|Rezension| Josph Fink & Jeffrey Cranor „Willkommen in Night Vale“

|Rezension| Josph Fink & Jeffrey Cranor „Willkommen in Night Vale“

nightvale

Klett-Cotta * 19.03.2016 * OT: Welcome to Night Vale * ISBN 978-3-608-96137-9

HC 19,95 € * eBook 15,99 € * Leseprobe

Klappentext Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut.

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte ‚King City‘ geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von ‚King City‘ zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat.

Meinung

Tumblr – der Ort, an dem ich über Hypes stolpere und mich hinterher frage, wieso es Hypes sind oder mich mitten hineinstürze und voll dabei bin beim Hypen. So stolperte ich auch schon vor einer ganzen Weile über Ausschnitte aus dem Nightvale Podcast, dachte, das klänge schon irgendwie interessant – und habe sie dann doch nie angehört. Für mich schien das Buch die perfekte Situation, dem Hype nachzuspüren.

Nach dem ersten Kapitel, war das einzige, was mir in den Kopf schoss, nur: HÄ? Soll das irgendwie witzig sein? Oder so tiefsinnig, dass mein Kopf diese tiefe Tiefsinnigkeit einfach nicht erfassen kann? Was ist hier los? Auch die nächsten Kapitel wurde es nur mäßig besser. Ich versuchte, zwischen den gehäuften Wiederholungen und den völlig absurden Beschreibungen der Stadt irgendwo einen Handlungsfaden zu finden.

Tatsächlich gab es diesen Handlungsfaden wirklich, er war nur von links und rechts und oben und unten erdrückt von Informationen, die eigentlich keinen anderen Zweck hatten als die Stadt Night Vale zu beschreiben – die Geister und Engel und gestaltwandelnden Figuren, die verqueren Gebäude und Institutionen, die genau des Gegenteil von dem bedeuten, was sie in der normalen Welt bedeuten. Night Vale ist eine faszinierende Stadt mit einer interessanten Grundidee, das muss man den Autoren zu Gute halten. Doch sollte nicht die Stadt selbst die Geschichte, die in ihr spielt, so überdecken, dass sie gar keinen Platz mehr hat, sich zu entwickeln.

Dabei sind die Protagonisten sogar ziemlich sympathisch, denn obwohl sie in einer dermaßen verqueren Stadt leben und deswegen auch selbst nicht ganz normal sind – die eine altert nicht, der andere kann sich nicht entscheiden, ob er Junge oder Froschinsektirgendwas oder etwas noch Absurderes sein möchte -, sind sie auf der anderen Seite wie Du und Ich, gefangen in ihrem Alltag und ihrem Kampf mit sich selbst und dem, was sie eigentlich gerne sein möchten.

Fazit

Der Night Vale Podcast funktioniert – er funktioniert, weil er sich einfach um Night Vale dreht und nichts anderes behaupten möchte. Doch was als Podcast noch gut ist, scheitert hier am geschriebenen Wort, weil man mit anderen Erwartungen an ein Buch herangeht.

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|Rezension| Cassandra Clare „Lady Midnight“

|Rezension| Cassandra Clare „Lady Midnight“

lady midnight

Simon & Schuster * 08.03.2016 * The Dark Artifices #1 * ISBN 978-1-4711-1661-2

TB 15,09 € * eBook 9,99 € * Autorin

Klappentext It’s been five years since the events of City of Heavenly Fire that brought the Shadowhunters to the brink of oblivion. Emma Carstairs is no longer a child in mourning, but a young woman bent on discovering what killed her parents and avenging her losses. Together with her parabatai Julian Blackthorn, Emma must learn to trust her head and her heart as she investigates a demonic plot that stretches across Los Angeles, from the Sunset Strip to the enchanted sea that pounds the beaches of Santa Monica. If only her heart didn’t lead her in treacherous directions…Making things even more complicated, Julian’s brother Mark-who was captured by the faeries five years ago-has been returned as a bargaining chip. The faeries are desperate to find out who is murdering their kind-and they need the Shadowhunters‘ help to do it. But time works differently in faerie, so Mark has barely aged and doesn’t recognize his family. Can he ever truly return to them? Will the faeries really allow it?

