|Rezension| Susanne Beyer, Martin Doerry „Mich hat Auschwitz nie verlassen“

|Rezension| Susanne Beyer, Martin Doerry „Mich hat Auschwitz nie verlassen“

auschwitz

DVA * 21.09.2015 * ISBN 978-3-641-17463-7

HC 29,99 € * eBook 23,99 € *  Leseprobe

Klappentext

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden; nur wenige Gefangene kamen mit dem Leben davon. Diejenigen, die die Lagerhaft überlebten, konnten oder wollten in den Jahren nach der Befreiung meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sie fühlten sich außer Stande, über die Exzesse der Entwürdigung, die sie in Auschwitz erfahren mussten, zu reden, oder sie fanden für ihre Erinnerungen kein Gehör.

Weltweit haben SPIEGEL-Redakteure und -Mitarbeiter nun ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers besucht und befragt, Susanne Beyer und Martin Doerry haben diese Berichte in einem Buch zusammengestellt. Die beeindruckenden Schilderungen der letzten überlebenden Zeugen von Auschwitz werden reich bebildert mit Porträts, die die Fotografen Sara Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk für diesen Band anfertigten. [randomhouse]
Meinung

Aus Geschichte zu lernen ist wichtig, war aber wohl noch nie wichtiger als in der momentanen Zeit. Natürlich kann man dafür Geschichtsbücher wälzen und Gedenkstätten besuchen, doch nichts vermittelt einen so lebendigen Eindruck wie die Erzählungen derer, die sie erlebt haben. In „Auschwitz hat mich nie verlassen“ erzählen 20 Überlebende, die mittlerweile überall auf der Welt leben, wie sie nach Auschwitz kamen, was sie dort erlebt haben und wie sie die Befreiung empfunden haben. Obwohl sich alle am selben Ort befunden haben, sind es doch 20 grundverschiedene Geschichten, die sich nur in ihren Tatsachen überschneiden.

Jeder der Überlebenden hat das, was geschehen ist, anders verarbeitet – was die einen nur als Nebensache erwähnen, hat sich den anderen auf immer in den Kopf gebrannt. Auch wie sie mit ihren tätowierten Nummern umgehen, ist grundverschieden – manche zeigen sich offen, manche verstecken sie oder haben sie sogar wegbrennen lassen, um sie nicht mehr sehen zu müssen. Manche konnten flüchten und berichten von ihrer Flucht. Manche fanden sogar ihre große Liebe im Lager. Aber alle sind sich einig: Was wir erlebt haben, muss erzählt werden. Und was sie erlebt haben, ist so unmenschlich und erschreckend, dass ich beim Lesen oft schlucken musste. Oft fällt in den Berichten der Satz, sie wurden behandelt und hätten sich gefühlt wie „Vieh“. Keine Brutalität wurde nicht dazu genutzt, ihnen vor Augen zu führen, wie wenig sie wert waren und wie brutal ihr Leben enden wird, wenn sie keinen Nutzen mehr für die Nazis haben. Nur wenige berichten von Deutschen, die ihnen geholfen haben, am Leben zu bleiben. In Auschwitz wurden die größten Monster eingesetzt, wird erzählt.

Begleitet werden die Berichte von alten Bildern der Zeitzeugen und eindrucksvollen Porträts.

Fazit

Ein wunderbares und gleichzeitig erschreckendes Beispiel für gelungene Oral History.

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|Blogtour| Über das Leben nachdenken

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2016-04_Blogtour_Leben

Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft.

Wünsch dir was!

Viele unserer Bräuche drehen sich darum, dass man sich zu bestimmten Momenten etwas wünschen darf. Die Möglichkeiten sind wirklich unendlich. Hier findet ihr 10:

