|Rezension| Martha Brockenbrough „Das Spiel von Liebe und Tod“

|Rezension| Martha Brockenbrough „Das Spiel von Liebe und Tod“

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Loewe  * 25.07.2016  * OT: The Game of Love and Death * ISBN 978-3-7855-8262-6

HC 18,95 €  * eBook 9,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Immer wieder steht Henry vor der Tür des Jazzclubs, in dem Flora allabendlich singt. Er ist hingerissen von der schönen jungen Frau, ihrer Stimme und ihrer Musik. Flora dagegen versucht lange, sich gegen ihre Gefühle zu wehren. Ihre Haut ist schwarz und eine Beziehung mit einem weißen jungen Mann ist im Seattle des Jahres 1937 völlig ausgeschlossen.

Was Flora und Henry nicht wissen: Sie sind nur Figuren in einem uralten Spiel, in dem die Liebe selbst und ihr alter Widersacher Tod menschliche Gestalt angenommen haben. Und beide nutzen all ihre manipulativen Fähigkeiten, um zu gewinnen.

Meinung

Das Spiel von Liebe und Tod hat mich etwas zwiespältig zurückgelassen. Ich saß echt ewig über diesem Buch. Wirklich. Eeeeeheeeheeewig. Erst einmal wusste ich gar nicht, warum ich nicht mehr als 20 Seiten am Stück lesen konnte, aber tatsächlich war eines daran schuld: der Schreibstil. Ich liebe ja blumig geschriebene Geschichten, die sich dann auch gerne ins Detail verlieren dürfen. Tödlich dafür ist es aber, wenn blumig eher angestrengt wird. Hier wirkte es so, als hätte die Autorin sich schöne Sätze im Kopf zusammengesammelt und sie dann unbedingt auf Biegen und Brechen in die Geschichte einbringen wollen.

Auch hatte ich so meine Probleme mit Liebe und Tod (Ha, die Ironie, wo sie doch die namensgebenden Figuren sind). Tod ist sehr unsympathisch, schließlich bringt sie Menschen um und davon nicht wenige. Das ist aber auch eine logische Konsequenz ihrer Existenz und niemand mag den Tod wirklich, oder? Immerhin fand ich sie wesentlich greifbarer ausgearbeitet als Liebe, der irgendwie ein verzweifelter Jammersack ist – Liebe ist so etwas Tolles, aber lieber heult er ständig herum, redet sich klein und tritt in Tods Fußstapfen. Liebe hat genervt.

Das zeitliche Setting fand ich persönlich mal eine Abwechslung, Ende der Dreißiger Jahre in Amerika, in Europa tobt der Krieg, in Amerika die Rassentrennung. Tatsächlich liegt es da nahe, in einem Buch, das um tragische Liebe gehen soll, sich den Problemen zu widmen, die Liebende zu dieser Zeit hatten: Homosexualität und Rassenvermischung ist verpönt, Verbindungen werden immer noch oft aufgrund ihrer Praktikabilität geschlossen.

Nun hat man nicht nur mit Henry und Flora ein Paar, dessen Liebe allein deswegen schon unmöglich scheint, weil er weiß und sie farbig ist. Flora hat auch noch ganz andere Vorstellungen von ihrer Zukunft, die einen Mann per se überhaupt nicht vorsehen. Liebe möchte sie Amelia Earhart-mäßig eine berühmte Pilotin werden und hat auch das Zeug dazu. Und auch als Henry in ihrem Leben auftaucht, steht ihr Traum immer noch an erster Stelle. Yeah, Flora!

Henry selbst ist Waise und sieht sich im Zwiespalt – nur die Gunst des Vaters seines besten Freundes hat er überhaupt zu verdanken, dass er nicht auf der Straße sitzt. Eine arrangierte Ehe würde ihm diesen Platz auf Dauer sichern, doch von Liebe ist er hier weit entfernt. Er muss sich entscheiden, ob er seinem Herzen folgt oder sich für das bequeme Leben entscheidet.

