Nemesis als Charakter so angelegt ist, dass sie unsympathisch erscheint, und sie davon ausging, dass ein Protagonist dem Leser immer sympathisch sein muss, damit man das Buch mag. Sie wollte aber unbedingt etwas völlig anderes schreiben als Insignia, also wurde Nemesis das Gegenteil von ihrem dortigen Protagonisten. Gerade überarbeitet sie den zweiten Teil, der eigentlich gar nicht geplant war. Dann hatte sie jedoch eine so geniale Idee, dass aus dem Einzelband nun eine Trilogie wird.

Die Cover für Diablic mag sie gerne, wobei sie bei der Beschreibung der englischsprachigen Ausgabe erst einmal dachte, dass das wirklich seltsam aussehen würde.

Die Rechte für Diabolic wurden an Sony verkauft, die schon fleißig dabei sind, daran zu arbeiten (im Gegensatz zu den verkauften Rechten an Insignia, wo sich nichts tut). Die Fortschritte dort beobachtet sie gerne und ist beeindruckt davon, wie teuer Science Fiction in der Produktion ist. Sie selbst hat keine Schauspieler im Kopf, da sie wenige kennt, die jünger sind als sie selbst. Nemesis stellt sie sich in etwa vor wie Lucy Lawless, groß, sportlich und mit einer markanten Nase, die sich in jeder optischen Änderung wiederfinden sollen. Tyrus ist eher eine Mischung aus Octavian und Lucius aus der HBO-Serie Rom. Für ihn ist nur sein kontrolliertes Auftreten wichtig.

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|Rezension| S. J. Kincaid „Diabolic“

|Rezension| S. J. Kincaid „Diabolic“

diabolic

Arena * 03.01.2017  *  OT: The Diabolic * ISBN 978-3-401-60259-2

HC 18,99 €  * eBook 15,99 € * Autorin

Klappentext

Eine Diabolic ist stark.

Eine Diabolic kennt kein Mitleid.

Eine Diabolic hat eine einzige Aufgabe: Töte, um den einen Menschen zu schützen, für den du erschaffen wurdest.

Als Nemesis und Tyrus sich am Imperialen Kaiserhof begegnen, prallen Welten aufeinander. Sie – eine Diabolic, die tödlichste Waffe des gesamten Universums. Liebe ist ihr völlig fremd. Er – der Thronfolger des Imperiums, der von allen für wahnsinnig gehalten wird. Liebe ist etwas, das ihn nur schwächen würde. Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn an einem Ort voller Intrigen und Machtspiele ist ein Funke Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle …

Meinung

Diabolic spielt mit einer für mich sehr interessanten Idee: Kann man Gefühle wirklich genetisch einfach entfernen oder sind sie Teil unseres Seins? Nemesis ist kein normaler Mensch, sondern wurde in einem Labor gezüchtet, um an reiche Familien als emotionsloser und körperlich überlegener Bodyguard verkauft zu werden. Dabei werden ihre Gehirnregionen so verändert dass sie sich nur auf eine einzelne Person prägen, die sie mit ihrem Leben schützen, ansonsten aber keine Gefühle besitzen, obwohl sie hochintelligent sind. Der Leser sieht sich als mit einer Protagonistin konfrontiert, für die menschliche Emotionen fern von Angst und Wut erst einmal fremd sind und die einen durchweg sachlichen Blick auf die Welt hat und nur aus dem Grund handelt, Sidonia zu schützen, wobei sie auch nicht vor Mord zurückschreckt. Für den Charakter selbst ergibt sich die Chance, zu entdecken, dass mehr Menschlichkeit in ihr steckt, je weiter die Geschichte voranschreitet, bis zu dem Punkt, wo sie Liebe empfinden kann. Ihr gegenüber stehen erst Sidonia und Tyrus, die beide den Glauben an mehr in Nemesis vehement vertreten und diesen auch aus ihr herauskitzeln. Tyrus selbst ist vom Charakteraufbau zwar kein außergewöhnlicher Charakter, sondern entspricht dem gewohnten Typ gutaussehender Rebell, seine Vorgeschichte, in der er sich als völlig verrückter Thronerbe gebärdet, war, wenn auch durchschaubar, sehr amüsant.