Meinung

Lady Midnight zu lesen war wie nach Hause zu kommen – im Gegensatz zu The Infernal Devices macht man einfach einen Zeitsprung von 5 Jahren mit Charakteren, die man schon aus dem letzten Mortal Instruments-Band kennt: Emma und die Blackthorn-Kinder, die mit ihren Onkel Arthur und ihrer Mentorin Diana im Institut von Los Angeles leben.

Cassandra Clares Shadowhunter-Reihen leben auch dadurch, dass sie verbotene Lieben thematisieren – Schattenjäger und Unterweltler, angebliche Geschwister, man fiebert mit den Paaren mit und möchte, dass alles gut geht. Diese Bücher zu lesen ist immer ein wenig, wie dauerhaften Liebeskummer zu haben und das auch noch zu genießen. Auch hier wird die Thematik wieder aufgegriffen, denn wie schon in City of Heavenly Fire sehr deutlich wurde, existiert mehr als Freundschaft zwischen Emma und Julian – doch eine Liebe zwischen Parabatai ist per Gesetz verboten. Auch Mark, halb Shadowhunter und halb Fee, bricht mehr als nur ein Herz in dieser Geschichte.

Die Figuren waren gewohnt gut ausgearbeitet, ich hatte jeden direkt vor Augen und mich auch gerne in meine Träume verfolgen lassen, vor allem von Mark. Denn während Emma, Julian und Co zwar tolle Figuren mit Tiefe waren, hat Mark eben dieses besondere Etwas an Feenblut in sich, das ihn gleichzeitig unheimlich faszinierend, tragisch und urkomisch macht, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass er mittlerweile so viel mehr Fee ist als vorher, nachdem er Jahre mit der Wilden Jagd verbracht hat. Seine Sehnsucht nach dieser Freiheit ist oft so deutlich spürbar und mitreißend. Auch von Ty erhoffe ich mir in Zukunft noch so einige Überraschungen, da er sich nun das ganze Buch über endlich einen Platz als anerkannter Shadowhunter und nicht mehr nur kleiner, autistischer Bruder von Julian erkämpft hat. Abgesehen davon trifft man auf liebgewonnene alte Charaktere wie Clary und Jace, Tessa und Jem sowie Magnus, obwohl mir ihre Erwähnungen zu Beginn des Buches irgendwie wahllos erschienen, als ob sie eingebaut worden wären, um zu zeigen, dass die Reihen einen Zusammenhang besitzen. Schön fand ich jedoch, dass man erfährt, was aus den New Yorker Shadowhuntern wurde. Etwas Probleme hatte ich mit Malcolm, den ich zwar einerseits echt gerne mochte, aber der mir zu Anfang eher als eine andere Version von Magnus erschien.  Vielleicht ist das aber auch meiner absoluten Magnusbesessenheit zuzuschreiben.

Nach einem langsamen Anfang verfolgte mich die Geschichte so dermaßen, dass ich in jeder freien Sekunde gelesen habe. Es war spannend zu beobachten, wie alle Blackthorngeschwister zur Lösung beigetragen haben, sogar die allerkleinsten von ihnen. Es gab herzzerreißende Momente, unheimlich lustige Dialoge und actionreiche Kämpfe. Von der Identität des Bösewichts war ich persönlich sehr überrascht, weil ich damit nicht gerechnet hätte, obwohl es Cassandra Clare sogar schafft, dass man mit  ihm Mitleid hat.

Als i-Tüpfelchen enthält das Buch eine Kurzgeschichte, die den Leser zurück ins New Yorker Institut zurückbringt und einem verspricht, dass auch in den Folgebänden der eine oder andere altbekannte und geliebte Charakter auftauchen wird, um seine eigene Geschichte zu erzählen.

Fazit

Dieses Buch hat mir den schlimmsten Bookhangover seit Langem verschafft – liebenswerte Charaktere, die perfekte Mischung aus Humor, Herzschmerz und Action und dazu meine geliebte Shadowhunterwelt. Für mich gibt es bisher noch kein Zuviel an Schattenjägergeschichten.