  1. Viel Lungenvolumen braucht man, wenn man alle Samen einer Pusteblume auf einmal vom Stängel blasen kann. Glück hat auch, wer einen einzelnen dieser Samen fängt – er darf sich auch etwas wünschen und den Samen dann wieder auf Reise schicken.
  2. Seht ihr manchmal auf die Uhr und erwischt gerade eine Schnapszahl wie 11:11 Uhr? Wünscht euch schnell etwas! Dann dürft ihr aber nicht mehr auf die Uhr sehen, denn wenn ihr seht, wie die Zahlen umspringen, dann ist der Wünsche verfallen.
  3. Auch, wenn zwei Personen gleichzeitig dasselbe sagen, dürfen beide sich etwas wünschen.
  4. Um erste Male drehen sich einige Wünsche – betritt man das erste Mal eine Kirche, darf man sich etwas wünschen. Ebenso bei der ersten Nacht in einem neuen Bett. Und wer seinen ersten ausgefallenen Milchzahn wegwirft, der hat auch einen Wunsch frei.
  5. Weiße Pferde sind das Äquivalent zur schwarzen Katze – kreuzt man den Weg eines weißen Pferdes, hat man einen Wunsch frei.
  6. Hühner besitzen sogar sogenannte „Wunschknochen“ – sie laufen als Ypsilon zusammen. Ziehen zwei Personen von beiden Seiten daran, darf derjenige sich etwas wünschen, der das größere Stück abbekommt.
  7. Wirft man Kleingeld in einen Wunschbrunnen, darf man sich auch etwas wünschen.
  8. In Irland unterwegs? Dann haltet die Augen offen nach Kobolden. Fängt man einen, muss er drei Wünsche erfüllen.
  9. Wenn ihr einen Nagel findet, hämmert ihn ein und wünscht euch etwas dabei.
  10. Wenn du den ersten Stern am Himmel siehst, wünsch dir etwas. Dann darfst du nicht mehr an den Himmel sehen, bis weitere Sterne auftauchen, sonst verfällt der Wunsch wieder.

Was wünscht man sich denn so?

Ich glaube, dass die Welt einmal in Frieden lebt
und es wahre Freundschaft gibt.
Und der Planet der Liebe wird die Erde sein
und die Sonne wird sich um uns dreh‘n.

Natürlich kann man sich materielle Dinge wünschen – das neue Handy, die coole Handtasche, die schicken Sportschuhe oder das ein oder andere Buch. Und als Kinder haben wir das sicher auch viel öfter gemacht als heute. Wenn ich daran denke, was ich mir bei den zahlreichen Pusteblumen, Wunschbrunnen und sonstigen Gelegenheiten gewünscht habe, sind das mittlerweile aber Dinge, die man mit keinem Geld der Welt kaufen könnte (oder zumindest nur mit einem dicken Lottogewinn). Dinge, die so weit außerhalb des eigenen Einflusses liegen, dass nur Glück helfen wird. Dass ein erkranktes Familienmitglied wieder gesund wird. Dass manche Menschen aufhören, so viel Hass und Angst zu verbreiten. Dass jemand Hürden überwindet, an denen er verzweifelt und bei denen ich nicht helfen kann. Hier liegt es nicht an mir, dass diese Wünsche sich erfüllen. Es liegt an den anderen, den verworrenen Umständen, vielleicht sogar an vielen verschiedenen Menschen gleichzeitig.

Ich glaube, dass sich unsere Wünsche so verschieben, weil wir den Glauben an unsere Unverwundbarkeit, an die Unsterblichkeit unserer Lieben und den guten Kern in den anderen verlieren, den wir als Kinder noch besitzen. Wir erkennen, dass es Mama nicht immer alles richten kann, dass Oma und Opa alt werden, dass es anderen schlecht geht und es nicht mit einer Umarmung wieder getan ist. Oder wir beginnen, an uns selbst zu zweifeln, unser Kopf und unsere Seele wollen vielleicht plötzlich nicht mehr so funktionieren wie bisher.

Das Spiel der Wünsche

Das Wünsche nicht nur uns beeinflussen, sondern auch andere, dass ihre Erfüllung so oft von anderen Personen abhängig ist, das lernen auch die Protagonisten in Das Spiel der Wünsche auf sehr bittere Weise. Die hingewünschte Schönheit, von der jeder weiß, sie ist nicht echt, der weggewünschte Schmerz des Verlustes einer geliebten Person, die durch Wünsche zusammengehaltene Freundschaft – sie alle haben böse Folgen für diejenigen, die es sich vorher doch so ersehnt hatten. Denn wie viel ist es wert, hübsch zu sein, wenn man dahinter derselbe unsichere einsame Mensch bleibt? Was bleibt, wenn man einen so großen Teil seiner Emotionen einfach weghext anstatt sie zu durchleben und langsam zu heilen? Und möchte man wirklich für immer mit jemandem befreundet sein, der nur anruft, weil ein Zauber ihn dazu bringt? Die Figuren in diesem Buch reißen sich gegenseitig in einen Abwärtstrudel aus Wünschen, die sie unweigerlich miteinander verbinden, auch wenn es ihnen gar nicht bewusst war – und das nur, weil sie glücklich werden wollten. Zum Schluss steht die große Frage: Wären sie am Ende nicht glücklicher gewesen, wenn sie den schweren Weg gegangen wären?

