|Empfehlung| Mackenzi Lee „Cavaliersreise“

|Empfehlung| Mackenzi Lee „Cavaliersreise“

cavaliersreise

Cavaliersreise, die: Bezeichnung für eine seit der Renaissance obligatorische Reise der Söhne des europäischen Adels, später auch des gehobenen Bürgertums, durch Mitteleuropa, Italien, Spanien und auch ins Heilige Land.

Wir befinden uns in den 1720ern – einem denkbar ungünstigen Zeitalter für Henry Montague, genannt Monty. Denn nicht nur hat er keine Lust, das Erbe seines gewalttätigen Vaters anzutreten, sondern ist er auch noch unsterblich in seinen besten Freund Percy verliebt, der seinerseits keinen Platz in der Gesellschaft findet, da er dunkelhäutig ist und unter einer Krankheit leidet, von der man sich erzählt, sie wäre eine göttliche Strafe. Auch Henrys Schwester Felicity fühlt sich wenig aufgehoben in ihrer Welt – das überaus kluge Mädchen soll anstatt Medizin zu studieren an einer Mädchenschule Sticken und Ettiquette lernen. So treten die drei ihre Cavaliersreise als letztes Aufatmen vor einem scheinbar unabänderlichen Schicksal an.

Zu Beginn war es schwer, in die Geschichte einzutauchen, denn die Autorin bemüht sich darum, dass ihre Figuren sich passend zum 18 Jahrhundert ausdrücken – Scharmützel, Nachtgewänder und vermaledeite Dinge, wohin man liest. Es dauert etwas, bis man sich an diesen Schreibstil gewöhnt.

Ich weiß, dass ich damit Gefahr liefe, zu weit zu gehen. Doch für derlei Subtilitäten dünkt mich das Leben zu kurz. Den Vorwitzigen lacht das Glück.

Hat man das erst einmal geschafft und sich durch ein paar Seiten eher langatmiger Reisebeschreibungen gekämpft, landet man in Versailles und die Geschehnisse beginnen, Fahrt aufzunehmen. Was aber vor allem Fahrt aufnimmt, ist das Mitgefühl und die Sympathie für alle drei Protagonisten. Vor allem Henry, der kein durchweg liebenswerter Charakter ist, wächst einem doch ans Herz. Denn zwischen all dem Trotz, Egoismus und der Sucht nach Überfluss, mit denen er sich selbst immer wieder im Weg steht, blitzt ein verletzter Junge durch, der sich nie gegen die Schläge seines Vaters wehren konnte und der sich sicher ist, nie im Leben glücklich zu werden, weil er nie zu seiner Bisexualität stehen kann. Percys Gefühl, nirgends wirklich dazuzugehören, ist heute aktueller denn je – in einer multikulturellen und -ethnischen Gesellschaft, in der Ängste neu geschürt werden oder nie überwunden wurden. Auch  Felicitys Kampf um Selbstbestimmung und darum, als mehr gesehen zu werden als das kleine Frauchen, das nur hübsch an der Seite ihres Mannes aussieht, schließt an aktuelle Diskussionen an. „Cavaliersreise“ macht deutlich, dass wir heute vielleicht doch nicht so weit sind, wie wir das gerne wären.

Wie seltsam, sterben zu wollen. Und wie seltsam, wenn man zudem noch glaubt, man habe so einen simplen Ausweg nicht verdient.

Die Wendung, die das Buch nimmt, hatte ich persönlich nicht so erwartet. Aus der Cavaliers- wird eine Abenteuerreise, in der die drei Hauptfiguren überfallen werden, im Gefängnis landen oder in den Händen von Piraten und am Ende wird es sogar noch mystisch. Und zwischendrin immer auch ein wenig romantisch, ohne dass diese Liebesgeschichte zwischen Monty und Percy zu viel Raum in der Geschichte einnimmt.

Es ist erstaunlich, wie viel Mut es braucht, selbst wenn man so gut wie sicher ist, dass auch der andere es will. Immer stutzen einem Zweifel die Flügel.

Zum besseren Verständnis gibt es am Ende des Buches noch einen Anhang, der die Themen Cavaliersreise, Politik, Epilepsie und queere Kultur zu Zeiten des Buches erklärt.