Henrys bester Freund Ethan hat hingegen damit zu kämpfen, dass er homosexuell ist und von seiner ersten auf Gegenseitigkeit beruhenden Beziehung gleichzeitig überfordert und überwältigt ist. Gerade weil sein Vater ganz groß im Geschäft und gleichzeitig ganz groß im Ignorantsein ist, ist es für ihn ein Kampf, sich selbst über die Erwartungen seiner Familie zu stellen. Alle drei sind tolle Charaktere, die man gerne auf ihrem Weg begleitet.

Fazit

Das Buch besticht durch sein zeitliches Setting und durch die Protagonisten, die gegen die Widrigkeiten ihrer Zeit kämpfen müssen. Der Schreibstil ist aber nicht jedermanns Sache und Liebe und Tod als Figuren sind gewöhnungsbedürftig bis hin zu unsympathisch.

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|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

lizzy

Magellan * 25.07.2016  * ISBN 978-3-7348-5025-7

HC 14,95 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben macht es der dreizehnjährigen Lizzy nicht leicht: ein Körper, der tut, was er will, Eltern, die nichts kapieren, und Klassenkameraden, die abfällig auf sie und ihre beste Freundin Kristine herabgucken. Da macht das anstehende Schulfest die Laune nicht besser – denn da darf sie garantiert eh wieder nur die Gläser spülen. Als sie diesen Gedanken im falschen Moment laut ausspricht, hat sie plötzlich ihre eigene Projektgruppe mit allen Außenseitern der Unterstufe am Hacken. Doch schon bald stellt sie fest: Wenn so ein „Klub der Verlierer“ erst mal in Fahrt kommt, ist die Niederlage nicht so vorprogrammiert, wie alle denken …

Meinung

Meine Schulzeit, vor allem in der Unterstufe, war für mich eher ein Spießrutenlauf als ein schönes Erlebnis. Gerade deswegen erweckte Lizzy Carbon und der Club der Verlierer meine Aufmerksamkeit. Denn Mario Fesler nähert sich dem Thema Mobbing und Außenseiterdasein gleichzeitig mit Humor und schonungsloser Ehrlichkeit und hat mich damit vom Fleck weg begeistert.

Vielleicht lag das daran, dass ich mich in Lizzy gesehen habe – mein frustriertes, vergrämtes, mit den richtigen Leuten sogar schlagfertiges Ich in der siebten Klasse war ihr nicht unähnlich, nur dass mir der Funken Mut gefehlt hat, das zu meiner Schulzeit auch laut auszusprechen. Denn das Gefühl, sich dieses geheuchelte Zusammenhaltgefühl von außen ansehen zu müssen, weil „zusammen“ eben nicht alle einschloss, war mir sehr bekannt. Sicher sehen sich auch andere in Lizzy oder einem ihrer Mitstreiter. In Kristina vielleicht, die diejenigen auch noch bewundert, die so grausam zu ihr sind und sich eigentlich nichts mehr wünscht als dazuzugehören. Oder in Sara, deren Religion sie zum Außenseiter macht. In Carsten, der nicht erwachsen genug ist für die anderen Siebtklässler. Oder in Veronika, die zu dick ist. In Arif, der einen besseren Draht zu Mädchen als Jungs hat. Oder in Theo, der klein und leise ist. Man erfährt von allen, dass hinter dem ersten Blick, den man von ihnen erhascht, noch große Geschichten stecken oder eben auch nicht. Und man merkt, dass selbst Lizzy manchmal nicht umhin kann, als sie abzuurteilen, die bösen Spitznamen der anderen zu übernehmen und an sich arbeiten muss, um dieses Verhalten abzulegen. Niemand von ihnen wird als Heiliger beschrieben, als armes Opfer der Umstände – manchmal nerven sie, sind unleidlich, rücken nur schwer von dem Bild ab, das an von ihnen auf den ersten Blick bekommt. Sie sind einfach sehr reale, wenig idealisierte Figuren und zeigen, dass man immer dazulernen und seine Vorurteile und internalisierten Gedanken ablegen kann.

Nun ist das Buch natürlich keine permanente Pity Party – es besteht aus viel Sarkasmus, Situationskomik, einem Wechsel zwischen Hochs und Tiefs der kleinen Projektgruppe, die sich da mehr unfreiwillig gefunden und lieben gelernt hat. Gepaart mit dem Wechsel aus Erzählung und Tagebucheinträgen – die später noch zu einer großen Überraschung führen – und einer wunderbar unaufgesetzten jugendlichen Sprache fliegt man fast durch das das Buch. Das Ende ist noch einmal gleichzeitig ein ganz schöner Schlag in den Magen und total beeindruckend.