Die Beziehung zwischen Nemesis und Tyrus entwickelt sich erst langsam ab der Hälfte des Buches und ist ein stetes Auf und Ab der Gefühle, bei dem es die Autorin schafft, dass der Leser selbst irgendwann an Tyrus Absichten zweifelt.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist ebenfalls nicht wirklich ganz neu – eine Gruppe weniger Mächtiger herrschen über eine große Menge von ihnen abhängiger Personen, allen voran steht ein bösartiger Machthaber. Dieses Prinzip hat in den letzten Jahren immer gut funktioniert und weitet sich hier einfach auf das gesamte Universum aus, in dem die Mächtigen vom Weltall aus über Planeten herrschen, die zum Teil gar nicht ideal zu bewohnen und damit abhängig von den Ressourcen der Herrscher sind. Dieser Weltaufbau entwickelte sich aus unserer bekannten Welt, indem die Menschen mit Technologie das Weltall komplett für sich erschlossen und deswegen die Erde verlassen haben. Dies schlägt sich in ihrem Glauben nieder – sie verehren Helios, die Sonne, die das Leben auf der Erde möglich gemacht hatte. Immer wieder wird diese Entwicklung als versteckter erhobener Zeigefinger genutzt, dass man sich nicht nur auf Technik verlassen sollte, ohne sie richtig zu verstehen, da die falsche Verwendung und die Unfähigkeit, kaputte Maschinen zu reparieren eine Art menschlich geschaffene schwarze Löcher verursacht hat, die die Menschen bedrohen.

Schon im ersten Kapitel wird deutlich, dass hier nicht an Brutalität gespart wird. Sowohl Nemesis als auch Tyrus sind nicht zimperlich, wenn es um Mord geht, um ihre Ziele zu erreichen. Es gibt mehrere Kampfszenen, die man verfolgen kann, und unzählige Tote auf Tyrus Weg zum Imperator. Ebenso – aber auf eher moralisierende Weise – wird mit den Themen Drogen und Schönheitskult umgegangen. Zum einen ist es in der höheren Gesellschaft normal, sich mit allen möglichen Substanzen  gemeinsam zu vergnügen. Auch ist es den Menschen durch ihre Technologie möglich, ihr Aussehen komplett zu verändern wie es ihnen beliebt, und das innerhalb kürzester Zeitabstände und wenn gewünscht auch nur für ein bestimmtes Ereignis. Genmanipulation ist an der Tagesordnung. So sind alle Angestellten ebenfalls wie Nemesis laborgezüchtete Menschen, denen jegliche Meinungsfreiheit weggenommen wurde. Sogar Menschen, die nur einem Opferritual dienen, werden bereitwillig gezüchtet und verkauft, da man der Ansicht ist, dass Menschen aus dem Labor keine Seele besitzen.

Ein wenig schade finde ich ja, dass der Verlag zu dem Untertitel „Vom Zorn geküsst“ gegriffen hat. In meinen Augen steht in Diabolic zwar das Thema Gefühle, nicht aber das Thema Liebe im Vordergrund, was in einer Masse an Jugendbüchern mit romantischen Plots eine erfrischende Ausnahme darstellt. Ich glaube, hier werden von vornherein die Leser abgeschreckt, die die Nase voll haben von Dystopien, die sich plötzlich nur noch um die Beziehung der Protagonisten drehen.

Fazit

Ein sehr interessanter Titel mit neuartiger Idee in einem altbekannten Grundsetting. Die Protagonisten sind sehr entwicklungsfähig und undurchschaubar, die Geschichte actionreich erzählt, wenn auch nicht zimperlich mit Themen wie Mord und Drogen umgegangen wird.

|Einfach mal erzählt| Warum man nicht jedes Buch weiterempfehlen sollte

|Einfach mal erzählt| Warum man nicht jedes Buch weiterempfehlen sollte

problembucher

Die Möglichkeit zum Zugang ist nicht gleich die Möglichkeit zum Umgang

Auf Facebook gab es neulich folgende Diskussion: Eine ältere Schwester fragte, ob sie dieses eine diverse Buch erotischen Inhalts, dessen Verfilmung gerade angelaufen ist, ihrer dreizehnjährigen Schwester schenken solle. Diese würde es sich wünschen, sie fände die Idee aber nicht so toll. Nun sind mir bei diversen Antworten doch die Gesichtszüge entgleist. Davon abgesehen – und das lasst euch von einer Lehrerin einfach mal sagen – dass es einen gewaltigen Unterschied gibt, ob Kinder „heutzutage ja sowieso Zugang zu so etwas haben“ und wirklich mit dem umgehen können, was sie da konsumieren, finde ich es höchst problematisch, etwas mit dem Argument durchzuwinken, „man könne danach ja mit ihr darüber reden.“