Letztendlich erklärt Henry selbst am besten am Ende, was den Leser erwartet:

Ich verkörpere jetzt zweifelsfrei das Schreckbild einer Cavaliersreise, das Schauermärchen, das man seinen Kindern auf den Weg gibt, bevor man sie in die Welt entlässt. […] Käme ich nach Hause, Ihr hättet wohl Mühe, mich wiederzuerkennen. […] Von nun an nehme ich mir vor, es gut zu haben. Leicht wird mein Leben nicht sein, aber gut.

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496 Seiten * ISBN: 978-3-551-56038-4 * 19,99 € * OT: The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue

Gab es je ein abschreckenderes Beispiel für junge Bildungsreisende als Sir Henry Montague? Nach Montys Cavaliersreise wird der englische Adel seine Sprösslinge bestimmt nie wieder auf den Kontinent schicken! Irgendwie ist Monty immer in eine Tändelei verwickelt oder betrunken oder zur falschen Zeit am falschen Ort nackt (in Versailles! Am Hof des Königs!). Zwischen Paris und Marseille verlieren Monty, Percy und Felicity auch noch ihren Hofmeister, kämpfen gegen Wegelagerer und Piraten, gegeneinander (Monty und Felicity) oder gegen ihre Gefühle füreinander (Monty und Percy). Aber am Ende dieser abenteuerlichen Reise finden sie alle drei nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst. [carlsen.de]

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|Rezension| S. J. Kincaid „Diabolic“

|Rezension| S. J. Kincaid „Diabolic“

diabolic

Arena * 03.01.2017  *  OT: The Diabolic * ISBN 978-3-401-60259-2

HC 18,99 €  * eBook 15,99 € * Autorin

Klappentext

Eine Diabolic ist stark.

Eine Diabolic kennt kein Mitleid.

Eine Diabolic hat eine einzige Aufgabe: Töte, um den einen Menschen zu schützen, für den du erschaffen wurdest.

Als Nemesis und Tyrus sich am Imperialen Kaiserhof begegnen, prallen Welten aufeinander. Sie – eine Diabolic, die tödlichste Waffe des gesamten Universums. Liebe ist ihr völlig fremd. Er – der Thronfolger des Imperiums, der von allen für wahnsinnig gehalten wird. Liebe ist etwas, das ihn nur schwächen würde. Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn an einem Ort voller Intrigen und Machtspiele ist ein Funke Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle …

Meinung

Diabolic spielt mit einer für mich sehr interessanten Idee: Kann man Gefühle wirklich genetisch einfach entfernen oder sind sie Teil unseres Seins? Nemesis ist kein normaler Mensch, sondern wurde in einem Labor gezüchtet, um an reiche Familien als emotionsloser und körperlich überlegener Bodyguard verkauft zu werden. Dabei werden ihre Gehirnregionen so verändert dass sie sich nur auf eine einzelne Person prägen, die sie mit ihrem Leben schützen, ansonsten aber keine Gefühle besitzen, obwohl sie hochintelligent sind. Der Leser sieht sich als mit einer Protagonistin konfrontiert, für die menschliche Emotionen fern von Angst und Wut erst einmal fremd sind und die einen durchweg sachlichen Blick auf die Welt hat und nur aus dem Grund handelt, Sidonia zu schützen, wobei sie auch nicht vor Mord zurückschreckt. Für den Charakter selbst ergibt sich die Chance, zu entdecken, dass mehr Menschlichkeit in ihr steckt, je weiter die Geschichte voranschreitet, bis zu dem Punkt, wo sie Liebe empfinden kann. Ihr gegenüber stehen erst Sidonia und Tyrus, die beide den Glauben an mehr in Nemesis vehement vertreten und diesen auch aus ihr herauskitzeln. Tyrus selbst ist vom Charakteraufbau zwar kein außergewöhnlicher Charakter, sondern entspricht dem gewohnten Typ gutaussehender Rebell, seine Vorgeschichte, in der er sich als völlig verrückter Thronerbe gebärdet, war, wenn auch durchschaubar, sehr amüsant.

