|Blogtour| FanFictions

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liebesgeschichte

Diese Blogtour steht unter dem Motto „ComicCon Confessions“ und richtet sich damit vor allem an die Hardcorefans unter uns.

Mein Dasein als Fangirl begann in der achten Klasse mit Akte X. Heimlich – meine Eltern fanden die Serie für mein gerade vierzehnjähriges Ich nämlich nicht geeignet – auf Minimallautstärke fieberte ich mit Mulder und Scully und diskutierte am nächsten Schultag heiß mit meiner damaligen besten Freundin darüber. Zwar benutzten wir noch keine Wörter wie OTP oder Ähnliches, aber wir waren immerhin ausgewachsene X-Philes.

mulderscully

Erste Schritte ins Fanfictionschreiben machte ich in einer langweiligen Unterrichtsstunde, in der meine Freundin und ich ein Gedicht begannen, das mit den kreativen Worten

Der Mulder und die Scully,

die machten Halligalli.

begann und das stolze Ausmaß von über 30 Seiten auf Word erreichte, bis wir über die Tatsache unüberbrückbare Differenzen entwickelten, ob Mulder und Scully Nachwuchs zeugen sollten oder nicht. Es war, wie man sich denken konnte, keine literarische Meisterleistung, dafür aber unheimlich witzig.

Wie sieht eigentlich so eine richtige Fanfiction aus?

Fanfictions (oder kurz Fanfic bzw. FF) greifen die Geschichten von Büchern, Filmen, Serien und Co auf, setzen sie fort, ändern sie oder benutzen auch nur die Welt und/oder ihre Protagonisten, um etwas ganz Neues daraus zu erschaffen.

Daraus können tolle Geschichten entstehen, die einen entsprechend hohen Fankreis haben – in einzelnen Fällen waren sie schon Sprungbrett für Autoren (Cassandra Clare wurde zum Beispiel mit ihren FF über Draco Malfoy berühmt, an die sicher auch Clary und Jace angelehnt sind) oder wurden mit geänderten Namen zum Bestsellern (50 Shades of Grey lässt grüßen). Fanfictions in ihrem ursprünglichsten Verständnis existieren schon seit der Artussaga, im engeren Sinn seit den Weiterführungen von Sherlock Holmes und fanden ihren ersten Höhepunkt mit der Star Trek-Fangemeinde, die sogenannte Slash-Fictions beliebt machten – also Fanfics, die sich mit den sexuellen Beziehungen der Figuren auseinandersetzten.

slashfan.gif

Auf Webseiten wie Fanfiktion.de (mit sage und schreibe 360094 Fics zum jetzigen Zeitpunkt) und in noch größerem Ausmaß auf fanfiction.net und wattpad.com findet man Geschichten zu allen Themen, die das Herz begehrt. Keine Kombination ist zu abwegig, um sie nicht in irgendeiner Fanfiction zu finden, wenn natürlich die ursprünglichen Pärchen der Vorbildwerke am beliebtesten sind, dicht gefolgt von nicht erfüllten Dreiecksbeziehungsausgängen und dem Erzfeind-wird-Lover-Ding, das sich immer größer werdender Beliebtheit erfreut. Ich vertreibe mir mit Fanfictions gerne die Zeit zwischen zwei Serienstaffeln.

Nicht jede Fanfiction ist ein Meisterwerk, doch in diesem unüberschaubaren Angebot findet man immer wieder richtige Schätze von Autoren, von denen man sich wünschen würde, sie würden Bücher für Verlage schreiben, die man dann liebevoll ins Regal stellen kann. Unter diesen Autoren würde ich mich zwar nicht wiederfinden, denn meine Fanfictions zu Akte X – obwohl ich sie damals durchaus todernst gemeint hatte – haben eichhornchendoch im Nachhinein etwas Komödiantisches. Besonders stolz war ich zum Beispiel auf meinen Killereichhörnchenfall, der gekonnt natürlich auch aus der Sicht der entsprechenden Nagetiere geschrieben war. Ein Hoch darauf, dass ich damals nicht auf die Idee gekommen bin, das hochzuladen…

Mit Fanfictions beschäftigt sich in „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“ übrigens auch Roxys kleine Schwester Samira, die auf der Comic-Con damit auch auf viele Gleichgesinnte stößt.