|Rezension|Maggie Lehrman „Das Spiel der Wünsche“

|Rezension|Maggie Lehrman „Das Spiel der Wünsche“

spielderwünsche

Arena * 25.01.2016 * OT: The Cost of all Things * ISBN 978-3-401-60120-5

HC 16,99 € * eBook 14,99 € *  Autorin

KlappentextAls Aris Freund Win stirbt, entschließt sie sich, die schmerzhafte Erinnerung an ihn zu löschen – durch einen Zauber. Doch was Ari nicht weiß: Zwischen ihrem eigenen Leben und dem ihrer Freunde und Win bestehen geheime, sogar lebensbedrohliche Verbindungen. Und mit ihrem Wunsch setzt Ari eine Kette an Ereignissen in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist. Denn jeder Wunsch hat seinen Preis. Liebe, Verlust, Freundschaft – das Spiel der Wünsche reißt Ari und ihre Freunde mit sich, machtvoll wie eine Flutwelle. Gelingt es ihnen, dem verhängnisvollen Kreislauf zu entkommen? [Arena]

Meinung

Was würde passieren, wenn wir uns mit dem nötigen Kleingeld wirklich jeden Wunsch erfüllen könnten? Wäre einer genug? Würden wir davor zurückschrecken, uns etwas zu wünschen, was nicht nur uns betrifft? Ein Gedankenexperiment, mit dem sich Das Spiel der Wünsche beschäftigt.

In Aris Welt existieren sogenannte Hekamistinnen, die Wünsche erfüllen – dafür muss man ihnen nur Geld geben, etwas von ihnen Verzaubertes essen und mit den Nebenwirkungen leben, die zum Ausgleich auf einen zukommen. Und im ersten Moment klingt das ja ganz prima. Das dachten sich auch die Protagonisten Ari, Markos, Kay und Win. Doch unser Leben betrifft nicht nur uns selbst, sondern auch die Menschen, die uns umgeben – selten wurde mir so bewusst, wie Kleinigkeiten, aber auch große Entscheidungen nicht nur Einfluss auf mich selbst, sondern auch auf die haben, mit denen ich zu tun habe. Und das wiederum hat auch einen Einfluss auf die Menschen, die wiederum an der Person hängen – eine ellenlange Kettenreaktion entsteht aus einer Winzigkeit. Kein Wunder also, dass Hekamistinnen eigentlich verboten sind, vor allem, weil sie ohne schlechtes Gewissen auch Zauber verkaufen, die direkt auf andere wirken und nicht auf den Käufer selbst.

Außer Win war mir in diesem Buch eigentlich niemand wirklich sympathisch – anders hätte die Geschichte aber wohl auch nicht funktioniert. Jeder hier ist auf seine Art egoistisch, wenn auch sicher nicht unbegründet. So erwartete ich vor dem Lesen des Buches, dass ich mit Ari mitfühlen könnte, weil sie ihre große Liebe verloren hat und den Schmerz nicht mehr aushält. Doch durch den Wunsch trauert sie ja gar nicht – sie ist nur sauer, dass sie nicht mehr tanzen kann, tut sich selbst unheimlich leid und ist biestig zu ihren Freunden. Man bekommt aber auch den Eindruck, dass sie vorher schon nicht der sympathischste Mensch war, den man treffen konnte. Kay hingegen ist allein schon durch ihren Zauber ein egoistisches Stück – nachdem sie sich hübsch gezaubert hat, bindet sie auch noch ihre Freundinnen und später – wider besseren Wissens – noch eine dritte Person magisch an sich. Verständlich, dass sie Verlassensängste hat und an ihrem schwach ausgeprägten Selbstbewusstsein knabbert, aber so in das Leben anderer hineinzupfuschen, ist schon echt ein Tick zu viel. Die beiden haben aber, genauso wie Markos, die junge Hekamistin Echo und Win selbst sehr gute Gründe für ihr Handeln und – bis auf letzteren natürlich- auch die Chance, zu zeigen, dass sie aus Fehlern lernen und ihren Egoismus ablegen können, was sie auch tun.

