Niklas und Felix Schaab „Das House-Buch für Hypochonder“

Niklas und Felix Schaab „Das House-Buch für Hypochonder“

Verlag: Egmont Vgs (April 2009)

Seiten: 224

ISBN:3802536711

Preis: 9,95 €

Inhalt

Böse Zungen behaupten, die Patienten des genialsten Mediziners der Fernsehgeschichte wären in Wirklichkeit schon längst tot. Es wird Zeit, dass seine Diagnosen und Behandlungsmethoden selbst einmal messerscharf seziert werden. Mit viel Humor und medizinischem Know-How untersuchen die Autoren das Wirken von Dr. House und seinen Kollegen und spüren die schlimmsten Fehldiagnosen der TV-Ärzte auf.

Dazu gibt es Hintergrundinfos zu den seltenen, aber im wirklichen Leben doch vorkommenden Krankheiten aus den ersten Staffeln der TV-Serie – und wertvolle Überlebenstipps für Hypochonder.

Meinung

Die Arztserie „Dr. House“ läuft schon seit Mai 2006 auf RTL. Doktor Gregory House (gespielt von Hugh Laurie) ist Experte für Diagnostik und spezialisiert auf ganz besonders schwierige Fälle. Doch im Gegensatz zu den Sonnenscheinärzten in anderen Serien dieses Genres ist Dr. House eher grummelig, misanthrop und zudem noch süchtig nach Vicodin, einem Schmerzmittel. Aufgrund eine Infarktes im Bein wurden im Teile der Muskulatur des rechten Oberschenkels entfernt, was dazu führt, dass er am Stock gehen muss und starke Schmerzen hat. Zu seinem Team zählen Robert Chase, Allison Cameron und Eric Foreman, die gemeinsam mit House hinter die Ursachen für die Krankheiten der Patienten zu kommen versuchen. Natürlich nimmt House nur die „spannenden“ Fälle an, bei denen es eine Herausforderung darstellt, hinter die Diagnose zu kommen.

Das Buch beginnt mit einer Vorstellung des Serienprinzips und der wichtigsten Hauptdarsteller, also Dr. House und sein Team sowie seine Chefin Cuddy und sein bester Freund Wilson. Schon hier bekommt der Leser folgenden Eindruck von dem beurteilenden Arzt Felix Schaab: Er mag keine Arztserien, oder zumindest mag er Dr. House nicht. An den Protagonisten wird kein gutes Haar gelassen. Zweifellos haben die beiden Autoren bei ihren Einschätzungen recht, übertreiben aber teilweise stark, denn jede Serienfigur bedient das eine oder andere Klischee, nicht nur in Arztserien. Fraglich, ob eine so negative Grundeinstellung zu der betrachteten Serie zu einer neutralen Untersuchung der Fälle an sich führt. Aber die ist hier wohl auch gar nicht beabsichtigt.

Niklas und Felix Schaab konzentrieren sich auf die ersten drei Staffel „Dr. House“ und picken sich einzelne Folgen heraus, mehr nach Interesse als nach offensichtlichen Kriterien. Der Fall wird beschrieben und dann wird Schritt für Schritt das ärztliche Vorgehen aufgedröselt und danach bewertet, ob es medizinisch richtig ist oder sogar Leben rettet, bzw. ob es danebenliegt oder tödlich ausgehen kann. Je nachdem werden Smileys und Totenköpfe verteilt, die am Schluss des Kapitels verrechnet werden.

Dabei bemerkt Felix Schaab, der immer als „Experte“ bezeichnet wird, dass die meisten Fälle von Dr. House sehr sehr selten sind. Das ist für den Housefan insofern nicht überraschend, da diese extrem seltenen Fälle Teil des Serienprinzips sind. Das sollte eigentlich auch den Autoren klar sein.

Und mal ehrlich: Wenn der Housekucker Realität haben möchte, könnte er sich auch Dienstags ab 21:15 Uhr in die Empfangshalle eines Krankenhauses setzen… das will er nur nicht.

Zudem beginnt jedes Kapitel mit der persönlichen Erfahrung als Arzt, die mit House’ Einstellung verglichen wird. Zwar ist es interessant zu sehen, wie Ärzte so ihr Berufsleben empfinden, macht Herrn Schaab als Arzt aber auch des öfteren unsympathisch. Zum Beispiel beschwert er sich darüber, dass Patienten ihre Schmerzen nicht richtig definieren können: Ist der Schmerz pochend, stechend? Vielleicht sollte man aber als Arzt den Patienten lieber erklären, woran man welche Schmerzart erkennt, anstatt sich in illustrer Ärztekaffeerunde darüber zu mockieren, dass die Patienten so gar keine Ahnung haben.

Namensgebend für „Das House-Buch der Hypochonder“ sind die Kapitelenden. Hier erklärt Herr Schaab dem Leser bestimmte Fachbegriffe und dem Hypochonder von heute, wie er – und ob er – die Krankheiten der Serie simulieren kann.

Diese Tipps und der besondere Humor, gespickt mit Ironie und einem Gefühl für Sprache, retten dieses Buch. Denn Ehrlichkeit hin oder her, hätten sich die beiden Autoren klar sein sollen, dass ihre Hauptzielgruppe Fans der Serie sind, die sich nach dem Lesen mächtig auf den Schlips getreten fühlen können. Denn die Hauptdarsteller ihrer Lieblingsserie werden von hinten bis vorne als entweder völlig verrückt oder absolut dämlich dargestellt und an nichts wird ein gutes Haar gelassen. Das ganze Prinzip der Serie – nämlich dass House eben ein genialer Arzt ist, der die richtig seltenen und schwierigen Fälle löst – wird durch den Kakao gezogen. Da hilft es dann auch nichts mehr, dass die Autoren in ihrem Fazit einräumen, dass „Dr. House“ eine gute Serie ist.

Fazit

„Das House-Buch für Hypochonder“ von Felix und Niklas Schaab untersucht einzelne Fälle der RTL-Serie „Dr. House“ auf Realität und ärztliches Vorgehen. Dabei lassen sie aber an den Charakteren der Serie kaum ein gutes Haar und laufen damit Gefahr, ihre Zielgruppe – nämlich Fans der Serie – zu verärgern. Gut gelungen sind die Tipps für Hypochonder, die die Krankheiten der Serie nachspielen möchten, und die Aufklärung über die Fachbegriffe, mit denen Serienärzte um sich werfen. Auch kann man den Autoren einen besonderen Humor nicht absprechen, der den Leser sogar unfreiwillig zum Schmunzeln bringen kann.

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