„Von Roxanas elfjähriger Schwester ist nichts zu sehen, als ich mit den tellern ins Esszimmer gehe. Wahrscheinlich sitzt sie schon wieder über ihrer Fan-Fiction. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Mrs. Afsari genervt ist, wenn Samira sich ständig vor ihren Haushaltspflichten drückt, aber andererseits habe ich auch volles Verständnis für Samiras Drang zu schreiben. Schließlich weiß ich genau, wie es ist, wenn einen unerwartet die Muse küsst, egal, ob sie nun in Gestalt eines Superhelden oder eines Boygroupmitglieds daherkommt.“ (S.130)

Außerdem ist sich Graham sicher, dass sein Lieblingscomicautor Zinc in einem Fanforum zu seiner Reihe weiter an seiner Geschichte arbeitet und es unter dem Label „FanFiction“ laufen lässt. Ob er damit Recht hat? Lest es am besten selbst nach!

liebesImmer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas – sammelt einfach die Buchstaben aus unseren Blogtourbeiträgen zusammen und gewinnt eines von zwei Buchexemplaren. Mein Buchstabe ist also der dritte im Bunde.

Meine Frage lautet:

Wovon handelte meine schlechteste Fanfiction? Killer-_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

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|Aktion| Der Lovelybooks Leserpreis – meine Nominierungen

|Aktion| Der Lovelybooks Leserpreis – meine Nominierungen

Es ist wieder soweit – der Lovelybooks Leserpreis wird verliehen. Doch zuerst einmal müsst ihre eure Lieblingsbücher dafür ins Rennen schicken.

Bis zum 10. November 2016 können Leser bei Lovelybooks ihre Buch-Favoriten des Jahres 2016 nominieren.
Auf die Shortlist schaffen es die beliebtesten 35 Titel, die dann vom 14. bis 22. November für den DER LESERPREIS in Gold, Silber und Bronze zur Abstimmung stehen. DER LESERPREIS wird in 14 Kategorien verliehen: Romane, Krimi und Thriller, Fantasy und Science Fiction, Jugendbücher, Kinderbücher, Liebesromane, Erotische Romane, Historische Romane, Humor, Sachbuch und Ratgeber, bestes Hörbuch, bestes E-Book Only, bester Buchtitel sowie das beste Buchcover. Am 24. November gibt LovelyBooks.de die Preisträger bekannt.
Was den DER LESERPREIS so besonders macht? Allein die Leser entscheiden, welche Neuerscheinungen des Jahres zu den besten Büchern 2016 gekürt werden und teilen so die Bücher, die sie wirklich lieben und empfehlen.

Ich habe nur in wenigen Kategorien nominiert und zwar folgende Bücher:

Jugendbücher:

Kinderbücher:

Fantasy & Science Fiction:

london

Humor:

freitag

Hörbuch:

lady-hor

Und, habt ihr schon nominiert? Sind wir uns irgendwo einig? Oder fandet ihr meine Nominierungn persönlich sogar unmöglich?

|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

|Rezension| Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“

ungehorigkeir

C. Bertelsmann * 22.02.2016  *  OT: Unbecoming * ISBN 978-3-570-10292-3

HC 19,99 €  * eBook 15,99 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …

Meinung

Für die Ungehörigkeit des Glücks habe ich eine unverschämt lange Zeit gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Immer wieder musste ich es zur Seite legen und schlucken. Dieses Buch erzählt die Geschichte dreier Generationen, die eher unwillig aufeinanderstoßen.