Die Geschichte tröpfelt eher vor sich hin, bis sie auf den letzten Seiten noch einmal mächtig an Tempo zunimmt, wenn alle Zauber, die getätigt wurden, plötzlich zeigen, wie sie ineinander verwoben waren und welche Katastrophe dadurch letztendlich ausgelöst wurde. Das liegt aber wohl auch daran, dass hier sehr stark Probleme gewälzt werden. Immer wieder blickt man auf kaputte Familienkonstellationen, die sich unterschiedlich auf die Protagonisten auswirken – der eine wird ein Player, die andere hält den Schmerz des Verlustes nicht aus und betäubt sich, die nächste hat so nagende Selbstzweifel, dass sie ihr wahres Ich kaum erträgt – oder auf Personen, die von Depressionen gequält werden. Wie ein Leitbild zieht sich die Frage durch das Buch: Wäre es denn besser, wenn die Jugendlichen und auch die Erwachsenen der Realität ins Auge geblickt hätten und sich durchgekämpft hätten? Ob dem so ist, muss man sich dann aber selbst beantworten, denn das Buch wird es nicht tun. Und das ist auch gut so, denn der mahnende Zeigefinger muss auch einfach mal stecken bleiben.

Fazit

Ein interessantes Gedankenexperiment mit wenig sympathischen Charakteren und einer überraschenden Wendung zum Schluss.

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler“

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares! – Die Stadt der Schlafwandler“

nightmares 2

Dressler * 19.11.2015 * OT Nightmares! – The Sleepwalker Tonic (#2) * ISBN 978-3-7915-1948-7

HC 17,99 € * eBook 13,99 € * Autor

Klappentext

Albträume können einem ziemlich den Schlaf rauben, das weiß Charlie nur zu gut. Schließlich hat er schon so einige Horrornächte hinter sich. Deshalb sind auch alle begeistert, als der neue Kräuterladen in Orville Falls ein Wundermittel gegen Albträume anbietet. Doch das Elixier hat schaurige Nebenwirkungen: alle, die es genommen haben, geistern wie Schlafwandler durch die Stadt. Schaffen es Charlie und seine Freunde erneut, sich den Schrecken der Nacht zu stellen?MeinungIm ersten Teil von Nightmares wurden mächtig Probleme gewälzt und die meiste Zeit im Albtraumreich verbracht. Nightmares Band 2 ist ganz anders, aber nicht minder spannend.

Charlie, seine Stiefmutter und Freunde haben sich mit der Tatsache arrangiert, dass Charlie und sein kleiner Bruder Jack die neuen Hüter des Tores zur Traumwelt sind. Auch als Familie sind sie mittlerweile zusammengewachsen. Dennoch trübt wieder etwas ihr idyllisches Familienleben – diesmal geht es nämlich um Existenzangst und Rivalität unter Geschwistern.

Wenn sich Eltern Sorgen machen, dann bekommen Kinder das meistens mit, auch wenn Erwachsene nur ungern realisieren möchten. So bemerkt auch Charlie, dass seine Stiefmutter Charlotte drauf und dran ist, sowohl ihren Laden als auch das lila Haus zu verlieren, was in vielerlei Hinsicht katastrophal wäre – zum einen bedeutet das einen neuen Umzug und schlimmer noch, den Verlust der Kontrolle über das Tor im Turmzimmer. Und so passiert, was passieren muss: Charlie öffnet mit seiner Angst das Tor erneut.

Doch nicht nur Charlie ist dazu in der Lage, sondern auch Jack. Und der fühlt sich pudelwohl zwischen all den Monstern und macht sich erst einmal eine Menge Freunde – mehr Freunde, als Charlie bisher geschafft hat. Zu seiner Sorge gesellt sich also auch noch die Eifersucht auf seinen furchtlosen kleinen Bruder, der jeden um den Finger wickeln kann, was ihm nicht so gelingt. Doch auch Jack merkt, dass sein Bruder wütend auf ihn ist und fühlt sich bald als Last und Zumutung für ihn, was ihn traurig macht, vor allem als er seinen großen Bruder am meisten braucht. Dieses Eifersuchtsgefühl kennen bestimmt alle Leser mit Geschwistern und finden sich darin wieder.

Obwohl der zweite Band mehr in der wachen Welt spielt, haben die Autoren es geschafft, dass es nicht minder spannend, gruselig und auch lustig wird. Die Stadt voller Schlafwandler ist schon beängstigend und die Zeit sitzt allen wirklich im Nacken. Urkomisch hingegen fand ich die Nachtmahre in Menschenverkleidung (vor allem das ruppige Wechselbalg in Babyklamotten) und den neuen Charakter Ollie, der Michel von Lönneberga echte Konkurrenz machen könnte.