Spoiler: Ich fand es sehr mutig, Kristine aus der Nerdgruppe zu nehmen und zum „Feind“ überwechseln zu lassen. Das sind Situationen, die ich mehr als einmal erlebt habe. Manchmal ist der Wunsch dazuzugehören und der Leidensdruck des Außenseiterdaseins größer als jede Loyalität, die man für seine alten Freunde haben kann. Tatsächlich hoffe ich auf einen weiteren Band, um diese Geschichte weiter beobachten zu können.

Auch das, was die Kinder aus ihrem eigentlichen Dunkelrestaurant gemacht haben, fand ich beeindruckend. Ich will gar nicht zu viel verraten, aber ich habe schwer geschluckt.

Fazit

Lizzy Carbon ist ein beeindruckendes Buch, das gleichzeitig durch seinen Sarkasmus besticht und dem Leser dennoch den einen oder anderen wachmachenden Hammer um die Ohren schlägt.

diversity inside

|Rezension| V.E. Schwab „This Savage Song“

|Rezension| V.E. Schwab „This Savage Song“

savage song

Titan * 07.06.2016 * The Monsters of Verity #1 * ISBN 978-1-785-65274-5

TB 7,99 €  * eBook 4,00 € * Autorin

KlappentextKate Harker and August Flynn are the heirs to a divided city, a grisly metropolis where the violence has begun to create real and deadly monsters. All Kate wants is to be as ruthless as her father, who lets the monsters roam free and makes the inhabitants pay for his protection. August just wants to be human, as good-hearted as his own father-but his curse is to be what the humans fear. The thin truce that keeps the Harker and Flynn families at peace is crumbling, and an assassination attempt forces Kate and August into a tenuous alliance. But how long will they survive in a city where no one is safe and monsters are real…

Meinung

Monster in einem Buch hatte ich ja schon lange nicht mehr – das hat mich besonders an This Savage Song gereizt. Dass ich mich aber so Hals über Kopf einmal wieder in ein Buch verlieben würde, hatte ich nicht geahnt.

Zum einen liegt das an der Protagonistin Kate – Kate ist nämlich eine ganz coole Socke. Sarkastisch, irgendwie bösartig, nicht zimperlich, was Blut angeht. Kate ist kein kleines Weibchen, das auf hart tut, aber trotzdem dauernd gerettet werden muss – Kate nimmt das lieber selbst in die Hand und rettet dadurch August öfter als umgekehrt aus misslichen Lagen. Aber August steht ihr in Sarkasmus in nichts hinterher, auch wenn er eher der zartfühlendere Teil dieser Freundschaft ist, obwohl er ja ironischerweise eigentlich das Monster ist. Freundschaft deswegen, weil es – endlich mal – nicht darum geht, dass sich zwei aus reiner, hormongesteuerter Liebe miteinander beschäftigen, sondern weil sie erst eine ganz mühelose Verbindung zueinander aufbauen konnten, die darauf basiert, dass alle um sie herum blinde Mäuschen sind und sie zwei Katzen zwischendrin. Alles, was sonst noch anklingt, schwingt eher zwischen den Zeilen mit und nimmt keinen so großen Teil der Handlung ein.

“I read somewhere,“ said Kate, „that people are made of stardust.“
He dragged his eyes from the sky. „Really?“
„Maybe that’s what you’re made of. Just like us.“
And despite everything, August smiled.

Der Schreibstil erinnert an Maggie Stiefvater – unaufgesetzt, aber trotzdem poetisch, Passagen, die man sich hundertmal bunt anstreichen möchte und Bilder, die einem noch lange im Kopf haften bleiben, auch wenn man das Buch schon längst zur Seite gelegt hat. Zugegeben, am Anfang nimmt sich die Geschichte echt Zeit und man blickt eher weniger durch, was denn nun überhaupt abgeht. Ein kurzer Abriss: Die Protagonisten leben in Verity, dessen Hauptstadt in zwei Hälften geteilt ist. Ein bisschen Romeo und Julia-mäßig (wie erwähnt ohne Liebeshormongedöns) sind Kate und Augst die Kinder der beiden Oberbosse der Stadthälften und August soll Kate näher kommen, um die Verbindung zu nutzen, wenn der momentane Waffenstillstand bricht. In dieser Welt gibt es Monster, die aus Gewaltverbrechen hervorkommen, und August ist einer von drei Sunai, die stärkste und gleichzeitig menschlichste Form der Monster.

