|Rezension| Kate Ling „The Loneliness of Distant Beings“

|Rezension| Kate Ling „The Loneliness of Distant Beings“

distant beings

Little, Brown Books for Young Readers * 19.05.2018  *  * Ventura Saga #1 * DT: Wir zwei in fremden Galaxien * ISBN 978-1-510-20016-6

TB 7,99 €  * eBook 5,99 € * Autorin

Klappentext

Seren’s life might be confined to a tin can hurtling through space, but she wants more. More life. More passion. And the impossible: to feel sunshine on her skin.

But then she meets Dom, and he changes everything. Suddenly her dull grey life becomes technicolour. She’s not meant to love him, but to lose him would be like losing herself. She’s determined to keep hold of what they have, no matter how dangerous …

 

Meinung

Das Schiff, auf dem die Geschichte sich abspielt, folgt einer Mission, die über 300 Jahre andauert. Die Erde erreichte ein nicht decodierbares Signal aus einer Galaxie und die Aufgabe der Besatzung soll der Erstkontakt mit denjenigen sein, die das Signal geschickt haben. Um das Funktionieren der Mission zu garantieren, ist das Leben der Übergangsgenerationen streng bestimmt. Nach ihrer schulischen Ausbildung erfüllen sie einen fünfjährigen Servicedienst, in dem sie alle Arbeitsbereiche durchlaufen, um zu sehen, wo sie am besten eingesetzt werden können. Außerdem gibt es pro Generation nur acht neue Kinder, die nach ihrem Schulabschluss miteinander als Lebenspartner kombiniert werden. Deren Kinder entstehen wiederum durch künstliche Befruchtung. So soll garantiert werden, dass nur gesunde Kinder geboren werden, obwohl während der Mission neue Krankheiten aufgetaucht sind. Neue Musik ist verboten, nur die alte Musik von der Erde soll erhalten bleiben, und Filme sind darauf ausgelegt, das Leben auf dem Raumschiff schmackhaft zu machen. Das alles sind Aspekte, die man aus vergleichbaren Dystopien oder Science Fiction-Reihen wie Godspeed schon kennt, die aber eine Logik in sich tragen, dass das nicht so ins Gewicht fällt.

Zu Beginn fühlt sich Seren mit ihrem Schicksal auf dem Raumschiff sehr allein. Sowohl ihr Vater als auch ihre Schwester scheinen völlig zufrieden damit, dass ihr Leben fremdbestimmt ist, und ihr Großvater besetzt eine hohe Position auf dem Schiff. Ihre Frustration gipfelte in einem Nervenzusammenbruch, bei dem sie versuchte, sich mit bloßen Händen durch die Metallwände zu graben. Tatsächlich sind Serens Gefühle größtenteils sehr nachvollziehbar beschrieben und man fragt sich als Leser, wieso nur Seren so deutlich sieht, was auf dem Schiff schief läuft. Aber nach und nach zeigt sich, dass sogar sehr viele junge Bewohner des Schiffes mit ihrem Schicksal hadern, was Seren bestärkt und ihr – zusammen mit ihrer geheimen Beziehung – mehr Kraft und Selbstsicherheit verleiht. Davon abgesehen, dass sich Seren und Domingo viel zu schnell verlieben – nämlich innerhalb weniger Stunden – beschreibt sie auch ihre Begegnungen immer in den schönsten Farben und man versteht vollkommen, wieso die beiden wie geschaffen füreinander zu sein scheinen. Etwas unverständlich ist, dass beide für lange Zeit nicht konfrontiert werden, obwohl sie weder besonders vorsichtig sind und sich oft öffentlich und eindeutig einander zugewandt treffen, noch vor Freunden oder Verwandten leugnen, dass etwas zwischen ihren vorgeht.

Auch die anderen Charaktere sind vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Domingo hat eine dunkle Vergangenheit, in der er aus familiärer Verbundenheit gewalttätig geworden ist. Und Ezra, dem Seren als Lebenspartnerin zugeteilt wurde, ist nicht der miese selbstverliebte Egoist, der er zuerst zu sein scheint, und man fühlt sogar mit ihm, als er sich Hoffnung macht, dass seine arrangierte Ehe doch funktionieren kann und dann merken muss, dass sie nicht zu retten ist. Dennoch hält die Autorin eine Hintertür zu einer möglichen Dreiecksgeschichte offen, denn Ezra liebt Seren offensichtlich und sie selbst muss auch zugeben, dass er ihr nicht völlig egal ist.