Schön fand ich den Grundtenor des Buches – dass Liebe und Hoffnung Berge versetzen und heilen können, dass der Rückhalt von Familie so bedeutend für Groß und Klein ist, und dass sich diese Liebe manchmal auf sehr versteckte Art und Weise zeigen kann und man manchmal genau hinsehen muss, um sie zu entdecken. Und auch, dass das Fehlen dieser Liebe und Hoffnung Menschen dazu bringen kann, unerhörte Dinge zu tun und dass hinter bösen Fassaden manchmal nur zerbrochene Herzen stecken.

Etwas schade fand ich, dass es in den deutschen Ausgaben die Bilder nicht gibt, mit denen die englischen Ausgaben bestückt sind. Zwar ist das Buch reichlich illustriert mit den Schattenfiguren, die sich auch am Cover finden, im Vergleich zu den englischen Ausgaben ist das aber leider nur ein schwacher Trost.

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung der unterhaltsamen Reihe, die die Geschcihte des ersten Teils wieder gut aufnnimmt und dennoch ganz neu erzählt.
|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares!“

|Rezension| Jason Segel, Kirsten Miller „Nightmares!“

nightmares

Yearling * 28.7.2015 * Nightmares! #1 * ISBN 978-0385744263

TB 6,60 € * eBook 6,27 € * Autor

Klappentext

Charlie Laird has several problems.

1. His dad married a woman he is sure moonlights as a witch.
2. He had to move into her purple mansion—the creepiest place in Cypress Creek.
3. He can’t remember the last time sleeping wasn’t a nightmarish prospect. Like even a nap.

What Charlie doesn’t know is that his problems are about to get a whole lot more real. Nightmares can ruin a good night’s sleep, but when they start slipping out of your dreams and into the waking world . . . well, that’s something only Charlie can face. And he’s going to need all the help he can get, or it might just be lights-out for Charlie Laird.

For good.

Meinung

Als Kind hatte ich immer ein und denselben Albtraum. So geht es wohl jedem Kind einmal, das unter bestimmten Ängsten leidet. Diese Erfahrung wird in Nightmares aufgegriffen und zu einem Kinderbuch verarbeitet.

Nightmares bekam wohl auch deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil es vom How I Met Your Mother-Star Jason Segel geschrieben wurde, dessen Humor ich persönlich sehr mag. An seiner Seite stand dafür die erfahrene Autorin Kirsten Miller.

Zu Beginn fand ich, dass sich das Buch etwas zog. Der Protagonist Charlie hat schwer daran zu knabbern, dass seine Mutter gestorben ist und sein Vater, anstatt zu trauern, sich schon neu verheiratet hat und dann noch sein Elternhaus verlassen hat, um in das schreckliche lila Monsterhaus von Charlies Stiefmutter zu ziehen. Natürlich ist es verständlich, dass Charlie totunglücklich ist, und man kann nicht von ihm erwarten, dass er seine neue Stiefmutter heiß und innig liebt – seine Verschwörungstheorien und Hasstiraden ziehen sich für meinen Geschmack aber zu lange. So richtig spannend fand ich das Buch erst, als er mit Haut und Haaren in die Albtraumwelt gerät.

Die Albtraumwelt besteht nämlich aus genau dem: allen Albträumen, die Menschen sich erträumen können. Da bekommt sogar der Clown im Aufziehauto einen gruseligen Touch. Auf der Suche nach seinem Bruder und beim Versuch, seinen Freunden aus ihren Albträumen zu helfen, durchstreift Charlie also die verschiedensten Traumlandschaften. Er selbst und seine Freunde müssen sich ihren eigenen Albträumen stellen – das sind zwar für jedes Kind altbekannte Ängste, die aber dennoch für jeden von ihnen ganz persönliche und individuelle Hintergründe haben. Hier kann jeder den einen oder anderen Albtraum entdecken, den er selbst schon einmal hatte, aber auch Albträume, auf die man im Leben selbst nicht gekommen wäre, die für andere aber purer Ernst sind. So bekommt man auch ein Gespür dafür, wie vielfältig Angst sein kann.

So ist es auch nicht verwunderlich, wenn zwischen gruselig und lustig auch ein Funken Traurigkeit im Buch steckt, denn Charlie ist nicht der einzige, der hart an seinem Leben zu knabbern hat. Auch Depressionen und Mobbing werden hier thematisiert und sprechen damit Kinder an, die sich vielleicht in denselben Situationen wiederfinden wie die im Buch – und schöpfen Mut aus deren Leistungen.