Sunai, Sunai, eyes like coal,
Sing you a song and steal your soul.

Sunais sind richtig cool und ich bin so verliebt in diese Idee, deswegen muss ich darauf noch einmal genau eingehen: Sunai entstehen aus Massenmorden wie Explosionen oder Amokläufen. Sie ernähren sich von den Seelen derer, die solche Verbrechen begangen haben, indem sie diese Seelen mit Musik an die Oberfläche holen und dann absorbieren. Wenn sie das nicht tun, werden sie irgendwann so hungrig, dass sie sich in böse Schattenmonster verwandeln und wahllos Menschen umbringen. Jeder Tag, den sie ohne Rückfall schaffen, zeichnet sich auf ihrer Haut ab: August hat einfache Striche, sein Bruder Leo Kreuze und Ilsa (und in Ilsa bin ich wirklich wirklich sehr verliebt, weil sie so sanft ist und dabei die gefährlichste von allen dreien!) Sterne.

She cracked a smile. „So what’s your poison“
He sighed dramatically, and let the truth tumble off his tongue. „Life.“
„Ah,“ she said ruefully. „That’ll kill you.”

Fazit

Lest dieses Buch. Nein. Ehrlich. Lest dieses Buch! Es ist so poetisch und spannend und hat Frauen, die richtig rocken, und Monster und Musik! Was will man noch?

|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

letztersommer

heyne>fliegt  * 08.03.2016 * ISBN 978-3-453-27012-1

HC 14,99 €  * eBook 11,99 * Leseprobe * Autorin

KlappentextTessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Meinung

Mittlerweile habe ich ja schon einige Bücher gelesen, die nach dem Prinzip funktionieren, dass ein junger Mensch an der Schwelle des Todes noch einmal etwas ganz Wunderbares erlebt. Manche davon waren toll. Manche haben mir das Herz gebrochen. Und manche hinterlassen eher das Gefühl bei mir: Äh, ja, das wars schon? Entgegen des großen Hypes und der Lobeshymnen, die überall geschwungen werden, zählte Mein bester letzter Sommer für mich leider zu genau dieser Kategorie.

Irgendwie kann man ja fast gar nicht anders, als sich an Schema F halten. Man braucht also diesen jungen Menschen – Tessa –, der an einer tödlichen Krankheit leidet – Herzfehler –, der möglichst sein ganzes junges Leben damit verschwendet hat, gegen ebenjene Krankheit zu kämpfen und den Kampf aber ziemlich sicher verliert. Dann braucht man den zweifellos umwerfenden Love Interest – Oskar-, den man erst einmal weit von sich wegschieben muss, weil ja bald tot und ganz schlimm und gebrochenes Herz und so, um sich ihm dann doch zu ergeben, weil Carpe Diem. Wäre es nur das gewesen, dann wäre das nicht so schlimm. So funktioniert das einfach mit diesen Büchern. Und es hat auch funktioniert, denn geheult hab ich am Ende ja trotzdem.

Was mich tatsächlich mehr gestört hat, war, dass ich mir von dem Roadtrip, den Tessa und Oskar machen, wesentlich mehr erwartet hätte. Ich hatte das permanente Gefühl, es ginge eigentlich nur darum, dass die beiden Knutschen,  Kuscheln und irgendwann auch Sex miteinander haben. Dabei machen sie ganz tolle Dinge zusammen in Italien – ich würde mich zum Beispiel auch gerne mit dem Einkaufswagen durch eine romantische italienische Innenstadt kutschieren lassen. Davon wollte ich mehr lesen! Ich wollte lesen, wie die beiden die Städte genießen, wie sie beschreiben, was sie sehen, wie sie mehr abklappern als nur Eisdielen und Pizzerien. Leider blieb bei mir das schale Gefühl zurück, dass sie das alles, was sie getan haben, auch in Deutschland hätten haben können, denn ihre Reiseroute wirkte eher so, als müssten diese Orte halt mal erwähnt werden.