Es ist ja nun auch durchaus kein Geheimnis, dass ich diese Reihe aus vielerlei Gründen als sehr problematisch ansehe, aber mir hat diese Diskussion vor allem mal wieder aufgezeigt: man kann ja Dinge echt gerne mögen, die nicht so einwandfrei sind. Was wir selbst lesen und lieben, das ist ja unsere höchstpersönliche Sache. Eine andere Sache ist es aber, diese problematischen Bücher weiterzuempfehlen, vor allem an eine so beeinflussbare Zielgruppe.

In die Falle getappt

Ich möchte das gerne an einem Beispiel festmachen, dem ich selbst auf den Leim gegangen bin. Man ist ja nicht allwissend und kann immer wieder dazulernen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele blauäugig Bücher weiterempfehlen, derer Problematik sie sich nicht einmal im Ansatz bewusst sind. Da stand ich also auch und fand „Du neben mir“ total super. Die Wendung war irgendwie vorhersehbar, ja, und ich hätte es gerne anders gehabt, aber was soll, dachte ich mir. Was mir nicht bewusst war: Für Menschen, die wirklich an dieser Krankheit leiden, ist dieses Buch wirklich schädlich, denn es trägt kein bisschen dazu bei, dass diese in der Literatur die angebrachte Beachtung bekommt. Vielmehr ist die Krankheit ein Plottwist. Warum genau das eine ganz miese Idee ist, könnt ihr hier nachlesen: The Trope of Curing Disability  und warum das genau auf dieses Buch zutrifft hier: Rezension von Disability in Kid Lit.

Eigene Lesefreude vs. Weiterempfehlung

Was mache ich jetzt mit meiner Erkenntnis? Immerhin hatte das Buch für mich auch viele positive Aspekte? Ganz einfach: Ich freue mich darüber, dass es mir trotzdem gefallen hat, aber ich werde einen Teufel tun und es anderen Leuten in die Hand drücken, damit sie es auch lesen. Nein, nicht einmal mit dem Hinweis: Aber pass auf, das ist irgendwie nicht okay, wie sie das gemacht haben. Nicht mit dem Satz: Aber lass uns hinterher mal darüber sprechen. Ich lasse es einfach. Punkt, aus. Und vor allem werde ich einen Teufel tun und die Problematik wegargumentieren. Wer bin ich zu entscheiden, ob das Buch einer Sache nicht schadet, von der ich selbst gar nicht betroffen bin?

Es geht nicht darum, jemandem Vorwürfe für das zu machen, was er liest und was ihm gefällt. Aber es geht sehr wohl darum, darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht okay ist, Bücher weiterzuempfehlen, von denen einem bewusst ist, wie problematisch oder sogar schädlich ihr Inhalt ist. Was wir lesen, was wir kaufen und was wir weiterempfehlen beeinflusst den Buchmarkt. Und es ist an der Zeit, ein Zeichen dafür zu setzen, dass wir kritischer auf das sehen, was wir lesen – wir reden ständig von Feminismus und Diversität, von korrekter Repräsentation. Dann müssen wir aber auch dahinter stehen und den Finger in die Wunde legen anstatt darüber die Schulter zu zucken und zu sagen: Man kann ja hinterher darüber sprechen.

Für eine Weile fand ich es sehr anstrengend zu lesen, weil ich vor allem im Jugendbuchbereich (den ich ja nun hauptsächlich lese) immer wieder über Punkte stolpere, die ich problematisch finde. Ich verstehe, wenn man ein Buch einfach nur genießen möchte. Und das ist ja völlig okay, lest von mir aus, was ihr wollt, lehnt euch zurück, freut euch darüber, dass es euch mitreißt. Ohne schlechtes Gewissen.  Denn hier geht es nur um euch. Aber wenn ihr ganz genau wisst, dass der Inhalt oder ein Aspekt des Inhalts höchst problematisch ist, dann kehrt das nicht unter den Teppich, wenn ihr über das Buch sprecht. Es gibt kein Aber bei falscher Repräsentation, Rassismus, Ableismus und weiteren problematisch dargestellten Themen. Kein noch so gut geschriebener Charakter, keine noch so tolle Sprache oder ausgearbeitete Welt macht das wieder wett.