Sehr schön fand ich persönlich die Idee, dass aus Albträumen, wenn sie überwunden sind und keine Albträume mehr sein können oder wollen, Träume werden. Und dass Albträume nicht dazu da sind, um uns zu quälen, sondern tatsächlich dazu, uns ein Stückchen mutiger und kräftiger zu machen.

Fazit

Ein unterhaltsames Kinderbuch, das unerwartet sogar in die Tiefe geht.

|Rezension| Nina Blazon „Der Winter der schwarzen Rosen“

|Rezension| Nina Blazon „Der Winter der schwarzen Rosen“

winter der schwarzen rosen

cbt * 05.10.2015 * ISBN 978-3-570-16364-1

HC 16,99 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

In einer Festung, geschützt durch dunkle Magie, suchen die Zwillingsschwestern Tajann und Lili Zuflucht vor ihren Verfolgern. Die eine Schwester versteckt sich hier mit dem Junglord Janeik, um ihre verbotene, aber leidenschaftliche Liebe leben zu können. Die andere ist auf der Flucht vor der zerstörerischen Liebe eines Gestaltwandlers. Doch mit den dunklen Mächten spielt man nicht. Das beginnen auch Tajann und Lili bald zu ahnen. Denn etwas lauert in den Mauern, etwas Unberechenbares, etwas Böses …

Meinung

„Der Winter der schwarzen Rosen“ war nicht mein erstes Buch von Nina Blazon, mit Sicherheit aber das bisher schönste.

Das lag einerseits an der wunderbar poetischen Sprache, die die Autorin an sich ja schon innehat, die sie hier aber für mein Empfinden besonders schön einsetzt, um so deutliche Bilder einer ganz besonderen Welt zu zeichnen. Viele Schauplätze hatte ich sehr deutlich vor Augen – die Burgen, den Wald mit seinen schwarzen Hirschen, die rankenübersäten Gänge von Tajanns Trutzburg. Auch die Figuren traten mir ganz deutlich vor Augen, weil sie so ungewöhnlich und liebevoll ausgeschmückt waren.

Tajann und Liljann sind zweieiige Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Tajann, dunkelhaarig und selbstbewusst, ist eine geborene Jägerin mit der Sehnsucht, es ihrer Mutter gleichzutun, und ihren Weg in den Palast der Lady zu finden. Liljann, blond und zerbrechlich, ist dagegen magiebegabt und hat gar keine Ambitionen, ihr Elternhaus zu verlassen, weil im Grauland nur der Tod auf sie zu warten scheint. Beide machen im Laufe des Buches eine unheimliche Entwicklung durch, was vor allem für Tajann ein großer Pluspunkt war, weil sie zu Beginn in ihrem Egoismus sogar ihre Schwestern opfert, um in den Palast zu gelangen. Aber auch dass Liljann so stark und mutig geworden ist, hat mich sehr beeindruckt. Lady Jamala und Antija sind ebenfalls beeindruckende Gestalten und zumindest Antija schafft es sogar, ein paar Sympathien zu wecken, obwohl sie doch klar die Gegenspielerin zu Tajann ist. Im Vergleich zu den Frauen wirken die Männerfiguren wie Janeik und Naveen beinahe blass, was ich jedoch nicht schlimm finde. Viel zu oft sind es in anderen Büchern die Frauen, die austauschbare Klischees sind.

Insgesamt hatte ich nie das Gefühl, dass ich jetzt etwas bahnbrechend Neues lese, die eine oder andere Grundidee fühlte sich so an, als wäre sie mir bekannt. Als Ganzes gesehen aber war die Geschichte, der Lebensweg der Figuren und auch das Ende so stimmig, mitreißend und schön, dass mir nichts davon wie ein Abklatsch vorkam. Auch den Weltenaufbau fand ich interessant – wieso kann der oder die Erstgeborene nicht über sein Schicksal entscheiden und die Zweitgeborenen sind die Eroberer der Welt? Dass auch diese Ansicht kritisch ist, zeigt sich in Tajanns und Liljanns Schicksalen.

Fazit

Ein gelungenes Buch voller poetischer Sprache mit Charakteren, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben.