Es wird einmal zu schön,
um wahr zu sein,
habt ein letztes Mal Vertrau‘n.
Das Hier und Heute ist dann längst vorbei,
wie ein böser alter Traum.
Es wird ein großer Sieg für die Gerechtigkeit,
für Anstand und Moral.
Es wird die Wiederauferstehung vom heiligen Geist
und die vom Weihnachtsmann.

[Lyrics: Die Toten Hosen – Wünsch dir was]

 

Euch reichen meine 10 Wunschgelegenheiten nicht? Bei Skyline of Books findet ihr am 25. weitere Möglichkeiten, euch ein paar Wünsche zu sammeln.

Um dieses Buch geht es:

978-3-401-60120-5

Als Aris Freund Win stirbt, entschließt sie sich, die schmerzhafte Erinnerung an ihn zu löschen – durch einen Zauber. Doch was Ari nicht weiß: Zwischen ihrem eigenen Leben und dem ihrer Freunde und Win bestehen geheime, sogar lebensbedrohliche Verbindungen. Und mit ihrem Wunsch setzt Ari eine Kette an Ereignissen in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist. Denn jeder Wunsch hat seinen Preis.

|Blogtour|

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2016-04_Blogtour_Leben

Die nächste Blogtour, die auch auf meinem Blog gastiert, steht unter dem Motto „Über das Leben nachdenken“ und beinhaltet nicht ein, nicht zwei, sondern gleich drei tolle Bücher aus dem Arenaverlag, zu denen wir uns etwas ausgedacht haben. Sie startet mit den Buchvorstellungen der drei Romane und macht Halt bei folgenden Blogs:

15.3. About Books

16.3. Damaris liest

17.3. The Wonderland Books

18.3. Manjas Buchregal

19.3. Ina’s Little Bakery

20.3. S.D. blogt

21.3.buchstabengeflüster

22.3. Hier am Blog

23.3. Schmökereck

24.3. Selection Books

25.3. Skyline of Books

26.3. Secrets of Nobody

27.3. Caro’s Tipp

28.3. Sarahs Bücherwelt

29.3. Uwes Leselounge

Ich beschäftige mich übrigens mit folgendem Buch:

978-3-401-60120-5

Als Aris Freund Win stirbt, entschließt sie sich, die schmerzhafte Erinnerung an ihn zu löschen – durch einen Zauber. Doch was Ari nicht weiß: Zwischen ihrem eigenen Leben und dem ihrer Freunde und Win bestehen geheime, sogar lebensbedrohliche Verbindungen. Und mit ihrem Wunsch setzt Ari eine Kette an Ereignissen in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist. Denn jeder Wunsch hat seinen Preis.

|Rezension| Adele Griffin „Das unvollendete Leben der Addison Stone“

|Rezension| Adele Griffin „Das unvollendete Leben der Addison Stone“

addison

cbt * 02.11.2015 * OT: The unfinished life of Addison Stone * ISBN 978-3-570-16385-6

TB 14,99 € * eBook 11,99 € *  Autor

Klappentext

Addison Stone ist eine hochbegabte, dynamische Künstlerin, die in New York lebt und gewagte Kunstwerke in Szene setzt – ein gefeiertes Wunderkind in der Szene. Doch ihr Leben endet viel zu früh, als sie eines Abends von der Manhattan Brücke stürzt. Sie war erst achtzehn Jahre alt. War es Selbstmord? Ein Unfall? Oder Mord? Anhand von Interviews mit ihrer Familie, ihren Freunde, ihrer hippen New Yorker Entourage und ihren vergangenen Liebhabern, einer Vielzahl von Kunstwerken und Fotos gerät man in den atemberaubenden Sog von Addison Stones faszinierendem und enigmatischem Leben …
Meinung

Die einzige Gelegenheit, bei der ich Klatschzeitschriften lese, ist, wenn ich im Wartezimmer sitze und kein Buch mitgenommen habe. Das führte jedoch dazu, dass mich die optische Aufmachung von Das unvollendete Leben der Addison Stone gleichzeitig abschreckte und anzog.

