Lili Wilkinson „Scatterheart“

Lili Wilkinson „Scatterheart“

Originaltitel: Scatterheart

Verlag: Coppenrath (Januar 2009)

Seiten: 450

ISBN: 3815795117

Preis: 16,95 €

Inhalt

Eine junge Dame von Stand kämpft um ihr Glück, ihre Freiheit und die große Liebe.

London, 1814: Hannahs idyllisches Leben wird jäh gestört, als ihr Vater eines Mordes bezichtigt nach Paris flieht. Von nun an stolpert das Mädchen von einem Alptraum in den nächsten: Sie landet im Gefängnis und wird zu jahrelanger Zwangsarbeit in einer australischen Strafkolonie verurteilt.Während der monatelangen Seereise lernt sie James, den attraktiven und charmanten Schiffsleutnant, kennen. James verspricht ihr ein standesgemäßes Leben in Luxus und Reichtum. Doch schon bald entpuppt er sich als unbeschreiblich brutal und kaltblütig. Hannahs Situation wird immer unerträglicher und aussichtsloser. Kann sie den Lauf ihres Schicksals verändern und einer trostlosen Zukunft entfliehen, um am anderen Ende der Welt ihr Glück und ihre große Liebe zu finden? (Aus Faulheit: amazon.de)

Meinung

Hannah Chesire ist 14 Jahre alt, als ihr behütetes Leben plötzlich ins Chaos stürzt. Zuerst entlässt ihr Vater ihren geliebten Hauslehrer Thomas Behr, weil er sie zu „einem Blautrumpf“ machen würde, den kein reicher Mann mehr heiraten möchte. Dann verschwindet ihr Vater auch noch Hals über Kopf. Allein zurückgelassen weiß Hannah sich nicht zu helfen: Sie hat nie kochen gelernt, nie sich selbst angezogen, nie selber Feuer gemacht. Als Thomas zurückkehrt und Hannah erklärt, dass ihr Vater ein gesuchter Spieler ist, der haufenweise Schulden hat, und dass er Hannah heiraten und für sie sorgen möchte, weist sie ihn ab, weil sie denkt, er lügt. Auf eigene Faust versucht sie, in London einen Pfandleiher zu finden, der sie dann aber über den Tisch zieht. Als sie dann auch noch bestohlen wird und durch einen unglücklichen Zufall unter eine verbrecherische Menschenmeute gerät, wird sie von der Polizei aufgesammelt und ins Gefängnis geworfen. Dort wartet sie nun darauf, sich erklären zu können, doch kurz vor ihrer Anhörung wird sie krank und kann am entscheidenden Tag keinen vernünftigen Satz herausbringen, weil sie unter Halluzinationen leidet. Also wird sie mit den anderen Frauen, mit denen sie in der Zelle saß, auf ein Schiff nach Australien verfrachtet. Langsam dämmert es Hannah, dass weder ihre Unschuld noch ihr vornehmer Stand sie von den anderen unterscheidet und dass sie sich damit abfinden muss, als Verbrecherin angesehen zu werden. Ihre einzige Hoffnung ist Thomas, der angeblich in Australien eine Stelle angenommen hat.

„Scatterheart“ ist in drei Teile unterteilt. Teil Eins erzählt parallel von Hannahs Zeit im Gefängnis und welche Umstände sie an diesen Platz gebracht haben. Teil Zwei konzentriert sich auf die Schiffsfahrt nach Australien, wo sie ihre Strafe antreten soll, und Teil Drei spielt sich in Australien ab, wo Hannah auf die Suche nach Thomas geht. Dabei wird jedes Kapitel von einem Teil des Märchens von Scatterheart eingeleitet.
Offenbar sollen Parallelen zwischen Hannahs Geschichte und dem Märchen entstehen, was aber nicht ganz gelingt. Scatterheart ist Tochter eines vornehmen Mannes, der raffgierig sein Kind an einen reichen Mann verheiraten will. Scatterheart ist hochnäsig und genauso versessen auf eine lohnende Heirat wie ihr Vater. Schon hier hinkt die Parallele. Zwar decken sich die Väter charakterlich, doch Hannah ist nicht wirklich mit Überzeugung herablassend. Vielmehr findet sie – obwohl sie sich gegenteilig verhält -, dass ihr Vater mit den Hausleuten nicht richtig umgeht, auch wenn ihre Erziehung sie in ihrer Überzeugung noch unsicher macht. Scatterheart wird letztendlich an einen wohlhabenden Eisbären verkauft. Für Hannah steht der Eisbär für Thomas Behr, der aber absolut nicht reich ist. Erst im Laufe des Märchens decken sich die Handlungen, vor allem nachdem Hannah der entstellten Molly das Märchen erzählt und Molly Hannahs und ihre Suche nach Thomas mit der Suche von Scatterheart nach dem verlorenen Bären vergleicht.