Die Geschichte schreitet schnell voran und es geschieht in kurzer Zeit so viel, dass man sich nicht durch Längen kämpfen muss, man aber dennoch ruhige Momente mit den Protagonisten erlebt, die von ihrer Emotionalität leben. Das Ende könnte so offen gelassen werden, es besitzt keinen Cliffhanger.

 

Fazit

The Loneliness of Distant Beings ist ein packender Serienstart, der auch gut für sich alleine stehen könnte. Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und sympathisch und die Geschichte schreitet rasch und spannend voran, ohne emotionale Momente außer Acht zu lassen.

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|Rezension| Cristin Terrill „Zeitsplitter – Die Jägerin“

|Rezension| Cristin Terrill „Zeitsplitter – Die Jägerin“

zeitsplitter

Klappentext

Marina steht am Anfang: Sie ist reich, beliebt und verliebt in einen hinreißend attraktiven Jungen. Em ist am Ende: Sie ist seit Jahren auf der Flucht, seit Monaten in einer winzigen Zelle eingesperrt, wird beinahe täglich verhört. Die beiden Mädchen haben nichts gemeinsam, außer der einen Sache: Sie sind ein und dieselbe Person. Vier Jahre trennen sie. Vier Jahre, in denen die Welt an den Rand des Abgrunds gerät. Doch Em bekommt die Möglichkeit, durch eine Zeitreise die Vergangenheit zu ändern. Nur ist der Preis, den sie dafür zahlen muss, schrecklich …

Meine Meinung

Zeitreisebücher sind bei mir ja so ein Thema für sich. Entweder ich mag sie oder sie langweilen mich zu Tode. Größtenteils trifft Letzteres zu. Wahrscheinlich hätte ich Zeitsplitter also von selbst erstmal gar nicht gekauft – und damit echt was verpasst!

In Zeitsplitter begleitet man zwei Personen, die eigentlich eine einzige sind: die junge Marina, die in ihren besten Freund James verliebt ist und dessen besten Freund Finn aufs Verderben nicht leiden kann, und die ältere Em, die gemeinsam mit ihrem Freund Finn versucht, die Zukunft zu ändern, indem sie in die Vergangenheit reisen. Dabei ist die junge Marina richtiggehend nervtötend, naiv, manipulierbar und oberflächlich und steht im starken Kontrast zu der älteren gebeutelten Version, die schon beinahe mütterliche Gefühle für ihr jüngeres Ich hegt. Im Vergleich dazu bleibt Finn größtenteils der Finn, der er schon immer war. Durch Zeitsprünge, die die beiden bei ihrem Aufenthalt in der Vergangenheit durchmachen müssen, bekommt man auch einen Einblick, wie aus der jungen die alte Version geworden ist und wie es dazu kam, dass die beiden sich verlieben.

Die Autorin schafft es, immer wieder Wendungen in die Geschichte einzubauen, die den Leser überraschen. So erfährt man nach und nach, wer der Doktor und wer der Direktor in Wirklichkeit sind und welche Manipulationen in der Zeit vorgenommen wurden, wobei ich mir hier sogar noch mehr Informationen gewünscht hätte bezüglich der Zeit, aus der die älteren Em und Finn kommen, da sie mit unserer Version nichts mehr zu tun hat.

Das Tüpfelchen auf dem I ist es für mich aber immer, wenn mich ein Buch irgendwo zum Weinen bringt – das heißt nämlich, dass es der Autor geschafft hat, dass mir die Figuren ans Herz wachsen. Und hab ich geweint, ohje! Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist jedoch, dass es eine Fortsetzung geben soll. Wer darauf aber keine Lust hat – wenn ihr mit einem bittersüßen Ende leben könnt, müsst ihr Teil 2 auch nicht lesen. Die Geschichte an sich ist nämlich sehr zufriedenstellend abgeschlossen.

|Rezension| Melissa West „Gravity“

|Rezension| Melissa West „Gravity“

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 Reihe: The Taking Band: 1

Entangled Teen (18. Dez  2012) – 284 Seiten – ISBN 1620610914 – 7,40 € Taschenbuch

Die Geschichte

Nach dem vierten Weltkrieg helfen Aliens – sogenannte Ancients – der Menschheit, ihren atomverseuchten Planeten wiederherzustellen. Im Gegenzug möchten sie mit auf der Erde leben, sobald sie sich an die Atmosphäre und die Krankheiten dort angepasst haben. Das geschieht durch das „Taking“, indem sie jede Nacht von den Menschen Antikörper übernehmen.