Die Beziehung zwischen Nemesis und Tyrus entwickelt sich erst langsam ab der Hälfte des Buches und ist ein stetes Auf und Ab der Gefühle, bei dem es die Autorin schafft, dass der Leser selbst irgendwann an Tyrus Absichten zweifelt.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist ebenfalls nicht wirklich ganz neu – eine Gruppe weniger Mächtiger herrschen über eine große Menge von ihnen abhängiger Personen, allen voran steht ein bösartiger Machthaber. Dieses Prinzip hat in den letzten Jahren immer gut funktioniert und weitet sich hier einfach auf das gesamte Universum aus, in dem die Mächtigen vom Weltall aus über Planeten herrschen, die zum Teil gar nicht ideal zu bewohnen und damit abhängig von den Ressourcen der Herrscher sind. Dieser Weltaufbau entwickelte sich aus unserer bekannten Welt, indem die Menschen mit Technologie das Weltall komplett für sich erschlossen und deswegen die Erde verlassen haben. Dies schlägt sich in ihrem Glauben nieder – sie verehren Helios, die Sonne, die das Leben auf der Erde möglich gemacht hatte. Immer wieder wird diese Entwicklung als versteckter erhobener Zeigefinger genutzt, dass man sich nicht nur auf Technik verlassen sollte, ohne sie richtig zu verstehen, da die falsche Verwendung und die Unfähigkeit, kaputte Maschinen zu reparieren eine Art menschlich geschaffene schwarze Löcher verursacht hat, die die Menschen bedrohen.

Schon im ersten Kapitel wird deutlich, dass hier nicht an Brutalität gespart wird. Sowohl Nemesis als auch Tyrus sind nicht zimperlich, wenn es um Mord geht, um ihre Ziele zu erreichen. Es gibt mehrere Kampfszenen, die man verfolgen kann, und unzählige Tote auf Tyrus Weg zum Imperator. Ebenso – aber auf eher moralisierende Weise – wird mit den Themen Drogen und Schönheitskult umgegangen. Zum einen ist es in der höheren Gesellschaft normal, sich mit allen möglichen Substanzen  gemeinsam zu vergnügen. Auch ist es den Menschen durch ihre Technologie möglich, ihr Aussehen komplett zu verändern wie es ihnen beliebt, und das innerhalb kürzester Zeitabstände und wenn gewünscht auch nur für ein bestimmtes Ereignis. Genmanipulation ist an der Tagesordnung. So sind alle Angestellten ebenfalls wie Nemesis laborgezüchtete Menschen, denen jegliche Meinungsfreiheit weggenommen wurde. Sogar Menschen, die nur einem Opferritual dienen, werden bereitwillig gezüchtet und verkauft, da man der Ansicht ist, dass Menschen aus dem Labor keine Seele besitzen.

Ein wenig schade finde ich ja, dass der Verlag zu dem Untertitel „Vom Zorn geküsst“ gegriffen hat. In meinen Augen steht in Diabolic zwar das Thema Gefühle, nicht aber das Thema Liebe im Vordergrund, was in einer Masse an Jugendbüchern mit romantischen Plots eine erfrischende Ausnahme darstellt. Ich glaube, hier werden von vornherein die Leser abgeschreckt, die die Nase voll haben von Dystopien, die sich plötzlich nur noch um die Beziehung der Protagonisten drehen.

Fazit

Ein sehr interessanter Titel mit neuartiger Idee in einem altbekannten Grundsetting. Die Protagonisten sind sehr entwicklungsfähig und undurchschaubar, die Geschichte actionreich erzählt, wenn auch nicht zimperlich mit Themen wie Mord und Drogen umgegangen wird.

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

|Rezension| Sarvenaz Tash „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“

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Magellan * 25.07.2016  *  OT: The Geek’s Guide to Unrequited Love * ISBN 978-3-7348-5027-1

HC 16,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung

Im ersten Moment – mit diesem so viel gehypten Buch in der Hand – dachte ich: Oh Gott, das wird das Big Bang Theory unter den Nerdbüchern. Und das meinte ich nicht als Kompliment. Aber ach, wie Unrecht ich hatte. Es war so ganz und gar nicht wie TBBT und der Hype völlig gerechtfertigt.

