Jan Weiler „Drachensaat“

Jan Weiler „Drachensaat“

Verlag:  Kindler ( August 2008 )

Seiten: 400

ISBN: 3463405393

Preis: 19,90 €

Inhalt

Haus Unruh, angebliche psychiatrische Pflegeanstalt, hat nur 5 Insassen: Bernhard, den verrückten Attentäter von Bayreuth, Rita, „fette Frau, die Luft isst“, Ünal, der durchgedrehte Busfahrer, Arnold, der postklauende Postbote, und Benno, dem alles egal ist, sogar der Tod seiner Mutter, mit der er 9 Jahre zusammenwohnt, nachdem sie schon gestorben ist. Das sind zumindest die Geschichten, unter denen der Welt die Protagonisten des Buches bekannt sind. Außerdem ist da noch Doktor Zens, Entdecker des Zenssyndroms, von dem er seine Insassen heilen will. Doch wie er das will, ist haarsträubend, und wieviel von dem, was hier beschrieben wurde, der Realität entspricht, wird im Laufe des Buches immer fraglicher.

Meinung

„Drachensaat“ habe ich gekauft, weil ich von meiner Freundin Kari die Eintrittskarten zu seiner Lesung in Bayreuth geschenkt bekommen habe. EIgentlich hätte ich nicht erwartet, dass mich das Buch so begeistert.  Doch hinter „Drachensaat“ steckt eine gute Geschichte, die gleichzeitig kritisch und humoristisch ist.

Der Roman ist in 3 Teile unterteilt. Teil 1 wird aus der Sicht des Insassen Bernhard Schade erzählt. Seine Frau hat ihn verlassen, seinen Job hat er verloren und außerdem ist er schuld am Tod seines Sohnes, der an Trisomie 21 litt. Also beschließt er, sich umzubringen, und das nicht allein bei sich zu Hause, sondern ausgerechnet auf den Wagner Festspielen in Bayreuth, was natürlich gewaltig schiefgeht. Seine Geschichte landet bei den Medien, Schade in einer psychiatrischen Einrichtung und letztendlich in den Händen von Doktor Zens im Haus Unruh. Ähnliche Geschichten weisen die anderen Insassen auf: Jeder von ihnen hat zweifelhaften Ruhm erworben und ist den Medien wohl bekannt. Ihr Betreuer erklärt ihnen, dass sie am sogenannten Zenssyndrom litten, das er entdeckt hätte, dass er aber eine Möglichkeit wisse, wie er sie heilen könnte. Teil 2 wird aus Sicht von Martin Barghauen erzählt, hohes Tier in der Wirtschaft. Was er hier macht? Das würde zuviel von der Handlung verraten.  Teil 3 besteht aus Zeitungsartikeln und Fernsehausschnitten. Offenbar haben die 5 Protagonisten schon wieder geschafft, ins Fernsehen zu gelangen.

Jan Weiler greift in Drachensaat ein kritisches Thema auf: Was ist Gerechtigkeit, vor allem im sozialen Sinn? Sind die Armen schuld daran, dass sie arm sind? Wer trägt die Verantwortung? Und interessiert es überhaupt, was sie zu sagen haben? Oder sind die oberen Zehntausend die wirklich missverstandenen? Diskussionen dieser Art hat doch jeder ansatzweise schon geführt. ( Vor allem, wenn der eigene Partner BWL studiert *hust* )

Fazit

„Drachensaat“ von Jan Weiler schafft es, ein kritisches Thema humoristisch anzugehen, ohne es ins Lächerliche zu ziehen. Man schmunzelt über die Hauptfiguren, über die überspitzten Darstellungen und fängt trotzdem an, sich Gedanken zu machen, sobald man das Buch zur Seite gelegt hat.

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