Ari muss feststellen, dass ihr Mitschüler Jackson der Ancient ist, der sie jede Nacht besucht – und er bittet sie um Hilfe. Denn im Hintergrund droht ein Krieg zwischen Aliens und Erdbewohnern, den die Regierung provoziert. Nur Ari hat die Möglichkeit, genug Informationen zu sammeln, um ihn aufzuhalten, denn ihr Vater ist der oberste Commander.

Meinung

Aliens sind für mich ja eine mehr oder weniger neue Entdeckung. Zwar liebe ich The Host bis jetzt noch und freue mich wie Bolle auf den Film, war von Exiled aber wiederum mehr als unterwältigt. Dennoch hat Gravity schnell meine Aufmerksamkeit gewonnen und es wurde vorbestellt. Jetzt füllt es aber leider nur den Mittelteil zwischen absolutem Lieblingsbuch und absolutem Fehlkauf im Außerirdischenbereich meines Regals.

Am meisten hat mich gestört, dass die Entwicklung der dystopischen Welt in Gravity so grauenhaft lückenhaft ist. Man befindet sich im 22. Jahrhundert, nach dem 4. Weltkrieg. Ganz recht, dem Vierten. Was beim Dritten geschehen ist? Das weiß die Autorin selbst wohl auch nicht, also schweigt sie sich darüber aus. Auch über den Vierten bekommt man nur spärliche Informationen, obwohl er die Basis für das existierende Regierungssystem bildet. Hier hat jeder Kontinent einen Präsidenten, dessen Stellung in den Generationen weitervererbt wird.  Bekommt ein Präsident oder eine Präsidentin keinen Nachwuchs, übernimmt einfach ein anderer Präsident einen weiteren Kontinent. Von unfairer Machtverteilung ist hier nicht die Rede, was mich schwer wundert, da sich offensichtlich nicht alle Präsidenten grün sind.

Auch die Aliens – Ancients genannt – waren nicht überzeugend. Obwohl es sich hier wie bei The Host um eine angeblich auf Frieden fixierte Alienart handelt, schicken sie einen ganze Menge kampftrainierte Spione auf die Erde. Zwischen den Ancients und den Menschen existiert eine Abmachung, darüber, dass die Ancients nach ihrer erfolgreichen körperlichen Anpassung an die Erdatmosphäre die Erde mitbevölkern dürfen, wenn sie dafür sorgen, dass sie nach dem mit Atomwaffen geführten Krieg den Planeten wieder zu seinem ursprünglichen Zustand zurückbringen. Um sich an die Atmosphäre anzupassen, kommen sie jeden Abend in die Zimmer der Menschen und tauschen mit ihnen Antikörper aus, bis sie irgendwann alle nötigen erlangt haben, um nicht von Erdkrankheiten dahingerafft zu werden. Obwohl dadurch auch gesichert wird, dass sich ihr Körper menschlich entwickeln, reisen sie über Bäume und können sich aus ihnen „herausschälen“.

Ari ist an sich ja ein sympathischer Charakter (und leider auch der einzige, der so richtig entwickelt ist) – sie hat ihren eigenen Kopf, kann sich ganz gut um sich selbst kümmern und auch mal richtig zuschlagen. Leider hat sie wie so viele andere Protagonistinnen diese grauenvolle Angewohnheit, ihr Hirn auszuschalten, sobald ihr ein gutaussehender Junge schöne Augen macht – und so nimmt sie entweder alles als gegeben hin, was Jackson ihr so erzählt, oder vergisst nachzufragen, weil seine körperliche Attraktivität sie ablenkt. Dabei hasst sie Jackson vorher noch bis aufs Blut, weil er ihr größter Konkurrent ist, muss dann auch noch herausfinden, dass er ein Ancient ist und lässt sich dennoch innerhalb einer Stunde davon überzeugen, dass nur sie beide die ganze Welt retten können. Ja klar. Ich habe ja die ganze Zeit darauf gewartet, dass Jackson sagt: Ha, verarscht, ich hab dich voll ausgenutzt und du hast es nicht kapiert. Lawrence und Gretchen, die beiden restlichen Protagonisten, sind richtig unausgereifte Charaktere und ich hatte beim Lesen nicht einmal ein Gesicht vor Augen, wenn es um beide ging. Sie sind halt da und sind praktisch.

