Benjamin Lebert „Kannst du“

Benjamin Lebert „Kannst du“

Verlag: Goldmann (Mai 2008)

Seiten: 288

ISBN: 3442467284

Preis: 7,95 €

Inhalt

Gemeinsam gehen Tim und Tanja auf eine Interrail-Reise durch Skandinavien. Die beiden kennen sich flüchtig aus Berlin und treten die Fahrt aus ganz unterschiedlichen Motiven an. Tim ist jemand, der ein Gefühl hat für Entfernungen. Vor allem für die Entfernungen zwischen Menschen. Sein früher Erfolg als Bestsellerautor hat ihm viel Aufmerksamkeit und so manchen Liebesbrief beschert und ihn rund um den Globus geführt, aber bei all den Begegnungen war es ihm doch, als sei er nicht wirklich dabei. Froh über den Anstoß, aus seinem solitären Leben auszubrechen, sagt Tim zu, als Tanja, eine Kneipenbekanntschaft, ihn fragt, ob er sie auf ihrer geplanten Interrail-Reise begleiten wolle. Tim schließt sich Tanja an, einer hübschen, fröhlichen und mitten im Leben stehenden jungen Frau, die mit ihren 18 Jahren viel besser zu wissen scheint, wo es langgeht, als der drei Jahre ältere Tim. So wirkt es. Völlig überrascht und hilflos wird Tim dann aber Zeuge von Tanjas nächtlichen Heulanfällen, von ihren verzweifelten Versuchen, sich selbst zu verletzen, die sie aber kurz darauf mit einem fröhlichen“Lass uns nicht darüber reden“wegzuwischen versucht. Beide spüren sie, dass sie einander nicht helfen können, dass sie es vielleicht noch nicht einmal stark genug wollen, weil sie zu sehr in ihren eigenen Kummer vertieft sind. Und dennoch unternimmt Tim in einem gewaltigen Kraftakt einen Rettungsversuch.

Meinung

„Kannst du“ ist die Art Buch, bei dem man, wenn man es zur Seite gelegt hat, erstmal überlegen muss, ob man es jetzt mochte oder total bescheuert fand.

Zum einen ist da Leberts Schreibweise. Zweifellos kann er mit Worten umgehen und es gibt Stellen, im Buch, da denkt man sich: Ja, genau, so ist das. So hab ich mir das auch immer gedacht! Und dann fängt er aber wieder an, um den heißen Brei herumzureden.

Außerdem – und darüber beschwert sich auch seine Reisebegleitung – ist er trotzdem sehr fixiert auf Sex. Was man hier aber wieder positiv erwähnen sollte, ist, dass er es wenigstens so beschreiben kann, dass es nicht an Pornos erinnert. (Hallo, Frau Adrian ^^ )

Tims Leben zeigt Parallelen zu Leberts Leben. Beide werden mit 17 durch ihren ersten Roman schlagartig in aller Welt berühmt und stehen unter Druck, einen neuen ebenso erfolgreichen Roman abzuliefern. Tim versucht es krampfhaft, schafft auf der Reise sogar ein paar Seiten, beschließt aber dann, das Schreiben ganz aufzugeben.

Die beiden Hauptpersonen Tim und Tanja sind irgendwie nervtötend. Tim tut sich selbst absolut leid, hat kein Verständnis für Tanja und scheint eigentlich fast nur an ihr interessiert zu sein, wenn Aussicht auf Sex besteht. Tanja nebenbei ist viel zu sehr damit beschäftigt, einerseits ihr kaputtes Inneren nach außen zu tragen, ihr Elend den Menschen fast ins Gesicht zu schleudern, aber wenn es darum geht, ihr zu helfen, blockt sie ab. Die beiden sind zwar zusammen unterwegs, leben dabei aber ihren Egoismus bis zum Gehtnichtmehr aus.

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4 Gedanken zu “Benjamin Lebert „Kannst du“

  1. Ich hab vor Ewigkeiten ‚Crazy‘ gelesen. Da hatte ich auch schon meine Probleme mit der Sexsache und der Ähnlichkeit der Hauptfigur zum Autor. Ich hab zwar irgendwann trotzdem noch ‚Der Vogel ist ein Rabe‘ gelesen, was etwas besser war, aber ein drittes Buch von Lebert muss ich nicht lesen.

    LG,
    Nina

  2. Crazy fand ich ja gar nicht gut und hätten nicht alle behauptet, Der Vogel ist ein Rabe wäre sooo super, und hätten nicht die beiden lebertbücher nur 99 Cent gekostet, ich häts nicht mehr angefasst… Ich hab halt gehofft, dass er erwachsener geworden ist… Ist er ja auch, aber trotzdem… diese Sex“besessenheit“ ist nervig…
    Außerdem hab ich mich dauernd gefragt, wie weit es denn nun autobiographisch ist, denn wenn ja, dann Prost Mahlzeit. Soviel Selbstmitleid und Prostitution und Geltungsdrang ist nicht mehr normal…

  3. Crazy hab ich damals auch gelesen und so richtig gefallen hat es mir auch nicht…Also lass ich von diesem jetzt mal die Finger, es sei denn als ME ;)

  4. Eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Pornokitsch und Selbstverliebtheit stinken zum Himmel. Dazu kommen sachliche Unrichtigkeiten: Halle liegt mitnichten in Sachsen und dort spricht man weder sächsisch noch den im Buch zitierten Berliner Hinterhofdialekt.
    Schade um die Zeit für’s Lesen.

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