Sendepause

Sendepause

Einfach mal untertauchen, nichts schreiben, sich keinen Stress machen, dann wird das schon – das habe ich versucht. Nun ist es hier aber so lang still – so einfach komme ich dann doch nicht wieder zurück zum Blog.

Zu sagen, 2016 war „a hell of a year“ ist untertrieben. Während sich andere über den Neustart des Jahres freuen, möchte ich den Kopf auf den Tisch legen und nichts hören, sehen, sagen. Ich kann nicht mehr und vor allem kann ich dabei eines nicht – bloggen. Das Gefühl von Müssen macht es da nicht besser.

Natürlich werde ich nach 9 Jahren nicht endgültig gehen. Aber ich muss Luft holen, Ordnung schaffen, Entscheidungen treffen, mich ein wenig um mein Herz kümmern. Bis hoffentlich bald, spätestens zur Buchmesse bin ich zurück. Auf Instagram und Twitter werdet ihr mich nicht los, versprochen. So ganz ohne euch leben kann ich nicht. Danke für jedes liebe Wort, die Weihnachtskarten und dass ihr da seid.

hug

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

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Magellan * 25.07.2016  *  OT: The Geek’s Guide to Unrequited Love * ISBN 978-3-7348-5027-1

HC 16,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung

Im ersten Moment – mit diesem so viel gehypten Buch in der Hand – dachte ich: Oh Gott, das wird das Big Bang Theory unter den Nerdbüchern. Und das meinte ich nicht als Kompliment. Aber ach, wie Unrecht ich hatte. Es war so ganz und gar nicht wie TBBT und der Hype völlig gerechtfertigt.

Natürlich sagt der Titel schon einiges aus: man trifft auf den Nerd Graham, der in seine beste Freundin Roxy verliebt ist, die nicht nur seine Schreibpartnerin für den gemeinsamen Comic ist, sondern auch noch das Mädchen seiner Träume. Graham hat den besten Nerdfreund Casey, der zwar oberflächlich ein Auge auf Grahams unerreichbare Stiefschwester geworfen hat, obwohl da auch noch die gleichzeitig gutaussehende sowie kluge Felicia ist. Eigetlich gibt es in diesem Buch sowieso keine Figur, die kein Nerd ist, und ein wenig Klischee sind sie alle, aber so fassbar echtes Klischee eben. Und dennoch verzichtet man hier auf so viel – auf den abgefahrenen Comicautor mit Gottkomplex, auf die böse Stiefmutter, auf sexistische Witze, auf unrealistisches Glück im Unglück.

Vielleicht lag es daran, dass ich das Buch parallel zur Frankfurter Buchmesse gelesen habe, also einer Veranstaltung, die meinem Buchnerdhimmel nahe kommt – ich konnte die Begeisterung für die Comic Con, das Hetzen von Termin zu Termin, die Bewunderung für seine Idole, die man treffen kann, so gut nachvollziehen, weil es mir zum selben Zeitpunkt exakt genauso ging. Und die Nerds, die man hier trifft, sind nicht die der ekelhaft nöhligen Sorte – sie lieben, was sie lieben, mit Haut und Haaren und verschwenden ihre Zeit nicht damit, sich an Kleinigkeiten festzubeißen, die ihnen nicht in den Kram passen.

Und so ist es auch mit dem Verlauf der Geschichte: Graham liebt Roxanne, als beste Freundin und als Mädchen an sich. Dabei verliert er sich in den romantischen Vorstellungen, die er aus den Comics und Filmen kennt, die er liebt – so und nicht anders muss er Roxy seine Liebe gestehen, sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gefühle erwidert, in seiner Vorstellung gleich Null. Innerhalb der Tage auf der Comic Con muss er aber so einiges erkennen – dass es sein kann, dass Roxy andere Männer vielleicht viel attraktiver findet, dass direkte Ehrlichkeit ihm in den meisten Fällen viel mehr gebracht hätte als das, was er dann tatsächlich tut, dass Freundschaft das wertvollste Gut ist und dass sein kleiner Kreis an Freunden vielleicht nicht der einzige Ort ist, an dem man nach Frauen suchen könnte.

Die beinahe größte Liebesgeschichte der Welt hat somit auch kein Klischeeende – und damit das beste Ende, das ich mir nur wünschen konnte.

