|Rezension| Anna Sheehan „A Long Long Sleep“

|Rezension| Anna Sheehan „A Long Long Sleep“

Dt. Titel: Während ich schlief

Anna Sheehan @ AnnaSheehan.com

Candlewick (August 2011)

352 Seiten, 11,80 € HC

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Die Geschichte

62 Jahre lag Rose in künstlichem Schlaf, von der Welt vergessen, als Bren sie aufweckt. Sie findet sich in einer Welt wieder, die ihrer gleicht, aber in der sie sich trotzdem kaum zurechtfindet. Jeder, den sie liebte, ist tot, und den Menschen, die sie jetzt umgeben, scheint sie egal zu sein. Und wäre sich in dieser Umgebung zurechtzufinden nicht schwer genug, scheint jemand einen Killer auf sie gehetzt zu haben – und keinen der menschlichen Sorte.

Meinung

A long, long sleep, a famous sleep
That makes no show for dawn
By strech of limb or stir of lid, —
An independent one.

Was ever idleness like this?
Within a hut of stone
To bask the centuries away
Nor once look up for noon?

{Emily Dickinson}

Zu Beginn von A long long sleep ging es mir wie der Protagonistin Rose selbst – ich hatte null Durchblick, was eigentlich gerade passiert. Dunkle Zeiten? Interplanetare Beziehungen? Und wieso reden alle so komisch? Ich verstehe kein Wort! Ich konnte komplett mit Rose mitfühlen, die sich allein in einer Welt wiederfindet, die ihre eigene ist und doch wieder nicht. Niemand aus ihrer Familie lebt mehr und die Firma ihrer Eltern wird von wildfremden Leuten geführt. Sie lebt in ihrer alten Wohnung, in ihrem alten Zimmer, aber mit Pflegeeltern statt ihren eigenen. Schule ist Schule, nur mit neuen Fächern und noch mehr Technik und ihre Mitschüler fügen Wörter in ihre Sätze ein, bei denen Rose nur raten kann, was sie bedeuten.

Zu Beginn habe ich mich ernsthaft gewundert, wieso Rose so oft eingefroren wurde, scheinbar aus keinem anderen Grund als dass ihre Eltern viel gereist sind und sie nicht mitnehmen wollten. Was soll das denn für ein Grund sein, dachte ich mir. Erst im Laufe der Geschichte merkt man, dass Roses heißgeliebte Eltern gar keine so tollen Eltern waren und dass man hier zu Recht an deren Motiven zweifelt. Den einzigen aus Roses Vergangenheit, den ich mochte, war Xavier. Dafür war die Geschichte zwischen Rose und Xavier, die gemeinsam aufwachsen und wie füreinander geschaffen sind, zuckersüß und die Erinnerungen, die Rose an ihre Zeit hat, brechen einem regelrecht das Herz. Was Rose dagegen an Bren fand, hat sich mir nie ganz erschlossen, denn außer dass er ähnliche Augen hat wie Xavier und relativ nett zu ihr ist, hatten die beiden gar keine Verbindung zueinander. Anders ist das mit Otto, mit dem sie regelmäßig chattet. Otto fand ich faszinierend, nicht nur weil er prinzipiell ein Genexperiment ihrer Firma war und deswegen eine besondere Geschichte zu erzählen hatte, sondern weil er auch witzig war und sich als einziger ernsthaft für Rose zu interessieren schien.

Was mich ja gestört hat, war die ganze Terminatorsache. Zum einen konnte ich die ganze Zeit nicht umhin, mir vorzustellen, wie Arnold Schwarzenegger durch die Gänge stapft und mit rotglühenden Augen nach seinem Zielobjekt sucht. Zum anderen verstehe ich nicht so ganz, wieso dieser menschliche Roboter gerade in Deutschland produziert werden musste, wo „schreckliche Experimente an Gefängnisinsassen“ ausgeführt wurden, die sich für Geld freiwillig gemeldet haben. Vielleicht ist das einfach ein Berufsproblem und jemand anderes sieht das nicht so, aber drittes Reich lässt ein bisschen grüßen, oder?

Trotzdem war ich gebannt von A long long sleep, von Roses Geschichte, von ihrem Kampf, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der niemand mehr existiert, den sie einmal geliebt hat. Von Xavier, von Rose und von Otto und von jeder einzelnen Wendung. Lest es! Unbedingt!

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