Katie ist im Teenageralter und leidet unter den hohen Erwartungen und strengen Regeln ihrer Mutter Caroline. Sie ist ein kluges Mädchen, das sich aber nicht nur darauf reduziert sehen möchte. Ihre einzige Freundin hat sie verloren, weil sie sie geküsst hat. So allein auf sich gestellt hadert sie mit sich selbst, als ihre Großmutter Mary wieder in ihr Leben tritt. Mary hat Alzheimer und schwankt zwischen klaren Episoden und dem Horror, den man erlebt, wenn man seine Erinnerung verliert und sich dessen auch bewusst ist. Während Mary und Katie sich erstaunlich gut verstehen, ist Marys Tochter Caroline über die Zusammenführung komplett unglücklich, denn Mary hatte sie als Baby an ihre Schwester Pat übergeben und sich seitdem nicht mehr bei ihr gemeldet.

Nun zeigt sich im Laufe des Buches, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Vor allem Marys und Carolines Geschichte hat einen sehr verworrenen Hintergrund. Hätte ich nun einfach das Buch in einem Rutsch durchgelesen, hätte ich es wohl echt blöd gefunden, wie Caroline mit Mary umgeht. Oder gut gefunden, dass Katie nicht mehr dauernd auf ihre Mutter hört. Aber mit längerem Nachdenken musste ich feststellen, dass jede Medaille eben doch zwei Seiten hat und das fand ich sehr gut vermittelt.  Ich muss zugeben, dass die Erzählweise auch ziemlich langsam ist. Es tut sich eigentlich gar nicht viel hier. Die Ungehörigkeit des Glücks ist mehr eine Beobachtung dreier Frauen und deren gemeinsamer Zeit. Und das geschieht mit viel Hingabe zum Detail, mit Ausschmückungen von Momenten und der Konzentration auf Emotionen und weniger auf Taten. Das muss man wollen, aber dann ist es gut gemacht.

Fazit

Ein stilles, lange nach klingendes Buch über drei Frauen verschiedener Generationen, die jede auf ihrer eigenen Suche nach dem Glück ist, mit detailliert ausgearbeiteten Charakteren.

diversity inside

|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

|Aktion| Buchmesseblues-Challenge

messebluesDie Frankfurter Buchmesse ist vorbei und auch wenn ich mich von meinem Halle 3.0-Trauma von Samstag noch erholen muss, bin ich doch wehmütig ob der vielen vielen Menschen, die ich nur zu solchen Gelegenheiten sehen kann, was eindeutig viel zu selten ist.

Da hatten Stehlblüten und BookWalk doch eine ganz wunderbare Idee: eine Lesechallenge, an der möglichst viele tolle Buchmenschen teilnehmen.

Die Aufgaben

  • Lies ein Buch, das sich schon mehr als ein Jahr auf dem SuB befindet.
  • Beende eine angefangene Reihe.
  • Lies einen Einzelband.
  • Lies ein Buch, dessen Genre du sonst nicht so oft liest.
  • Lies ein Buch mit über 500 Seiten.
  • Lies ein Buch, das du dir nicht selbst gekauft hast.
  • Lies ein Buch, das du aufgrund einer Rezension/eines Bookstagram-Posts gekauft hast.
  • Lies ein Buch, dessen Titel nur aus einem Wort besteht.
  • Lies ein Buch von einem Autor, den du noch nicht kennst.
  • Lies ein Buch von einem Autor, von dem du am meisten Bücher im Regal hast.
  • Liest ein Buch mit einem gelben oder orangen Cover.
  • Lies ein fremdsprachiges Buch.

Diesen Beitrag werde ich zu passenden Gelegenheiten updaten und wieder nach oben kramen.

|Rezension| Angela Mohr „Ada“

|Rezension| Angela Mohr „Ada“

ada

Arena * 13.07.2015  *  ISBN 978-3-401-60112-0

HC 14,99 €  * eBook 11,99 € * Autorin * Leseprobe

Klappentext

Ohne das Dorf gibt es kein Überleben. Draußen lauert das Verderben, und nur im Dorf bist du sicher. Das ist es, woran Ada glaubt – bis Luca auftaucht und alles in Frage stellt. Von ihm erfährt Ada: Ihr totgeglaubter Bruder Kassian lebt! Zusammen mit Luca bricht sie jede Regel, die das Dorf jemals aufgestellt hat. Schließlich geht Ada bis zum Äußersten: Sie flieht aus der Gemeinschaft. Sie will ihren Bruder finden. Doch erträgt sie die Wahrheit, die sie jenseits des Dorfes erwartet?