Abgeschreckt war ich, weil ich befürchtete, eine oberflächliche Geschichte über ein noch oberflächlicheres Mädchen in einer oberflächlichen Gesellschaft zu lesen. Tatsächlich gibt es in dieser Geschichte Charaktere, die vor Snobismus, Charakterlosigkeit und geerbtem Reichtum nur so strotzen. Dazu zählen viele von Addisons Freunden, die sie in New York trifft, ebenso wie ihr Exfreund Zach. Durch Erzählungen der anderen, aber auch durch ihre eigenen Aussagen entlarven sie sich dabei selbst – die Welt scheint sich nur um sie zu drehen, der Gedanke, dass jemand nicht besessen von ihnen sein könnte, ist völlig absurd.

Addison erfüllt das Klischee der psychisch gemarterten Künstlerin, die zwischen den höchsten Hochs und den tiefsten Tiefs schwankt, die man sich vorstellen kann, und ihr Umfeld mit in den Abgrund reißt – seien es nun die Lehrer, die sich für sie einsetzen, ihre Familie in ihrer kleinen Heimatstadt, ihre beste Freundin, die sich Vorwürfe macht, sich einmal von ihr lossagen zu wollen, oder ihre beiden Exfreunde, die ebenso besessen von ihr sind wie Addison umgekehrt von ihnen. Zusätzlich dazu bringt Addisons Schizophrenie noch einen sehr gruseligen Aspekt mit in die Geschichte ein. Nichtsdestotrotz kann man nicht leugnen, dass mit Addison ein so faszinierender Charakter geschaffen wurde, dass man gerne den Erzählungen über sie folgt und herausfinden möchte, wer nun die wahre Addison Stone gekannt hat.

In diesem Buch steckt eine Menge Arbeit und Herzblut. Nicht nur, dass hierfür extra Bilder von Künstlern gemalt wurden, die wirklich gut sind. Auch wurde durch Fotos mit diversen Modells eine Welt erschaffen, die es so gar nicht gab, die aber überzeugend so wirkt, als hätte es sie geben können – Aufnahmen für Magazine wechseln sich ab mit Fotos, die so spontan wirken, als stammen sie wirklich aus dem Alltag der Abgebildeten. Sogar auf Kinderfotos wurde zurückgegriffen.

FazitEin mit viel Mühe entwickeltes Buch, dessen Protagonistin es tatsächlich schafft, so interessant zu wirken, dass man ihr Leben gern verfolgt, auch wenn es tatsächlich fiktiv ist.

|Gewinnspiel| Infernale

|Gewinnspiel| Infernale

Gewinne mich!

infernale

Durch Zufall habe ich Infernale doppelt bekommen und möchte mein Glück nun natürlich mit euch teilen. Was ihr dafür tun müsst?

Ihr besitzt Twitter und/oder Instagram und postet einen Hinweis auf dieses Gewinnspiel mit den Hastags #einzuhausefürinfernale @umblaettern

Teilnahmebedingungen:

  1. Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, den 13.3., um 24:00 Uhr.
  2. Der Gewinner wird von mir am Montag gezogen und über seinen Account informiert. Wer sich nicht sicher ist, ob er darüber erreichbar ist, kann unter diesem Beitrag noch einmal mit Usernamen und gültiger Emailadresse kommentieren.
  3. Teilnehmen darf jeder über 18 aus Deutschland (darüber hinaus müsst ihr leider das Porto draufzahlen). Seid ihr unter 18, braucht ihr die Erlaubnis eurer Eltern.
  4. Der Gewinn wird von mir persönlich verschickt. Eure Adresse wird nur dazu genutzt und hinterher von mir wieder gelöscht.
  5. Bei dem Buch handelt es sich um ein Leseexemplar.
  6. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Meine Rezension zum Buch findet ihr hier.

