Stephen R. Lawhead „Hood. König der Raben“

Stephen R. Lawhead „Hood. König der Raben“

Originaltitel: Hood

Reihe: Die Rabenkönigtrilogie

Band: 1

Verlag: Bastei Lübbe ( November 2008 )

ISBN: 9783404159260

Seiten: 512

Preis: 8,95

Inhalt

Britannien im 11. Jahrhundert. Prinz Bran ist der Erbe eines kleinen walisischen Königreichs. Sein Land ist von normanischen Eroberern besetzt, sein Volk versklavt. Nur der dunkle Wald bietet noch Zuflucht. Er ist das Reich des Königs der Raben. Gemeinsam mit einer verschworenen Schar von Geächteten nimmt Bran den Kampf gegen die Unterdrücker auf. Und eine Legende wird Wirklichkeit.

Meinung

Wer kennt sie nicht, die Sage von Robin Hood, zumindest in Ansätzen. Er bestiehlt die Reichen und gibt das Geld den Armen, er lebt im Wald und einige Namen seiner tapferen Mitstreiter fallen auch noch ein: Bruder Tuck, Little John, …
Wer sich genauer und auf unterhaltsame Weise mit Robin Hood beschäftigen möchte, der sollte sich „Hood. König der Raben“ von Stephen R. Lawhead durch den Kopf gehen lassen. Nachdem sich der Autor lange Zeit mehr in der Fantasy- und Science Fiction Ecke aufgehalten hat, richtet er neuerdings sein Augenmerk mehr auf historische Romane. Dabei bewegt sich Lawhead im englischen Raum und konzentriert sich auf bekannte Legenden wie die von König Arthur und eben auch Robin Hood.

Die Rabenkönigtrilogie beginnt mit „Hood“ und beschreibt den Weg des jungen Thronfolger Bran ap Brychan zu seinem Alter Ego Robin Hood ( das übrigens gar nicht namentlich benannt wird, im Gegensatz zu „Little John“ und „Bruder Tuck“ ). Wir schreiben Ende des 11. Jahrhunderts in Britannien. Der rote William beherrscht das Land und vergibt walisische Ländereien als Lehen an seine Barone. So kommt es auch, dass der Graf Falkes de Braose an die Ländereien von Elfael – Brans Königreich – gelangt und bei seinem Einzug dort gewaltsam den König und beinahe alle seine Krieger ermordet. Bran sieht sich plötzlich als Thronfolger, eine Rolle, die ihm zutiefst zuwider ist. Zusammen mit dem letzten Überlebenden des Angriffs – seinem Freund Iwan – reitet er nach England, um vom König Wiedergutmachung zu verlangen. Doch seine Beschwerden am Königshof fruchten nicht, denn der König erweist sich als bestechlich und geldgierig und auf seinem Rückweg wird er niedergeschlagen und nur durch Vortäuschung einer falschen Identität und mit dem Versprechen, Lösegeld zu zahlen, wieder freigelassen. Da er das Lösegeld nicht aufbringen kann, wird aus dem Thronfolger letztendlich ein Gejagter, der beinahe gefangen wird und schwer verletzt von einer alten Frau – Angharad – im Wald aufgesammelt wird, die ihn gesund pflegt, mit ihm einen neuen Bogen baut, ihm die Legende des Rabenkönigs erzählt und ihn letztendlich zu seinem Volk führt, dass sich in den Wäldern versteckt. Erst jetzt wird dem jungen rastlosen Bran klar, dass er ihnen gegenüber eine Verpflichtung hat.

Mit „Hood“ versucht Lawhead, einer uralten Legende einen überzeugenden historischen Rahmen zu verleihen. Robin streift nicht durch die Wälder von Sherwood, sondern durch Wälder in Wales. Auch hält sich Lawhead an die alten Versionen der Legende, bis auf wenige Ausnahmen. So erscheint in den alten Balladen über Robin Hood Bruder Tuck nicht, doch Lawhead führt seine Figur schon ziemlich früh im Buch ein. Auch seinen Stand als Königssohn zieht Lawhead aus den neueren Legenden des 16. Jahrhunderts, denn ursprünglich war Robin ein Bauernsohn. Doch keine der alten Legenden beschäftigt sich wirklich so ausführlich mit Robins Herkunft, wie es Lawhead in seinem Roman tut. Das verleiht dem Autor auch gewisse Freiheiten, seine Theorie darüber auszubreiten. Dabei recherchiert er gründlich, auch was die mythischen Legenden angeht, die er in seinen Roman einbringt.

Dabei schafft er es aber nicht, eine durchgehend spannende Atmosphäre zu schaffen. Zwar ist es im Großen und Ganzen interessant zu beobachten, wie Bran das verliert, was er nie haben wollte, nämlich sein Königreich, wie ihn zuerst nichts anderes interessiert als sein eigenes Leben und wie er dann aber von der Heilerin Angharad durch ihre Geschichten über den legendären Rabenkönig, der seinen Namen trägt, dazu gebracht wird, seine Verantwortung für sein Reich und sein Volk anzunehmen. Doch hat das Buch streckenweise gewisse Längen. Brans Reise zum Königshof zum Beispiel weist einige langatmige Stellen auf, und als er krank und verwundet in Angharads Höhle liegt, geschieht beinahe gar nichts. Lawhead verwendet sogar ganze Kapitel darauf, zu beschreiben, wie Bran sich einen neuen Bogen und Pfeile baut. Andererseits bringt er es auch fertig, Passagen zu schreiben, die so lebendig sind, dass man die Szenerie direkt vor Augen sieht. Als Bran zum ersten Mal das Innerste des Waldes betritt und die Siedlung entdeckt, in der sein Volk Unterschlupf gefunden hat, meint man, die großen alten Bäume und die kleinen provisorischen Hütten dazwischen direkt mit den Händen fassen zu können.

Jemand, der nicht an die walisischen Namen und Begriffe gewöhnt ist, wird anfangs Probleme haben, die verschiedenen Ländereien, Personen und Tätigkeiten der einzelnen Protagonisten auseinanderzuhalten. Doch Lawhead hält die Anzahl der wichtigen Hauptpersonen so niedrig, dass man sich schnell daran gewöhnt. Zur weiteren Unterstützung sind am Anfang und Ende des Buches noch Landkarten eingefügt, damit der Leser nachschlagen kann, wo sich die verschiedenen Personen gerade aufhalten.

Fazit

„Hood. König der Raben“ ist der erste Band der Rabenkönigreihe des erfolgreichen Autors Stephen R. Lawhead, der für seine historischen Romanreihen bekannt ist. Dabei beschäftigt sich Lawhead diesmal mit der Legende von Robin Hood und legt sein Augenmerk auf dessen Weg zum Rächer der Armen. Dabei schafft er es nicht ganz, die Spannung dauerhaft zu halten und baut einige unnötige Längen ein, was aber durch seine Fähigkeit, Atmosphären und Landschaften greifbar zu beschreiben, wieder wett gemacht wird. Auch beweist er wieder einmal, dass seine Romane auf sorgfältigen Recherchen basieren. Ein gut geschriebener historische Roman für diejenigen, die einmal etwas mehr als nur eine Nacherzählung der Robin Hood Legenden lesen möchten.

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