Natürlich sagt der Titel schon einiges aus: man trifft auf den Nerd Graham, der in seine beste Freundin Roxy verliebt ist, die nicht nur seine Schreibpartnerin für den gemeinsamen Comic ist, sondern auch noch das Mädchen seiner Träume. Graham hat den besten Nerdfreund Casey, der zwar oberflächlich ein Auge auf Grahams unerreichbare Stiefschwester geworfen hat, obwohl da auch noch die gleichzeitig gutaussehende sowie kluge Felicia ist. Eigetlich gibt es in diesem Buch sowieso keine Figur, die kein Nerd ist, und ein wenig Klischee sind sie alle, aber so fassbar echtes Klischee eben. Und dennoch verzichtet man hier auf so viel – auf den abgefahrenen Comicautor mit Gottkomplex, auf die böse Stiefmutter, auf sexistische Witze, auf unrealistisches Glück im Unglück.

Vielleicht lag es daran, dass ich das Buch parallel zur Frankfurter Buchmesse gelesen habe, also einer Veranstaltung, die meinem Buchnerdhimmel nahe kommt – ich konnte die Begeisterung für die Comic Con, das Hetzen von Termin zu Termin, die Bewunderung für seine Idole, die man treffen kann, so gut nachvollziehen, weil es mir zum selben Zeitpunkt exakt genauso ging. Und die Nerds, die man hier trifft, sind nicht die der ekelhaft nöhligen Sorte – sie lieben, was sie lieben, mit Haut und Haaren und verschwenden ihre Zeit nicht damit, sich an Kleinigkeiten festzubeißen, die ihnen nicht in den Kram passen.

Und so ist es auch mit dem Verlauf der Geschichte: Graham liebt Roxanne, als beste Freundin und als Mädchen an sich. Dabei verliert er sich in den romantischen Vorstellungen, die er aus den Comics und Filmen kennt, die er liebt – so und nicht anders muss er Roxy seine Liebe gestehen, sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gefühle erwidert, in seiner Vorstellung gleich Null. Innerhalb der Tage auf der Comic Con muss er aber so einiges erkennen – dass es sein kann, dass Roxy andere Männer vielleicht viel attraktiver findet, dass direkte Ehrlichkeit ihm in den meisten Fällen viel mehr gebracht hätte als das, was er dann tatsächlich tut, dass Freundschaft das wertvollste Gut ist und dass sein kleiner Kreis an Freunden vielleicht nicht der einzige Ort ist, an dem man nach Frauen suchen könnte.

Die beinahe größte Liebesgeschichte der Welt hat somit auch kein Klischeeende – und damit das beste Ende, das ich mir nur wünschen konnte.

Fazit

Dieses Buch verdient den Hype um sich voll und ganz – man trifft auf Charaktere, die das lieben, was sie tun und sind, und auf eine Storyline, die ganz anders ist, als man es im ersten Moment erwarten würde. Am Ende geht es mehr um Selbstliebe und Begeisterung als um eine große Liebesgeschichte – und das ist verdammt gut so.

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|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

|Rezension| Katrin Zipse „Antonia rettet die Welt – Papageienparty“

antonia

Magellan * 25.07.2016  *  ISBN 978-3-7348-5016-5

HC 14,95 €  * Autorin  * Leseprobe

Klappentext

Antonia kann es nicht fassen: Ihre Mutter will sie für ein halbes Jahr (also praktisch ewig) nach Ungarn verschleppen! Das geht gar nicht! Toni kann unmöglich ihre beste Freundin Paulina mit ihren Monsterzwillingsbrüdern alleinlassen. Außerdem muss sie auf Mr Bond aufpassen, den Hund ihres Nachbarn. Gerade erst hat sie in letzter Sekunde verhindert, dass er entführt wird. Was, wenn da dieselben Leute dahinterstecken, die dreizehn Papageien aus dem Zoo gestohlen haben? Wer soll die Tiere denn retten, wenn Toni nach Ungarn fährt? Damit ist die Sache klar: Um ihre Mutter zur Vernunft zu bringen, muss Toni der Tiermafia das Handwerk legen. Leider gerät sie dabei an ein paar ganz schön undurchsichtige Typen …

Meinung

Antonia rettet die Welt ist der erste und gleichzeitig sehr gelungene Versuch der Autorin Katrin Zipse, ein Kinderbuch zu schreiben.