Auch viel Konflikt- und Aufarbeitungspotenzial wurde für mich nicht richtig genutzt. Nachdem Tessa und ihre Mutter ewig um das Thema der Lüge herumschleichen, um sich dann so richtig darüber zu fetzen und es dann zu klären, bleibt der Rest irgendwie auf der Strecke. Wie geht Tessa damit um, dass ihr Vater sich lieber um seinen Job als um sie gekümmert hat? Was macht sie aus dem, was sie über ihre Schwester erfährt? Und wie geht es Oskar, der drauf und dran ist, schon wieder jemanden in seinem kurzen Leben an den Tod zu verlieren? Dagegen fand ich Probleme wie „Findet Oskar meine Narbe nicht sexy?“ dann doch eher unwichtig, obwohl sie so einen prominenten Platz in Tessas Kopf einnehmen.

Natürlich gab es auch die tollen Seiten an diesem Buch, der Hype ist ja nicht komplett unbegründet. Davon abgesehen, dass Tessa und Oskar als Paar zusammen natürlich unheimlich zuckrig süß sind, gab es die Momente, die einem bildlich vor Augen standen – das waren meistens auch die intensivsten zwischen ihnen. Wie sie gemeinsam auf dem Autodach in den Himmel blicken. Tessa im Scheinwerferlicht des Autos. Vielleicht lag das auch daran, dass sie gedanklich mit Musik unterlegt waren und ich so ein Musikjunkie bin, der Lieder mit Büchern verbindet. Der Musikgeschmack war einfach einwandfrei! Auch muss man einfach die wunderschöne Gestaltung des Buchs hervorheben – innen und außen ist es ein echter Hinkucker!

Fazit

Ich kann mich dem Hype leider nicht anschließen – Mein bester letzter Sommer ist eine schöne Liebesgeschichte, unterlegt mit passender Musik und gespickt mit wunderbaren Momenten, von denen es aber leider viel zu wenige gibt.

|Rezension| Dawn Kurtagich „The Dead House“

|Rezension| Dawn Kurtagich „The Dead House“

dead house

Little, Brown Books for Young Readers * 15.09.2015  *  ISBN 978-0-316-29868-1

HC 17 €  * eBook 8 € *  Autorin

Klappentext

Three students: dead.
Carly Johnson: vanished without a trace.
Two decades have passed since an inferno swept through Elmbridge High, claiming the lives of three teenagers and causing one student, Carly Johnson, to disappear. The main suspect: Kaitlyn, „the girl of nowhere.“
Kaitlyn’s diary, discovered in the ruins of Elmbridge High, reveals the thoughts of a disturbed mind. Its charred pages tell a sinister version of events that took place that tragic night, and the girl of nowhere is caught in the center of it all. But many claim Kaitlyn doesn’t exist, and in a way, she doesn’t – because she is the alter ego of Carly Johnson.
Carly gets the day. Kaitlyn has the night. It’s during the night that a mystery surrounding the Dead House unravels and a dark, twisted magic ruins the lives of each student that dares touch it.

Meinung

The Dead House hat mich vom ersten Moment an verschluckt. Das fing schon mit der unkonventionellen Herangehensweise an. Die Geschichte über Carly und Kaitlyn wird nämlich nicht einfach nur erzählt, sondern man bastelt sie sich aus Dokumenten zusammen, die die Ermittler gefunden haben. Den Großteil übernimmt Kaitlyns Tagebuch, außerdem Filmaufzeichnungen aus mehreren Quellen, die in Worte gefasst wurden, Notizzettel, Befragungen bei der Polizei, Therapieunterlagen, aufgezeichnete Therapiegespräche. So kann man sich selbst ein Bild davon machen, ob Carly nun einfach eine schwere psychische Störung hatte oder ob wirklich etwas Übernatürliches hinter der Sache steckt. Wenn man glaubt, man ist sich sicher, werden wieder neue kleine Hinweise eingestreut, die einen zweifeln lassen.