|Rezension| Sophie Jordan „Infernale“

|Rezension| Sophie Jordan „Infernale“

infernale

Loewe * 15.02.2016 * OT: Uninvited (#1) * ISBN 978-3-7855-8167-4

HC 17,95 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Als Davy in einem DNA-Test positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin?
MeinungWie viel von dem, was uns als Menschen ausmacht, liegt in unserer DNA? Mit dieser Frage beschäftigt sich Infernale. In Davinas Zukunft wurde das sogenannte Mördergen entdeckt, das angeblich alle, die je einen Mord begangen haben, in sich tragen. Da die Kriminalitätsrate weiter und weiter steigt, ist es gelungen, ein Gesetz zu beschließen, das einen Test auf das HTS – das Homicidal Tendency Syndrome – in Amerika zur Pflicht zu macht.

Tatsächlich ist die Hauptfrage in diesem Buch, ob es unsere Gene unumgänglich machen, dass wir uns in eine bestimmte Richtung entwickeln, oder ob es die äußeren Umstände sind, die uns in Rollen zwingen, die wir gar nicht erfüllen wollten. Für Davy ist dies die Hauptfrage – dass sie das Gen trägt, ist für alle Schock und Überraschung zugleich, weil sie eine strahlende Zukunft als Musikwunderkind und Einserschülerin vor sich hatte. Bis dato und auch über ihr Outing hinaus hat sie immer wieder den Eindruck, dass man anderen ansehen könne, ob sie das Gen zu Recht tragen, und ist zu Anfang auch der festen Überzeugung, dass sie fälschlicherweise zwischen all den zukünftigen Straffälligen gelandet ist. Nichtsdestotrotz dauert es nicht lange, bis sie selbst markiert wird. Als Leser kann man beobachten, wie Davy und ihre neuen Freunde immer wieder in ihre Rolle gezwängt werden, egal ob sie zwickt und gar nicht passt, und wie sie sich dabei unwohl fühlen und in ihrer eigenen Überzeugung, ein guter Mensch zu sein, immer wieder aufs Neue erschüttert werden.

Infernale beginnt sehr langsam und beschäftigt sich über lange Zeit mit Davys Selbstzweifeln und ihrem Kampf, sich von ihrem alten Leben zu lösen und sich im neuen zurechtzufinden. Ihr Umfeld reagiert – mit Ausnahme ihres Bruders – durchweg negativ bis dahin, dass man als Leser völlig entsetzt ist. Menschen, die sie für ihre Freunde gehalten hat, fallen ihr in den Rücken und halten sie sogar für Freiwild, an dem man sich vergehen kann und das dafür auch noch dankbar sein sollte. Und nicht nur die – plötzlich hat Davy als Mensch keinen Wert mehr. Auch mit der Beziehung zwischen Sean und Davy lässt sich die Autorin Zeit – so viel Zeit, dass ich nach jeder verschwendeten Kussgelegenheit das Buch kurz zur Seite legen musste, um frustriert mit den Figuren zu stöhnen. Aber irgendwie gibt es auch nichts besseres, als eine sich schleichend entwickelnde Beziehung, bei der man auf den ersten Kuss lauert – das ist tausendmal lieber als die ominöse Liebe auf den ersten Blick.

Dass sich das Buch anschließend einer der momentan so beliebten Ausbildung-um-Leben-und-Tod-Richtungen einnimmt, bringt dann noch Schwung in die Sache. So ist das Setting und Drumherum nicht neu – Divergent, Red Rising und Co lassen grüßen –, aber spannender und rasanter als der Rest des Buches. Dieser Teil hätte ruhig noch mehr Platz einnehmen können.

FazitEin interessantes Gedankenexperiment, das erst gegen Ende hin in die Actionschiene rutscht.

|Aktion| Lovelybox „New Kids in the Box“

|Aktion| Lovelybox „New Kids in the Box“

Endlich ist sie da – die Überraschungsbox für die deutschen Leseratten, die Lovelybox. Jeden Monat kann man sich nun für eine Box mit 3 dir unbekannten Büchern unter einem immer neuen Oberthema bewerben.

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Die Lovelybox unter dem Thema „New Kids in the Box“ – hier dreht sich alles um das Debüt – trudelte an einem ganz stressigen Arbeitstag ein und so dauerte meine Vorfreude noch bis zum Wochenendstart, bis ich die Box auspacken durfte. Tatsächlich hätte ich mich bei Instagram fast gespoilert, hab dann aber so schnell vorbeigescrollt wie mein Daumen nur konnte.