Ihre Protagonistin Antonia ist eine liebenswerte Heldin auf der Schwelle zur Pubertät. 13 ist ja ein ganz schwieriges Alter, um darüber zu schreiben, denn gefühlt ist jeder und jede Dreizehnjährige irgendwie verschieden weit in der Entwicklung. Dieser Unterschied wird aber durch die Freundschaft zwischen Pauline und Antonia gut aufgefangen. Denn während Antonia fast noch etwas kindlich wirkt und ihre Aufmerksamkeit lieber der Tierrettung widmet, geht es bei Pauline um Jungs und die erste Liebe, die nur über Schwärmereien hinausgeht. Das sorgt bei beiden auch für Zündstoff, weil sie von der jeweils anderen nicht begreifen können, wie sie ihre Prioritäten setzen.

Gerade Antonias unbedarfte Art macht den Plot auch erst möglich – für sie ist gar nichts unmöglich. Alleine mit den Geschwistern zuhause bleiben, wenn die Eltern in Ungarn sind, sich um zwei kleine Rabauken im Kindergartenalter kümmern, auf eigene Faust einer Tierhändlerbande das Handwerk legen, für sie ist das alles gar kein Problem. Erst sehr spät bekommt sie Angst vor ihrer eigenen Courage, als es schon keinen Weg mehr zurück gibt.

Wie Antonia selbst kann man nur ahnen, was wirklich mit den Papageien los ist, wie ihr Nachbar Jonas in der Sache drinsteckt und wie man dem Ganzen auf die Schliche kommen kann. Sicher ist man als erwachsener Leser da auch immer einen Schritt voraus, für die Zielgruppe ist es aber die ideale Mischung aus gut gesetzten Hinweisen und vollkommenem Rätsel.

Fazit

Ein spannendes Buch mit einer liebenswerten, wenn auch naiven und chaotischen Protagonistin, einem immer wieder überraschenden Plot und der richtigen Portion Humor.

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|Rezension| Angela Mohr „Ada“

|Rezension| Angela Mohr „Ada“

ada

Arena * 13.07.2015  *  ISBN 978-3-401-60112-0

HC 14,99 €  * eBook 11,99 € * Autorin * Leseprobe

Klappentext

Ohne das Dorf gibt es kein Überleben. Draußen lauert das Verderben, und nur im Dorf bist du sicher. Das ist es, woran Ada glaubt – bis Luca auftaucht und alles in Frage stellt. Von ihm erfährt Ada: Ihr totgeglaubter Bruder Kassian lebt! Zusammen mit Luca bricht sie jede Regel, die das Dorf jemals aufgestellt hat. Schließlich geht Ada bis zum Äußersten: Sie flieht aus der Gemeinschaft. Sie will ihren Bruder finden. Doch erträgt sie die Wahrheit, die sie jenseits des Dorfes erwartet?

Meinung

Viele Problemliteratur für Jugendliche ist mir ja zu oberflächlich, schlecht recherchiert oder einfach so gefühllos herübergebracht, dass es mich innerlich schrecklich davor gruselt. Deswegen freut es mich umso mehr, wenn ich auf solche Perlen wie „Ada“ stoße.

Von schlechter Recherche kann man hier schon gar nicht sprechen, denn dieses Buch war ein Herzensprojekt der Autorin, in das sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen konnte, denn sie selbst verbrachte ihre Kindheit und Jugend in einer christlichen Sekte. Dass sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn man erkennen muss, dass man angelogen wurde und wie sehr einem das den Boden unter den Füßen wegreißt, wird an Ada sehr deutlich. Einen Großteil des Buches geht es tatsächlich darum, wie das junge Mädchen mit seinen Selbstzweifeln, seinen Sehnsüchten und seinem Glauben kämpft und wie schwer es ihm fällt, damit klar zu kommen, dass die, denen es vertraut hat, ihm nichts Gutes wollten.

Luca hingegen zeigt deutlich, wie es passieren kann, dass jemand von außen in eine Sekte geraten kann. Er selbst ist durch seinen gewalttätigen Vater zwar von Grund auf misstrauisch, doch auch er kann sich nicht helfen und die positiven Seiten des abgeschiedenen Lebens der Dorfgemeinschaft genießen. Vielmehr ist es Ada und die Art, wie die anderen mit ihr umgehen, was ihm am deutlichsten zeigt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vorgeht. Seine Mutter hingegen, die bis dato weder Halt noch Hoffnung gekannt hat, fügt sich in die Sekte ein und fühlt sich dabei so glücklich wie schon seit Jahren nicht mehr.