Die Therapeuten glauben, Carly leide unter einer dissoziativen Identitätsstörung (im Volksmund Multiple Persönlichkeitsstörung) und hätte Kaitlyn erschaffen, um mit dem Tod ihrer Eltern besser klarzukommen. Die beiden Mädchen selbst sind jedoch überzeugt davon, dass sie schon immer zu zweit waren. Dabei ist es Kaitlyn, die man im Buch wirklich näher kennenlernt, und das ist auch gut so, weil Carly zwar sicher ein nettes und liebenswertes Mädchen ist, aber nicht ansatzweise so interessant und vielschichtig wie Kaitlyn. Dabei ist Kaitlyn nicht immer unbedingt liebenswert, das muss sie aber auch gar nicht. Jemand, der sein Leben in der Nacht verbringt, ist eben kein Sonnenschein.

Ich bin ein großer Fan von Voodoogeschichten und finde viel zu selten welche davon. Hier geht es zwar nicht direkt um Voodoo, aber mit dem Malakult hat die Autorin einen sehr ähnlichen Kult erfunden, der aber eben nicht in New Orleans, sondern auf einer kleinen Insel in Schottland seinen Schwerpunkt hat. Das Prinzip dahinter ist aber dasselbe. Und ich habe mich schon lange nicht mehr bei einem Buch so gegruselt – auch wenn die Videoszenen nur beschrieben sind, hat man sie doch so lebendig vor Augen, dass es einem die Gänsehaut über den Körper jagt. Und zu beobachten, wie Kaitlyn mehr und mehr ihren Verstand zu verlieren scheint, zwischen klarem Denken und Episoden wechselt, in denen sie nicht sie selbst zu sein scheint, das war verstörend.

Fazit

The Dead House ist ein wirklich gut gemachtes Buch mit einer frischen Umsetzung und dem absoluten Gruselfaktor.

|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

|Rezension| Nova Weetman „Lily Frost“

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Gulliver * 29.02.2016  * OT The Haunting of Lily Frost * ISBN 978-3-407-74654-2

HC 14,95 €  * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

KlappentextLily Frost zieht mit ihrer Familie in ein altes Haus in einer verschrobenen Kleinstadt. Ihr Zimmer auf dem Dachboden ist ihr unheimlich: Immer wieder fällt der Strom aus, die Tür verriegelt sich von selbst und Lily entdeckt Buchstaben, die in die alten Dielen geritzt sind – sie ergeben ihren Namen. Jemand – etwas – scheint mit ihr kommunizieren zu wollen. Ist es Tilly, das Mädchen, das früher hier gelebt hat? Warum traut sich niemand über ihr Verschwinden zu sprechen? Lily gerät auf ihrer Suche nach Antworten in tödliche Gefahr und begreift: Ihr Schicksal ist auf unheilvolle Weise mit Tilly verbunden.

Meinung

Um in die Welt der Jugendmysterythriller eintauchen zu können, braucht es manchmal einen ganz seichten Einstieg. Wenn man den sucht, ist Lily Frost bestimmt eine gute Wahl.

Zum einen bietet das Buch nämlich eine altbekannte Geschichte. Ein Mädchen zieht in eine neue Stadt, in der es einen mysteriösen Vermisstenfall gibt. In diesem Fall handelt es sich dabei um Mathilda, die vorher in exakt dem Haus gelebt hat, in das Lily einzieht. Das übernatürliche Element folgt auf dem Fuße – Mathilda versucht nämlich Kontakt mit Lily aufzunehmen, auf sehr gruselige Weise. Dann gibt es noch den obligatorischen Exfreund der Vermissten, für den sich die Protagonistin interessiert, und die zickige beste Freundin, mit der sich Lily auch gleich anlegt.

Auf der einen Seite war Lily Frost tatsächlich spannend. Ich wollte unbedingt wissen, was denn nun mit Tilly passiert war – hatte ihr Exfreund sie getötet? Ihre beste Freundin? Jemand anderes? Oder hatte sie nur einen schlimmen Unfall? Ist sie überhaupt wirklich tot? Wann taucht sie wieder bei Lily auf? Meint sie es gut, ruft sie um Hilfe oder will sie Lily mit in den Tod reißen? Dieser Handlungsstrang war wirklich interessant und hat mich mitgerissen. Umso enttäuschter war ich vom Ende. Irgendwie hätte ich mir hier mehr Skandal erwartet, mir war dieser Abschluss der Geschichte zu harmlos gestaltet, nachdem vorher so viele Theorien und Möglichkeiten auf den Tisch gekommen waren.