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Tatsächlich bin ich sehr beeindruckt, wie hochwertig allein die Verpackung aussieht, die landet so schnell bestimmt nicht im Papiereimer, sondern bekommt einen besonderen Platz in der Bloggerkruschecke. Sicher seid ihr neugierig, welche Bücher dabei waren.

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So wüst und schön sah ich noch keinen Tag von Elizabeth Laban kannte ich tatsächlich schon im Vornherein, weil andere Blogger es schon rezensiert hatten. Ich konnte bisher keine negative Rezi lesen und freue mich umso mehr, das Buch endlich auch in meinen Händen zu halten.

„Im renommierten Irving-College ist es Tradition, seinem Zimmer-Nachfolger eine Überraschung zu hinterlassen. Duncan findet besprochene CDs seines Vorgängers Tim, die eine traurige Liebesgeschichte offenbaren. Tim, der als Albino meist zum Opfer von Anfeindungen und Mobbing wird, verliebt sich darin in die begehrenswerte Vanessa. Mit ihr fühlt er sich das erste Mal nicht als Außenseiter. Trotzdem fehlt ihm der Mut, ihr seine Gefühle zu gestehen. Ein Mangel an Selbstbewusstsein, der zum tragischen Unglück führt. Für Duncan ist Tims Geschichte aber der Anstoß, endlich den entscheidenden Schritt in Richtung Liebe zu tun.“

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Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar war mir bis dato tatäschlich sehr unbekannt und begibt sich zwar auf eine bekannte Reise zwischen verschiedenen Personen und Jahren, aber in ein Gebiet, in das ich bisher noch nicht gereist bin.

„Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar eine Geschichte, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. 1979. Behsad, ein junger kommunistischer Revolutionär, kämpft nach der Vertreibung des Schahs für eine neue Ordnung. Er erzählt von klandestinen Aktionen, funkenschlagender Hoffnung und davon, wie er in der literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Zehn Jahre später in der deutschen Provinz: Behsad und Nahid sind nach der Machtübernahme der Mullahs mit ihren Kindern geflohen. Stunde um Stunde verbringen sie vor dem Radio und hoffen auf Neuigkeiten von den Freunden, die untertauchen mussten. Sie wollen zurückkehren, unbedingt, und suchen zugleich eine Heimat in der Fremde. 1999 reist deren Tochter Laleh gemeinsam mit ihrer Mutter nach Teheran. Zwischen »Kafishaps«, Schönheitsritualen und geflüsterten Geheimnissen lernt sie ein Land kennen, das sich nur schwer mit den Erinnerungen aus der Kindheit deckt. Ihr Bruder Mo beobachtet ein Jahrzehnt später belustigt die pseudoengagierten Demos der deutschen Studenten. Doch dann bricht die Grüne Revolution in Teheran aus und stellt seine Welt auf den Kopf.“

buch3

Das zerstörte Leben des Wes Trench von Tom Cooper kenne ich bisher nur vom Cover, das mich ein wenig an Schulbücher über Kolonien erinnert. Die Geschichte klingt ein wenig abgefahren, mal sehen, was mich hier erwartet.

„Als Hurrikan Katrina mit den Südstaaten der USA fertig ist, hat Wes Trench alles verloren. Er ist kaum erwachsen, und doch erscheint es ihm, als sei sein Leben schon vorbei. Weil er es zu Hause nicht länger aushält, heuert Wes beim Shrimper Lindqvist an. Der alte Fischer ist noch übler dran: Was er fängt, reicht kaum zum Leben, ein Ölteppich bedroht die Küste, und zu allem Unglück ist ihm auch noch die Armprothese gestohlen worden. Besessen von der Idee, in den Sümpfen der Küste einen Schatz zu finden, fährt er immer wieder mit seinem Boot raus. Auch die gefährlich durchgeknallten Toup-Brüder, deren Grasplantagen er zu nahe kommt, können ihn nicht davon abhalten. Wes genießt die Freiheit an Lindqvists Seite und fasst allmählich neuen Mut, bis ihn ein weiterer Schicksalsschlag zu einer Entscheidung zwingt.“

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