Einerseits fand ich die beiden Erzählperspektiven von Luca und Ada sehr interessant, weil man Szenen oft aus zwei Blickwinkeln sieht und erkennt, wie unterschiedlich das Leben im Dorf aufgefasst wird. Sicher hätte ich aber auch die ursprünglich angedachte Version, nur Ada zu Wort kommen zu lassen, gerne gelesen, weil man so sicher noch mehr Eindruck davon erhalten hätte, wie logisch für Ada war, dass ihre Art zu leben und die Geschichten der Ältesten die einzige Wahrheit darstellen. Auch Liz – selbst, wenn sie einem anfangs wohl wirklich unheimlich unsympathisch sein wird – bringt noch einmal eine ganz neue Sichtweise ein, weil sie das komplette Gegenteil von Ada ist und ihrer eigenen Welt zuerst ebenso unkritisch gegenübersteht wie Ada ihrem Dorf.

Angela Mohr hat eine sehr unaufgesetzte, aber gleichzeitig ausdrucksstarke Art zu schreiben, die einem das Geschehen deutlich vor Augen treten lässt. Ich habe mit Ada und Luca gezittert bis zuletzt.

Fazit

Ein leider viel zu unbeachtetes Buch, das mich noch Tage lang weiter verfolgt hat.

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|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

|Rezension| Beatrix Gurian „Glimmernächte“

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Arena * 01.07.2016  *  ISBN 978-3-401-60216-5

HC 16,99 €  * eBook 13,99 € * Autorin

Klappentext

Durch die Heirat ihrer Mutter mit dem Grafen Frederik von Raben zieht Pippa in ein prächtiges Schloss nach Dänemark. Doch ihre neue Familie birgt ein Geheimnis, das immer mehr Besitz von Pippa ergreift. Seltsame Dinge geschehen und bald weiß sie nicht mehr, was real ist und was nicht. Bei einem Ball begegnet Pippa ihrem verwirrend attraktiven Stiefbruder Niels. Beide kommen sich schnell näher, doch auch Niels scheint nicht ganz ehrlich zu sein. Als Pippa klar wird, welche Mächte in Schloss Ravensholm lauern, muss sie alles aufs Spiel setzen, um die zu retten, die sie liebt …

Meinung

Eines vorweg: Wer mit Glimmernächte eine abgeänderte Version von Titeln wie Selection und Das Juwel erwartet, der liegt trotz des ähnlichen (und durchaus ansehnlichen) Covers weit daneben. Denn hier geht es mehr um Verschwörungen mit einem Hauch von Übersinnlichem.

Zu Beginn des Buches dachte ich ja, die Geschichte würde in eine ganz andere Richtung gehen, als sie es dann letztendlich tat: es wurde so viel über nordische Mythologie gesprochen, über Runen etc, dass ich mich schon richtig darauf gefreut hatte, eine moderne Version der nordischen Götter zu treffen. Das ist wohl meiner leichten Besessenheit für diese Mythologie geschuldet – ich wollte das auch unbedingt so sehen und habe schon fleißig herumgerätselt, was da nun wohl auf wessen göttlichen Mist gewachsen war. Spoiler: Als die Story dann in Richtung Geheimbünde gekippt ist, war ich sogar richtiggehend enttäuscht – menno. Persönlich weiß ich auch so wenig über diesen Geheimbund, dass ich mir gar kein richtiges Urteil darüber erlauben möchte, ob die beiden Themen jetzt so richtig vereinbar waren. Irgendwie hat es sich aber nicht stimmig angefühlt.

Davon abgesehen fand ich es aber sehr spannend zu beobachten, wie Pippa versucht, hinter die seltsamen Vorkommnisse im Schloss zu kommen und langsam, aber sicher an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Noch einmal zur Verwirrung tragen die eingeschobenen Erinnerungen einer unbekannten Person bei. Ich hatte mehrere wilde Theorien, was genau los war, auch wenn ich schon früh einen Verdacht hatte, wer es nicht gut mit Pippa meint. Sicher, wie das funktioniert, war ich aber lange nicht.