Auch versucht die Autorin, die gruseligen Elemente auf Filmart einzubauen. Das im Spiegel erscheinende Gesicht, der huschende Schatten hinter dem Rücken – das alles funktioniert super auf der Leinwand, geschrieben jedoch gar nicht. Im Schriftlichen muss viel mehr mit Beschreibungen und Gefühlen gearbeitet werden, was ihr aber nur teilweise gelingt.

Das Buch konzentriert sich nebenbei aber auch vermehrt auf Lilys Probleme mit dem Umzug im Allgemeinen. Durch die finanzielle Situation ihrer Eltern landet sie von der Großstadt im absoluten Kleinkaff, weit entfernt von ihrer besten Freundin, mit der sie sich ab da eigentlich nur noch streitet. Sicher ist das für Teenager eine richtig mistige Situation und sie haben alles Recht, sich darüber zu beschweren. Was ich dabei aber immer schade finde – und vielleicht bin ich da als Dorfkind einfach empfindlich – ist, dass Autoren dann beginnen, die Bewohner der Dörfer als absolute Vollhirnis darzustellen, die noch in Röhrenfernseher mit Schwarzweißbild starren und Georg Bush noch für den Präsidenten halten. Das Leben auf dem Dorf hat sicher viele negative Seiten,  aber die Bewohner so kleinzureden ist nicht okay. Auch hatte ich das Gefühl, dass Lilys persönliche Probleme mit ihrem Umzug und ihrer Familie sich nicht harmonisch in die Geschichte eingefügt haben, sondern eher als Beiwerk dranhingen.

Fazit

Ein Jugendmysterythriller, der auf altbekannte Elemente setzt und damit den Leser fesseln kann, dessen Ende dann aber eher mau ist.

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

|Rezension| Maggie Stiefvater „The Raven King“ (Spoiler!)

raven king

Scholastic * 26.04.2016 (The Raven Cycle #4) * ISBN 978-0-5454-2498-1

TB 10 €  * eBook 10 € * Autorin

Klappentext For years, Gansey has been on a quest to find a lost king. One by one, he’s drawn others into this quest: Ronan, who steals from dreams; Adam, whose life is no longer his own; Noah, whose life is no longer a lie; and Blue, who loves Gansey… and is certain she is destined to kill him.

Now the endgame has begun. Dreams and nightmares are converging. Love and loss are inseparable. And the quest refuses to be pinned to a path.

Meinung

“He was a book, and he was holding his final pages, and he wanted to get to the end to find out how it went, and he didn’t want it to be over.”

Ich muss zugeben, dass ich – auch wenn ich Maggie Stiefvater liebe und wie gesagt noch ihre Einkaufszettel lesen würde – den Raven Cycle nie ganz oben auf meiner Lieblingsliste angesetzt hatte. Die Geschichte war natürlich toll, die Jungs super, Blue sympathisch und die Recherchearbeit – wow, Hut ab. Aber so richtig mein Herz gewonnen hat die Reihe erst mit ihrem Abschluss.

Vielleicht liegt es an der albtraumhaften Atmosphäre des Buches, denn Albträume zählen zu meinen Guilty Pleasures in der Buchwelt. Tatsächlich ist der letzte Teil der Reihe so richtig finster. Cabeswater wird vom Zufluchtsort zum Wohnort aller Albträume, die sich die Raven Boys und Blue nur vorstellen können. Und diese Albträume ziehen in die Wirklichkeit ein, nicht nur, weil Ronan sie mit sich dorthin trägt. Die ganze Stimmung des Buches ist bedrohlich und düster und ich liebe es!

Dabei schafft es Maggie Stiefvater mal wieder, dass man sich von ihrem Schreibstil durchs Buch getragen fühlt. Man möchte jeden Satz unterstreichen, weil er so schön ist, und hinter jedes Schimpfwort ein Ausrufezeichen setzen, weil es so passend ist für das, was man gerade fühlt, oder das Buch nach einem besonders schönen Kapitel einmal an sich drücken und seufzen und dabei vor Neid zerfließen, weil es wohl niemand so hinbekommt, gleichzeitig poetisch zu schreiben und doch nicht aufgesetzt zu wirken wie diese Frau.