Hannah ist zu Anfang der Geschichte heillos naiv, hebt ihren Vater in den Himmel und verteidigt alles, was er tut, selbst wenn ihr tief im Inneren bewusst ist, dass er sich den Angestellten gegenüber unfair verhält und dass nicht alles, was ihr Vater ihr erzählt, wahr sein kann. Selbst, als sie erst von Thomas Behr und dann von einigen Fremden hört, dass ihr Vater ein Spieler ist, der nur auf Pump lebt, weigert sie sich, das zu glauben, obwohl er sie offensichtlich sich selbst überlassen hat, um seinen eigenen Hals zu retten. Erst auf dem Schiff, das sie nach Australien bringen soll, merkt Hannah, dass die reichen Menschen nicht immer die Guten und die Verbrecher nicht immer die Bösen sind. Sie beobachtet, wie der Schiffsarzt das entstellte kleine Mädchen Molly quält, wie ihre Freundin Long Meg gedemütigt und körperlich verletzt wird und blickt hinter die schöne Fassade von James, der Hannah nach ihrer Ankunft in Australien heiraten möchte und ihr versichert, sie wäre falsch unter „den Tieren“, der aber andererseits mit den restlichen Gefangenen nächtliche Spielchen spielt und sich nur soweit um Hannah kümmert, wie es ihm keine Probleme bereitet.
Leider basiert Hannahs Erkenntnis auf dem stereotypen Verhalten der Protagonisten. Reich und männlich ist gleichzusetzen mit böse und hinterhältig, arm und weiblich bedeutet gut. Protagonisten mit ein wenig mehr Facetten hätten dem Buch gut getan.

Trotz allem entwickelt sich aus dem etwas lahmen Beginn noch eine spannende Geschichte und Hannah wird im Laufe des Buches sympathischer, je mehr sie ihre anerzogene arrogante Art abstreift. Das Ende ist zwar weder überraschend noch originell, aber für den Leser zumindest ein befriedigendes Happy End.

Fazit

„Scatterheart“ von Lily Wilson ist eine spannende Geschichte um ein junges Mädchen, das merken muss, dass Verbrecher nicht immer die Bösen und Edelmänner nicht immer die Guten auf dieser Welt sind. Nach einem etwas zähen Start mit einer nicht besonders sympathischen Protagonistin entwickelt sich die Geschichte dann doch zu einem Pageturner, in dem die Hauptfigur viel dazulernt und dabei liebenswert wird. Leider sind die Figuren etwas zu stereotyp geraten und das Ende ist nicht sehr originell.

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3 Gedanken zu “Lili Wilkinson „Scatterheart“

  1. Hallo,
    ich habe mit 13 Jahren das erste mal „Scatterheart“ gelesen.
    Ich finde es ist ein sehr spannendes Buch an manchen Stellen wurde mir es etwas zu brutal aber ich konnte einfach nicht aufhören es zu Lesen.
    Ich denke jedes Mädchen kann sich mit Hannah identifizieren und durchlebt mit ihr die fast hoffnungslose Suche nach der wahren Liebe.
    Aber das buch bleibt trotzdem spannend und wird zu keiner kitschigen Liebesgeschichte.

    FAZIT:
    Ich empfele das Buch Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren.
    Es ist für alle interessant die liebes aber auch historische Romane mögen.

    Ich wünsche euch viel spaß beim lesen! :D

    Mimi

    1. Schön, dass dir das Buch so gefallen hat. Vielleicht liest du ja auch mal das Originalmärchen, ich würds jedenfalls gern nochmal nachholen, weil ich es nicht kannte.

  2. Ich könnte das Buch eine Millionen mal lesen und es würde mir nicht zu langweilig werden.
    Es ist zwar an manchen Stellen etwas brutal, aber das stört mich persönlich nicht.
    Kann das Buch nur weiterempfehlen :) ( Ich würde trotzdem raten das buch erst ab 12 Jahren zu lesen)

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