Mari Mancusi „Jungs zum Anbeißen“

Mari Mancusi „Jungs zum Anbeißen“

Originaltitel: Boys that bite

Reihe: Jungs zum Anbeißen

Band: 1

Verlag: Arena ( Juni 2008 )

Seiten: 261

ISBN: 3401500899

Preis: 9,95 €

Inhalt

Eine fatale Verwechslung! Der Vampir Magnus hat aus Versehen Sunshine gebissen – anstelle ihrer vampirbegeisterten Gothic-Zwillingsschwester Rayne, die sich monatelang auf ihre langersehnte Verwandlung vorbereitet hat. Für Sunny gibt es nur eine Frage: Wie kann diese Sache so schnell wie möglich rückgängig gemacht werden? Schließlich will sie mit dem Traumtyp ihrer Schule zum Abschlussball. Aber dann bietet Magnus seine Hilfe an, wer hätte das gedacht? Und er ist wirklich zum Anbeißen …

Meinung

Sunshine und Rayne McDonald sind Zwillingsschwestern und nicht einmal ihre Mutter könnte sie auseinanderhalten, wäre da nicht Raynes Leidenschaft für schwarze Klamotten und die Gothic-Szene. Doch genau diese beiden Umstände bringen Sunny in Teufels Küche. Als sie ihre Schwester in einen neuen Gothicclub begleitet, spricht sie ein junger Mann an und beißt sie in den Hals. Magnus – das beißwütige Orlando Bloom Double – ist nämlich ein Vampir und hat Sunny für Rayne gehalten, die nach ihrer heimlichen dreimonatigen Ausbildung verwandelt werden sollte. Doch jetzt ist Sunny diejenige, die sich langsam zum Vampir entwickelt. Das passt ihr aber gar nicht, schließlich hat sie gerade der Schwarm aller Mädchen zum Abschlussball eingeladen und ihre Lebensplanung sah auch keine nächtlichen Aktivitäten und Blut vor, sondern eher sonnigen Urlaub und ein gutes College. Sie hat ab diesem Zeitpunkt 7 Tage Zeit, um die Verwandlung rückgängig zu machen, bevor sie abgeschlossen ist. Nicht, dass sie bis dahin ihre Ruhe hätte vor den Problemen, die Vampire haben, zum Beispiel eine Aversion gegen Knoblauch und die Sonne oder den Drang, nachts wach zu bleiben und tagsüber zu schlafen. Zu ihrer Überraschung bietet ihr Magnus sein Hilfe an, doch sie merken schnell: Sunnys Verwandlung aufzuhalten wird kein Zuckerschlecken.

„Jungs zum Anbeißen“ ist eine Ansammlung von Klischees: Vampirklischees, Klischees über die Gothicszene und Klischeeteenager. Sunny ist zwar in manchen Momenten durchaus witzig und ironisch, größtenteils aber ist sie nervtötend, kindisch und alles, was sie interessiert, sind Jungs und Filmassoziationen. Sie betont zwar ständig, dass sie zu dick wäre, ihre Stimme klinge wie die von Minnie Mouse, etc. Doch in Wirklichkeit wirkt sie arrogant und selbstverliebt.
Ihre Schwester Rayne dagegen führt den Leser in die andere Vorurteilsecke: Der Gothic-Stereotyp. Rayne ist überaus dramatisch angehaucht, übersexualisiert, in ihrem Kleiderschrank tummelt sich alles, was sich nur mit der Szene verbinden lässt: Lack, Spitze, Samt und bitte nur in schwarz. Sie hat ausführlich recherchiert, wie man Vampir werden kann, weil sie Macht, Reichtum und ewiges Leben will, denn ein „normales Spießerleben, wie jeder andere es führt“ hält sie für eine Zumutung. In dem Club „Club Fang“ wird nur Musik gespielt, die sich auf Tod und Trauer bezieht und natürlich kann kein einziger Besucher wirklich tanzen, sondern alle schlurfen nur herum. Besonders traurig an dieser Ausschöpfung überholter Klischees ist, dass die Autorin sich laut eigener Aussage selbst in der Gothicszene bewegt und der „Club Fang“ ein real existierendes Vorbild besitzt. Doch für jemanden, der die Szene so hautnah erlebt, scheint Frau Mancusi blind zu sein für Facetten oder nicht-stereotype Auftretensweisen.
„Jungs zum Anbeißen“ schwimmt auf der momentanen Vampirromanwelle mit, distanziert sich aber von neuen Auslegungen des Wesens Vampir, sondern konzentriert sich auf das, wovon auch die meisten Filme ausgehen: Vampire vertragen kein Sonnenlicht, sie hassen Knoblauch, sie trinken Blut von Blutspendern, wohnen in riesigen Gruften unter Friedhöfen und sind absolut unwiderstehlich durch ihren „Vampirduft“.

In manchen Momenten könnte man denken, Mari Mancusi hat sich einfach alles unter den Nagel gerissen und neu verarbeitet, dessen sie habhaft werden konnte. Filme werden pausenlos zitiert, jede Person erinnert an einen Filmstar. Ihre Lieblingsserie Buffy wird auch des Öfteren eingebunden und Lesern der in Amerika erfolgreichen Serie „House of Night“ von P.C. Cast kommt Sunnys Teenagerverhalten auch vage bekannt vor. Gegen Inspiration wäre ja nichts einzuwenden, würde die Autorin nicht pausenlos weit übers Ziel hinausschießen. Jede Figur scheint eine Parodie ihrer Selbst, die Vampirjägerin ist nicht hübsch und sportlich, sondern pummelig, pickelig und trägt eine Zahnspange. Der Chef der Vampire sieht aus wie Haley Joel Osmond aus „The Sixth Scence“. Und Sunny ist nicht sympathisch teenagerhaft, sondern einfach nur nervtötend hormongesteuert.

Fazit

„Jungs zum Anbeißen“ von Mari Mancusi ist eine Vampirgeschichte, die sich vieler Klischees bedient: die Teenager sind hormongesteuert, die Vampire versprechen nichts Neues und die Handlung bewegt sich in einer stereotypen Gothicszene. Es wirkt, als hätte sich die Autorin aus allen verfügbaren Serien, Büchern und Filmen über Vampire zusammengeklaut, was ihr für ihren eigenen Roman brauchbar erschien, und wäre dabei etwas zu übereifrig gewesen, denn die Protagonisten wirken mehr wie Parodien als glaubwürdig.

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