Ganz schön gestört hat mich die Instantlove von Pippa und Niels. Ja, Niels ist gutaussehend und sagt lauter tolle, ganz schnulzige Dinge zu ihr, ist aber auf der anderen Seite auch a) anfangs einfach echt mies zu ihr, b) angeblich verrückt und hat sogar einen Betreuer und c) eigentlich fast nie da. Ich hätte es besser gefunden, wenn beide mehr Zeit miteinander verbracht hätten, damit Pippas Vertrauen in ihn berechtigter gewesen wäre.

Einerseits war ich also ganz schön begeistert von Glimmernächte – ich fand es spannend, die Mythologie hat mich begeistert, auf lange Strecke war es für mich auch ziemlich undurchsichtig, was passiert ist. Und am allerbesten: Man musste sich auch zum Schluss, als man wusste, was wirklich los war, noch alle Ungereimtheiten selbst aufdröseln. Ich hasse ja nichts so sehr wie: So, nun sind wir am Ende, also erkläre ich dir dummen Leser jetzt nochmal lang und breit, was wirklich passiert ist. Der Themenwechsel und die Beziehung zwischen Niels und Pippa waren für mich aber leider ganz schöne Minuspunkte.

Fazit

Am Anfang noch mitreißend, hat mich der Themenwechsel persönlich sehr enttäuscht und die Instantlove der Protagonisten war auch nicht meins. Andererseits war es eine spannende, streckenweise gruselige Geschichte, die mich doch gepackt hat.

|Rezension| Joelle Charbonneau „The Testing“

|Rezension| Joelle Charbonneau „The Testing“

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Templar * 01.08.2013 * The Testing #1 *  ISBN 978-1-848-77653-1

TB 7,99 €  * eBook 4,64 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

It’s graduation day for sixteen-year-old Malencia Vale, and the entire Five Lakes Colony  is celebrating. All Cia can think about—hope for—is whether she’ll be chosen for The Testing, a United Commonwealth program that selects the best and brightest new graduates to become possible leaders of the slowly revitalizing post-war civilization. When Cia is chosen, her father finally tells her about his own nightmarish half-memories of The Testing. Armed with his dire warnings, she bravely heads off to Tosu City, far away from friends and family, perhaps forever. Danger, romance—and sheer terror—await.

Meinung

The Testing und ich, wir hatten einen echt schweren Start. Ehrlich gesagt war ich anfangs tierisch genervt davon, dass es wirkte, als hätte jemand einen Haufen beliebter Dystopien genommen, um sich hier und da und dort ein Stückchen zu klauen. Ein bisschen Divergent, ein wenig Panem, ein Portiönchen Shatter Me –tada, fertig. Deswegen wirkte für mich die Welt auch ein wenig zu unausgereift. Nicht, dass sich alle Länder gegenseitig die Erde weggebombt haben, bis nichts Bewohnbares mehr übrig war. Das glaub ich sogar. Aber dass man Jugendliche von daheim wegholt, einen Großteil davon einfach mal sterben lässt und niemandem fällt das auf – öh, nö?

Und trotzdem – irgendwie konnte ich nicht aufhören zu lesen. Wie konnte ich nicht wissen, wie es weitergeht? Meine Neugier fesselte mich an dieses Buch. Irgendwas hat die Autorin also doch richtig gemacht. Ich wollte wissen, wie die Tests aussehen, wollte wissen, wer überlebt und wer nicht, und – auch wenn es mich unheimlich an Panem und seine Arenen erinnert hat – wer den vierten Test übersteht und wer sich als skrupelloser Mörder herausstellt. Ich wollte erfahren, wer auf ihrer Seite ist und wer nur so tut, wo die Verräter in den Reihen der Regierung sitzen – ich wollte wissen, wissen, wissen. Verdammt. Dabei war ich schon so darauf eingestellt, das Buch zu hassen.

Hieran ist sicher nichts Neues – aber man hat Altbekanntes einfach spannend umgesetzt und manchmal reicht das ja auch, dass man plötzlich bis spät nachts über dem Reader hängt.

Fazit

Eine Geschichte mit Schwächen, ein Mischmasch aus bekannten Dystopien – und doch auf seine eigene Art reizvoll.