 

|Rezension| Sandra Öhl „Kitty Kathstone“

|Rezension| Sandra Öhl „Kitty Kathstone“

kittyMr Bumblebee’s House * 15.10.2015 * ISBN: 9783950400304

 HC 17,99 € * eBook 9,99 €

Klappentext

Sie ist schlagfertig und zieht Schwierigkeiten an, wie das Licht die Motten. Da ist es auch kein Wunder, dass ausgerechnet an Kittys fünfzehnten Geburtstag alles schief läuft. Und als wären es nicht genug Katastrophen für einen Tag (nebst dem spurlosen Verschwinden ihres Vaters), eröffnen ihr ihre zurückhaltende Mutter und die resolute Großmutter das lange totgeschwiegene Familiengeheimnis. (Nichts Neues, denkt Ihr? Naja, seid Euch da mal nicht so sicher.) Kitty findet sich schneller, als ihr lieb ist in einer Welt voller Mythen wieder, bevölkert von Gorgonen, Formwandlern, japanischen Einhörnern, Walküren und anderen unglaublichen Wesen, in der es aber vor allem um eines geht: Gemeinsam mit 14 Guardians und jahrtausendealten Steinen, das Gleichgewicht des Universums zu bewahren

Meinung

Ich wollte dieses Buch ja so unbedingt lieben – ich meine, seht es euch nur mal an! Es ist so schön! Es fasst sich sogar toll an! Aber irgendwie wollte es zwischen uns nicht wirklich funken.

Kitty Kathstone basiert auf dem simplen Prinzip, das schon andere Erfolgsromane hervorgebracht hat: Kitty erfährt an ihrem 15. Geburtstag, dass sie kein normales Mädchen ist, sondern aus einer Linie von Gestaltwandlern kommt. Nach dieser Erkenntnis wird sie an eine Schule verfrachtet, auf der sie ihre Fähigkeiten beherrschen lernen soll. Darüber hinaus stellt sich heraus, dass sie nicht nur die simplen, von ihr erwarteten Fähigkeiten hat, sondern sogar noch etwas ganz Besonderes ist. Kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, ging es nicht Harry, Percy und Co nicht anders.

Dabei ist die Schule, auf die Kitty geht, eigentlich ganz interessant – zugepropft mit mythischen Wesen aller Art, mal einer netten Abwechslung an Kursen und Lehrkräften und einem der Beschreibung nach sehr hübschen Schulgebäude war es doch nett, sich im Kopf dort aufzuhalten. Auch die Reise, die auf Kitty und Nora zukam, war ganz spannend zu beobachten, weil so viele neue Ideen gepaart mit alten Mythen eingebaut wurden.

Leider hatte ich ein wenig das Gefühl, dass sich die Geschichte unnötig zieht – zumindest hatte ich nie den inneren Drang, jetzt unbedingt weiterlesen zu müssen –, während mir manches zu schnell ging. Vor allem die Instant Love zwischen Kitty und ihrem Elfenprinzen Glade. Ganz pubertär fallen hier schon die 5 berühmten Buchstaben nach gerademal zwei Küssen. Aber Kitty ist eben auch wandelnde Pubertät – bockig, oberflächlich, gedankenlos, impulsiv, alles in allem also eher weniger sympathisch. Kittys Alter schlägt sich dann auch in den Formulierungen nieder, obwohl ja die Geschichte eigentlich aus der Feder eines wesentlich älteren Hundes (Ja, ihr habt richtig gelesen) stammt. Nora war auch ein mehr als skurriler Charakter – in Egoismus steht sie Kitty in nichts nach, ist dabei aber auch noch Neunmalklug und ein Jammerlappen. Die Freundschaft zwischen ihnen kann man auch nur Zweckgemeinschaft nennen.

Was ich persönlich sehr schade fand – und ich kann da einfach nicht aus meiner Germanistenhaut – war, dass sich Rechtschreibfehler, vor allem aber Kommafehler so gehäuft haben. Tatsächlich wurden Kommas hier so inflationär und sinnlos eingesetzt, dass ich innerlich bei jedem zusammengezuckt bin. Bei einem Buch, das optisch so professionell wirkt, fällt das für mich doppelt auf.

Fazit

In Kitty Kathstone wird eine erfolgreiche Grundgeschichte in eine interessante Umgebung gebettet, aber leider mit einer unleidlichen Protagonistin versalzen.

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