Fazit

Dieses Buch verdient den Hype um sich voll und ganz – man trifft auf Charaktere, die das lieben, was sie tun und sind, und auf eine Storyline, die ganz anders ist, als man es im ersten Moment erwarten würde. Am Ende geht es mehr um Selbstliebe und Begeisterung als um eine große Liebesgeschichte – und das ist verdammt gut so.

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|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

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Magellan * 25.07.2016  *  ISBN 978-3-7348-5016-5

HC 14,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Antonia kann es nicht fassen: Ihre Mutter will sie für ein halbes Jahr (also praktisch ewig) nach Ungarn verschleppen! Das geht gar nicht! Toni kann unmöglich ihre beste Freundin Paulina mit ihren Monsterzwillingsbrüdern alleinlassen. Außerdem muss sie auf Mr Bond aufpassen, den Hund ihres Nachbarn. Gerade erst hat sie in letzter Sekunde verhindert, dass er entführt wird. Was, wenn da dieselben Leute dahinterstecken, die dreizehn Papageien aus dem Zoo gestohlen haben? Wer soll die Tiere denn retten, wenn Toni nach Ungarn fährt? Damit ist die Sache klar: Um ihre Mutter zur Vernunft zu bringen, muss Toni der Tiermafia das Handwerk legen. Leider gerät sie dabei an ein paar ganz schön undurchsichtige Typen …

Meinung

Antonia rettet die Welt ist der erste und gleichzeitig sehr gelungene Versuch der Autorin Katrin Zipse, ein Kinderbuch zu schreiben.

Ihre Protagonistin Antonia ist eine liebenswerte Heldin auf der Schwelle zur Pubertät. 13 ist ja ein ganz schwieriges Alter, um darüber zu schreiben, denn gefühlt ist jeder und jede Dreizehnjährige irgendwie verschieden weit in der Entwicklung. Dieser Unterschied wird aber durch die Freundschaft zwischen Pauline und Antonia gut aufgefangen. Denn während Antonia fast noch etwas kindlich wirkt und ihre Aufmerksamkeit lieber der Tierrettung widmet, geht es bei Pauline um Jungs und die erste Liebe, die nur über Schwärmereien hinausgeht. Das sorgt bei beiden auch für Zündstoff, weil sie von der jeweils anderen nicht begreifen können, wie sie ihre Prioritäten setzen.

Gerade Antonias unbedarfte Art macht den Plot auch erst möglich – für sie ist gar nichts unmöglich. Alleine mit den Geschwistern zuhause bleiben, wenn die Eltern in Ungarn sind, sich um zwei kleine Rabauken im Kindergartenalter kümmern, auf eigene Faust einer Tierhändlerbande das Handwerk legen, für sie ist das alles gar kein Problem. Erst sehr spät bekommt sie Angst vor ihrer eigenen Courage, als es schon keinen Weg mehr zurück gibt.

Wie Antonia selbst kann man nur ahnen, was wirklich mit den Papageien los ist, wie ihr Nachbar Jonas in der Sache drinsteckt und wie man dem Ganzen auf die Schliche kommen kann. Sicher ist man als erwachsener Leser da auch immer einen Schritt voraus, für die Zielgruppe ist es aber die ideale Mischung aus gut gesetzten Hinweisen und vollkommenem Rätsel.

Fazit

Ein spannendes Buch mit einer liebenswerten, wenn auch naiven und chaotischen Protagonistin, einem immer wieder überraschenden Plot und der richtigen Portion Humor.

diversity inside

|Blogtour| FanFictions

|Blogtour| FanFictions

liebesgeschichte

Diese Blogtour steht unter dem Motto „ComicCon Confessions“ und richtet sich damit vor allem an die Hardcorefans unter uns.

Mein Dasein als Fangirl begann in der achten Klasse mit Akte X. Heimlich – meine Eltern fanden die Serie für mein gerade vierzehnjähriges Ich nämlich nicht geeignet – auf Minimallautstärke fieberte ich mit Mulder und Scully und diskutierte am nächsten Schultag heiß mit meiner damaligen besten Freundin darüber. Zwar benutzten wir noch keine Wörter wie OTP oder Ähnliches, aber wir waren immerhin ausgewachsene X-Philes.

mulderscully

Erste Schritte ins Fanfictionschreiben machte ich in einer langweiligen Unterrichtsstunde, in der meine Freundin und ich ein Gedicht begannen, das mit den kreativen Worten

Der Mulder und die Scully,

die machten Halligalli.

begann und das stolze Ausmaß von über 30 Seiten auf Word erreichte, bis wir über die Tatsache unüberbrückbare Differenzen entwickelten, ob Mulder und Scully Nachwuchs zeugen sollten oder nicht. Es war, wie man sich denken konnte, keine literarische Meisterleistung, dafür aber unheimlich witzig.