Meinung

Viele Problemliteratur für Jugendliche ist mir ja zu oberflächlich, schlecht recherchiert oder einfach so gefühllos herübergebracht, dass es mich innerlich schrecklich davor gruselt. Deswegen freut es mich umso mehr, wenn ich auf solche Perlen wie „Ada“ stoße.

Von schlechter Recherche kann man hier schon gar nicht sprechen, denn dieses Buch war ein Herzensprojekt der Autorin, in das sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen konnte, denn sie selbst verbrachte ihre Kindheit und Jugend in einer christlichen Sekte. Dass sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn man erkennen muss, dass man angelogen wurde und wie sehr einem das den Boden unter den Füßen wegreißt, wird an Ada sehr deutlich. Einen Großteil des Buches geht es tatsächlich darum, wie das junge Mädchen mit seinen Selbstzweifeln, seinen Sehnsüchten und seinem Glauben kämpft und wie schwer es ihm fällt, damit klar zu kommen, dass die, denen es vertraut hat, ihm nichts Gutes wollten.

Luca hingegen zeigt deutlich, wie es passieren kann, dass jemand von außen in eine Sekte geraten kann. Er selbst ist durch seinen gewalttätigen Vater zwar von Grund auf misstrauisch, doch auch er kann sich nicht helfen und die positiven Seiten des abgeschiedenen Lebens der Dorfgemeinschaft genießen. Vielmehr ist es Ada und die Art, wie die anderen mit ihr umgehen, was ihm am deutlichsten zeigt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vorgeht. Seine Mutter hingegen, die bis dato weder Halt noch Hoffnung gekannt hat, fügt sich in die Sekte ein und fühlt sich dabei so glücklich wie schon seit Jahren nicht mehr.

Einerseits fand ich die beiden Erzählperspektiven von Luca und Ada sehr interessant, weil man Szenen oft aus zwei Blickwinkeln sieht und erkennt, wie unterschiedlich das Leben im Dorf aufgefasst wird. Sicher hätte ich aber auch die ursprünglich angedachte Version, nur Ada zu Wort kommen zu lassen, gerne gelesen, weil man so sicher noch mehr Eindruck davon erhalten hätte, wie logisch für Ada war, dass ihre Art zu leben und die Geschichten der Ältesten die einzige Wahrheit darstellen. Auch Liz – selbst, wenn sie einem anfangs wohl wirklich unheimlich unsympathisch sein wird – bringt noch einmal eine ganz neue Sichtweise ein, weil sie das komplette Gegenteil von Ada ist und ihrer eigenen Welt zuerst ebenso unkritisch gegenübersteht wie Ada ihrem Dorf.

Angela Mohr hat eine sehr unaufgesetzte, aber gleichzeitig ausdrucksstarke Art zu schreiben, die einem das Geschehen deutlich vor Augen treten lässt. Ich habe mit Ada und Luca gezittert bis zuletzt.

Fazit

Ein leider viel zu unbeachtetes Buch, das mich noch Tage lang weiter verfolgt hat.