Natürlich war nicht alles schlecht an Gravity – spannend war es schon, nach und nach zu erfahren, was sich die Menschen so ausgedacht haben, und mehr als einmal war ich wirklich angewidert davon, was da ablief. Und auch wenn es die Autorin nicht so hat mit den unauffälligen Anspielungen, wollte ich doch wissen, wie sich die Beziehungen entwickeln und wie sich alles zum Schluss auflöst.

Alles in allem ist Gravity eben ein mittelmäßiges Buch – kann man lesen, kann man aber auch lassen.

Anfänger neu

|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer: Vertraue niemandem“

|Rezension| Amy Kathleen Ryan „Sternenfeuer: Vertraue niemandem“

Reihe: Sternensaga Band: 2

Knaur (3. Dez 2012) – 432 Seiten – ISBN 978-3-426-65327-2 – 16,99 € Hardcover

Klappentext

Aus der Reise des Raumschiffs Empyrean zu einem weit entfernten Planeten ist ein Kampf um Leben und Tod geworden: Kieran ringt mit der Verantwortung, die als neuer Kommandant auf seinen Schultern lastet; Waverley muss alles daransetzen, ihre entführten Eltern zu befreien; und Seth, der in einer Arrestzelle eingesperrt ist, ahnt als Einziger, dass es einen blinden Passagier an Bord gibt, der nicht eher ruhen wird, bis er die Empyrean vernichtet hat …

Meine Meinung

Vom  ersten Teil der Sternensaga war ich nicht unbedingt überwältig – zuerst war es mir ein wenig zu Godspeed-ähnlich und dann ging mir die Hauptfigur Kieran so auf die Nerven, dass ich seine Stellen irgendwann überflogen habe. Dennoch wollte ich am Ende doch wissen, wie es weitergeht.

Oft sind zweite Bände Lückenfüller, in denen irgendwie nichts passiert, und das auf 300 Seiten. In diesem Fall ist Band 2 jedoch wesentlich spannender als der Serienauftakt selbst und überblättert habe ich diesmal keine einzige Seite. Probleme hatte ich immer noch mit dem Schreibstil. Von poetisch oder fließend kann hier nicht die Rede sein, eher von direkt und abgehackt. Mir hat so die eine oder andere Stelle gefehlt, in der man die Stimmung richtig mitfühlen konnte, weil einem das Geschehen so faktenmäßig hingeknallt wird.

Während im ersten Band Kieran, Seth und Waverly getrennt waren, befinden sie sich nun alle drei wieder auf demselben Schiff. Zwar wird immer noch aus den drei verschiedenen Sichten erzählt, insgesamt verbindet sich die Story aber viel besser, weil man nicht zwei komplett getrennte Handlungen hat, denen man folgen muss und dementsprechend auch aus der Erzählung gerissen wurde. Dadurch, dass man nicht durchweg den Gedankengängen eines einzelnen Protagonisten folgt, ist man von deren Verhalten sogar oftmals überrascht. Kieran ist und bleibt ein unerträglicher Mensch und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand seine Figur mag, was sicher auch so beabsichtigt ist. Doch auch Waverlys Verhalten wird in diesem Buch immer extremer – in ihren Bemühungen, gegen Kieran zu arbeiten und ihn vom Thron zu stoßen, wird sie immer mehr wie er selbst. Schön fand ich, dass man mehr von Seth zu hören bekommt, der aus seinem Verhalten gelernt zu haben scheint. Trotzdem habe ich den Figuren außer mäßiger Sympathie oder extremer Abneigung keine Gefühle entgegenbringen können – leider eben eine Begleiterscheinung des Schreibstils.

Mit dem Magen des Lesers wird erneut nicht zimperlich umgegangen, da übergeben sich Menschen, pinkeln sich vor Angst in die Hose oder ähnliches – wer hier empfindlich ist, der wird wohl nicht immer seine Freude mit dem Buch haben. Wenn man darüber aber hinwegsehen kann, bekommt man mit diesem Buch eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger übertrifft.