Mari Mancusi „Einmal gebissen, total hingerissen“

Mari Mancusi „Einmal gebissen, total hingerissen“

Originaltitel:  Stake that

Reihe: Jungs zum Anbeißen

Band: 2

Verlag: Arena ( Juni 2008 )

ISBN: 3401500902

Seiten: 257

Preis: 9,95 €

Inhalt

Das kann nicht wahr sein: Ausgerechnet Rayne, die sich nichts sehnlicher gewünscht hat, als selbst ein Vampir zu werden, wurde zur Vampirjägerin auserwählt! Immerhin muss sie nur gegen Vampire vorgehen, die die Regeln brechen. Wie Maverick. Im Kampf gegen ihn findet sie einen ungewöhnlichen Verbündeten: den unglaublich gutaussehenden Jareth – denn der ist selbst ein Vampir!

Meinung

Rayne McDonald ist zweifellos vom Unglück verfolgt. Eigentlich wollte sie immer ein Vampir sein, hat sogar eine dreimonatige Ausbildung absolviert und dann beißt ihr geplanter Blutsgefährte ausgerechnet ihre Zwillingsschwester. Und sobald das Problem gelöst ist, taucht das nächste auf: Ihr Schauspiellehrer teilt ihr mit, dass er Präsident von Slayer Inc. ist und Rayne die nächste Vampirjägerin. Das bringt Rayne nicht weiter auf dem Weg zur Erfüllung ihres Traums. Gott sei Dank muss Rayne nur die bösen Vampire töten, die es offenbar auf Magnus, den Freund ihrer Schwester und König der ostamerikanischen Vampire, abgesehen haben. Dabei muss sie sich mit Jareth zusammentun, der seinerseits von Magnus beauftragt ist, seine Widersacher auszuspionieren. Dabei kann sie Jareth kein bisschen ausstehen – oder doch?

„Einmal gebissen, total hingerissen“ wird aus der Sicht von Rayne geschildert, der Zwillingsschwester der Protagonistin Sunshine aus „Jungs zum Anbeißen“. Dabei ist Rayne viel unterhaltsamer als ihre Schwester. Sie sprüht vor Ironie und Sarkasmus und gleicht mit dieser Eigenschaft ihre teenagerhaften Züge aus, die bei Sunny noch so dominant wirkten. Sie berichtet in ihrem Blog, der ursprünglich ihrer Verwandlung zum Vampir gewidmet war, von ihren Erlebnissen als Vampirjägerin. Dabei wird jeder Eintrag von unbekannten Personen oder ihren Freunden kommentiert, bis es Rayne reicht und sie auf ihr normales Tagebuch wechselt.
Auch Raynes Herzbube wirkt weniger schmierig und aalglatt als Magnus, Sunnys Mittlerweilefreund und Hauptperson in Band 1. Jareth steht Sunny in Sarkasmus und Bissigkeit in nichts nach und besitzt ein dunkles Geheimnis, das ihn vielschichtiger scheinen lässt als seinen Chef Magnus.

Raynes Probleme als Vampirjägerin sind unterhaltsam. Sie muss sich in einen Club schleichen, in dem Menschen dafür bezahlen, von Vampiren gebissen zu werden, was offensichtlich eine sehr intensive Erfahrung ist. Hier lässt wieder die „House of Night“ Reihe grüßen, bei der ein Biss für beide Beteiligten einer sexuelle Erfahrung gleicht. Auch Rayne kommt in diesen Genuß, stolpert sie nicht über Magnus Oberfeldherrn Jareth und muss sich zur Tarnung von ihm anknabbern lassen, damit sie beide nicht bei ihren Nachforschungen auffliegen. Während Rayne sich noch mit ihrer neuen Bestimmung abkämpft, angelt sich ihre Mutter auch noch einen mutmaßlichen Vampir, den Rayne schon einmal im besagten Club getroffen hat und deswegen für einen Spion hält. Sie und ihre Schwester versuchen mit aller Macht, den unliebsamen Hausbesucher zu vertreiben und ziehen ihre Taktiken aus dem Film „The Lost Boys“, was Situationen nach sich führt, die zum Schreien komisch sind.
Auch das moderne Umfeld, das bei Sunny noch so fehl am Platze wirkte, wirkt hier viel stimmiger. Rayne ist in der Hinsicht ein typischer Teenager und bewegt sich wie selbstverständlich im Internet. Sie führt einen Blog, sie chattet pausenlos, sie spielt Onlinerollenspiele und bestellt sogar ihre DVDs im Internet, anstatt in einen Verleih zu fahren. Auch die Vampire sind modern ausgestattet: Es existieren Online-Shops, in denen sie alles bestellen können, was das Vampirherz begehrt.

Nachdem „Jungs zum Anbeißen“ so eine Enttäuschung war, merkt man in „Einmal gebissen, total hingerissen“ endlich, wieso Mari Mancusi zweifache Emmy-Preisträgerin ist. Der Roman ist witzig, ironisch, spannend und die Autorin schafft es endlich, mit einem Schuss Selbstironie ihre persönlichen Leidenschaften wie World of Warcraft einzubauen, ohne dabei auf alten Klischees herumzukauen.

Fazit

„Einmal gebissen, total hingerissen“ ist eine gelungene Fortsetzung eines sehr lahmen Serienstarts. Die Protagonisten überzeugen durch ihre Originalität und ihren Witz, die Handlung ist spannend aufgebaut und die Blog- und Tagebuchform, in der das Buch geschrieben ist, unterstreicht den modernen Zeitgeist, in dem die Geschichte spielt. Mit viel Selbstironie und Kreativität zeigt die Autorin Mari Mancusi ihr Können, das sie zur zweifachen Emmypreisträgerin gemacht hat.

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