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|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

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Arena * 01.07.2016  *  ISBN 978-3-401-60216-5

HC 16,99 €  * eBook 13,99 € * Autorin

Klappentext

Durch die Heirat ihrer Mutter mit dem Grafen Frederik von Raben zieht Pippa in ein prächtiges Schloss nach Dänemark. Doch ihre neue Familie birgt ein Geheimnis, das immer mehr Besitz von Pippa ergreift. Seltsame Dinge geschehen und bald weiß sie nicht mehr, was real ist und was nicht. Bei einem Ball begegnet Pippa ihrem verwirrend attraktiven Stiefbruder Niels. Beide kommen sich schnell näher, doch auch Niels scheint nicht ganz ehrlich zu sein. Als Pippa klar wird, welche Mächte in Schloss Ravensholm lauern, muss sie alles aufs Spiel setzen, um die zu retten, die sie liebt …

Meinung

Eines vorweg: Wer mit Glimmernächte eine abgeänderte Version von Titeln wie Selection und Das Juwel erwartet, der liegt trotz des ähnlichen (und durchaus ansehnlichen) Covers weit daneben. Denn hier geht es mehr um Verschwörungen mit einem Hauch von Übersinnlichem.

Zu Beginn des Buches dachte ich ja, die Geschichte würde in eine ganz andere Richtung gehen, als sie es dann letztendlich tat: es wurde so viel über nordische Mythologie gesprochen, über Runen etc, dass ich mich schon richtig darauf gefreut hatte, eine moderne Version der nordischen Götter zu treffen. Das ist wohl meiner leichten Besessenheit für diese Mythologie geschuldet – ich wollte das auch unbedingt so sehen und habe schon fleißig herumgerätselt, was da nun wohl auf wessen göttlichen Mist gewachsen war. Spoiler: Als die Story dann in Richtung Geheimbünde gekippt ist, war ich sogar richtiggehend enttäuscht – menno. Persönlich weiß ich auch so wenig über diesen Geheimbund, dass ich mir gar kein richtiges Urteil darüber erlauben möchte, ob die beiden Themen jetzt so richtig vereinbar waren. Irgendwie hat es sich aber nicht stimmig angefühlt.

Davon abgesehen fand ich es aber sehr spannend zu beobachten, wie Pippa versucht, hinter die seltsamen Vorkommnisse im Schloss zu kommen und langsam, aber sicher an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Noch einmal zur Verwirrung tragen die eingeschobenen Erinnerungen einer unbekannten Person bei. Ich hatte mehrere wilde Theorien, was genau los war, auch wenn ich schon früh einen Verdacht hatte, wer es nicht gut mit Pippa meint. Sicher, wie das funktioniert, war ich aber lange nicht.

Ganz schön gestört hat mich die Instantlove von Pippa und Niels. Ja, Niels ist gutaussehend und sagt lauter tolle, ganz schnulzige Dinge zu ihr, ist aber auf der anderen Seite auch a) anfangs einfach echt mies zu ihr, b) angeblich verrückt und hat sogar einen Betreuer und c) eigentlich fast nie da. Ich hätte es besser gefunden, wenn beide mehr Zeit miteinander verbracht hätten, damit Pippas Vertrauen in ihn berechtigter gewesen wäre.

Einerseits war ich also ganz schön begeistert von Glimmernächte – ich fand es spannend, die Mythologie hat mich begeistert, auf lange Strecke war es für mich auch ziemlich undurchsichtig, was passiert ist. Und am allerbesten: Man musste sich auch zum Schluss, als man wusste, was wirklich los war, noch alle Ungereimtheiten selbst aufdröseln. Ich hasse ja nichts so sehr wie: So, nun sind wir am Ende, also erkläre ich dir dummen Leser jetzt nochmal lang und breit, was wirklich passiert ist. Der Themenwechsel und die Beziehung zwischen Niels und Pippa waren für mich aber leider ganz schöne Minuspunkte.