Wie sieht eigentlich so eine richtige Fanfiction aus?

Fanfictions (oder kurz Fanfic bzw. FF) greifen die Geschichten von Büchern, Filmen, Serien und Co auf, setzen sie fort, ändern sie oder benutzen auch nur die Welt und/oder ihre Protagonisten, um etwas ganz Neues daraus zu erschaffen.

Daraus können tolle Geschichten entstehen, die einen entsprechend hohen Fankreis haben – in einzelnen Fällen waren sie schon Sprungbrett für Autoren (Cassandra Clare wurde zum Beispiel mit ihren FF über Draco Malfoy berühmt, an die sicher auch Clary und Jace angelehnt sind) oder wurden mit geänderten Namen zum Bestsellern (50 Shades of Grey lässt grüßen). Fanfictions in ihrem ursprünglichsten Verständnis existieren schon seit der Artussaga, im engeren Sinn seit den Weiterführungen von Sherlock Holmes und fanden ihren ersten Höhepunkt mit der Star Trek-Fangemeinde, die sogenannte Slash-Fictions beliebt machten – also Fanfics, die sich mit den sexuellen Beziehungen der Figuren auseinandersetzten.

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Auf Webseiten wie Fanfiktion.de (mit sage und schreibe 360094 Fics zum jetzigen Zeitpunkt) und in noch größerem Ausmaß auf fanfiction.net und wattpad.com findet man Geschichten zu allen Themen, die das Herz begehrt. Keine Kombination ist zu abwegig, um sie nicht in irgendeiner Fanfiction zu finden, wenn natürlich die ursprünglichen Pärchen der Vorbildwerke am beliebtesten sind, dicht gefolgt von nicht erfüllten Dreiecksbeziehungsausgängen und dem Erzfeind-wird-Lover-Ding, das sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut. Ich vertreibe mir mit Fanfictions gerne die Zeit zwischen zwei Serienstaffeln.

Nicht jede Fanfiction ist ein Meisterwerk, doch in diesem unüberschaubaren Angebot findet man immer wieder richtige Schätze von Autoren, von denen man sich wünschen würde, sie würden Bücher für Verlage schreiben, die man dann liebevoll ins Regal stellen kann. Unter diesen Autoren würde ich mich zwar nicht wiederfinden, denn meine Fanfictions zu Akte X – obwohl ich sie damals durchaus todernst gemeint hatte – haben eichhornchendoch im Nachhinein etwas Komödiantisches. Besonders stolz war ich zum Beispiel auf meinen Killereichhörnchenfall, der gekonnt natürlich auch aus der Sicht der entsprechenden Nagetiere geschrieben war. Ein Hoch darauf, dass ich damals nicht auf die Idee gekommen bin, das hochzuladen…

Mit Fanfictions beschäftigt sich in „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“ übrigens auch Roxys kleine Schwester Samira, die auf der Comic-Con damit auch auf viele Gleichgesinnte stößt.

„Von Roxanas elfjähriger Schwester ist nichts zu sehen, als ich mit den tellern ins Esszimmer gehe. Wahrscheinlich sitzt sie schon wieder über ihrer Fan-Fiction. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Mrs. Afsari genervt ist, wenn Samira sich ständig vor ihren Haushaltspflichten drückt, aber andererseits habe ich auch volles Verständnis für Samiras Drang zu schreiben. Schließlich weiß ich genau, wie es ist, wenn einen unerwartet die Muse küsst, egal, ob sie nun in Gestalt eines Superhelden oder eines Boygroupmitglieds daherkommt.“ (S.130)

Außerdem ist sich Graham sicher, dass sein Lieblingscomicautor Zinc in einem Fanforum zu seiner Reihe weiter an seiner Geschichte arbeitet und es unter dem Label „FanFiction“ laufen lässt. Ob er damit Recht hat? Lest es am besten selbst nach!

liebesImmer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas – sammelt einfach die Buchstaben aus unseren Blogtourbeiträgen zusammen und gewinnt eines von zwei Buchexemplaren. Mein Buchstabe ist also der dritte im Bunde.

Meine Frage lautet:

Wovon handelte meine schlechteste Fanfiction? Killer-_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _