|Empfehlung| Becky Albertalli „Nur drei Worte“

|Empfehlung| Becky Albertalli „Nur drei Worte“

nur drei Worte 1

„Ich bin schwul.“ Diese drei Worte hat Simon noch nie laut ausgesprochen, sondern nur geschrieben – und zwar dem ihm unbekannten Blue, dem er anonym Mails schreibt, der ebenfalls schwul ist – und der an seine Schule geht. Nur drei Worte – in diesem Buch geht es manchmal federleicht, manchmal sehr ernst darum, zu sich selbst zu stehen und auch darum, jemanden zu finden, der dich genauso liebt.

Ich würde sagen, es ging um Einsamkeit. Komisch eigentlich, ich fühle mich gar nicht einsam, aber es klang so vertraut, wie Blue den Zustand beschrieb. So als hätte er mir die Gedanken aus dem Kopf gezogen.

Wie man manchmal die Gesten eines Menschen auswendig weiß, aber nie seine Gedanken kennt. Und das Gefühl, dass Menschen wie Häuser mit riesengroßen Zimmern und winzigen Fenstern sind.

Gemeinsam mit Simon kann man den Alltag an einer Highschool in einem konservativen Bundesstaat erleben und wie es ist, zwar nicht mit seiner Sexualität zu hadern, aber mit dem Gedanken, für die anderen plötzlich nicht mehr derselbe zu sein. Am liebsten wäre es Simon nämlich, wenn man um sein Outing keinen großen Wind machen würde. Vielleicht geht es auch etwas darum, wie falsch es ist, dass unsere Sexualität einen so großen Teil unserer Identität ausmachen soll. Warum kann er nicht derselbe Simon wie immer sein, nur eben offen schwul?

Wieso ist hetero die Normalität? Jeder sollte sich einfach in die eine oder andere Richtung erklären müssen, und es sollte für jeden eine so große, peinliche Sache sein, ob du nun hetero, schwul, bi oder sonst was bist.

Dabei fand ich, auch wenn Nur drei Worte einen recht typischen Grundklang hat, der an John Green, David Levithan und Co erinnert, dass Simon doch so erfrischend normaler Teenager war und nicht wandelndes Klischee. Weder ist er ein nerdiger Einzelgänger, wenn auch ein Nerd, noch führt er persönlichen Krieg gegen irgendwelche anderen Schülergruppen an seiner Schule. Simon mag eigentlich jeden und jeder, der ihn kennt, mag Simon. Und bis auf sein ausstehendes Outing hat er auch ein recht normales Teenagerleben, in dem er gute Freunde hat, Eltern, die ihn nerven und nicht alles richtig, aber auch nicht alles falsch machen, und romantische Ideen von der ersten großen Liebe.

Aber auch die anderen Protagonisten – bis auf Nick, den ich recht flach fand – waren sympathisch und greifbar. Wie Simon selbst bekommt man erst nach und nach einen Blick dafür, wie es ihnen geht und welchen Wert sie für ihn haben, denn anfangs ist Simon sehr mit sich und Blue beschäftigt und tritt damit seinen Freunden auch ordentlich auf die Füße. Immer wieder findet sich die Erkenntnis wieder, dass man nur einen kleinen Einblick davon bekommt, was in jedem Menschen vor sich geht.

Besonders aber fiebert man mit, wie Simon herausfinden möchte, wer Blue tatsächlich ist – Schockmomente, in denen er einen Verdacht bekommt, der ihm gar nicht gefällt. Enttäuschung, wenn es doch nicht der Gedachte ist. Ungeduld, wenn Blue ihn immer vertröstet. Kleine Herzhüpfer, wenn es doch wieder Hoffnung gibt, und das große Ah am Ende und das warme Gefühl frischer Verliebtheit, als beide sich endlich kennenlernen.

„Das will ich“, sage ich. Mein Freund […] Und ich kann einfach nicht mehr aufhören zu lächeln. Es gibt so Momente, da macht es mehr Mühe, nicht zu lächeln.

Leider hatte ich das Gefühl, dass manches durch die Übersetzung verloren gegangen ist. Besonders auffällig fand ich das bei einer Diskussion, bei der Simon seine Freundin Abby „Zicke“ nennt und sich jemand anderes darüber furchtbar aufregt. Ich bin mir ziemlich sicher, im Original steht hier „Bitch“, was eine ganz andere Diskussionsgrundlage wäre.

Ich kann nicht beurteilen, ob sich nun homosexuelle Jugendliche hier richtig repräsentiert sehen, habe aber das Gefühl, dass es der Autorin doch gut gelungen ist, Simons Gefühle zu beschreiben, wenn es um die Angst geht, dass diejenigen, die man liebt, einen mit anderen Augen sehen. Auch dass Simon sich immer wieder mit blöden homophoben Sprüchen herumschlagen muss, die angeblich witzig sein sollen, oder dass er ganz allein eine Fast-Foodkette boykottiert, weil sie homophobe Gruppen unterstützen, zeigt, wie undifferenziert wir manchmal noch mit dem Thema umgehen, obwohl wir uns doch so aufgeklärt glauben. Gerade, weil diese Dinge von seinem Vater oder seinen Freunden kommen, ist es für ihn doppelt hart.

Was ich für ihn empfinde, ist wie ein Herzschlag – leise und stetig, unter allem anderen.

Nur drei Worte 2

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320 Seiten * ISBN: 978-3-551-55609-7 * 16,99 € * OT: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

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|Neustart| Gründe, warum…

|Neustart| Gründe, warum…

 Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. – sprach Faust und fasst damit zusammen, wie mein letztes Jahr sich für mich angefühlt hat. Nie war ich so zerrissen, nie habe ich gefühlt so oft neu anfangen müssen und wollen. Oft habe ich hinterfragt, was ich möchte – und was nicht.

So ging es mir mit dem Bloggen auch. Ein Leben ohne ist für mich fast undenkbar, seit ich mich erinnern kann, habe ich immer meine Gedanken niedergeschrieben. Und trotzdem störte mich die Enge eines Buchblogs, die thematische Beschränkung. Ich hatte ja kaum Zeit zum Lesen zwischen Job und Selbstfindung – und damit auch wenig zu sagen.

Reasons Why ist ein Neuanfang und dennoch kein Neuanfang. Ich möchte das, was Umblättern einmal war, nicht löschen. Vieles von dem, was ich früher gemacht habe, möchte ich jetzt wieder aufgreifen. Ich möchte wohl aber auch neue Wege gehen – mit Büchern natürlich weiterhin, aber freier. Schreiben frei Schnauze eben zu dem, was mich so beschäftigt und was ich erlebe. Und das Leben besteht eben auch aus mehr als nur aus Buchstaben, sondern auch aus Tönen, aus bewegten Bildern, aus schlechten und guten Tagen, aus fernen Ländern und dem Glück, das ganz nah ist.

Auf ein Neues also!

|Please listen to…| Lord of Shadows

|Please listen to…| Lord of Shadows

LoS

Hurts – Somebody to die for (Julian)

„Do you know why I’m sure? Because when this universe was born, when it blasted into existence in fire and glory, everything that would ever exist was created. Our souls are mad of that fire and glory, of the atoms of it, the fragments of stars. Everyone’s are, but I believe ours, yours and mine, are made from the dust of the same star. That’s why we’ve always been drawn to each other like magnets, all our lives. All the pieces of us belong together.“

I could drag you from the ocean,
I could pull you from the fire
And when you’re standing in the shadow
I could open up the sky

And I could give you my devotion
Until the end of time
And you will never be forgotten
With me at your side

Ruelle – Secrets and Lies (Julian)

“Those who are not faeries find comfort in lies. I cannot judge that.”

I know all your secrets
I know all your lies
I know where you keep ‚em
Buried deep inside
No, you can’t hide your secrets and lies

MIIA – Dynasty (Julian & Emma)

“You took my life apart and put it back together.”

A scar I can’t reverse
And the more it heals, the worse it hurts
Gave you every piece of me, no wonder it’s missing
Don’t know how to be so close to someone so distant

Kodaline – Brother (Ty & Kit, Mark & Julian)

„Tell me,“ Kit said. Tell me what you need. „Put your arms around me,“ said Ty. His hands were pale blue blurs in the air, as if Kit were looking at a time-lapsed photo. „Hold on to me.“

If I was dying on my knees
You would be the one to rescue me
And if you were drowned at sea
I’d give you my lungs so you could breathe

I’ve got you brother

Lena – Home (Julian & Emma)

Always Emma, the better, brighter half of him, who tempered his ruthlessness, who forced him to acknowledge the light when he saw only darkness.

Our heart goes on and on
Our heart beating like a drum
In the dark you made me strong
Like you’ve always done

I will carry you home
I will carry you home
You’re in my heart and in my bones
I will carry you home

Sia – Angel by the Wings (Emma)

She opened her eyes- closing them was cowardice, and the Carstairs were not cowards.

Oh so, your wounds they show
I know you have never felt so alone
But hold on, head up, be strong
Oh hold on, hold on until you hear them come
Here they come, oh

Take an angel by the wings
Beg her now for anything
Beg her now for one more day
Take an angel by the wings
Time to tell her everything
Ask her for the strength to stay

Riley Pearce – Brave (Kit & Ty)

“Everyone is afraid of something. We fear things because we value them. We fear losing people because we love them. We fear dying because we value being alive. Don’t wish you didn’t fear anything. All that would mean is that you didn’t feel anything.”

You called me, because I answered
So cover your toes with the jacket in your hands
And the bones with the blanket
She tells me that I will be alright
And for a seconds it feels that I believe it
‚Cause I forget the way that I’ve felt
I’m trying, I’m just trying to be BRAVE

SYML – Where’s my love (Malcolm & Annabelle)

Diamonds might be blinding in their beauty, but they were also the hardest and sharpest gems in the world. They could cut you or grind you down, smash and slice you apart. Malcolm, deranged with love, had not thought of that.

Cold bones. Yeah, that’s my love
She glides away, like a ghost
Does she know that we bleed the same?
Don’t wanna cry but I break that way
Cold sheets. Oh, where’s my love?
I am searching high, I’m searching low in the night.

One Republic – Let’s hurt tonight (Julian & Emma)

“I need to be whole again. Even if it doesn’t last.”
“It can’t last,” she said, staring at him, because how could it, when they could never keep what they had? “It’ll break our hearts.”
(…) “Break my heart,” he said. “Break it in pieces. I give you permission.”

Oh I know that this love is pain
But we can’t cut it from out these veins, no
So I’ll hit the lights and you lock the doors
We ain’t leaving this room ‚til we bust the mold
Don’t walk away, don’t roll your eyes
They say love is pain, well darling, let’s hurt tonight

 

|Rezension| Kate Ling „The Loneliness of Distant Beings“

|Rezension| Kate Ling „The Loneliness of Distant Beings“

distant beings

Little, Brown Books for Young Readers * 19.05.2018  *  * Ventura Saga #1 * DT: Wir zwei in fremden Galaxien * ISBN 978-1-510-20016-6

TB 7,99 €  * eBook 5,99 € * Autorin

Klappentext

Seren’s life might be confined to a tin can hurtling through space, but she wants more. More life. More passion. And the impossible: to feel sunshine on her skin.

But then she meets Dom, and he changes everything. Suddenly her dull grey life becomes technicolour. She’s not meant to love him, but to lose him would be like losing herself. She’s determined to keep hold of what they have, no matter how dangerous …

 

Meinung

Das Schiff, auf dem die Geschichte sich abspielt, folgt einer Mission, die über 300 Jahre andauert. Die Erde erreichte ein nicht decodierbares Signal aus einer Galaxie und die Aufgabe der Besatzung soll der Erstkontakt mit denjenigen sein, die das Signal geschickt haben. Um das Funktionieren der Mission zu garantieren, ist das Leben der Übergangsgenerationen streng bestimmt. Nach ihrer schulischen Ausbildung erfüllen sie einen fünfjährigen Servicedienst, in dem sie alle Arbeitsbereiche durchlaufen, um zu sehen, wo sie am besten eingesetzt werden können. Außerdem gibt es pro Generation nur acht neue Kinder, die nach ihrem Schulabschluss miteinander als Lebenspartner kombiniert werden. Deren Kinder entstehen wiederum durch künstliche Befruchtung. So soll garantiert werden, dass nur gesunde Kinder geboren werden, obwohl während der Mission neue Krankheiten aufgetaucht sind. Neue Musik ist verboten, nur die alte Musik von der Erde soll erhalten bleiben, und Filme sind darauf ausgelegt, das Leben auf dem Raumschiff schmackhaft zu machen. Das alles sind Aspekte, die man aus vergleichbaren Dystopien oder Science Fiction-Reihen wie Godspeed schon kennt, die aber eine Logik in sich tragen, dass das nicht so ins Gewicht fällt.

Zu Beginn fühlt sich Seren mit ihrem Schicksal auf dem Raumschiff sehr allein. Sowohl ihr Vater als auch ihre Schwester scheinen völlig zufrieden damit, dass ihr Leben fremdbestimmt ist, und ihr Großvater besetzt eine hohe Position auf dem Schiff. Ihre Frustration gipfelte in einem Nervenzusammenbruch, bei dem sie versuchte, sich mit bloßen Händen durch die Metallwände zu graben. Tatsächlich sind Serens Gefühle größtenteils sehr nachvollziehbar beschrieben und man fragt sich als Leser, wieso nur Seren so deutlich sieht, was auf dem Schiff schief läuft. Aber nach und nach zeigt sich, dass sogar sehr viele junge Bewohner des Schiffes mit ihrem Schicksal hadern, was Seren bestärkt und ihr – zusammen mit ihrer geheimen Beziehung – mehr Kraft und Selbstsicherheit verleiht. Davon abgesehen, dass sich Seren und Domingo viel zu schnell verlieben – nämlich innerhalb weniger Stunden – beschreibt sie auch ihre Begegnungen immer in den schönsten Farben und man versteht vollkommen, wieso die beiden wie geschaffen füreinander zu sein scheinen. Etwas unverständlich ist, dass beide für lange Zeit nicht konfrontiert werden, obwohl sie weder besonders vorsichtig sind und sich oft öffentlich und eindeutig einander zugewandt treffen, noch vor Freunden oder Verwandten leugnen, dass etwas zwischen ihren vorgeht.

Auch die anderen Charaktere sind vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Domingo hat eine dunkle Vergangenheit, in der er aus familiärer Verbundenheit gewalttätig geworden ist. Und Ezra, dem Seren als Lebenspartnerin zugeteilt wurde, ist nicht der miese selbstverliebte Egoist, der er zuerst zu sein scheint, und man fühlt sogar mit ihm, als er sich Hoffnung macht, dass seine arrangierte Ehe doch funktionieren kann und dann merken muss, dass sie nicht zu retten ist. Dennoch hält die Autorin eine Hintertür zu einer möglichen Dreiecksgeschichte offen, denn Ezra liebt Seren offensichtlich und sie selbst muss auch zugeben, dass er ihr nicht völlig egal ist.

Die Geschichte schreitet schnell voran und es geschieht in kurzer Zeit so viel, dass man sich nicht durch Längen kämpfen muss, man aber dennoch ruhige Momente mit den Protagonisten erlebt, die von ihrer Emotionalität leben. Das Ende könnte so offen gelassen werden, es besitzt keinen Cliffhanger.

 

Fazit

The Loneliness of Distant Beings ist ein packender Serienstart, der auch gut für sich alleine stehen könnte. Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und sympathisch und die Geschichte schreitet rasch und spannend voran, ohne emotionale Momente außer Acht zu lassen.

Mein #inspirationsfeuer: Nutzen wir unsere Stimme!

Mein #inspirationsfeuer: Nutzen wir unsere Stimme!

Die liebe Eva-Maria von Schreibtrieb fordert zu Pfingsten auf:

Wir fragen: Was ist euer AHA-Moment. Wo findet ihr inspirierende Bücher oder solche, in denen anregend Erlebnisse im Mittelpunkt stehen? Oder wie inspiriert ihr euch selbst? Verratet es uns und lasst uns das #Inspirationsfeuer zu einem Feuerwerk machen.

Ganz frei nach dem Motto „Mir fällt schon was ein“, sagte ich einfach mal zu. Als Pfingsten näherrückte, saß ich dann vor dem leeren Bildschirm und dachte mir eher: „Mir fällt ja wirklich gar nichts ein.“ Vielleicht liegt das daran, dass ich keine Autorin im ursprünglichen Sinn bin. Geschrieben habe ich seit Jahren nicht mehr ernsthaft. Das Einzige, was ich noch verfasse, sind Blogbeiträge, und das in letzter Zeit auch eher spärlich, weil mir das „echte“ Leben gerade fordernd im Nacken sitzt.

Dann habe ich darüber nachgedacht, wann mich die Lust packt, noch einen Beitrag zu schreiben. Da habe ich erkannt, dass es auch das „echte“ Leben ist, das – auch wenn es gerade fordernd ist und meine Zeit frisst – mir auch Grund gibt, mich noch zu äußern. Oder vielmehr der Wunsch, laut zu werden und den Finger auf Wunden zu legen, die ich vielleicht selbst auch sehr lange nicht gesehen habe, oder des lieben Friedens Willen habe ruhen lassen. Denn das echte Leben mit seinen Höhen und Tiefen, den Parolendreschern und den Gegendemonstranten, den Helden und den schrecklichen Nachrichten zeigt gleichzeitig, dass es Zeit wird, umzudenken, und dass es viele Menschen gibt, die dazu beitragen möchten.

Die Akzeptanz anderer Lebensweisen, Aufklärung, seine Stimme erheben gegen Ungerechtigkeit – wir sind als Einzelne sicher kleine Lichter, aber wenn wir das alle tun, können wir doch etwas bewegen. Und es tut sich eine Menge gerade in Blogosphäre, auch oder gefühlt vor allem in der Welt der Literaturblogger. Ich merke, dass es für manche sehr unbequem scheint, was gerade passiert. Ich merke aber auch, dass es für viele – genauso wie für mich – eine Inspiration ist, dazuzulernen und aufmerksam zu machen, sich für andere einzusetzen und damit gezielt unbequem zu sein. Die Forderung nach mehr Diversität, das kritische Auge auf feministische Themen, Blogger helfen Flüchtlingen, Blogger gegen Rechts: Ich bin gleichzeitig beeindruckt und begeistert davon, dass wir erkannt haben, dass wir unsere Stimme nutzen können!

Meine Inspiration sind alle Blogger, Autoren und sowieso jeder, der den Mund aufmacht und den Mut hat, unbequem zu sein. Bitte hört nie damit auf! 

|Unterwegs| Meet & Greet mit S. J. Kincaid

|Unterwegs| Meet & Greet mit S. J. Kincaid

Es ist ja kein Geheimnis, dass Autoren mich in der Regel in bewundernde Schockstarre verfallen lassen, wenn ich sie kennenlerne (was aber für ziemlich viele andere Menschen auch zutrifft. Die Freuden des introvertierten Lebens…).  Als ich das Meet & Greet mit S. J. Kincaid gewonnen hatte, deren Buch Diabolic ich damals – noch im Original – in einem Zug durchgelesen hatte, war ich also entsprechend nervös.

kincaidIm Nachhinein war das natürlich mal wieder völlig unnötig, denn S. J. Kincaid war so offen und zuckersüß, dass es ganz einfach war, mit ihr zu sprechen. Schon beim Signieren der Bücher, das für alle offen war, war sie total offen, hat sich mit jedem unterhalten und immer ein nettes Wort übrig gehabt. Danach durften wir hinter die Kulissen des Würzburger Hugendubels, wo wir als kleines Grüppchen von Arena-Mitarbeitern, Bloggern und Instagramern unsere Fragen an sie loswerden konnten.

Über das Leben als Autorin

Natürlich ging es einerseits um das Schreiben an sich und wie sie Autorin wurde. Schreiben war für S. J. Kincaid lange vorrangig nur ein Hobby. Eigentlich wollte sie Astronautin werden, was sie für realistischer hielt als hauptberufliche Autorin. Vor Insignia hatte sie schon 6 Manuskripte erfolglos eingereicht und hatte einen Abschluss in Geschichte und als Krankenpflegerin gemacht (letzteres eher ungerne, da sie ihren Unterricht lieber damit verbrachte, sich Gedanken über ihre Bücher zu machen). Nach ihrer ersten Veröffentlichung fiel sie erst einmal in ein kleines Loch, weil sie sich fragte, was nun noch Großartiges folgen konnte. Doch als sie die positiven Seiten des Schreibens wiederentdeckte – nämlich das zu tun, was man liebt, sich neuen Herausforderungen in seinen Büchern zu stellen und natürlich die vielen tollen Reisen – war auch dieser Tiefpunkt überwunden.