Eine Wendung in der Geschichte, die ich persönlich nicht kommen haben sehe, war die Beziehung zwischen Adam und Ronan. Überhaupt hat sich Ronan schon in den letzten Teilen nach und nach zu meinem Lieblingscharakter entwickelt. Dass er sich irgendwann geoutet hat, fand ich toll, die möglichen Andeutungen, dass diese Gefühle aber für Adam existieren, habe ich wohl geflissentlich übersehen, weil ich bis dato viel zu sehr mit der Adam-Gansey-Blue-Konstellation beschäftigt war. Nichtsdestotrotz habe ich mein innerliches Fangirlfähnchen für Adam und Ronan geschwungen. Hach.

When Adam kissed him, it was every mile per hour Ronan had ever gone over the speed limit. It was every window-down, goose-bumps-on-skin, teeth-chattering-cold night drive. It was Adam’s ribs under Ronan’s hands and Adam’s mouth on his mouth, again and again and again. It was stubble on lips and Ronan having to stop, to get his breath, to restart his heart. They were both hungry animals, but Adam had been starving for longer.

Ein großer Fan war ich auch von Henry. Es scheint seltsam, in die enge Gruppe der Raven Boys plötzlich ein neues Gesicht aufzunehmen und ich habe gelesen, dass viele davon nicht besonders begeistert waren. Ich fand es toll. Henry hat eigentlich keine Ahnung davon, was so wirklich los ist. Er weiß nur, dass er und Gansey beide die gleiche innere Sehnsucht hegen, ihre Geheimnisse mit jemandem teilen zu können, weil niemand außerhalb je verstehen würde, mit welcher Art Magie sich manche herumschlagen müssen und wollen. Henry möchte aus der Suche nach Glendower nichts herausschlagen, er hat keinen Wunsch, den er an ihn richten könnte – er möchte einfach nur einen Platz, an den er gehören kann. Henrys Freundschaft mit Blue und Gansey ist von ganz anderer, reinerer Natur als die zu den anderen, ohne Verpflichtungen und Vorgeschichte.

My mom said she was never herself in English. But it wasn’t that Henry was less of himself in English. He was less of himself out loud. His native language was thought.

Von Artemus war ich hingegen mehr als enttäuscht. Ich hatte mir von Blues Vater wesentlich mehr erwartet als jemanden, der sich konstant in der Vorratskammer versteckt, sich weigert, seiner Tochter in irgendeiner Weise zu helfen,um sich nur ganz am Ende mal dazu herabzulassen, irgendetwas Hilfreiches beizutragen, das im Grunde sowieso alle schon wussten, von Blues wahrer Natur ausgenommen.

The Raven Boys – wie schon seine Vorgänger – wartet mal wieder mit einer Menge Überraschungen auf. Wie immer ist nichts so wie es zu sein schien und alles entwickelt sich in Richtungen, die man nie kommen sehen hat. Das macht die Reihe so spannend. Man weiß nie, wo man letztendlich endet. Wie es endet, war mir dann doch fast ein wenig zu einfach – zuerst die Art, wie Gansey auf Glendower stößt, und dann das Happy End, von dem man eigentlich doch wusste, dass es kommen muss. Nichtsdestotrotz habe ich Rotz und Wasser geheult, versteht mich nicht falsch. Immerhin fand ich es mutig, dass nach vier Büchern voller Suche und Rätsellösung und Leben-aufs-Spiel-Setzerei Glendower einfach tot ist.

“I stopped asking how. I just did it. The head is too wise. The heart is all fire.”

Fazit

Ein Reihenabschluss, der sich ins Herz schleicht und da lange festsitzt, mit einer Sprache, die den Leser in den Bann zieht und einer dunklen Atmosphäre, durch die immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen blitzen. Ein Buch also, das man am liebsten komplett zitieren möchte, und ein Beispiel dafür, dass das Young Adult-Genre nicht grundsätzlich leichte Kost für zwischendrin ist.