Fazit

Am Anfang noch mitreißend, hat mich der Themenwechsel persönlich sehr enttäuscht und die Instantlove der Protagonisten war auch nicht meins. Andererseits war es eine spannende, streckenweise gruselige Geschichte, die mich doch gepackt hat.

|Blogprojekt| Otto de Kat

|Blogprojekt| Otto de Kat

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Autor, Kritiker, Verleger

otto-de-katDer 1946 in Rotterdam geborene Otto de Kat (eigentlich Jan Geurt Gaarlandt) arbeitete nach seinem Studium schon lange als Literaturkritiker, bevor er selbst begann zu schreiben. 1986 gründete er den Verlag Balans, der sich größtenteils auf Sachbücher konzentriert. Nach der Veröffentlichung eines Gedichtbandes legte er eine 22jährige Pause ein, bis 1998 sein Debütroman „Man in de verte“ (Mann in der Ferne) erschien. Es folgten „Sehnsucht nach Kapstadt“ und die Fortsetzungsromane „Julia“, „Eine Tochter in Berlin“ und „Die längste Nacht“. Durch all seine Werke zieht sich die Beschäftigung mit der Vergangenheit – der persönlichen und der historischen.

Zwei Lebensgeschichten in einem Band

Zu seinem siebzigsten Geburtstag und passend zur Frankfurter Buchmesse erschienen nun seine beiden ersten Bücher als Sammelband bei Schöffling.

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Übersetzer: Andreas Ecke

256 Seiten, gebunden mit Lesebändchen

20 €

ISBN: 978-3-89561-532-0

In „Mann in der Ferne“ zieht es einen Mann immer wieder in die Welt, wo er jedoch keine neuen Abenteuer und Erfahrungen findet, sondern seine Liebe zu seiner Heimat, die Sehnsucht nach seiner Vergangenheit in den Niederlanden und den Menschen, die er in seinem Leben zurückgelassen hat. Alles, was er sieht und erlebt, zieht seine Gedanken zurück zu den glücklichen Tagen seiner Jugend – ein  Theaterstück, das er mit Leidenschaft gespielt hat, ein Nachmittag auf dem zugefrorenen Fluss mit seinem Vater und Bruder, die aufregende erste Liebe. Viel geschieht nicht, Minuten ziehen sich, denn der Erzähler beobachtet alles um sich herum mit Genauigkeit. Er verliert sich in Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Vor allem Erinnerungen daran, wie er auf der Suche ist, verschiedene Länder bereist, schon damals immer auf der Suche nach etwas, das er selbst gar nicht greifen kann.

Sehnsucht nach Kapstadt“ spielt zwar ebenfalls vor einigen Jahrzehnten, trifft aber immer noch den Nerv heutiger Zeit – hier geht es um Abnabelung nicht nur von den Eltern, sondern auch vom alten Selbst, um das Reisen in die Ferne, um den eigenen Weg zu finden. Der Protagonist tut das mit einer auf den ersten Blick kaltschnäuzigen Vehemenz, bricht nicht nur die Zelte ab, sondern brennt sie gleich nieder, im Inneren aber dennoch irgendwie zerrissen. „Goldgräber in selbstgewählter Freiheit, frei von dem, was er gewesen war oder hätte werden sollen. Ein Jahr, zwei Jahre, fünf – untergetaucht, auf der Jagd, zeitlos, allein.“ Letztendlich landet der, der das vorgezeichnete Leben hinter sich lassen wollte, um Abenteurer zu werden, nur in einer andere, brutaleren Art eines fremdbestimmten Lebens im Krieg und in der Kriegsgefangenschaft, deren Erinnerung und Verluste er nie wieder loswird.

Poetisch und prägnant

Liest man Otto de Kat, erwarten einen bildgewaltige Lebensgeschichten und immer wieder die Beschäftigung mit dem zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig prägnant und poetisch braucht der Autor dafür nicht viele Seiten, um einen starken Eindruck zu vermitteln. Man erhält gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit und findet in den Protagonisten immer wieder Lebensgeschichten, die sich auch heute noch in ihren Wünschen und Emotionen, ihren Fehlern, Erfolgen und Konsequenzen wiederholen. Die Erzählweise in Fragmenten ist gewöhnungsbedürftig, jedoch passend – immerhin geht es immer um Erinnerungen, die sich selten wie ein einziger Film in unserem Kopf abspielen.

„In einem dünnen Buch muss alles stimmen.“ – Otto de Kat –