Mit Autorenkollegen redet sie gerne über die Veröffentlichung von Büchern und holt sich da Tipps, nicht aber über den Schreibprozess an sich. Negative Rezensionen stören sie weniger. Ihr Tipp: Lies 1-Sterne-Rezensionen zu einem Buch, das du liebst, und du wirst merken, dass Geschmäcker verschieden sind und nicht jeder dein Buch mögen wird. Schlimmer findet sie Rezensionen, in denen an ihr Buch nur lala findet. Insgesamt ist sie aber immer begeistert davon, dass überhaupt jemand liest, was sie schreibt. Nach der Veröffentlichung von Insignia musste sie sich dazu zwingen, eine Schreibroutine zu entwickeln. Normalerweise bleibt sie gerne bis in die frühen Morgenstunden wach, nun zwingt sie sich, um 2 ins Bett zu gehen, damit sie sich am Morgen mit ihrem Laptop in einen Coffeeshop verziehen und schreiben kann. Dabei hört sie gerne und eigentlich immer Musik. (Zu Diabolic ganz viel Lorde, vor allem „Royals“ und „Tennis Court“, „Emperor’s new clothes“ von Panic at the Disco!, bei Insignia waren es „The Day the World Ended“ und „Written in the Stars“). Hängt sie einmal fest, lässt sie ihr Projekt auch einmal kurz liegen oder schreibt erst die Teile, die ihr am meisten Spaß machen, dann ergibt sich der Teil dazwischen oft wie von selbst. Das funktioniert so gut, weil sie ihre Bücher und Figuren im Vornherein so weit durchdenkt, dass sich im Nachhinein nichts mehr verselbstständigen kann. Figuren mit Eigenleben hat sie deswegen nie.

Debutautoren rät sie, das erste Jahr ihres Debuts irgendwie festzuhalten, weil alles so schnell vergeht, dass man sonst alles vergisst, was man erlebt.

diabolic

Über Diabolic

Diabolic wurde inspiriert durch die BBC-Serie I, Claudius. S. J. Kincaid war fasziniert davon, wie Claudius so viel Macht erringen konnte, einfach dadurch, dass er von allen grundsätzlich unterschätzt und für einen Idioten gehalten wurde. Das inspirierte sie zu Tyrus, den sie in eine Science Fiction-Umgebung setzte. Insgesamt schrieb sie an Diabolic 6 Monate. Dabei dachte sie nicht, dass es ein großer Erfolg werden würde, da Nemesis als Charakter so angelegt ist, dass sie unsympathisch erscheint, und sie davon ausging, dass ein Protagonist dem Leser immer sympathisch sein muss, damit man das Buch mag. Sie wollte aber unbedingt etwas völlig anderes schreiben als Insignia, also wurde Nemesis das Gegenteil von ihrem dortigen Protagonisten. Gerade überarbeitet sie den zweiten Teil, der eigentlich gar nicht geplant war. Dann hatte sie jedoch eine so geniale Idee, dass aus dem Einzelband nun eine Trilogie wird.

Die Cover für Diablic mag sie gerne, wobei sie bei der Beschreibung der englischsprachigen Ausgabe erst einmal dachte, dass das wirklich seltsam aussehen würde.

Die Rechte für Diabolic wurden an Sony verkauft, die schon fleißig dabei sind, daran zu arbeiten (im Gegensatz zu den verkauften Rechten an Insignia, wo sich nichts tut). Die Fortschritte dort beobachtet sie gerne und ist beeindruckt davon, wie teuer Science Fiction in der Produktion ist. Sie selbst hat keine Schauspieler im Kopf, da sie wenige kennt, die jünger sind als sie selbst. Nemesis stellt sie sich in etwa vor wie Lucy Lawless, groß, sportlich und mit einer markanten Nase, die sich in jeder optischen Änderung wiederfinden sollen. Tyrus ist eher eine Mischung aus Octavian und Lucius aus der HBO-Serie Rom. Für ihn ist nur sein kontrolliertes Auftreten wichtig.